Warum Triggerwarnungen wichtig sind

 
Triggerwarnungen sind Zensur.
Das ist die Aussage schlechthin, die von Gegnern erfolgt.

 
Dabei ist das überhaupt nicht der Fall.

 
Denn niemand verbietet Autoren, über etwas zu schreiben. Und Triggerwarnungen tun das auch nicht. Sie helfen aufgrund ihres Vorhandenseins lediglich Menschen, sich zu entscheiden, ob sie sich bestimmten Themen in Geschichten aussetzen möchten oder nicht. Gehen diese Inhalte sicher aus dem Klappentext hervor, ist die Angabe von Triggerwarnungen nicht zwingend nötig, kann aber unterstütztend eingesetzt werden.

 

Wozu brauchen manche Menschen denn überhaupt Triggerwarnungen?

Menschen sind unterschiedlich. Das ist die wichtigste gedankliche Grundvoraussetzung, wie ich finde. Denn nur weil di_er eine gut und sicher im Leben steht, entweder keine negativen Erfahrungen machen musste oder aber sehr gut mit ihnen umgehen kann, bedeutet das nicht, dass das auf di_en andere_n zutrifft. Und um rücksichtsvoll miteinander umzugehen, sollte hier immer gelten, dass diejenigen, denen es gut geht, auf die anderen Menschen aufpassen sollten. Was in diesem Fall nichts anderes bedeutet, als Betroffenen die Möglichkeit zu geben, im Vorfeld zu sortieren, ob sie sich dem/n behandelten Thema/en gewachsen fühlen oder nicht. Das tut niemandem weh, kann aber Betroffenen helfen, nicht getriggert zu werden.

 

Welche Trigger gibt es?

Unzählige.
Im Grunde kann alles ein Trigger sein.
„Aber dann kann ich doch gar keine Triggerwarnung drauf setzen.“

 
Doch, denn:

 

Vor welchen Triggern sollte gewarnt werden?

Auch hierfür gibt es keine pauschale Antwort.
Aber es gibt eine Liste auf Alpakawolken mit den gängigsten Triggern.
Natürlich gibt es endlose weitere, da spreche ich aus eigener Erfahrung. Aber ich verstehe eben auch, dass es schwierig wird, je weniger Menschen von denselben Triggern betroffen sind, je alltäglicher die Trigger sind (und jetzt kommt mir bitte keiner mit „Tod“ ist alltäglich, ja, natürlich sterben täglich Menschen, aber das ist kein Grund dafür).
Weitere Themen können immer auch gelistet werden, diese Liste dient nur zur Orientierung über die bekanntesten und häufigsten Trigger.
Und es ist natürlich auch ein bisschen vom Genre abhängig, welche Triggerwarnungen sinnvoll sind. In Krimis ist das Thema Tod sicher nicht so überraschend wie in einem Liebesroman.

 

Wo sollten Triggerwarnungen in Bücher positioniert sein?

Manche Autor_innen setzen sie vorn ins Buch, damit sie nicht übersehen werden können.
Andere platzieren vorn nur einen Hinweis, wo im Buch (für gewöhnlich hinten) die Triggerwarnungen stehen. Damit können diejenigen, die keinerlei Triggerwarnungen brauchen und lesen wollen völlig unbedarft in die Geschichte einsteigen, diejenigen, die sich absichern wollen, finden die Triggerwarnungen dann an der entsprechenden Stelle.

 

Aber wird die Geschichte damit dann nicht gespoilert?

Nein, denn Triggerwarnungen sind allgemein. Wenn ihr euch die verlinkte Liste anschaut, seht ihr, dass dort lediglich Themen stehen, keine expliziten Darstellungen. Wie das jeweilige Thema umgesetzt ist, wird also überhaupt nicht verraten. Wenn der Plottwist daraus besteht, dass die schockierende Wirkung nur aufgrund der Unvorhersehbarkeit eines solchen Themas besteht, dann sollte der schreibende Mensch vielleicht noch an seinen handwerklichen Fähigkeiten feilen, damit die Geschichte auch noch spannend ist, obwohl das Thema erwähnt wird.

 
Ich denke übrigens, dass das nicht nur für Bücher gilt, sondern für den allgemeinen Umgang miteinander. Wenn ihr etwas in den sozialen Medien postet, verseht doch bitte eure Posts mit Triggerwarnungen bzw. gewöhnt es euch an. Ich weiß, dass das manchmal noch etwas überflüssig erscheinen kann, so geht es mir zumindest auf Twitter, dennoch finde ich die Entwicklung wichtig.

 

Warum ich das auf Twitter teilweise überflüssig finde?

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch so ist.
Aber wenn gepostete Bilder mit Triggerwarnungen (bzw. Content Notes) versehen sind, bringen sie mir gar nichts. Bevor mein Hirn den Inhalt des Textes erfasst hat, hat es das Bild schon gesehen. Hierfür fehlt bei Twitter meiner Ansicht nach eine Spoilerfunktion, die man für jeden einzelnen Beitrag aktivieren kann, um eben die Bilder in den Spoiler zu packen.
Vielleicht ist das bei anderen Menschen anders, für mich gilt aber genau das.
Dennoch ist das eine Sache, die in Zukunft angepasst werden könnte (ich erinnere mich an Zeiten vor ungefähr fünf Jahren, als Twitter alle Bilder erstmal versteckt hatte und man sie anklicken musste, die generelle technische Möglichkeit für das Verstecken ist also gegeben, die selektive Option müsste aber natürlich angeboten werden). Und ja, ich weiß, jeder kann einstellen, dass sensible Inhalte nicht angezeigt werden. Aber ums mal sehr klar zu sagen, diese Funktion ist absolut lächerlich. Da werden simple Portraitbilder von Menschen versteckt, auf denen absolut nichts sensibles gezeigt wird. Und es fehlt immer noch die Option der Person, die postet, zu entscheiden, das Bild sicher zu verstecken, sondern jede betroffene Person muss hoffen, dass der maschinelle Filter von Twitter jegliche mit für diese Person behafteten Triggern auch wirklich aussortiert und damit versteckt. Und nein, soweit sind die Algorithmen einfach nicht, sie sind nun mal keine Menschen.
Dass Twitter technisch da noch hinterherhinkt, macht aber den grundsätzlichen Sinn von Triggerwarnungen auf Twitter nicht überflüssig. Nur die momentane Umsetzung ist schwierig.

 
Also ja, es braucht unbedingt Triggerwarnungen. Aber sie zensieren nicht, denn sie verbieten keinen Inhalt. Sie helfen nur für den sensiblen Umgang. Um Menschen zu schützen. Und das sollte es jedem Menschen wert sein, ob es nun um die eigenen Geschichten geht, bei der die Leserschaft nicht getriggert wird oder um Freunde und Follower.

 
Nutzt ihr Triggerwarnungen schon?
Seid ihr selbst von Triggern betroffen?
Wenn ihr schon Bücher veröffentlicht habt, wo positioniert ihr die Triggerwarnungen?

 
Bis denne ☆

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

function wpb_remove_commentsip( $comment_author_ip ) { return ''; } add_filter( 'pre_comment_user_ip', 'wpb_remove_commentsip' );