Anxiety, OCD, Eating Disorder u. v. m.

 
TW: Anxiety/Angststörung, Dysthymie/Depression, Übelkeit/Erbrechen, Essstörung/Eating Disorder, Erwähnung von Tod, OCD/Zwangsstörung

 
Ich habe vor nur wenigen Wochen zum ersten Mal über meine gesundheitliche Verfassung gesprochen.
Auch wenn es für manche nicht so sein mag, hat mich das gar nicht so viel Überwindung gekostet. Der einzige Schritt, den ich im Vorfeld hatte schaffen müssen – und der hat sich wirklich lange gezogen, weit über die Existenz meines Blogs hinaus -, war gewesen zu akzeptieren, dass meine Aussagen für immer im Internet stehen würden. Für lange Zeit war mein Ziel eine Publikumsverlagsveröffentlichung gewesen. Und da war immer die Vorsicht, ob es sinnvoll wäre, so offen darzulegen, nicht zuverlässig belastbar zu sein. Würde mir das bei der Agentur- und Verlagssuche Steine in den Weg legen? Würden Verträge daran, aber nicht an meinen Geschichten scheitern?
Mittlerweile ist es mir einfach egal. Ich habe noch so viel zu arbeiten, überhaupt gut genug zu sein und ich weiß nicht, ob ich es je sein werde (nur ganz nüchtern betrachtet). Wenn ja, wird sich zeigen, wie die Welt, mein Zustand und das Verlagswesen überhaupt aussieht. An diesen Punkt hatte ich kommen müssen. Denn ansonsten gehe ich seit langem sehr offen mit dem Thema um.

 
Naja, so irgendwie zumindest.
Wer mich kennenlernt, muss nicht erst unzählige Hürden überwinden, um diesen Einblick in mich zu gewinnen. Was aber nicht bedeutet, dass ich damit viel über die eigentlichen Probleme preisgebe. Einen Teil kennt außerhalb von Ärzten und Psychotherapeuten genau eine Person – weil sie es erkannt und mich darauf angesprochen hat. Andere vermuten es vielleicht, das weiß ich natürlich nicht.
Doch selbst unabhängig davon sind die Einzelheiten in ihrer Vielfalt eigentlich niemandem bekannt. Wirklich niemandem. Denn in diese Tiefe bin ich weder mit Ärzten, aber auch nicht mit meiner letzten Therapeutin vorgedrungen (wobei zumindest bei letzterer die Frage offen bleibt, warum eigentlich nicht, bei den Ärzten und anderem psychotherapeutischen Personal verstehe ich es, weil da einfach die Zeit fehlt, denn neben besagter Therapeutin gab es weiteres Fachpersonal aus diesem Bereich nur in der Reha, die ich für die Rente durchlaufen bin und ja, bei diesem ach so „wundervoll“ pauschalen System, das in diesem Staat herrscht, ist eben nur Zeit für eine einzige Stunde Einzelgespräch pro Woche).

 
 

Anxiety

Ich habe ganz eindeutig eine generalisierte Angststörung diagnostiziert bekommen. Unter anderem durch die betreuenden Ärzt_innen und Therapeut_innen in der Reha. Das sah im Grunde so aus, dass ich aufgrund der ambulanten Form fünf Tage die Woche dorthin gefahren bin (wie zu einer Arbeitsstelle) und den Tag mit diversen Gruppentherapien, dem einen Einzelgespräch pro Woche und diversen medizinischen Untersuchungen verbracht habe. Das Personal ist täglich wenigstens einmal zusammengekommen und hat die Situation der Patient_innen besprochen, immer erst am Abend wurde der Therapieplan für den nächsten Tag erstellt, entsprechend der Fortschritte, Probleme einer_s jeden etc. Aber wirklich individuell wurde trotzdem nicht auf die Patient_innen im Einzelnen eingegangen. Das ließen die Regelungen einfach nicht zu, der die Rehaeinrichtung unterliegt.

 
Was bedeutet Angststörung denn nun eigentlich?
Ich muss sagen, dass ich mich damit nicht sonderlich befasst habe, wie das definiert wird. Aber wenn ich mal nur von mir selbst ausgehe, sind da Ängste, die so heftig sind, dass sie krankhaft sind.
Ich werde sie hier nicht im Einzelnen benennen, denn einerseits hat mir niemand jemals einzelne Ängste namentlich bestätigt, andererseits möchte ich das gar nicht so genau eingrenzen.

 

 
Übelkeit, Erbrechen, Krankheiten
Die wohl größte Angst bezieht sich darauf, krank zu sein/werden. Das erstreckt sich von ganz normalen Alltagskrankheiten bis hin zu schwerwiegenden, lebensbedrohlichen.
Am schlimmsten sind dabei vor allem Magen-Darm-Geschichten. Ich habe so krankhaft Angst davor, dass ich unzählige Mechanismen entwickelt habe, in dieser Gesellschaft zu überleben, im Miteinander mit anderen Menschen zu überleben, aber ich meide alles immer mehr. Daneben sind diese kleinen Flaschen Desinfektionsgel für die Hände das Wichtigste überhaupt. Ich gehe nicht aus der Wohnung, ohne wenigstens eine Flasche dabei zu haben, dort an mir, wo ich jederzeit unkompliziert rankomme (falls sich mal wer fragt, warum ich im Sommer immer mit Gürteltasche unterwegs bin, deswegen, hinten im Rucksack ist das zu weit weg) und immer in der Menge, die ich erwartungsgemäß brauchen werde (abhängig davon, was ich vorhabe).
Ich weiß nicht sicher, wann diese Angst begonnen hat, aber sie ist definitiv seit ungefähr fünfzehn Jahren immer da. Anfangs noch gering und erst präsent, wenn mir tatsächlich übel geworden ist, mittlerweile reicht die Erwähnung anderer Menschen von Krankheit, Übelkeit, Unwohlsein etc. Ich muss sofort gegen aufsteigende Angst oder gar Panik angehen. Wenn ich also nicht gute Besserung wünsche, liegt es daran, dass einer meiner Mechanismen darin besteht, ganz schnell weiter zu scrollen, den Thread zu verlassen oder was auch immer, damit das Gelesene gar nicht erst zu fest in meinem Kopf sitzen kann. Und mir zu wünschen, es stünde dort gar nicht, damit ich es nicht lesen muss. Und zu akzeptieren, dass andere Menschen erwähnen, wenn sie krank sind (ich muss gestehen, ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, warum viele Menschen das tun, ich beobachte es aber, ich vermeide jede Erwähnung, wo ich es nur kann, je weniger ich es formuliere, desto weniger existiert es oder so, etwas in dieser Art dürfte das in meinem Kopf sein).

 
Warum seit fünfzehn Jahren?
In den Jahren 2003/2004 begann es, dass mir regelmäßig plötzlich einfach übel wurde, ich nicht essen konnte. Meist verschwand es nach ein paar Stunden oder aber ich hatte mir wirklich etwas eingefangen. Was von beiden es ist, lässt sich absolut nicht differenzieren, beides fühlt sich komplett gleich an (und genau das macht es auch so schwer, diese Angst zu überwinden, weil es eben normal ist, dass wir uns ab und zu was einfangen und für mich selbst nach Jahren sofort das Gefühl von „nicht schon wieder“ da ist, ich in Panik verfalle). Irgendwann war das alle zwei bis vier Wochen so. Regelmäßig. Ich kann nur vermuten, dass diese Häufung zur Angst geführt hat. Es ist wahrscheinlich, dass das eine psychosomatische Reaktion ist, Anspannung, Vorfreude, negative Nervosität/Angst vor einem Ereignis, all das kann sowas bei mir auslösen. Ich habe damals erst gedacht, dass ich Unverträglichkeiten/Allergien ausgebildet habe und habe mich an ganz wenigen Lebensmitteln festgekrallt, die ich zu vertragen schien. In dem Rahmen bin ich in meiner ersten Therapie gelandet, in der ganz klassisch nach verhaltenstherapeutischem Ansatz wieder Lebensmittel auf meinen Speiseplan gewandert sind. Hinzu kamen vermutlich noch einige andere Stärkungen, derer ich mir aber nicht bewusst war, aber ich kann mich erinnern, dass mich mein damaliger Freund irgendwann als egoistisch bezeichnet hat, weil ich mich im Rahmen der Therapie verändert hatte. Und damals habe ich lange Zeit mit niemandem darüber gesprochen, dass ich eine Therapie mache, weil ich für mich selbst sortieren musste, was da eigentlich alles passiert. Daraus habe ich allerdings auch gelernt, dass es besser ist, sehr offen mit diesen Themen umzugehen, weil es für das Umfeld oft einfacher ist, Rücksicht zu nehmen. Es ist leider normal (und ich nehme mich da nicht aus, auch wenn ich versuche, nicht dieselben Verhaltensmuster an den Tag zu legen), dass wir anderen Menschen gegenüber mit unserer eigenen Lebenssicht begegnen. Aber dadurch ist es mir oft passiert, dass Menschen mich wie andere gesunde Menschen behandelt haben und dieselben Maßstäbe angesetzt haben. Seit sie wissen, dass ich krank bin, dadurch nicht so belastbar bin, sind die meisten tatsächlich rücksichtsvoller. Das heißt nicht, dass es keine komischen Blicke gibt und mir geht die daraus notwendige Rechtfertigerei gehörig auf den Keks, aber verglichen mit der Zeit, in der ich geschwiegen habe, ist es angenehmer, finde ich, dazu folgt unter einem anderen Punkt auch noch ein Beispiel. Langfristig wünsche ich mir für jede_n, dass überhaupt keine Maßstäbe angesetzt werden, es keine Erwartungen gibt, unabhängig davon, ob sich jemand erklärt hat oder nicht. Nur sehe ich auch – egal, ob das richtig ist oder nicht -, dass unsere Gesellschaft derzeit einfach nicht so aussieht. Und der alltägliche Kampf ist anstrengend genug, als dass ich ihn mir noch selbst erschweren muss, indem ich alles verschweige.

 
Ich weiß ebenfalls, dass ich bereits in meiner Kindheit ab und zu mit Übelkeit aus vorfreudiger Aufregung oder ähnlichem zu tun hatte. Da ist einerseits die verschwommene Erinnerung an einen Marktbesuch (sowas ähnliches wie Kirmes) mit Eltern und Geschwistern und da fing das an, aber ich kann es in keinen genaueren Kontext mehr bringen, ich weiß auch nicht, wie alt ich war.
Auch bei der anderen Situation weiß ich das Alter nicht mehr. Ich bin mit meiner Tante eine Bekannte besuchen gefahren, die für mich wie eine Oma war (die ersten fünf Jahre haben wir in einer Wohnung gelebt, die eine Eingangstür, einen winzigen Flur mit drei weiteren Türen hatte, von denen eine in unsere Küche, eine in unser Wohnzimmer und die dritte in eine weitere Wohnung geführt hat, dort hat sie gewohnt und war damit die ersten fünf Jahre immer um mich herum). Wir saßen in der Tram auf dem Weg dorthin und mit einem Mal wurde mir so übel, dass wir an der nächsten Haltestelle ausgestiegen sind. Es hat gereicht, ein bisschen zu warten und dann konnten wir weiterfahren. Erst im Nachhinein stufe ich das genauso ein, wie die Zeiten, wenn ich vor anderen freudigen Ereignissen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, sie aber zuordnen und zeitweise auch ganz gut kontrollieren konnte.
Ob es weitere Vorfälle in meiner Kindheit gab, weiß ich nicht.

 
Mit 18 ging es auf jeden Fall weiter, daran kann ich mich bereits wieder bewusst erinnern. Es stand eine Fahrt nach Hessen zur Verwandtschaft meines damaligen Freundes an und von Berlin aus ist die Fahrt weit. Ich war sehr nahe dran, alles zu canceln. Denn wenn ich tatsächlich krank bin, dann will ich niemanden um mich haben. Ablenkung, ja, gern und sehr viel. Telefonate, chatten, was auch immer. Aber Menschen in derselben Wohnung wie ich? Bloß nicht! Und dann zu viert in einem Auto sitzen? Über viele Stunden? Für ein paar Tage in einem Haus, insgesamt wenigstens acht Menschen, zeitweise mehr? Die Vorstellung war schrecklich. Aber irgendwie habe ich es damals geschafft, aus dem Gefühl rauszukommen. Wie, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass solche Vorfälle eigentlich über mein ganzes Leben verteilt sind, nur eben früher sehr sehr sporadisch.

 
Nach der ersten Therapie hatte sich das gelegt, ich vermute, dass ich insgesamt einfach gestärkter und dadurch weniger anfällig war. Das hielt in etwa vier Jahre, bis zum Tod meines Ex-Freundes. Das halbe Jahr meiner befristeten Arbeitsstelle hat das alles noch irgendwie getragen, doch danach fing es wieder an. Und zwar so heftig, dass ich eine Weile jeden zweiten Tag wenigstens eine Mahlzeit nicht essen konnte. Und das Wort „konnte“ ist exakt das richtige. Ich hatte Hunger. Ich saß vor meinem Essen. Aber mein Körper hat dicht gemacht, genauso wie er es tut, wenn ich tatsächlich krank bin und er sich weigert, etwas anzunehmen. Ich habe damals über einige Monate aufgrund dessen um die 15 kg abgenommen, weil es im Grunde eine unfreiwillige FdH-Diät war.
Aber genau aus dieser Zeit ist die Essstörung resultiert, die mir das erste Mal mit der Reha bescheinigt wurde. Darauf gehe ich später ein.

