Warum ich den NaNo nicht für Routineaufbau als geeignet halte

 
Jedes Jahr im November kletten sich unzählige Autoren an ihre PCs, Laptops oder andere Geräte, um einen Roman in einem Monat zu schreiben, denn es ist NaNoWriMo, der National Novel Writing Month.
Der Rest der Welt hält diese Gruppe für durchgedreht.
Obwohl sie das gar nicht ist. Sie geht nur mit Leidenschaft etwas nach, das für sie wichtig ist.

 
Doch warum setzt sie sich dabei so unter Druck?
Nun, einerseits ist das gar nicht für jeden so ein großer Druck, solange er sich auf die veranschlagten 50.000 Wörter beschränkt. Für andere wiederum ist das eine Zahl, die schier unmöglich erscheint und durchaus Druck erzeugen kann. Hier beginnt bereits die Vielfalt.

 
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass mir klar ist, dass nicht alle Autoren gleich sind. Es gibt Anfänger und alte Hasen. Es gibt Schnell- und Langsamschreiber. Es gibt Plotter und Draufloschreiber. Und so viele mehr.
Trotzdem ist mir eines über die Jahre aufgefallen.

 
Ich habe 2013 das einzige Mal so wirklich an einem NaNo teilgenommen. Und für mich waren die 50.000 Wörter nicht das Ziel, sondern das Beenden der Rohfassung. Das habe ich in der Nacht vom 28. auf den 29.11. erreicht und in diesem Monat 124.833 Wörter geschrieben.
Für mich war das auch kein Druck. Ich zähle zu den Schnellschreibern, ich hatte durchaus einiges an Zeit zur Verfügung, denn ohne Kind und Kegel entfallen Verpflichtungen, die andere Autoren zeitlich stark einschränken.
Trotzdem hatte ich nach diesem Marathon einige Tage keine Lust auch nur ein Dokument meiner Geschichte zu öffnen.

 
Und ich glaube, darin liegt der Knackpunkt des Trugschlusses, den ich mit diesem Beitrag thematisieren möchte.

 
Immer wieder bin ich schon damals der Aussage begegnet, der NaNo soll helfen, sich eine Schreibroutine aufzubauen.
Doch für die meisten Autoren trifft dies meiner Beobachtung nach nicht zu. Es gibt Ausnahmen, ja, aber sie sind die Seltenheit. Vor allem unter den Anfängern.

 
Für viele ist allein das Ziel von 50.000 Wörtern eine große Hürde.
Da ist der Job, die Uni oder die Schule, die schon mal ein gutes Stück Zeit am Tag fressen. Möglicherweise sind da Kinder, die versorgt und bespaßt werden wollen, denen bei den Hausaufgaben geholfen werden muss, der Haushalt macht sich auch nicht von allein und und und. Da können 1.667 Wörter am Tag schnell viel zu viel sein.
Die Autoren meistern sie trotzdem. Sie planen ihre Tage durch, nutzen jede freie Minute und können am 01.12. stolz auf 50.000 Wörter zurückblicken.

 
Aber danach sind sie ausgelaugt. Denn der Monat hat keinen Platz für Erholung gelassen.
Ein paar Tage Pause, dann geht es ja weiter.
Doch genau an diesem Punkt ist die Routine hinfällig.

 
Was für Möglichkeiten bleiben also?

 
Entweder die Autoren halten weiter durch, mit einem geringeren Wortziel pro Tag. Vielleicht sind es 500 Wörter, vielleicht sogar noch weniger. Das hängt ganz stark vom eigenen Schreibtempo ab. Immerhin steht im Dezember Weihnachten vor der Tür.

 
Eine andere Variante sehe ich darin, sich tatsächlich erstmal die Akkus wieder aufzufüllen und dann im neuen Jahr (um erstmal Weihnachten und alle Besorgungen in Ruhe hinter sich zu bringen) einen kleinen NaNo für sich zu starten. Vielleicht organisiert ihr euch dafür eine Gruppe von Leuten online, um nicht allein dazustehen (denn das ist ein unschlagbarer Nebeneffekt des NaNos, die Motivation aus der Gruppe heraus).
Wichtig ist wirklich jeden Tag zu schreiben. Ohne Pause. Die ersten zwei bis drei Monate solltet ihr tatsächlich gar nicht unterbrechen. Und nach dem Marathon des NaNos ist das für die meisten nicht möglich. Kleinere Schritte, die Stück für Stück zu einem großen Ganzen führen, sind weit motivierender und dadurch langfristig zielführender.

