Wenn die Zweifel kommen

 
Zweifel kennt wohl jeder Autor. Oder eigentlich jeder Mensch, aber ich beschränke mich hier gerade mal auf Autoren.

 
Ich habe in letzter Zeit diverse meiner eigenen „Werke“ gelesen, alles Rohfassungen. Und nachdem ich im letzten Monat ein bisschen Kritik auf eine etwas bearbeitete Szene aus einem davon bekommen hatte, sind mir bestimmte Aspekte darin in allen Geschichten aufgefallen.
Das ist vermutlich erstmal nicht wirklich schlimm.
Was für mich das Problem ist und damit Zweifel, wie ich sie eigentlich nicht kenne, ausgelöst hat, ist, dass ich nicht weiß, wie ich das jemals anpassen soll.
Ja, ja, das kennt ja auch jeder Autor. Vielleicht.

 
Ich bin einzelne Szenen in Gedanken durchgegangen. Wie könnte ich hier auf etwas anderes umlenken (als Beispiel: ich neige dazu sehr viel über die Augen zu machen, sei es das Sehen selbst, aber auch das Zeigen von Reaktionen, alles läuft über die Augen und Blicke)? Was könnte ich alternativ da verwenden, vor allem, weil es eine andere Figur ist und nicht jede gleich reagieren sollte?
Und ich habe festgestellt, ich habe keine Ahnung. Für mich fühlt es sich in etwa so an, als versuchte ich damit etwas, das komplett außerhalb meiner Möglichkeiten liegt. Denn mir ist eines klar geworden: Was die bewusste Ebene betrifft, nehme ich genau das wahr und mehr nicht. Nach meiner momentanen Einschätzung komme ich aber nicht über das hinaus, was ich kenne, weil ich mir den Rest nicht mal vorstellen kann. Ich muss ja nicht alles davon selbst so erleben, aber ich sollte mir das zumindest vorstellen können. Und daran scheitere ich.

 
Und das, allein das, hat dazu geführt, dass ich mich frage, wie ich je Geschichten schreiben soll, die das erfüllen, was in eine Geschichte gehört (und nein, ich rede dabei nicht mal von Normen, aber alle Kritikpunkte, die mir in dem Zusammenhang aufgezeigt wurden, kann ich gut nachvollziehen, ich stimme ihnen zu).

 
Es ist nicht so, dass ich deswegen ununterbrochen grübele, weil ich weiß, dass das nicht weiterhilft. Aber es zu ignorieren, wird auch nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen.

 
Es heißt immer, man kann alles lernen. Aber ich sitze hier und habe keine Ahnung, wie ich das je lernen soll. Und dabei spielt es auch keine Rolle, ob ich ja erstmal eine Rohfassung schreibe, die überarbeitet wird. Es geht nicht darum, die perfekte erste Version zu schreiben, an so etwas glaube ich nicht. Ich sitze hier ja gerade vor Rohfassungen und denke nur, ja, gut, ich weiß trotzdem nicht, wie ich das so anpassen soll, damit es rund klingt. Dabei spreche ich auch noch nicht von Perfektion. Sondern einfach nur von gut.

 
Wie geht ihr mit solchen Zweifeln um?
Habt ihr Dinge erlernt, die ihr für unmöglich gehalten habt?
Wenn ja, wie habt ihr das geschafft?

 
Bis denne ☆

6 Gedanken zu „Wenn die Zweifel kommen

  • 2019.05.25 um 0:41
    Permalink

    Alles ist irgendwie Übungssache. Ich beispielsweise schreibe im ersten Entwurf eigentlich nie irgendwas zu den anderen Sinnen als dem Sehen. Beschreibungen sind immer nur auf das Optische reduziert und in der Überarbeitung sauge ich mir dann Geräusche oder Gerüche oder sogar Beschaffenheiten, die man ertasten kann, aus den Fingern. Das fällt mir nur selten leicht, aber es rundet das Bild dann eben doch ab.

    In deinem Beispiel würde ich vielleicht erstmal mit Übungen arbeiten oder mir etwas überlegen, um das Problem zu umgehen. Kennst du zufällig das Videospiel DISCWORLD NOIR? Da spielt man einen Werwolf und hat eine interessante Spielmechanik eingebaut, um Gerüche darstellen zu können (was logischerweise nicht aus dem Spiel heraus übertragbar ist). Jeder Geruch hat eine bestimmte Farbe und ist so für den Spieler mit dem Werwolfsinn erkennbar. Auf eine Geschichte lässt sich sowas vielleicht auch übertragen. Wenn es dir leichter fällt, optisch zu beschreiben, fällt dir vielleicht ein Kniff ein, wie deine Charaktere Gerüche oder Geräusche optisch wahrnehmen können.