 
Ich weiß, dass man sich Ängsten stellen soll. Das Problem bei mir ist, dass ich zwar dieses Mal tatsächlich verschont bleiben kann, was üblicherweise in der Verhaltenstherapie dazu führt, dass eine Angst überwunden wird (manchmal braucht es mehr als einen Anlauf, aber ein paar weitere und für gewöhnlich tritt dann der Erkenntnisprozess ein, dass einem nichts geschehen kann, das erzählen einem die Therapeuten auch ganz munter). Da wir aber nun mal alle ab und zu mal krank werden, kann ich hundert Mal gut rauskommen, wenn das hunderterste Mal dann aber doch in Krankheit resultiert, ist die Angst mit voller Kraft zurück.
So war es in der Vergangenheit.
Mittlerweile komme ich gar nicht erst zu einem Erfolgserlebnis. Oder es sieht so aus, dass ich einige Tage bange, ob ich alles heil überstanden habe, diese Tage in ununterbrochener Anspannung verbringe und mich noch mehr zurückziehe als ohnehin schon.

 
Als aktuelles Beispiel mal in seiner kompletten Hässlichkeit, meine Konzertreise im Juni, die ich im Band-Beitrag in dieser Hinsicht gar nicht erwähnt habe. Das wird lang, aber ist weniger abstrakt. Davor noch der Abschnitt zur Essstörung, weil auch deren Auswirkungen in die Reise mit reingespielt haben.

 
Essstörung
Sie ist eigentlich vollständig mit meinen Ängsten verknüpft.
Im Rahmen dessen, nicht essen zu können, weil da immer dieses Gefühl von Übelkeit und die Weigerung meines Körpers war, Nahrung aufzunehmen, hatte ich jedes Mal Angst, ich hätte mir einen Infekt eingefangen. Also habe ich vorsorglich leichte Kost gegessen, Weißbrot, nichts Fettes usw. Das Problem war aber, dass es mir ja ständig so ging und über die Monate hat sich mein Körper an diese Nahrung angepasst. Mittlerweile ernähre ich mich seit acht Jahren so. Ich kann nicht wie andere Menschen „normal“ essen, denn mein Körper ist damit sehr schnell überfordert. Was beispielsweise in Situationen wie Weihnachten oder Feiern, die über den ganzen Tag gehen, darin resultiert, dass ich vielleicht ein bis zwei Mahlzeiten das mitesse, was es gibt (Kuchen, eine warme Mahlzeit mit Gemüse und Fleisch), aber selbst da vorsichtig bleibe und für die restliche Zeit auf anderes ausweiche, nicht selten etwas, das ich selbst mitgebracht habe. Ich muss ohnehin sehr regelmäßig essen (mein Blutzuckerspiegel steigt nicht so hoch an, wie er sollte und fällt daher schneller wieder ab, was nach sich zieht, dass ich in kleineren Abständen essen muss und über die Jahre auch keine großen Portionen essen kann), weswegen ich so ziemlich immer etwas zu essen einstecken habe. Ich esse quasi überall, ob ich nun in der Bahn stehe oder in Ruhe irgendwo sitzen kann, für mich spielt das keine Rolle. Wenn möglich, versuche ich vorher durchzukalkulieren, was wohl auch die ersten Schritte zu weniger Spontaneität nach sich gezogen hat, denn eigentlich muss ich am Tag vorher wissen, wie der nächste aussieht, um selbst bei einem Treffen am Nachmittag oder Abend den Tag schon mal mit meinen Mahlzeiten durchzutakten. Im Alltag habe ich einen sehr gleichmäßigen Rhythmus und brauche darüber nicht nachzudenken, weswegen aber Abweichungen umso mehr ins Gewicht fallen.
Ebenso mag ich viele Dinge nicht mehr essen. Alles, das fett ist, schmeckt mir nicht. Da ist immer dieser Fettfilm in meinem Mund, wenn ich nur eine Sahnesauce esse, wie sie ganz normal in Restaurants auf den Speisekarten steht.
Hinzu kommen einige Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Käse, Reis, Zimt, Olivenöl, Curry, Paprika) und eine chronische Gastritis (die es eigentlich auch erforderlich macht, Rücksicht zu nehmen, nicht zu fett, nicht zu süß, viel Obst ist auch deswegen bei mir nicht gut etc.), die ohnehin vorher schon einschränkend waren. Es lässt sich damit leben, ich stelle mir eine Laktoseintoleranz oder Zöliakie viel schlimmer vor, nur die Kombination mit der Angst macht es schwieriger.

 
Zu meiner Konzertreise.
Geplant waren zwei Konzerte in Köln und in München. Abreise hier am 15.06., das erste Konzert am darauffolgenden Tag, am 17. die Weiterreise nach München, am 18. das nächste Konzert und am Tag danach zurück nach Berlin. Ich hatte die Bahnfahrten und Hostels Monate vorher gebucht. Ich war allein unterwegs, das war mir wichtig gewesen. Anfangs gar nicht so sehr, weil ich den Abstand zu Menschen suche (wer sich mal damit befasst hat, wie sich Magen-Darm-Imfektionen verbreiten, weiß wieso), sondern um keine Kompromisse eingehen zu müssen, die im Miteinander normal sind, da ist auf der letzten Tour dieser Band einiges sehr ungünstig zusammengekommen und ich hatte damals beschlossen, dass es beim nächsten Mal nur um mich gehen würde.
Das zog allerdings ein weiteres Angstproblem meinerseits nach sich, zumindest vermute ich, dass bei mir auch eine soziale Angst mit reinspielt. Das hat mir nie jemand bestätigt, aber ich weiß, wie sehr ich mich schon als Kind hinter meinen Eltern versteckt habe, statt auf andere Menschen zuzugehen, ich bin introvertiert und Fremden gegenüber auch erstmal schüchtern, aber ich frage im Supermarkt nicht nach einem Artikel, den ich nicht finde, wenn ich ihn nicht zwingend brauche oder unbedingt haben will. Und das geht aus meiner Sicht über die Kombination aus schüchtern und introvertiert hinaus (während ich bei Menschen, die ich kenne und bei denen ich mich wohlfühle ohne Punkt und Komma reden kann). Ebenso verfalle ich in sprachliche Probleme, gerate immer wieder ins Stolpern, muss teilweise die Wörter suchen, als hätte ich einen Blackout oder würde nicht in meiner Muttersprache kommunizieren, werde immer leiser usw. Bis hin zur Unfähigkeit, überhaupt ein Wort rauszubringen. Und damit sollte ich jetzt allein in ein Hostel einchecken, etwas, das ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal komplett allein gemacht habe, eben wegen dieser Gründe.
Die ersten Angstzustände hatte ich bereits im ICE nach Köln. Ich meide wie gesagt Menschen, vor allem Kinder. Um es ganz klar zu sagen, ich habe Angst vor Kindern. Die letzten beiden Male, die ich krank war, kamen die Infektionen über meinen Neffen, sehr wahrscheinlich über die Kita. Ich saß nun in diesem ICE, am Gang, weil in meiner Sitzreihe der andere Platz schon besetzt war (eigentlich war es meiner, aber das habe ich anfangs nicht wirklich begriffen gehabt) und die ständigen Menschen, die noch nach Plätzen suchten (die Reservierungsanzeigen funktionierten anfangs nicht und alles irrte ziemlich verwirrt durch den Zug), dazu die ganzen Kinder, die auf und ab liefen, es kamen genügend Menschen an mir vorbei, berührten mich, auch wenn ich langärmlig gekleidet war, immerhin sind ICEs fast immer für mich zu kalt klimatisiert. Ich war so froh, als die Person neben mir ausgestiegen ist und ich ans Fenster wechseln konnte. Trotzdem achte ich die ganze Zeit darauf, nichts zu berühren, keinen Sitz, keine Armlehne, wenn doch, hallo Desinfektionsmittel. Denn das haben ja andere Menschen berührt. Dieser ungewollte physische Kontakt mit Menschen reicht dann von Genervtsein bis hin zu Tränen und Panik, je nachdem, wie es mir gerade geht, je stabiler ich bin, desto ruhiger kann ich oft bleiben (weswegen dieser Sommer für mich auch alles andere als einfach war, weil ich nie die Zeit hatte, eine Routine zu entwickeln wie im letzten Jahr, da es ja nicht konstant sehr warm mit für mich ständig kurzer Kleidung blieb).
Übrigens hat dieser erste Eindruck meiner Reise dazu geführt, dass ich zumindest bei der Reise von Köln nach München dem Menschen, der genau meinen Platz erklimmen wollte (der Waggon war noch leer, aber er musste natürlich genau dort hin), mitgeteilt habe, dass der Fensterplatz MEINE Reservierung ist. Er hatte gar keine, denn er ist komplett abgerauscht.
In Köln angekommen, habe ich sogar die Kommunikation beim Check-In überstanden (im Grunde ist das für mich anstrengend und wann immer ich kann, überlasse ich das anderen, aber das ist weniger schlimm als der Rest). Hoch ins Zimmer und dann kam der Teil, der für mich wichtig war: putzen. Nicht, weil ich davon ausgehe, dass das Personal nicht gründlich ist. Sondern weil ja auch die Mitarbeiter etwas verteilt haben können. Und krank zu werden, war keine Option. Nicht nur, weil ich hunderte Kilometer von zu Haus entfernt war, weil das allgemein eine Katastrophe für mich ist, sondern auch, weil ich diese Konzerte erleben musste. Es war tatsächlich ein Muss für mich. Mit einer kleinen Spülmittelflasche und Abwaschlappen im Gepäck war ich angereist und habe mir im Bad im Waschbecken Putzwasser vorbereitet und dann Türklinken, Lichtschalter, Bettrahmen und alles, was ich voraussichtlich berühren würde, sauber gemacht. Anfangs eine Stunde oder so, dann bin ich erstmal losgezogen, denn ich musste auch noch für meine Verpflegung sorgen.

 
Für mich gilt auf diesen Reisen immer Selbstversorgung, eben wegen der erwähnten Essstörung. Ich hatte im Vorfeld rausgesucht, wie die Lage im Umfeld der Hostels ist und auch dementsprechend geschaut, wo sich eine Buchung für mich sinnvoll gestaltet. Und bin dann erstmal zu Rewe gelaufen, Brot und Getränke holen. Dazu gab es, schon mitgebracht, Nutella und Margarine (diese in eine kleine Dose abgefüllt, um Platz zu sparen). Das Brot würde ich bis zur Weiterreise verbraucht haben. Getränke plante ich für die Zeit im Hostel, eine kleine Flasche für die Zeit vor dem Konzert (die dort ja eh abgegeben werden muss) und eine für die Weiterreise nach München, alles so knapp in der Größe wie nötig (zu Haus habe ich eine wiederverwendbare, aber die war dafür zu groß und ich hatte schon echt Platzprobleme, da ich Unmengen Klamotten dabei hatte).
Zurück im Hostel habe ich auch erstmal die Flaschen geputzt. Das mache ich im Alltag nicht, aber je angespannter ich bin – und das war ich während dieser Reise -, desto stärker das Bedürfnis. Wo keine Erreger sind, kann ich mir nichts einfangen! Und ja, ich weiß, das ist krank. Nicht abfällig ausgedrückt, sondern im Sinne von krankhaft. Ich bin mir dessen bewusst. Aber ich bin wie gesagt bisher mit Verhaltenstherapien gescheitert. Und das ganz klassische, das eine Person mit Angststörung an den Tag legt, ist Vermeidungsverhalten. Nichts anderes ist das gewesen. Wenn auch sehr stark ausgeprägt. Was wiederum der Ausnahmesituation durch die Reise zuzuschreiben ist. Aber das passiert bei entsprechender Anspannung eben auch zu Haus, nicht nur auf Reisen (in der Zeit vor der Reise habe ich auch hier die Flaschen geputzt, nicht, dass ich kurz vor der Reise noch krank werde, ich brauche nämlich auch sehr lange, bis ich wieder genügend Kraft habe, wenn ich sowas überstanden habe).
Auch im Zimmer gab es noch ein paar Sachen, beispielsweise die Fernbedienung des TV-Gerätes, den Kleiderschrank habe ich außer Acht gelassen und einfach aus dem Koffer gelebt, ich finde die Packerei ohnehin nervig und ich war ja eh nur zwei Nächte dort, diesen Abend und den nächsten Tag teils, dazwischen dann noch auf dem Konzert, also, egal. Ich war gegen 15:45 Uhr im Hostel ursprünglich angekommen, gegen 16:40 Uhr einkaufen gegangen und nun gegen 17:45 Uhr zurück. Fertig mit Putzen war ich eine weitere Stunde später. Um das auch mal so zu verdeutlichen.