 
Der NaNo ist toll, er kann unglaublich inspirierend sein und hat eine ganz eigene Magie. Es lernt sich mit ihm durchaus gut, den inneren Kritiker abzuschalten.
Aber für den Aufbau einer Routine gibt es meiner Ansicht nach weit bessere Möglichkeiten als diesen Monat.

 
Habt ihr es geschafft, durch den NaNo eine Routine aufzubauen?
Habt ihr überhaupt schon mal am NaNo teilgenommen?
Oder findet ihr den Monat überbewertet?

 
Bis denne ☆

4 Gedanken zu „Warum ich den NaNo nicht für Routineaufbau als geeignet halte

  • 2018.12.21 um 13:09
    Permalink

    Eine Routine habe ich die letzten zwei Jahre sogar nur für den NaNo aufgebaut – um danach eben wirklich, wie du ja auch schriebst, das Dokument erst einmal nicht mehr anzurühren. Eine tägliche Schreibroutine ist auch sonst gar nicht in meinem Interesse, dazu habe ich zuviel andere Hobbies, die mir ebenfalls am Herzen liegen.

    Das Zusammentun für ein NaNo-ähnliches Event gab es z.B. in Form des WriYoBo vom Schreibnachtforum. Mindestens 10k im Monat galt es zu schaffen, es gab, wie in Harry Potter, vier Häuser, die traten wiederum in Turnieren gegeneinander an. Es gab eine Excel-Liste, wo man seine Worte eintrug. Obwohl wesentlich entspannter mit den monatlichen 10k, kam ich aber trotzdem von der täglichen Routine ab. Ich akzeptiere, dass sie derzeit nicht in mein Leben passt. Sehe aber auch, wie NaNo & Co. helfen können, voran zu kommen.

    Antwort
    • 2018.12.31 um 16:12
      Permalink

      Stimmt, der WriYoBo war entspannter in der Zielsetzung, aber auch nicht ganz klein. Mir war er zu groß, deswegen habe ich damals nicht teilgenommen.
      Ich mache mich oder andere aber auch nicht gern voneinander abhängig und gerade das war ja im WriYoBo durch die Häuser auch der Fall, wenn ich mich richtig erinnere.

      Persönlich finde ich eine Routine sehr hilfreich, der Aufbau ist nur recht schwierig, weil der Prozess eben einige Monate dauert. Ich werde dazu irgendwann wohl auch noch mal einen Beitrag posten, aber ich weiß noch überhaupt nicht, wann.

      Antwort
  • 2018.12.22 um 0:49
    Permalink

    Hallo Mel,

    ich gebe dir ganz recht, um sich eine Routine aufzubauen, ist der NaNoWriMo nicht unbedingt geeignet. Bei mir läuft es meistens so: Irgendwann zwischen dem 15. und 25. November erreiche ich die 50k und ab da lässt es nach. Ich schreibe entweder gar nicht mehr oder nur an ein paar Tagen. Ich bin dann nämlich so am Limit mit der Schreiberei, dass ich eine Verschnaufpause brauche. So habe ich auch erst Mitte Dezember wieder das Schreiben angefangen.

    Momentan versuche ich jeden Tag 500 Wörter zu schreiben, doch vermutlich wird zwischen Weihnachten und Neujahr das Schreiben wieder pausieren. Vermutlich ist es doch sinnvoller, erst im Januar wieder mit dem Aufbau einer Routine anzufangen. Ich finde auch, dass man nicht unbedingt jeden Tag schreiben muss, um sich eine Routine aufzubauen. An manchen Tagen geht es einfach nicht. Sei es, weil man sich nicht dazu aufraffen kann oder man keine Zeit hat. Gründe gibt es viele.

    Ich wünsche dir ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019.

    Liebste Grüße
    Myna

    Antwort
    • 2018.12.31 um 16:15
      Permalink

      Stimmt, wenn du über die Feiertage die Pause machen wolltest, dann wird es besser, du startest erst ab dem neuen Jahr.
      Ob du es schaffst, die Routine auch mit Pausentagen aufzubauen, musst du sehen, bei mir funktioniert das nicht (weswegen ich seit einer ganzen Weile keine habe, momentan habe ich einfach andere Baustellen, ohne die eine Routine bei mir auch nicht möglich ist, deswegen haben sie Priorität).
      Aber im Endeffekt muss eh jeder von uns sehen, welche Arbeitsweise für ihn am besten funktioniert. Das kann in Effektivität resultieren, muss es aber nicht, das hängt wiederum von der eigenen Zielsetzung ab.

      Dankeschön, das wünsche ich dir auch.

      Antwort

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