    Ich persönlich erwecke gerne sozusagen alles zum Leben. Also Geräusche sind nicht einfach da, sondern sie sind aktiv und tun etwas wie beispielsweise durch die Luft zu schweben oder von Wänden widerzuhallen usw. Das hilft dir eventuell um Dinge zu veranschaulichen.

    Zweifeln tue ich nebenbei durchgehend. Ich weiß zwar, dass ich gut schreiben kann, aber zufrieden bin ich nie mit dem Ergebnis. Es gibt immer Dinge, die mich regelrecht in den Wahnsinn treiben, weil ich sie auch beim drölfzigsten Versuch nicht so hinkriege, wie ich sie mir im Kopf ausgemalt habe. Aber ich habe mich damit abgefunden, dass nichts perfekt ist und man muss eben das bestmögliche Ergebnis abliefern. Wenn man alles hinterfragt und alles absolut richtig machen will, wird man niemals fertig und dann wird niemals jemand die Geschichte lesen.

    Antwort
    • 2019.05.28 um 17:54
      Permalink

      Hallo Marcel und vielen Dank für deinen Kommentar. ^^

      Das mit den anderen Sinnen der Perspektivfigur habe ich auch irgendwann mal gehört und versuche seitdem darauf zu achten (nicht unbedingt im ersten Entwurf, aber dann in der Überarbeitung).
      Für mich geht es aber gar nicht darum, auf welchem Sinn die Perspektivfigur wahrnimmt, sondern welche Regungen, nonverbalen Äußerungen etc. sie an den anderen Figuren bemerkt.

      Für eine Übung habe ich die Tage einen Tipp bekommen, den ich bei Gelegenheit mal ausprobieren möchte (ich muss dafür noch ein bisschen Vorarbeit leisten, deswegen wird es noch ein bisschen dauern). Ich bin gespannt, ob das für mich funktioniert, aber es ist ein Ansatz und das ist gut.

      Was das Spiel betrifft, ich kenne es nicht, aber da ich eigentlich auch nicht spiele (und wenn sind es Sachen wie Sudoku), überrascht mich das wiederum nicht.

      Hinsichtlich der Zweifel und Perfektion stimme ich völlig mit dir überein. Mit jedem Tag entwickeln wir uns weiter und finden deswegen auch immer wieder etwas zum Verbessern, spätestens, wenn wir nach ein paar Monaten wieder auf die Geschichte schauen.

      Antwort
  • 2019.05.25 um 7:30
    Permalink

    Oh solche Zweifeln begleiten mich mein ganzes Leben lang und haben schon zu etlichen abgebrochenen Schreibprojekten und monatelangen Schreibpausen geführt.
    Tatsächlich versuche ich dann, mich auf das positive zu konzentrieren. Also wenn etwas Positives gesagt wurde, mir genau das immer wieder in Erinnerung zu rufen. Ansonsten hilft vielleicht auch erstmal sich anzugucken, wie es andere Autoren machen, wie sie dieses oder jenes beschreiben.

    Zu deinen letzten beiden Fragen fällt mir tatsächlich auch nichts ein.
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg weiterhin und drücke dir die Daumen, dass du bald eine Lösung findest.
    Nadine

    Antwort
    • 2019.05.28 um 17:56
      Permalink

      Danke, Nadine. ^^

      Ich zweifle sonst gar nicht so wirklich. Klar, bei negativer Kritik braucht es auch erstmal einen Moment, in dem ich durchatmen muss (egal wie vorsichtig formuliert, egal wie berechtigt), aber das legt sich meist recht schnell. Ich lasse das ja unter die Lupe nehmen, um mich verbessern zu können. Aber das hier ist eine ganz andere Hausnummer irgendwie. Aber gut, ich habe erstmal einen möglichen Ansatz und bis ich den nicht ausprobiert habe, sperre ich die Zweifel erstmal wieder weg.