 
Wenn ich solche Probleme mit menschlicher Nähe habe, warum gehe ich dann ausgerechnet auf Konzerte?
Weil ich muss. Weil ich es brauche.
Musik ist das, was mich am Leben hält. Natürlich im übertragenen Sinne, aber ich könnte auf Bücher verzichten, müsste ich mich zwischen beidem entscheiden, auf Musik nicht.
Ich weiß, als es im November eine Ankündigung für eine zusätzliche kurze Tour der Band in Japan gab und einige Fans äußerten, dass sie mit einer Welttour gerechnet hatten, dachte ich nur „zum Glück keine Tour hier“. Denn zu dem Zeitpunkt war ich nicht bereit, mich dem auszusetzen. Und wusste, würde ich darauf verzichten, würde ich hinterher umso tiefer fallen, weil ich mir das habe entgehen lassen.
Ich habe die Band bereits 2007, 2013 und eben 2016 gesehen. Und die Konzerte selbst waren jedes Mal so unglaublich toll. Dass gerade 2016 drumherum sehr viel ungünstig lief, hat die Aussicht, dieses Mal nicht zu gehen, nicht verbessert, sondern ich wusste, würde ich gar nicht gehen, wäre es danach noch schlimmer als vor drei Jahren. Deswegen sage ich, dass ich gehen musste. Und das Nachhinein zeigt auch, dass es richtig war. Nicht sofort, aber nachdem ich mich hinterher wieder sicher gefühlt habe. Dazu komme ich aber noch.

 
Glücklicherweise war es weder in Köln noch in München so warm zu der Zeit wie in Berlin. Ich konnte in Köln bei 23 Grad noch mit Sweatjacke vorher warten (ich friere ja sehr leicht). Drinnen hatte ich ein sehr dünnes Tuch dabei, das noch über Schultern und Armen lag, bis kurz vor Konzertbeginn. Somit konnte ich die Menschen um mich herum auch noch einigermaßen abschirmen. Ich stehe bevorzugt nicht vorn, weil ich dort nicht viel sehe, sondern suche in solch größeren Hallen (über die in München habe ich gelesen, dass sie 1.200 Leute fassen soll) hinter dem abgesperrten Bereich für die Technik meinen Platz, weil ich dann nicht direkt Schultern vor der Nase habe (ich bin nur 1,54 m groß). Außerdem gibt mir diese Absperrung die Möglichkeit, mich festzuhalten, denn ich und stillstehen auf Rockkonzerten? No way! Aber headbangen und springen funktionieren zusammen nicht so wirklich gut, ohne einen Punkt zum Festhalten. Das erste, was also folgte, ich habe erstmal diese Absperrung oben mit meinem Desinfektionsgel eingeschmiert, damit ich sie ohne Probleme anfassen kann (und habe das während des Konzertes ab und zu wiederholt, wenn ich den Eindruck hatte, dass sich durch Bewegung jemand neben mir in „meinen“ Bereich bewegt hat, es ist normal, dass das passiert, aber ich brauchte das als Sicherheitsgefühl). Während des Konzertes funktionieren lange Ärmel für mich gar nicht, nicht mal normale T-Shirts (Kreislaufproblematik). Ich wusste vorher, dass die Halle in Köln eh recht warm wird, trotz Klimatisierung und damit mein Kreislauf nicht tschüß sagt, heißt es für mich Augen zu und durch in solchen Situationen.
Ich muss dazu sagen, dass einer der Mechanismen im Alltag daraus besteht, immer zu beobachten, was ich wie berühre und wenn sowas versehentlich passiert und ich gerade nicht desinfizieren kann, dann eben mit diesem Finger oder so, mir nicht ins Gesicht zu fassen, nach Möglichkeit gar nichts zu berühren. Und aus genau diesem Grund habe ich während des Konzertes mit den Händen meine Arme gemieden, die durch die Leute links und rechts natürlich ständig berührt wurden. Die alltägliche Gewohnheit, mich darauf zu fokussieren, hat mir sicher dabei geholfen, aber dieser Fokus kostet auch eine Menge Kraft, jeden Tag, wenn ich draußen bin. Oder jemand hier bei mir ist (ich hatte eine solche Situation kürzlich mit meinem Papa, als er hier war, sich gegen den Türrahmen lehnte usw., in meinem Kopf ging es immer nur so, dass ich dies und das registriert habe und wusste, dass ich da nachher mal kurz mit einem Lappen drübergehen würde, wobei kurz dann auch eine halbe oder dreiviertel Stunde bedeutet hat, das nimmt in der Regel niemand wahr, ich bin mittlerweile extrem darauf fixiert und das kostet eben Kraft, weswegen ich meinen Alltag auch mit Akkordarbeit gleichsetze, weil ich genau deswegen immer angespannt und hoch fokussiert bin, vor allem, wenn ich mit anderen Menschen zusammentreffe und genau deswegen erzähle ich das hier auch gerade so ausführlich, damit andere, die davon nicht betroffen sind, einen Einblick bekommen können).
Nach dem Konzert habe ich, sobald ein bisschen Platz um mich war, die Arme großzügig mit dem Gel eingerieben. Der Rest blieb hoffen, denn gegen die Berührungen an meiner Kleidung konnte ich natürlich nichts mehr machen. Unterm Strich bin ich nach meiner Rückkehr aus allen Klamotten raus, habe sie in einen Beutel gestopft, der nach meiner Rückkehr in die Wäsche gewandert ist und habe geduscht. Und ich sage mir auch immer, dass ich auch im Alltag in den Öffentlichen auf Plätzen sitze und damit auch überlebe, ohne dass etwas passiert. Aber wie gesagt, solche Situationen wie die Konzerte sind noch mal verschärfter als reiner Alltag für mich. Und selbst da mag ich auch Berührungen an Kleidung nicht, wenn es nicht sein muss.

 
In München war alles ähnlich, putzen, einkaufen, weiter putzen, Vorbereitungsmaßnahmen für das Konzert usw.
Hier kam hinzu, dass ich Zeug vom Merchandise gekauft habe, da ich in München als VIP früher reinkam und ohne Andrang kaufen konnte (Merchandise ohne VIP bedeutete in einer riesigen Traube von Menschen zu stehen und meinen Platz zu verteidigen und langsam nach vorn zu rutschen, während andere, die bereits gekauft hatten, sich versuchten, wieder rauszukämpfen, den „Spaß“ habe ich 2016 mitgemacht und dieses Jahr in Köln darauf verzichtet). Es kamen hier also die Shirts und der Hoodie dazu, die angefasst worden waren, dazu das Geschenk für die VIP-Ticket-Holder, ebenfalls angefasst. Ich habe alles bis auf den Hoodie in den winzigen Rucksack gestopft, den ich dabei hatte. Hinterher bedeutete es, alles wieder mit den getragenen Klamotten in einen Beutel zu stopfen, um zu Haus alles zu waschen, den Rucksack habe ich, so gut es ging, ausgewischt (auch schon nach Köln), weil ich in ihm die wichtigsten Sachen auf der Reise zur Hand hatte (Fahrkarten, Geld, Verpflegung).

 
Dafür war die Rückkehr noch mal sehr heftig, denn während meiner Abwesenheit hat eine Freundin hier bei mir gewohnt, um meine Katze zu versorgen.
Normalerweise ist meine Wohnung mein Sicherheitsort und seit einem dreiviertel Jahr lasse ich hier nur sehr ungern jemanden rein (es waren in der ganzen Zeit nur ein paar Mal mein Papa, wenn er mir Getränke gebracht hat oder Techniker, wie derjenige, der die Rauchmelder installieren musste). Auch das ist etwas, das mit einem Dreivierteljahr noch nicht so lange ist und ich versuche ständig dagegen anzugehen, den Zustand zu erreichen, wo ich wieder Menschen in meine Wohnung lassen kann, ohne mich hinterher bedroht zu fühlen. Denn wenigstens hier möchte ich mich sicher fühlen können. Draußen kann ich das nicht.
Ich bin an dem Mittwoch gegen 16:00 Uhr hier angekommen, ich war von all den Tagen so erschöpft, aber als erstes habe ich die wichtigsten Stellen geputzt. Nach ungefähr einer Stunde war ich kurz einkaufen, denn ich hatte meine Vorräte vorher aufgebraucht (das klingt so falsch, als hätte ich einen riesigen Vorrat abgebaut, aber ich esse nur eine Sorte Wurst, diese eine Sorte Brot, es war also nicht wirklich viel, aber gerade das Brot schmeckt frisch einfach besser). Gegen 17:45 Uhr habe ich wieder mit putzen begonnen und gegen 19:30 Uhr das erste Mal wirklich gesessen.
Darauf folgte eine weitere Woche Anspannung. Die meisten Stellen waren okay. Aber Gardinen beispielsweise lassen sich nicht reinigen und ich muss sie zum Schlafen zuziehen und um das Fenster zu öffnen, muss ich eben an den Gardinen vorbei. Das Bett hatte ich für die Freundin natürlich vorher frisch bezogen und dann wieder gewechselt, als ich zurück war, die Matratze einmal gewendet, um einen gewissen Abstand zwischen mich und die Freundin zu bringen. Das klingt alles nach unnötigen Kleinigkeiten, aber für mich war das eine volle weitere Woche mit Angst, dass mir diese liebe Freundin was mit reingebracht hat, kann ja alles sein. Erst als auch diese Woche rum war, konnte ich anfangen abzuschalten. Konnte ich überhaupt erst damit beginnen, diese wundervollen Erlebnisse, die neben all der Anstrengung gewesen waren, zuzulassen. Nur keine Freude oder Euphorie, bevor die Gefahr nicht vorüber ist. Denn genau so fühlt sich das für mich an. Höchst bedrohlich.

 
Insgesamt waren das also fast zwei volle Wochen ununterbrochene Anspannung, für zwei Konzerte. Jede Umarmung von Freunden, die ich vor den Konzerten getroffen habe, beobachtet, im Großen und Ganzen versucht, den Kopf nicht zu nah ranzubringen, damit nur die Hände berühren, die Arme steckten ja in schützender Kleidung. Das meinte ich oben mit „mich sicher fühlen“. Ich weiß nicht, wie oft ich in dieser Zeit immer wieder Hände oder Arme gewaschen habe, teils Kleidung gewechselt habe, weil ich gegen die Gardinen im Schlafzimmer gekommen bin oder so. Das Verhalten, das ich sonst draußen an den Tag lege (permanent beobachten, was ich womit berührt habe), habe ich in einigen Bereichen meiner Wohnung in der Zeit auch an den Tag gelegt. Immer.

 
Ich weiß nicht, wie genau für andere daraus nachvollziehbar ist, wie anstrengend das Leben mit meiner Angst ist. Ich weiß nicht, wie sich Ängste für andere anfühlen. Ich kenne nur meine eigenen. Ich denke, es gibt immer noch Unterschiede für einen jeden von uns. Weil wir alle unterschiedlich sind. Aber ich glaube, dass das reine Nennen sehr viel abstrakter und dadurch auch geringer im Ausmaß ist, als wirklich mal detailliert darzulegen, wie viel Kraft so eine Angst kosten kann.

 
Diese Angst vorm Kranksein erstreckt sich darüber hinaus wie gesagt auch auf lebensbedrohliche oder solche, die mich ins Krankenhaus bringen könnten. Dort bleiben zu müssen, ist für mich absoluter Horror. Nicht nur, weil ich nicht wüsste, wie meine Katze versorgt sein soll (mein soziales Netz vor Ort ist sehr sehr dünn), sondern auch, weil ich dort nicht für mich wäre, es wäre eine Veränderung und ich wäre von Menschen umgeben, fremden Menschen. Ich wüsste nicht, wie ich das mit dem Essen regeln soll. Außerdem meide ich Krankenhäuser, wo ich nur kann, ich komme mit dem Geruch nicht zurecht und bis ich jemanden dort besuche, muss mittlerweile echt viel dranhängen, weil das jedes Mal unglaublich belastend für mich ist.

 
Menschen/Kinder
Im Grunde hängt das alles mit der zuvor geschilderten Angst zusammen, denn durch den Kontakt mit Menschen – direkt wie indirekt – kann es zu Infektionen kommen. Und ich habs ja eigentlich schon im langen Text erwähnt, dass eben gerade Kinder mir dadurch Angst machen. Dass ich einige Jahre mit Kindern gearbeitet habe, ist für mich mittlerweile so unglaublich weit entfernt. Ich weiche Menschen körperlich aus. Und gerade bei Kindern schaue ich immer noch genauer, wenn sie mir draußen entgegen kommen oder in einem Center/einer Mall den Gang entlang laufen, sie sind in ihren Bewegungen weniger gut einzuschätzen und der Bogen, den ich wortwörtlich um sie mache, ist größer, immer darauf bedacht, noch weiter ausweichen zu können.

 
Höhenangst, Feuer, Menschen u. v. m.
Es gibt so einige weitere Ängste, die aber auf einem recht „normalen“ Level sind. Ich habe Höhenangst, was manchmal zu ein paar Problemen im Alltag führt, die aber vielen Menschen vertraut sind. Ich kann kein Leuchtmittel austauschen, wenn die Lampe nicht recht nah am Rand zur Wand befestigt ist. Ich steige auf Leitern, wenn ich mich an der Wand entlang nach oben tasten kann, aber mitten im Raum eben nicht. Ich putze meine Fenster nur von innen, aber nicht von außen, weil ich fast vollständig oberhalb des Fensterbretts bin, um oben am Rahmen anzukommen (noch mal, ich bin nur 1,54 m groß). Diese Situationen meide ich auch, von außen sind mir die Fenster halt einfach egal, für eine Lampe oder ähnliches brauche ich dann eben mal Hilfe durch andere, aber das sind keine Dinge, die sich für gewöhnlich stark auf meinen Alltag auswirken.
Feuer ist da schon ein bisschen anders, aber auch das war schon eindeutig schlimmer. Als ich noch nicht sehr lange allein gewohnt habe, gab es in dem Strang, in dem ich wohne, einen Brand, nachts. Und es werden zwischen 22:00 und 6:00 Uhr leider die Lüftungen in Bad und Küche abgestellt. Das hat dazu geführt, dass es den Löschqualm in die Wohnungen gedrückt hat. Ich hatte damit insgesamt nicht viele Probleme, außer einigen Stunden an Putzerei, weil ich es halt zeitnah mitbekommen habe (und meine Wellensittiche haben das damals auch überlebt, obwohl sie einige Stunden in dem Qualm aushalten hatten müssen, bis ich es überhaupt bemerkt habe). Aber seitdem ist unterschwellig die Angst da, dass sich sowas wiederholt. Es gab einige Jahre, in denen ich beim Klang jedes Martinshorns aufgesprungen bin, um zu schauen, was los ist. Und wenn die Feuerwehr wirklich hier zu tun hat, finde ich keine Ruhe, bis sie wieder abzieht. Sobald ich nur den Hauch von etwas verkokeltem wahrnehme, laufe ich durch die gesamte Wohnung und suche nach der Quelle. Aber auch das ist insgesamt recht erträglich.
Menschen machen mir allgemein recht viel Angst, egal ob männlich oder weiblich gelesen und das ganz unabhängig von der obigen Erwähnung. Ich vertraue schwer und wenn ich allein draußen im Dunkeln unterwegs bin, wenn nicht mehr viel los ist, könnte jeder eine Bedrohung sein. Es ist aber nicht so, dass ich permanent ängstlich unterwegs bin, tagsüber kann genauso viel passieren und in ruhigen Gegenden bin ich auch tags nicht entspannter. Ansonsten finde ich Menschen insgesamt beängstigend, aber das hat weniger mit tatsächlicher Anxiety zu tun.
Es gibt noch weitere Sachen, ich glaube, mir fällt nicht mal unbedingt alles ein, solange ich nicht damit konfrontiert bin (Spinnen, ganz eindeutig), aber wie gesagt, das ist alles in einem Rahmen, der nichts mit Angststörung zu tun hat.

 
 

Vergangenheit

Es gibt Dinge, die ich schon im eingangs verlinkten Beitrag erwähnt habe, über die ich (noch) nicht schreiben kann. Oder es gesondert tun will, ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob es nur letzteres oder beides ist. Dinge, die mich geprägt haben. Wie vermutlich jeden von uns.
Ich hatte oben geschrieben, dass ich noch ein Beispiel nennen werde und ich setze es jetzt einfach mal hier hin.
Damals habe ich geschwiegen, weil ich gar nichts sagen konnte. Ich erkenne die Zusammenhänge erst seit wenigen Jahren. Und solange rede ich auch offener.
Ich bin nach meiner Ausbildung im Büro in die Arbeitslosigkeit gerutscht. Das ging sicher nicht jedem so. Aber für Personen wie mich war es schwieriger. Im Grunde waren einerseits Leute gewünscht, die zwar erst 25 sind, dabei aber schon zwanzig Jahre Berufserfahrung mit sich bringen. Wer sich gut verkaufen konnte, hat die mangelnde Berufserfahrung wettgemacht. Bei mir war es dagegen so, dass ich so einige Stellenanzeigen sofort weggeschoben habe. Ich habe damals ausschließlich gespürt, dass das nicht der richtige Arbeitsplatz für mich ist. Warum? Das konnte ich nie erklären. Kann ich bis heute nicht. Was ich heute allerdings sagen kann, dass alle Stellen, in denen es direkt um Telefondienst oder Empfangstätigkeiten ging, auch darunter gefallen sind. Denn beides scheitert an dem, das ich als social anxiety sehe. Wie gesagt, mir hat das nie jemand so bestätigt, aber wann immer ich wusste, ich soll sowas tun, konnte ich nicht schlafen. Bei dem Job 2010 war ich als Projektfachkraft im Büro angestellt, aber die klassischen Sekretariatstätigkeiten hat eine andere Kollegin gemacht. Und sie musste an einem Tag weg. Ich war diejenige, die im Büro ausgebildet war und sie kam zu mir, damit ich das Telefon übernehme. Ich war davon so überfordert, ich bin vor ihr in Tränen ausgebrochen. Ich liebe die Arbeit im Büro, aber Telefondienste oder eben Empfangstätigkeiten funktionieren für mich nicht. Ich bin nicht spontan. Ich bin kein bisschen schlagfertig. Ich brauche ewig Zeit, um Antworten zu überlegen. Und nichts davon geht in diesen Momenten.
Als sich die Arbeitslosigkeit über einige Monate nach meiner Ausbildung zog, konnten meine Eltern nicht verstehen, warum dem so ist. Ich war doch klug, hatte mein Abi gemacht, die Ausbildung verkürzt und gut bestanden. Wieso also konnte ausgerechnet ich keinen Job finden? War ich zu wählerisch? Zu faul? Ich weiß nicht mehr, ob letztere Formulierung direkt gefallen ist oder nur zwischen den Aussagen hing, aber der Vorwurf war da. Mir wurde direkt gesagt, dass es doch egal wäre. Man würde auch draußen das Grünzeug machen, Hauptsache arbeiten.
Mich haben diese Aussagen damals schwer getroffen, denn ich war nicht faul, aber ich war blockiert. Und ich konnte nicht erklären, wieso. Ich saß wie ein kleines Kind da, das Vorwürfe bekommt, weil es Unsinn gemacht hat und sich nicht rechtfertigen kann.
Außerdem hinkten diese Aussagen für mich auf zwei Ebenen. Erstens, ich hasse Gartenarbeit und das war bekannt (ich hasse auch kochen, aber als wir in meiner Jugend einen Garten hatten, habe ich das Kochen übernommen, um der Gartenarbeit zu entkommen). Zweitens, ich war Berufsanfänger. Es hätte mir später nichts gebracht, dass ich etwas anderes gemacht habe, was ich wirklich brauchte, war Erfahrung in dem Bereich, in dem ich arbeiten wollte. Das habe ich auch zu vermitteln versucht. Was für mich generell schwer wird. Denn sobald ich mich ungerecht behandelt fühle (da spielt noch mal die Vergangenheit rein, die bislang nur angedeutet ist, ich habe ein extrem großes Bedürfnis nach Gleichbehandlung/Fairness), werde ich wütend und wenn ich wütend werde, fange ich an zu weinen und habe den sprichwörtlichen Kloß im Hals, der alles so zuschnürt, dass kein Ton rauskommt (die Beschreibungen aus Büchern treffen da bei mir voll zu). Ich kann mich dann also gar nicht erklären. Egal, ob es überhaupt angebracht ist oder nicht, sich in dieser Situation zu befinden, das mal so nebenbei gesagt.
Das große Problem dabei war eben, was ich oben gesagt habe, niemandem war bewusst, dass psychische Probleme reinspielen. Und daher ist das Bild entstanden, ich sei faul. Ich halte nichts davon, so etwas überhaupt einer Person gegenüber zu entwickeln oder zu äußern, die einem wichtig ist/sein sollte. Unabhängig davon und eher rational betrachtet, sage ich aber deswegen, zu reden und zu vermitteln, dass man nicht gesund ist, hilft oft, sich diesen zusätzlichen Kampf vom Leib zu halten. Wenn man es eben kann. Ich finde es ebenso wichtig, dass die Menschen allgemein mehr Bewusstsein und Bereitschaft dazu entwickeln, über ihre eigene Nasenspitze hinaus zu blicken und nicht einfach so zu verurteilen. Gerade in so einer Konstellation wie sie bei mir war. Seinem Kind, das man als Eltern kennen sollte, zu unterstellen, es sei faul, sollte einfach niemals passieren. Welche Gründe da auch ursächlich sind, sollte keine Rolle spielen.

 
 

Folgen

Selbstverständlich haben solche Ängste und Erkrankungen ihre Folgen.
Dass ich gar nicht mehr normal essen kann, mal einfach so, das habe ich bereits direkt unter dem Punkt der Essstörung geschrieben.
Bei der Angststörung ist sicher die Daueranspannung und die Erschöpfung zu nennen, aber beides steht auch bereits im Text.
Eine weitere Folge, die äußerlich klar erkennbar ist, möchte ich euch einfach mal zeigen.

 

 
Das erste Bild ist recht aktuell, von letzter Woche. Es waren die einzigen Stellen, also insgesamt noch recht harmlos. Da ich aber in den letzten Wochen kaum Probleme damit hatte (kein Wunder, ich war überwiegend zu Haus, das Wetter sommerlich, was eindeutig positiv unterstützt), war ich doch davon überrascht, dass es dann gleich drei Einrisse gab. Die übrigens bei jeder Bewegung zu spüren sind.

 

 
Das zweite Bild ist schon älter, es stammt aus der Winterzeit, wo die Haut ohnehin empfindlicher ist (jedenfalls meine). Das regelmäßige Desinfizieren und Händewaschen sorgt bisweilen für solche Auswirkungen. Vor allem abends sitze ich dann hier und spüre die einzelnen Stellen wieder aufreißen, wenn ich nach etwas greife, die Hand dadurch zur Faust balle. Meine Haut ist so unglaublich ausgetrocknet. Der Übergang von Hand zum Handgelenk ist nicht mehr weich und geschmeidig, einfach weil die Haut zu trocken ist. Und das, obwohl ich sie durchaus regelmäßig eincreme. Cremes und alles mit Gerüchen usw. ist noch mal ein ganz anderes Kapitel für sich, weswegen ich bisher nicht das passende Produkt gefunden habe, fürchte ich. Zumal ich eben jede Wirkung aufgrund der Ängste auch immer wieder zerstöre. Das ist auf jeden Fall ein weiterer unschöner Teil der Auswirkungen, die so eine Angststörung haben kann.

 
Eine weitere Folge bezüglich der Essstörung ist, dass ich esse, weil ich muss. Ich genieße nicht. Und ich rede nicht gern über Essen. Gelegentlich mag ich keinerlei Bilder dazu sehen. Meine erste Therapeutin wollte, dass ich mich dem Essen bewusst widme (für gewöhnlich esse ich am PC und lese nebenbei, wirklich nebenbei arbeiten, gibt es bei mir nicht, weil es Zeiten gab, in denen ich nur wegen des Essens mal das Arbeiten unterbrochen habe). Ich sollte mich am besten in meine Küche setzen (geht nur, wenn ich dann die Wand anstarre) und bewusst jeden Bissen wahrnehmen und analysieren. Hätte ich das gemacht, hätte ich gar nicht mehr gegessen. Ich war froh, mich gedanklich ablenken zu können und dankbar, wenn das Essen in mir drin war, ohne dass mir übel geworden ist.