      Antwort
  • 2019.05.28 um 8:19
    Permalink

    Liebe Mel,

    wir kennen uns ja nun schon ein wenig, daher möchte ich dir sehr persönlich antworten und hoffe, dir damit etwas Unterstützung geben zu können. Zuerst einmal möchte ich auf deine Fragen antworten. Ich habe diese Zweifel auch. Sie sind ein wenig anderer Natur als bei dir, aber schlummern in mir, denn Zweifel gehören zur kreativen Arbeit dazu. Ich habe mir angewöhnt an Tagen, an denen ich sehr unsicher bin, zu akzeptieren, dass ich nicht schreiben kann. Zum Beispiel heute. Stattdessen mache ich etwas anderes Produktives, ich zeichne, bereite Social Media Postings vor und wiederhole innerlich, dass es okay ist, nicht immer hundert prozentig bei der Sache zu sein.
    Habe ich Dinge gelernt, die ich für unmöglich gehalten habe? Ja, sogar sehr viele. In der Schulzeit war ich furchtbar schlecht in Rechtschreibung. Das liegt daran, dass Rechtschreibung nicht wie Manche behaupten etwas mit Intelligenz zu tun hat, sondern mit Konzentration. Meine Gedanken sind grundsätzlich sehr chaotisch, springen von A nach Z und ich verliere/verlor leicht den Fokus. Ich musste mich also darauf trainieren, Dinge zu sehen, die ich meist überlas. Wie habe ich das gemacht? Ich habe mein Geschriebenes andauernd hinterfragt und bin davon ausgegangen, dass ich keine Ahnung habe, was ich mache. Deshalb habe ich jedes einzelne Wort, bei dem ich unsicher war, nachgeschlagen und recherchiert. Welcher Fall passt zum Wort, habe ich da ein Dialektwort benutzt. Das war hartes Training und teils frustrierend. Inzwischen bin ich so sicher, dass sich meine Rohfassungen laut Testleser kaum wie solche anfühlen und es Korrektoren mit meinen Texten leicht haben. Ich habe allerdings nie darüber nachgedacht, dass ich Rechtschreibung nicht lernen könnte. So viel zu deinen Fragen.

    Nun zu deiner Erfahrung. Ich hatte lange Zeit überhaupt keine Ahnung von Grammatik, Spannungsaufbau, Genre etc. Es gab aber irgendwo den Hinweis, dass man von seinem Text unbedingt Textstellen streichen soll, also habe ich entschieden, meine Texte so stark zu reduzieren, dass nur das Wichtigste enthalten ist. Dazu gehören, lange Rede kurzer Sinn, auch Blicke. Es ist nicht allein dein Problem, dass wir Autorinnen es mit Blicken übertreiben. Ich mache das auch. Tatsächlich lässt sich aber z.B. in Dialogen meist der Blick einfach löschen und trotzdem funktioniert die Szene, da sich Menschen, die sich unterhalten, meist so oder so ansehen.
    Ich kenne natürlich nicht im Detail deinen Konflikt, aber ich glaube, dass du eine Lösung findest. Ich denke da an Naruto, der stets das Unmögliche lernen musste und es gepackt hat. Der Glaube an einen selbst hilft, Dinge einfach zu tun und du kannst das! 🙂

    Grüße Mika

    Antwort
    • 2019.05.28 um 20:24
      Permalink

      Hallo Mika, auch dir vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar. ^^

      Ich glaube, auf anderen Ebenen durchlaufe ich weit mehr Zweifel als beim Schreiben bislang (ich war allerdings auch noch nie nah an der Fertigstellung für irgendwelche Abgaben, vielleicht einfach deswegen, weil da kein wirklich Druck dahinter steht, mich beweisen zu müssen). Deswegen kann ich deine Unsicherheiten nur auf andere Bereiche verglichen sehen und nachvollziehen.

      Sehr interessant dagegen finde ich die Sache mit der Rechtschreibung. Das muss ja unglaublich viel Zeit gefressen haben, jedes unsichere Wort nachzuschlagen und dann nicht nur die korrekte Schreibweise aufzusaugen, sondern noch so viele weitere Infos. Wie lange hast du das gemacht (das waren ja vermutlich Monate bis Jahre) und wie sehr hat das die eigentliche Aufgabenzeit vergrößert (wenn du für den Aufsatz eine Stunde gebraucht hättest, wie lang ist es dann tatsächlich geworden)?

      Bei den Blicken geht es nicht nur um die Kommunikation darüber, wobei ich auch damit zu viel agiere. Aber es geht auch darum, dass nur an den Augen die Stimmung zu erkennen ist oder Angst oder was auch immer. Und zwar bei allen Figuren, was es alles so wenig differenziert macht. Ich bleibe aber dran und hoffe auf das beste. ^^

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.