 
 

OCD

Dieser Teil hier wird der schwerste. Und ich schreibe ihn als letztes. Exakt betrachtet, schreibe ich an diesem Beitrag seit über einer Woche, immer in Etappen, einfach weil ich wusste, er wird lang. Auch wenn ich ein hohes Schreibtempo habe und oft bei durchschnittlich 2,5 k in einer Stunde lag, hat der Beitrag bis zu diesem Punkt hier bereits um die 7 k Wörter. Außerdem ist es unglaublich anstrengend, mich permanent diesen Themen auszusetzen. Es ging zwar bis hierher, aber ich weiß, dass gerade das Folgende die größte Herausforderung überhaupt für mich ist. Weil sie mir unglaubliche Angst macht.
Ich hatte ganz am Anfang erwähnt, dass es ein Thema gibt, über das niemand sehr tief Bescheid weiß und diejenigen, die es tun, tun es eben nur ein bisschen. Das ganze Ding ist ein extrem tiefer Teufelskreis und baut ebenfalls auf der Angststörung auf. Was es nicht leichter macht, auszubrechen.
OCD steht für obsessive-compulsive disorder und heißt im Deutschen Zwangsstörung (wie gesagt, manch einer vermutet es vielleicht, wirklich nachgefragt hat in all den Jahren nur eine Person).
Eine der ersten Fragen, die meine Psychiaterin (nicht Therapeutin, wers nicht weiß, Psychiater sind die Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie, diejenigen, die Rezepte und alles mögliche ausstellen dürfen, aber solange sie die therapeutische Weiterbildung nicht machen, dürfen sie keine psychotherapeutische Betreuung anbieten, das ist wiederum etwas anderes) gestellt hat, war, ob es Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen sind. Und meine Antwort lag sehr sehr klar und eindeutig auf letzterem.
Bei mir funktioniert die Zwangsstörung so, dass sie Regeln gleich kommt, denen ich folgen muss. Tue ich es nicht, werde ich bestraft. An diesem Punkt kommt der Anteil meiner Angststörung hinzu. Die Strafe ist grundsätzlich Übelkeit oder im schlimmsten Fall, krank zu werden. Das bedeutet, die Zwänge sind in gewisser Weise auch ein Vermeidungsverhalten, würde ich sagen (hat mir niemand erklärt, ist meine eigene Interpretation).
Es gibt zwei oberste Regeln. Die wichtigste ist eigentlich, dass niemand über die Zwänge Bescheid wissen darf. Und genau deswegen fällt es mir gerade auch so schwer, das zu schreiben oder es am Ende nicht doch wieder zu löschen oder aus dem Beitrag zu nehmen, sondern tatsächlich zu veröffentlichen, vor allem, weil es ab dem momentanen Zeitpunkt bis zur Veröffentlichung des Artikels noch acht Stunden und achtzehn Minuten dauert. So viel Zeit, in der ich das wieder ändern könnte, weil es ja noch niemand gesehen haben kann. Es ist immer wichtig, diesen Teil geheim zu halten. Notfalls auch damit, übliche Regeln zu ignorieren, wenn ich nicht allein bin, damit andere Menschen nichts merken (was mir in Gegenwart von anderen manchmal ein wenig Freiheit gegeben hat und dadurch schon wieder ein Punkt war, sogar freiwillig alles geheim zu halten, das Geheimnis zu bewahren). Darüber gibt es nur eine einzige weitere Regel, die mit meiner Persönlichkeit verknüpft ist: Nicht lügen. Weswegen diese eine Person das auch entdecken konnte. Bin ich bislang direkt gefragt worden (oder in diesem Fall war es sehr direkt ausgesprochen, nicht gefragt), so bestand für mich nicht die Möglichkeit „nein“ zu sagen, denn das wäre eine Lüge gewesen. Beim Fachpersonal war es unterschiedlich, teils kam die Frage direkt. In der Reha bei meiner Bezugstherapeutin kam die Frage nicht, da habe ich bereits im Erstgespräch von mir aus erwähnt, dass es Zwänge gibt, weil es für mich nicht das erste Erstgespräch war und ich wusste, dass die Reha insgesamt eher kurz ist. So sehr ich die Reha gehasst habe, so sehr wollte ich doch mitnehmen, was immer ich konnte, damit es mir besser geht und deswegen habe ich das von Anfang an erwähnt, anstatt es entdecken zu lassen. Aber auch da fiel es mir nicht leicht und ich habe sehr gehofft, dass ich nicht bestraft werde.
Die Zwänge selbst sind unzählig. Ganz ehrlich, mein ganzer Tag besteht aus Zwängen. Es gibt kaum etwas, das ich nicht auf gleiche Weise mache. Und jegliche Abweichungen machen mich nervös. Denn – und das ist ein Teil des Teufelskreises – die Zwänge bieten Routine. Und an diesem Punkt funktioniert der Teufelkreis in zwei Richtungen. Die ursprünglich geglaubten Routinen sind nicht nur zu Zwängen geworden, sondern aus diesen Zwängen rauszukommen, bedeutet neben dem Aushalten der Angst (und wer mal über Stunden in dem wellenförmigen Zustand von Anstieg und minimalem Abfall gesteckt hat, der nicht dem üblicherweise genannten Modell von Erreichen der Spitze und danach Entspannung gleicht, der kann sich nur diesen einen Teil des Ganzen vorstellen, der Rest kommt oben drauf), dass ich bewusst gegen die Routinen arbeiten muss. Vieles sitzt so tief in mir verankert, weil ich das seit Jahren mache, dass ich nicht nur schaffen muss, mich dazu durchzuringen, die Angst auszuhalten, ich muss dann auch noch bewusst darauf achten, Dinge anders zu machen als sonst, was erneut zusätzliche Energie kostet. Und fast immer scheitere ich an irgendeinem Punkt, weil ich nicht mehr die Kraft habe. Die routinierten Zwänge (es ist echt schwer zu entscheiden, welches Wort wann das richtige ist, sofern das überhaupt noch einen Unterschied macht) sind vertraut und geben teilweise ein Gefühl von Sicherheit. Ich bin sogar ziemlich überzeugt, dass ich ja erst deswegen in die Zwänge gerutscht bin. Wenn ich alles so wie gestern mache und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann mir heute ja auch nichts passieren. Dass das rational völlig unsinnig ist, weiß der logische Teil in mir auch (und wenn man bedenkt, dass ich ein sehr logischer Mensch bin, ein Kopfmensch, dann wird das Ganze noch absurder). Aber der emotionale, der, der mit der Angst verknüpft ist, die eben völlig und immer irrational ist, der schafft es nicht, sich dem zu entziehen.
Ich habe in den vergangenen Tagen jegliche Gedanken an diesen Abschnitt des Beitrags immer wieder von mir geschoben. Nur nicht zu früh provozieren. Nichts eher herausfordern als es unbedingt nötig ist. Allein das Nachdenken hätte zu viel sein können, die Ängste wecken und auf den Plan rufen. Ob ich heute Nacht schlafen werde, ich weiß es nicht. Ob ich es können werde. Oder ob ich dazu komme.

 
Womit wir bei einem der Zwänge wären (ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie viele sich durch meine Tage ziehen). Ich habe feste Schlafenszeiten. Und eine letzte. Bin ich zu dieser nicht im Bett, schlafe ich nicht. Das hat einen Grund, der mir wichtig ist, aber im Endeffekt ist es trotzdem zwanghaft.
Wer mich schon lange kennt (mehr als drei Jahre), weiß, dass ich über Jahre Nachtmensch war. Schon in meiner Jugend habe ich am Wochenende gern die Nacht zum Tag gemacht. Ich habe mich zwar zeitweise zum Tagmenschen umgewöhnt, weil ich mit ständigen Wechseln nicht zurechtkomme und das während der Abiturjahre und auch in der Ausbildung nicht hilfreich war, aber darüber hinaus bin ich immer in die Nachtzeiten gerutscht, sobald ich es konnte. Während ich früher dennoch recht gut damit umgehen konnte, einige Jahre auch nur vier Stunden Schlaf pro Nacht brauchte und insgesamt sehr flexibel war (die vier Jahre nach meiner ersten Therapie, bis im Grunde die Dysthymie ausgebrochen ist), kann ich das seit Jahren gar nicht mehr. Das Problem, wenn ich erst um 8:00 Uhr ins Bett gehe und um 15:30 Uhr aufstehe, liegt im Zusammenhang mit der Gesellschaft (übrigens glaube ich sehr fest, dass meine Angst durch den Brand hier im Strang auch unterstützend war, lange an dem Nachtrhythmus festzuhängen, denn so bin ich erst schlafen gegangen, als die Lüftungen schon wieder eingeschaltet waren, wenn nachts etwas passiert wäre, hätte ich es sofort mitbekommen). Arzttermine sind damit fast unmöglich. Und da ich ja nicht berufstätig bin, sollte ich doch ohnehin am besten gleich morgens aufschlagen, ich habe doch ganz viel Zeit. Das sprechen viele nicht aus, aber die Blicke sagen genug. Und die bilde ich mir nicht ein. Meist kommen einfach die Vorschläge und sobald dann die Aussage meinerseits fällt, dass ich erst nachmittags kann, werde ich völlig entsetzt oder fragend angeschaut. Ich sehe da keinen großen Interpretationsspielraum. Dass ich Rente beziehe, ist nun mal am Versicherungsstatus in der elektronischen Akte sichtbar.
Ich habe über viele Jahre unzählige Versuche gestartet, meinen Rhythmus zu verändern und 2016 ist es mir endlich gelungen. Ich weiß aber auch, dass ich sofort wieder in den Nachtrhythmus falle, gehe ich später als diese festgesetzte Zeit ins Bett. Es gibt wenige Ausnahmen und bei diesen bin ich nie allein (es waren exakt drei Stück: die beiden 60. meiner Eltern, die wir groß in Familie gefeiert haben und ein Silvester, an dem ich nicht allein zu Haus war, denn wenn dem so ist, bin ich auch wie jeden anderen Tag pünktlich im Bett). Mal sehen, ungefähr zwei Stunden habe ich noch, aber ich habe auch noch ein paar Dinge zu erledigen.

 
Was ein weiterer Zwang ist. Bestimmte Dinge muss ich tun. Und haben sie sich erstmal auf einem festen Platz in meinem Alltag etabliert, kann ich sie nicht einfach früher am Tag erledigen. Ausnahme ist, wenn ich am nächsten Tag früher aufstehen muss (beispielsweise am Abend vor der Konzertreise), aber dann rutscht alles früher, die Reihenfolge bleibt gleich, außer sie wird von außen verändert. Habe ich also einen Tag, an dem ich mit allem langsamer bin, kann es passieren, dass ich zum Tagesende noch richtig viel zu tun habe, um alles zu schaffen. Alles in fester Reihenfolge. Alles in festgelegtem Ablauf. Erst dieser Handgriff, dann jener. Falsch gemacht? Noch mal auf Anfang.

 
Zahlen, Daten, Zeiten. Gedächtnis.
Ja, Zahlen sind was Tolles. Ich liebe sie, ganz ehrlich.
Schon in den ersten Schuljahren war Mathe eines meiner Lieblingsfächer gewesen (Deutsch eigentlich nur, solange es um Grammatik ging, als Interpretationen dazu kamen und ich immer andere Dinge interpretiert und begründet habe als die Lehrer der Ansicht waren, das hätte der Autor gemeint, war Deutsch einfach nur noch doof, Mathe aber in den letzten Jahren überwiegend auch). Früher war mir nicht bewusst, dass Zahlen bei mir weit tiefer reichen. Aber je älter ich wurde, merkte ich die Affinität. Ich bin durch meine Eltern sehr lange zum Kopfrechnen angehalten worden. Taschenrechner gabs zu meiner Schulzeit ohnehin erst ab – ich glaube – der 9. Klasse. Aber selbst in meiner Ausbildung habe ich in Rechnungswesen die meisten Beispielzahlen, die überwiegend große glatte waren (10.000,00 € hier, 4.000,00 € da), schnell im Kopf gerechnet, statt wie die meisten, den Taschenrechner zu nutzen.
Darüber hinaus spielen Daten in meinem Kopf eine große Rolle. „Wandelnder Kalender“ ist so eine Bezeichnung, die ich mehrfach zu hören bekommen und früher automatisch auch für mich übernommen habe. Mittlerweile nicht mehr, weil in meinem Kopf kein Kalender steckt. Da ist nur simple Mathematik. Ich habe in fast jedem Monat Eckpunkte, Geburtstage und ähnliches und weiß einfach, auf welchen Wochentag sie fallen. Von dort aus rechne ich und das im Kopf auch einigermaßen zügig (zumal da einfach nur viel System hintersteckt mit vier Wochen sind 28 Tage und die meisten Monate haben 30 oder 31 Tage, das als grobe Anmerkung, ums nicht zu detailliert auszuführen). Tatsächlich sehe ich Wochen aber auch visualisiert in meinem Kopf, im Zwei-Wochen-Takt, die ähnlich einem Oval oder Rechteck zusammenführen. Sie sind für mich auch eine Art geschlossener Kreis. Einmal durchlaufen, geht es wieder von vorn los. Wie oft ich mich schon zusammenreißen musste, anderen Menschen nicht zu sagen „ah, dass war in so einer Woche“, womit ich dann eine der beiden meinte und niemand außer mir etwas damit anfangen kann, ich weiß es nicht. Einige Male. Aber das sind im Grunde Dinge, die dafür sorgen, dass ich Daten sehr schnell mit einem Wochentag benennen kann. Nicht, weil da tatsächlich eine kalendarische Übersicht in meinem Kopf prangt.

 
Die meisten Menschen beglückwünschen mich zu dieser Fähigkeit.
Es ist nicht so, dass ich sie verfluche. Aber sie ist tatsächlich Fluch und Segen zugleich.
Denn wie in der Überschrift dieses Abschnitts erwähnt ist, spielt mein Gedächtnis mit rein. Das ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt, sehr detailreich. Ich weiß nicht, wie oft Menschen mich schon irritiert angeblickt haben, an welche Feinheiten ich mich erinnern kann. Mein Gedächtnis ist immer so. Und eben sehr stark an Daten geknüpft.
Und da entsteht der Fluch des Ganzen.
Alles, was negativ besetzt ist, wird in meinem Kopf mit dem Datum verknüpft gespeichert. Und jedes Jahr an diesem Datum geht der „Spaß“ mit der Angst wieder los.

 
Beispiel: Mein Geburtstag.
Es gibt genau einen Ort online, wo ich ihn angegeben habe. Aus dem einfachen Grund, dass ich unglaubliche Angst vor diesem Tag und der darauffolgenden Woche habe. Was zur Folge hat, dass ich meist den halben Monat wie gelähmt bin.
2003 bin ich an meinem Geburtstag krank geworden. Neben dieser Geschichte, die mir eben eh schon endlos Angst macht, kam noch eine Influenza dazu. Und das hielt eine ganze Woche an. Seitdem ist jedes Jahr an meinem Geburtstag Angst da. In den ersten Jahren ging es noch. 2004 – 2006 war ich in therapeutischer Betreuung, das hat mir ein bisschen geholfen, komplett genommen hat es das trotzdem nicht. Danach war ich ja einige Jahre recht gut aufgestellt, Angst hatte ich aber dann auch immer. Seit danach ist es noch schlimmer. Es war damals ein Montag und wenn mein Geburtstag auf einen Montag fällt, ist es am Schlimmsten. 2008 war ich zu der Zeit nicht allein und es ging mir eben auch insgesamt besser. 2014 hatte ich schon am Wochenende so viel Angst, dass es mir bereits da richtig mies ging (= nicht essen können, Übelkeit, ohne dass ich tatsächlich krank geworden bin). Der nächste Montag wäre nächstes Jahr dran, aber glücklicherweise haben wir ein Schaltjahr und er wird übersprungen. Das heißt nicht, dass nicht trotzdem was passieren kann, aber – ich weiß gar nicht so richtig, wie ich das erklären soll – es ist ein bisschen so, als wäre die Gefahr damit ein bisschen kleiner. Nicht weg. Nur ein bisschen geringer. In dieser Angst lebe ich jetzt seit gut fünfzehn Jahren.
Ich versuche, diesen Tag für gewöhnlich so normal wie möglich zu verbringen. Wie immer, wenn alles so wie gestern ist und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann ja heute auch nichts passieren. Oder durch Ablenkung in Gegenwart eingeweihter Personen. So mehr oder weniger. Wobei das mittlerweile vermutlich auch fast schwieriger ist, weil das ja wieder Kontakt mit Menschen bedeutet.
Und so geht es mit weiteren Daten. Sei es nun krank sein. Oder auch Daten wie der Todestag meines Ex-Freundes. Und je älter ich werde, desto mehr Daten werden es. Was die Angst wieder vergrößert. Je größer die Angst, desto stärker werden die Zwänge. Ich sagte ja, das ist ein ganz böser Teufelskreis. Bis soweit, dass ich fast gelähmt bin. So war es vor der Konzertreise. Alles war hoch zwanghaft. Während es im Alltag oft „nur“ darum geht, bestimmte Reihenfolgen und Handlungen durchzuführen, kommt unter diesem erhöhten Druck ein Perfektionsdrang dazu. Da reicht dann nicht mehr nur die einzelne Bewegung, sondern sie muss ganz perfekt so und so durchgeführt sein.
Ach ja, da war ja noch was mit den Zahlen.

 
Eigentlich zwei Dinge.
Das eine ist die Kopplung an Daten.
Ich sehe in Uhrzeiten Daten. Und dank meiner Vorliebe zu Japan auch noch auf zwei Weisen, da die Japaner ihr Datum rückwärts schreiben (eine sehr logische und sinnvolle Sache, die ich in meinem Alltag auch nutze und immer darauf achten muss, für andere Menschen andersrum zu schreiben, ist euch aufgefallen, dass die Daten auf meinem Blog auch quasi rückwärts laufen, für mich ist das Normalität). Das bedeutet, dass ich um 8:16 Uhr wie auch um 16:08 den 16. August vor Augen habe, der erwähnte Todestag. Für mich sind diese Zeiten Sperrzeiten. Das heißt nicht, dass ich den ganzen Tag dasitze und darauf achte, währenddessen nur auf die Uhr zu starren. Aber es bedeutet, dass ich zu dieser Zeit nichts Neues anfange. Denn fast alle Aktionen, die ich beginne, sind mit der Uhr verknüpft.
Hier kommt die zweite Sache ins Spiel, Quersummen bis zur Einstelligkeit.
Es gibt für mich Zahlen, die tabu sind und welche, die besonders geeignet oder eben passend sind. Welche Zahlen (oder bei der Quersummensache ja eigentlich Ziffern) wo tabu oder passend sind, kann variieren und verändert sich ab und zu mal (ist aber mittlerweile schon richtig lange her). Ich kann für fast alle Uhrzeiten zumindest sehr schnell sagen, ob sie für mich passend sind oder nicht. Mache ich also in meinen Abläufen Fehler und die nächste Minute passt nicht, muss ich auch noch warten, bis ich wieder weitermachen kann. Kommen dann noch Zeiten, die direkt mit Daten verknüpft sind (wie 8:16 Uhr oder 16:08 Uhr) dazu, dann muss ich noch länger warten. Und ja, da es Zwänge sind, muss ich. Und es gibt nicht wenige Daten. Hinzu kommt, dass bestimmte Zeiträume ohnehin gesperrt sind. Ich weiß den absoluten Ursprung dazu, der lag bei 1:12 Uhr, wegen der Verknüpfung zur 112 und der Angst vor lebensbedrohlichen Krankheiten (ja, ich habe tolle, um viele Ecken gehende Verknüpfungen, nicht wahr), aber wieso es mittlerweile alles ab :09 bis :13 in jeder Stunde betrifft, kann ich nicht mal mehr rekonstruieren.
Richtig „toll“ ist dabei übrigens, dass mein PC seit einigen Monaten immer ein bisschen schneller unterwegs ist als andere Uhren und es dadurch zu Diskrepanzen zwischen PC und Smartphone kommt. Das macht mich bisweilen richtig kirre.

 
Ich könnte dazu jetzt sicher endlose Beispiele auflisten. Genauso detailliert wie die Konzertreise. Aber anders als bei den Ängsten glaube ich, dass schon aus diesem Teil sehr klar wird, wie viel Zeit und Kraft das jeden Tag raubt. Denn es beginnt mit dem Aufstehen (es beginnt eigentlich schon mit der Anzahl der Wecker und den eingestellten Zeiten). Und endet damit, wie ich ins Bett gehe, wie ich mich hinlege.
Was ich für mich sagen kann, ist, dass Routinen toll sind. Ich weiß, dass sie gerade bei depressiven Menschen in Therapien aufgebaut werden, um Struktur in den Alltag zu bringen, aus der Lethargie rauszukommen. Aber ich weiß, wie gefährlich Routinen auch sein können. Ich sage nicht, meidet sie, denn ich bin sehr für Routinen. Aber beobachtet euch immer gut. Der Grat zwischen nur Routine und festem Zwang ist unglaublich schmal.

 
Und jetzt sehe ich zu, diesen Beitrag endlich zu einem Ende zu bringen.
Er ist unglaublich lang, das weiß ich. Aber ich bin nicht sicher, ob ich in nächster Zeit oder überhaupt irgendwann wieder die Kraft finden würde, mich hinzusetzen und das aufzuschreiben. Deswegen muss ich es alles in diesen einen packen. Wer bis hierher durchgehalten hat: Danke. Ich hoffe, niemand von euch ist davon betroffen. Wenn doch, dann wünsche ich euch die Kraft, euch daraus zu lösen. Wenn nicht, dann hoffe ich, dass ihr vielleicht ein bisschen auf euer Umfeld schauen könnt. Mit offenen Augen durch den Tag gehen könnt, ob jemand in eurem Umfeld betroffen ist und diesen vielleicht erst fragt und nicht aus dem eigenen vertrauten Blick zu verurteilen – sehr wahrscheinlich, ohne es zu wollen.
Auf jeden Fall hoffe ich, jedem damit Mut zu machen. Sei es, sich anderen anzuvertrauen und zu öffnen. Oder sich vielleicht auch zu finden, wo sich alles bislang nur schwammig und komisch angefühlt hat.

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – the GazettE

 
Vor dem heutigen Beitrag sitze ich und weiß weder, wie ich anfangen soll noch, wie ich ihn kurzhalten soll, ohne einfach nur ein paar Fakten zu listen.
Denn heute geht es um the GazettE (und ja, ich lege bei ihnen viel Wert auf diese Schreibweise, solange ich das „the“ verwende, ansonsten schreibe ich nur Gazette, wie die Aussprache hier üblicherweise auch lautet, das „the“ spricht eigentlich keiner mit, weil das auch erst mit der Änderung aus der Katakana-Schreibweise (ガゼット) 2006 hinzugekommen ist).

 
Als ich 2006 in die Fänge der japanischen Musik geraten bin, hat es nicht sehr lange gedauert, bis ich the GazettE entdeckt habe. Und das sogar in einem deutschen Magazin. Ich habe damals entweder in einer der Sommerausgaben der AnimaniA oder des Sonic Seducer ein Bild der Band gesehen und war – wie so oft – allein dadurch neugierig. Den Rest hat dann YouTube erledigt. Das war im Juni oder Juli 2006, denn sie haben Ende Juli auf der AnimagiC in Bonn gespielt und ich konnte es nicht mehr organisieren, dabei zu sein, weil ich zu kurzfristig davon wusste.

 
Anfangs waren sie eine Band von vielen, ich habe ständig neue kennengelernt, auch weil zu der Zeit immer wieder Konzerte in Berlin stattfanden und ich mir die entsprechenden Bands anhörte, um zu entscheiden, ob ich auf die Konzerte gehen würde oder nicht.
Doch Gazette liefen recht regelmäßig bei mir. Sie hatten in diesem Jahr ihr zweites Album veröffentlicht, waren zu einer Major-Band geworden, doch ich entdeckte für mich vor allem die älteren Sachen, mit denen sie angefangen hatten.

 
Als sie 2007 das erste Mal auf Tour außerhalb Japans gingen – wenn es auch nur eine kleine Europa-Tour war -, hatten sie sich bereits zu diesem Zeitpunkt bei mir an die Spitze geschoben. Und sie verweilen dort bis heute, wenn auch nicht mehr ganz allein. Sie sind für mich eine der wichtigsten Bands überhaupt, die so gut wie nie in meinen gemischten Playlists fehlt. Ihre Musik ist für mich vielleicht nicht physisch überlebenswichtig, doch jedes Mal, wenn ich sie längere Zeit nur sehr wenig oder nicht intensiv gehört habe, merke ich, dass ich sie brauche.

 
Und trotzdem habe ich einige Jahre nur sehr sporadisch verfolgt, was sie machen.
Ich war damals sehr aktiv in der Szene unterwegs, aber das Fandom schreckte mich irgendwann ab. Ich mag nicht detailliert darauf eingehen, warum, denn das ist möglicherweise nur Ansichtssache und ich will niemandem zu nahe treten, aber gegen Ende 2008 habe ich mich zurückgezogen. Ich habe mitbekommen, wenn etwas Neues rauskam, habe mir die Sachen online angehört, aber irgendwie wars das, zumindest gefühlt. Ich weiß, dass ich das nächste Album 2009 noch recht gut mitbekommen habe, wobei auch nur meine damaligen Favoriten hängen geblieben sind. Ähnlich lief es auch 2011 und 2012 bei den Alben ab, wobei ich einen Teil des 2012er Albums intensiver gehört habe. Aber vor allem die Singles dazwischen, sind bei mir halb durchgerauscht. Angehört, das Thema zur Seite gelegt. Infolge dessen weiß ich bis heute oft nicht sicher, welcher Song B-Seite auf welcher Single war, was ich ansonsten sehr gut differenzieren kann.

 
Dann kam das Jahr 2013 und die Band kündigte ihre erste Welttour an. Es würden fast sechs Jahre vergangen sein, seit ich sie gesehen hatte. Sechs lange Jahre nach einer Autogrammstunde und zwei Konzerten. Denn ich war 2007 selbstverständlich verrückt genug, sechs Stunden vor einer Autogrammstunde dazusitzen. Das Ganze fand in einem Einkaufscenter in Berlin statt und wir wurden stundenlang wie exotische Tiere begafft. Und so verrückt das klingt, ich bereue es nicht. Denn abgesehen von den Menschen dort, war die Autogrammstunde immer wechselnd auf 60 – 90 Minuten Dauer angekündigt. Ein paar Minuten, nachdem ich meine Autogramme hatte, wurde abgebrochen. Ja, ich würde mich für so etwas wieder so lange hinsetzen, wenn es mir wichtig genug ist. Denn die Schlange war hinter mir noch sehr lang. Die erste Tour hier, die einzige Autogrammstunde und von entsprechend weit kamen die Fans angereist.
Am Tag darauf gab es das Konzert in Berlin (das einzige, das sie hier je gespielt haben) und am nächsten war ich auch noch in Köln dabei.

 
Aber zurück ins Jahr 2013. Auch wenn so viel Zeit vergangen war, ich so viele andere Bands kennengelernt, kommen und gehen gesehen hatte, Gazette spielten weiterhin ganz oben mit.
Ab einen Monat vor dem Konzert habe ich mir ihre ganze Musik angehört, immer und immer wieder. Nur sie, nichts anderes. Ich entdeckte Songs wieder, die ich lange nicht gehört und tatsächlich vermisst hatte. Andere fühlten sich fast neu an, eben durch diese Art Pause in den vorigen Jahren. Es war alles so unglaublich intensiv (weswegen ich es zeitweise auch bewusst so handhabe, nur eine bestimmte Auswahl zu hören, Abstand kann unglaublich erfrischend sein, ganz auf Gazette verzichten, kann ich dennoch nicht).
Und dann kam das Konzert. Sie spielten in dem Jahr in Deutschland nur in Dortmund und München und ich hatte mich für letzteres entschieden. Nach einer recht nervenaufreibenden Zeit kurz vorher, weil meine ursprünglich geplante Unterbringung nicht funktionierte und zur selben Zeit das Oktoberfest stattfand, war letztlich alles geregelt. Abgesehen davon, dass ich zum ersten Mal allein woanders zu einem Konzert fahren würde, würde ich meiner Zimmernachbarin erst in München das erste Mal begegnen, kennengelernt hatten wir uns im Rahmen meiner verzweifelten Zimmersuche, bei ihr war jemand abgesprungen.
Das Konzert war unglaublich befreiend, ein Gefühl, das mich 2013 ohnehin oft getragen hat, auch wenn die Band sich sehr bedeckt hielt. Im August war eine neue Single erschienen, von der sie nichts spielten, im Oktober stand das nächste Album an, von dem sie auch nichts preisgaben. Aber nach all den Jahren war das völlig egal. Mein kleines Highlight war vermutlich, als sie 「Filth in the beauty」 spielten, ein Song aus den Jahren 2006/2007. Während der Wartezeit lief er beständig in meinem Kopf und weckte Erinnerungen an die Konzerte von 2007. Dass sie ihn spielen würden, damit hatte ich nicht gerechnet, aber sie taten es. Wie die meisten der Titel, die sie live spielen, ist er sehr energiegeladen, aber er hat auch das perfekte Tempo, um zu springen, passt super fürs Headbangen und gehört seit 2013 für mich zu einem Konzert dazu.

 
Da im darauffolgenden Monat das nächste Album erschien, verließ mich die Euphorie nach dem Konzert auch nicht. Ich hatte zwar ein kleines Tief, das sich bei mir nicht selten einstellt, wenn ich realisiere, dass ich wieder in den Alltag zurück muss, aber ansonsten fieberte ich dem neuen Album entgegen, die Band fütterte uns Fans mit kleinen Häppchen und dann war es soweit. Ich weiß gar nicht, wie lang die Intensität damals anhielt, aber das waren insgesamt locker drei Monate.

 
Das nächste Album folgte im Sommer 2015, ihm schlossen sich über das nächste halbe Jahr verteilt noch zwei Singles an und dann kam im Juni 2016 die nächste Welttour. Dieses Mal fuhr ich mit einigen Bekannten nach Köln, eine kleine Gruppe, was alles kostensparender gestaltete, aber ich habe dabei auch die Erfahrung gemacht, dass es mir den Freiraum nimmt, den ich brauche – im Leben an sich, aber auch hinsichtlich der Musik. Niemand der anderen war durch unangenehmes Verhalten daran Schuld, es hing einfach mit den Kompromissen zusammen, die in einer Gruppe notwendig werden.
Dies und ein paar weitere Fehlentscheidungen meinerseits stürzten mich in ein weit tieferes Loch und zogen schon damals nach sich, dass ich wusste, beim nächsten Mal wird es anders.

 
Letztes Jahr kam das nächste reguläre Album (es gab insgesamt noch zwei Alben in der Art von Best ofs, das erste meines Wissens nur eine Zusammenstellung, das zweite mit Re-Recordings und teilweise kleinen, teilweise sehr auffälligen Veränderungen, aber die führt die Band selbst nicht in den regulären Alben auf, weswegen ich sie jetzt nur hier erwähne) und am 22.12. folgte die große Ankündigung der nächsten Welttour.
Und ich habe in meinem letzten Beitrag erwähnt, dass ich „quasi Urlaub gemacht“ habe, denn Erholung war das nicht. Aber da ich hier rausgekommen bin und seit wirklich vielen Jahren nicht klassisch im Urlaub war (Verwandtschaftsbesuche und so zähle ich nicht) und ich wusste, dass die Kosten nicht gering sein würden, habe ich das für mich als meinen Urlaub deklariert.
Nach meinen Erfahrungen 2016 wusste ich, ich würde auf dieser Tour mindestens zwei Konzerte besuchen, also alle in Deutschland, so es denn nicht plötzlich mehr gäbe (das war nur 2007 so). Und ich wusste ebenfalls, ich würde mir ein VIP-Ticket leisten, vielleicht sogar auch zwei. Diese beinhalten einen früheren Einlass, früheren Zugang zum Merchandise (und das war mein eigentlicher Grund, das zu wollen, denn ich habe 2016 nicht alles bekommen, das ich wollte), ein sogenanntes Meet & Greet mit der Band, das aber eher ein Handshake-Event ist (ja, nach 2007 war das ein netter Gedanke, spielte für mich aber tatsächlich nicht die größte Rolle und sorgte auch dafür, nur ein VIP-Ticket zu kaufen) und ein Fangeschenk, das dieses Mal ein dünnes Handtuch war (wobei ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste).
Ende Januar fand der Ticketverkauf statt und im Anschluss reservierte ich noch am selben Tag Zimmer in Köln und München und buchte ebenfalls die Bahntickets. Ich würde das dieses Mal komplett allein machen und höchstens andere Bekannte vor Ort treffen. Wer nicht involviert war, wusste nicht, dass ich das vorhatte (ich rede nicht gern über Dinge, die in der Zukunft liegen, vor allem, wenn sie mir wichtig sind).

 
Von Samstag bis Mittwoch war ich unterwegs, Reise nach Köln, ruhiger Abend, Konzerttag (und ich habe lange gar nicht realisiert, dass es endlich soweit ist), am nächsten Tag die Weiterreise nach München, ebenso entspannt (okay, in beiden Fällen, wenn ich von den anderen Gästen absehe, die waren echt nicht leise, weder in Köln noch in München), der nächste Konzerttag inklusive des Meet & Greets und dann die Rückreise. Bereits am Montag wollte ich eigentlich nur noch wieder nach Haus, denn anders als viele andere, bin ich nicht gern woanders. Ich reise nicht sonderlich gern, sondern halte mich lieber in meiner Wohnung bei meinem Mädchen (= Katze) auf. Doch ich wusste ja, dass der Dienstag sich lohnen würde und das tat er.
Im Rahmen der Konzerte hatten sich einige alte Kontakte wiederbelebt und es war toll Menschen nach Jahren wieder zu treffen. Das Konzert in Köln war schon extrem gut gewesen, sehr heiß (aber das war die Halle 2016 auch schon gewesen), aber auch sehr energiegeladen, außerdem recht emotional für mich. Das in München war noch viel heißer (ich war nie zuvor in einer so heißen Halle wie dort), aber auch seitens der Band weit beteiligter. In Köln haben sie gut gespielt, aber eher jeder für sich. Es gab kaum Interaktionen, die ich durchaus von ihnen kenne. Und genau das trat in München zutage. Es lockerte einfach alles auf.
Das Meet & Greet fand erst im Anschluss statt (ich hatte schon in Köln mitbekommen, dass es wohl an die 300 VIP-Tickets gab, was die Bezeichnung eigentlich lächerlich macht), ich vermute, sie hätten das nicht wie in der Vergangenheit vorher geschafft (der Einlass lag eine Stunde vor dem regulären Einlass und 300 Leute zu kontrollieren, durch das M&G zu bringen und am Merchandise-Tisch durchzuschleusen, ist in 60 Minuten schon sehr schwierig). Also hieß es warten, bis wir aufgefordert wurden, uns aufzustellen und dann ging es der Reihe nach einmal los. Die Jungs standen nebeneinander hinter einem Tisch, schüttelten einem die Hand und bedankten sich, das wars im Grunde auch. Aus dem Hintergrund wurden wir ständig aufgefordert, weiterzugehen, Umarmungen wurden regelmäßig verboten (und manche Fans fragten die Jungs trotzdem danach), manchmal gab es eine kurze Kommunikation über den Dank hinaus, aber dann war auch schon alles vorbei. Es war dadurch ähnlich wie 2007 bei der Autogrammstunde, auch da wurde permanent gedrängelt, man solle sich beeilen, obwohl die Jungs damals ja Autogramme schrieben und das Warten vor einem von ihnen nicht daran lag, sich nicht trennen zu wollen. Und obwohl beides sehr schnell ging – das waren immer nur wenige Sekunden – so fühlt sich das jedes Mal für mich unendlich an. Das war 2007 so und unterscheidet sich dieses Mal nicht.
Ich bin danach nicht länger dort geblieben, auch meine Bekannten wollten in ihr Hotel zurückkehren, ich musste aber am nächsten Morgen früh aufstehen und musste noch packen und ganz dringend duschen.

 
Das Ganze liegt jetzt gerade einmal drei Wochen zurück (wenn das hier online geht, sinds dreieinhalb Wochen) und ich bin noch immer nicht so richtig zurückgekehrt. Zumindest thematisch ist mein Kopf noch immer voll von Musik, voll von dieser wundervollen Band und lässt keinen Platz für anderes.

 
Gazette werden für mich immer etwas ganz Besonderes sein und wegen der Tour schreibe ich jetzt über sie, denn ich wusste, ich könnte mich jetzt nicht auf eine andere konzentrieren (der Beitrag zu MUCC kam zwar zwei Tage nach meiner Rückkehr online, tatsächlich habe ich aber die letzten drei Juni-Beiträge vor meiner Abreise geschrieben und geplant, weil ich wusste, dass mein Kopf dafür keine Kapazitäten haben würde, nicht mal für Beiträge ohne Musik).

 
Ich werde euch jetzt einfach meine Schätze zeigen, zwischen den Text haben sie heute irgendwie nicht so richtig gut gepasst also kommen sie einfach hintereinander.

 

CDs
(alle 9 Alben, eines davon in zwei Versionen, zwei Minialben und noch ein gesondertes)

 

DVDs

 
Tourshirt und Bandana, beides 2007

Vorderseite Shirt, Bandana ausgeklappt

 

Rückseite Shirt, Bandana gefaltet

 
Tourshirts 2013

Vorderseite

 

Rückseite

 
Tourshirt 2016 (links) und „Black Moral“-Shirt (im NeoTokyo gekauft)

Vorderseite

 

Rückseite

 
Merchandise 2019
Hoodie (links), Tourshirts

Vorderseite

 

Rückseite

 
Das war es im Groben. Es ist noch eine ganze Menge mehr Geld indirekt in die Band geflossen, aber dafür habe ich einen gesonderten Beitrag geplant und das betrifft auch nicht nur Gazette.

 
Jetzt fehlen nur noch die Videos.
Ein paar wenige habe ich ja schon im Dezember bei meiner Playlist für die Weihnachts-/Winterzeit verlinkt.
Mich zu entscheiden, fällt mir unglaublich schwer, denn Gazette haben in mittlerweile gut 17 Jahren so vieles gemacht, sie haben sich verändert, sind gewachsen und trotzdem immer noch unglaublich toll. Ich mag nach wie vor viele der alten Songs, auch wenn ich die aktuelleren häufiger höre.

 
Ich denke, ich starte einfach mal mit dem Song, mit dem ich glaube, sie kennengelernt zu haben. Er zählt nicht mal zu meinen Top-Favoriten. Ich weiß nicht sicher, ob es wirklich der erste Song war, aber es waren auf jeden Fall die Kostüme, die sie in dem Video tragen.
SILLY GOD DISCO

 
十七歳 (juunana sai) ist einer ihrer ältesten Songs, aus dem Jahr 2002 (das zeigt auch die Videoqualität). Trotzdem zählt er zu der sehr langen Liste meiner Favoriten. Er hat eine sehr eigene Art sich zu steigern und vor allem, wenn zum Ende die Gitarre noch mit im Hintergrund einsteigt, geht mir jedes Mal das Herz auf (wer wissen will, was ich meine, muss durchhalten).

 
Verglichen mit heute waren sie gewissermaßen in den ersten Jahren roher und vielleicht auch verrückter drauf. Ein Beispiel dafür ist 春ニ散リケリ、身ハ枯レルデゴザイマス (haru ni chirikeri, mi ha kareru de gozaimasu).

 
Da ich es schon erwähnt habe und von dem Song ohnehin nicht genug bekommen kann, verlinke ich auch Filth in the beauty.

 
Ich arbeite mich hier gerade ein bisschen durch ihre Discography und versuche mich pro Album für einen Song zu entscheiden (das vorige habe ich übersprungen, weil ich davon 「DIM SCENE」 bereits letztes Jahr verlinkt hatte) und nehme deswegen THE SUICIDE CIRCUS mit rein.

 
Vom nächsten Album weiß ich, dass zu 「DERANGEMENT」 ein PV existiert, das ich mir nur einmal angesehen habe, weil es extrem eklig war (ich meine mich an Maden zu erinnern, aber ich glaube, das war längst nicht alles), deswegen lasse ich den Song weg. Eine Entscheidung zu treffen, fällt mir ohnehin schwer, aber im Endeffekt nehme ich ATTITUDE. Unter anderem auch, weil der Song ziemlich gut zeigt, wie die beiden Konzerte aussahen, auf denen ich dieses Jahr war. Sie haben ihn zwar nicht gespielt, aber so in der Art war der überwiegende Teil der Musik, vielleicht ein bisschen mehr melodisch, aber rein von der Energie her.

 
Mit dem nächsten Album wird die Entscheidung fast noch schwerer. Ich hatte mich bis 2013 nie auf eines als Favoriten festlegen können, doch das änderte sich damals schlagartig (ich habe auch keines so oft gehört, wie dieses, wobei ich fast glaube, dass die beiden nachfolgenden nicht kürzer gekommen sind, sie kann ich nur noch nicht so lange hören und dadurch auch weniger häufig), was allerdings jetzt auch schon nicht mehr so richtig passt, mittlerweile sind es im Grunde die letzten drei Alben. ^^
Ich nehme jetzt einfach INSIDE BEAST. Eigentlich wollte ich das PV verwenden, doch dann habe ich diese Live-Version gesehen und festgestellt, dass es der erste Song der Zugabe ist. Und das war er auf beiden Konzerten hier dieses Jahr auch, also muss es diese Version sein.

 
Da ich aus dem nächsten Album auch schon in dem älteren Beitrag 「DOGMA」 verlinkt hatte, lasse ich diesen Song jetzt auch weg und gehe stattdessen zum letzten Album über. Das Shirt auf dem letzten Bild ganz rechts zieren drei Zeilen aus Falling.

 
Und bevor ich euch die letzten drei Alben in Gänze dalasse, verlinke ich aus einem von ihnen noch ab einer bestimmten Stelle. Denn mein absoluter Top-Song ist nicht einer, sondern es sind zwei. Und obwohl sie inhaltlich nicht miteinander verbunden sind, so gibt es auf dem Album keine Unterbrechung und irgendwann im zweiten der beiden Songs wunderte ich mich, wann der vorige denn enden würde, da keine extra langen Titel auf dem Album waren. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich schon im zweiten und habe sie seitdem nie getrennt gehört, obwohl das Album mittlerweile über fünfeinhalb Jahre draußen ist.
TO DAZZLING DARKNESS + CODA (einfach bis zum Ende durchhören, es sind die letzten beiden Titel auf dem Album) Auch wenn meine Auswahl zeigt, dass ich die sehr energiegeladene Musik von ihnen liebe, so trifft es eindeutig nicht auf meinen Favoriten zu (den höchsten Favoriten, ich habe eine sehr lange Liste an Titeln, die ganz oben rangieren).

 
Komplette Alben:
『BEAUTIFUL DEFORMITY』 (23.10.2013)
『DOGMA』 (26.08.2015)
『NINTH』 (13.06.2018)

 
Kennt ihr die Band? (das ist nicht ganz so ausgeschlossen wie bei mancher der bisherigen)
Woher kennt ihr sie oder seid ihr neugierig geworden?
Was gefällt euch oder auch nicht an ihnen?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – MUCC

 
Für diesen Beitrag habe ich mir eine Band ausgesucht, für die es endlich Zeit wird. Denn mit ihr bin ich in die japanische Musik überhaupt eingestiegen.

 
Es war entweder noch Ende 2005 oder vielleicht auch schon 2006, als mein Bruder immer wieder diese Band gehört hat. Wenn ich bei meinen Eltern war, hörte ich einzelne Lieder, manche im Laufe der Zeit mehrfach und so blieben sie bei mir hängen. Sie gefielen mir, ich suchte zu Haus online ein bisschen und fand heraus, dass MUCC (damals noch mit der Schreibweise ムック) sogar im Mai in Berlin spielen würden. Aber der Preis von damals gut 30,00 € erschien mir sehr hoch (üblicherweise zahlte ich sonst für Bands in diesem Club ungefähr 20,00 €). Ich ließ von dem Gedanken ab, doch drei Tage vor dem Konzert war da der Gedanke, wer weiß, wie schnell sie wieder nach Deutschland kommen würden. Also ab zum Reisebüro mit Theaterkasse, Ticket gekauft, rüber zum Elektromarkt, zwei Alben gekauft und das wars.

 
Es ging danach sehr schnell auch mit anderen Bands weiter, doch darauf möchte ich jetzt hier nicht eingehen, zu einem Teil von ihnen kommen ohnehin noch einzelne Beiträge.

 
Es war das erste Konzert, auf das ich allein gegangen bin, weil ich niemanden kannte, der solche Musik hört (mein Bruder zählt nicht, er geht nicht auf Konzerte), aber obwohl ich mir das total komisch vorgestellt hatte, hat es mich nicht gestört. Was nicht bedeutet, dass ich jemanden kennengelernt habe.
Das kam erst ein paar Monate später, nach weiteren Konzerten und witzigerweise im Zusammenhang mit dem Japanischkurs, den ich an der VHS belegt habe. Zwei Fans, die ich auf Konzerten ein paar Mal gesehen hatte, waren auch in dem Kurs und darüber ergab sich dann mehr Kontakt in die Szene, die es damals in Berlin gab (mittlerweile ist davon nicht mehr viel übrig, so mein Eindruck). Und zusätzlich eben auch über Onlinekontakte.

 
Mein Gedanke, wann MUCC wieder nach Deutschland kommen würden, war eindeutig naiv, zumindest zur damaligen Zeit, denn bereits im Frühjahr 2007, also nicht mal ein Jahr später, waren sie wieder in Europa. Ich war mittlerweile Stammgast im NeoTokyo (ein kleiner Shop für Manga, Anime, J-, wie auch K-Music; eigentlich war ich auch Stammkunde, aber nicht nur, wir gehörten damals quasi zum Inventar) und als ich meine Tickets für Saarbrücken und Berlin gekauft hatte (ja, das waren zwei Konzerte, denn ein Teil der Tour war eine sogenannte Coupling Tour, also MUCC und noch eine weitere Band – BALZAC – und ich wollte unbedingt eines der Onemans von MUCC mitmachen und daher fiel die Wahl zusätzlich auf Saarbrücken), gab es noch eine Frage vom Verkäufer hinten dran: Wegen der Coupling Tour ab dem Auftritt in Hamburg gäbe es weniger Platz im Bus und sie bräuchten noch jemanden für den Merchandise-Verkauf, ob ich denn Lust dazu hätte. Die Fahrt bekäme ich bezahlt, das Konzert könnte ich mir anschauen, weil in der Zeit wenig am Verkaufstisch los sei, ich bräuchte nur eine Unterkunft. Und da ich eine Freundin in Hamburg wohnen hatte, war ich dann ganz spontan dabei und konnte auf der Tour drei Konzerte sehen. Und die Unterstützung in Hamburg war natürlich etwas ganz besonderes. Auch wenn ich dadurch keinen Kontakt zur Band hatte oder so, darauf kam es gar nicht an. Der Sänger war zwar zwei Mal in der Nähe, einmal während der Rest der Band noch beim Soundcheck auf der Bühne stand, saß er mit Laptop nur ein paar wenige Meter entfernt (während ich vorbereitend Poster rollte, damit es beim Verkauf schneller ginge, hinterher haben wir sie dann alle wieder entrollt, damit sie sich besser transportieren lassen), später kam er dann an den Tisch und wollte für ein paar japanische Münzen eine CD mitnehmen (was dann ein sehr günstiger Kauf für ihn gewesen wäre ^^).
Die Konzerte auf der Tour waren natürlich alle spitze, aber jedes für sich eine eigene kleine Erfahrung. Beispielsweise erhielten besagte Freundin und ich am Abend vor dem Konzert in Saarbrücken einen Anruf, weil die Band was essen gehen wollte. Die Besitzer des NeoTokyo haben auch ein Label hier in Deutschland, das eben diese Tour ausgerichtet hat und daher war der Verkäufer aus dem hiesigen NeoTokyo begleitend bei der Tour dabei, was zu dem Anruf geführt hat.
Ebenso ist das Konzert in Saarbrücken für mich insofern immer besonders, weil sie dort einen Song live aufgenommen und als B-Seite auf eine Single gepackt haben. Was gibt es schöneres, als einen dauerhaften Eindruck eines Live-Erlebnisses, bei dem man dabei war?

 
Leider war es das auch schon mit meinen Konzerterfahrungen (es ist also bereits über zwölf Jahre her). MUCC waren zwar noch zwei Mal in Berlin, aber beide Male konnte ich aus finanziellen Gründen nicht gehen (beim zweiten Mal wars fest einkalkuliert, aber dann kam die Nierenerkrankung meiner Katze dazwischen und die Untersuchungen waren einfach wichtiger). Ich hoffe, sie kommen mal wieder her und ich kann dann dabei sein.

 
Was die CDs etc. betrifft, habe ich tatsächlich gar nichts selbst in Japan bestellt.
Die ersten beiden Alben (『朽木の灯』 (kuchiki no tou, das sehr dunkle, zweite von unten, links) und 『鵬翼』 (houyoku, das helle darüber)) habe ich, wie oben erwähnt, im Elektromarkt gekauft. Die Single 『最終列車』 (saishuu ressha, rechts neben den beiden Alben) müsste ich auf dem ersten Konzert mitgenommen haben, glaube ich. Alles weitere habe ich im NeoTokyo erstanden. Was auf dem Bild nicht zu sehen ist, sind noch ein paar digitale Käufe über iTunes.
Außerdem habe ich mir 2007 auf der Tour noch Shirts geholt.

 

Vorderseite

 

Rückseite

 
Es gab nach 2007 ein paar Jahre, wo ich ein bisschen Abstand genommen habe, weil mir die Releases nicht so gut gefallen haben.
So richtig zurück waren MUCC für mich erst 2015 mit ihrem Minialbum 『T.R.E.N.D.Y. -Paradise from 1997-』. Stilistisch ging alles wieder mehr in die Richtung, mit der ich die Band kennengelernt habe. Auch ihr neuestes Album 『壊れたピアノとリビングデッド』 (kowareta piano to living dead) gefällt mir sehr gut.
Mittlerweile gibt es die Band seit 22 Jahren, sie zählen also eindeutig zu den erfahrenen Musikern (im Vergleich zu manch anderen Bands, über die ich schon geschrieben habe).

 
Hier kommen jetzt wie immer noch ein paar Videos:

 
「最終列車」 (saishuu ressha) (die oben erwähnte Single und einer der Songs, die mich zur Band gebracht haben)
「雨のオーケストラ」 (ame no orchestra) (der andere Song, der nicht mehr aus meinem Kopf verschwinden wollte)
「リブラ」 (libra) (ich mag das PV total gern und den Song ohnehin, die Melodie im Refrain ist einfach so wundervoll)
「B.L.U.E -Tell me KAFKA-」 (vom Minialbum 『T.R.E.N.D.Y. -Paradise from 1997-』) (auch hier ist es die Melodie und überhaupt, wie es in den Refrain reingeht, was ich so mag, das Video ist eine Live-Aufnahme)
「モノクロの景色」 (monochrome no keshiki) (auch einer der Songs, die mich von Anfang an begleiten und schon immer zu meinen Favoriten gezählt haben)

 
Da MUCC nicht ganz so unbekannt sind, kennt ihr sie?
Habt ihr sie vielleicht auch schon mal live gesehen oder was ist eure Geschichte zur Band?
Wenn die Band neu für euch ist, wie gefällt sie euch?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – ANUBIS

 
Wo ist denn eigentlich die Zeit hin? Der letzte Musikbeitrag ist tatsächlich schon sechs Wochen her. Es wird also dringend Zeit, euch die nächste Band vorzustellen.

 
Heute habe ich mich für ANUBIS entschieden.
Eine Band, die es auch schon lange nicht mehr gibt, schon gar nicht so, wie ich sie einmal kennengelernt habe. Doch eins nach dem anderen.

 
Grund dafür, ANUBIS heute mit reinzunehmen, ist erneut der Bezug zu FeaDior. Das beginnt bereits beim Kennenlernen, doch geht noch weit darüber hinaus.

 
Ich hatte im Februar erzählt, dass ich über einen der Members von FeaDior in einer Zeitschrift gestolpert und neugierig war. Allerdings war das nicht nur dieser eine Musiker, sondern es waren zwei weitere in dem Interview und dadurch auch mit Bild vertreten, nämlich der Sänger und Bassist von ANUBIS. Beide Bands waren damals beim selben Label, das meines Wissens dem Bassisten von ANUBIS gehört/gehörte (ich weiß nicht sicher, ob es noch existiert). Wie bei FeaDior war ich damals auf den Sound neugierig. Und wie sich das anhörte, findet ihr unten verlinkt.

 
Das war also ebenfalls 2007 gewesen.
2008 war dann nicht mehr wirklich etwas von der Band zu hören. Es wurden keine Releases angekündigt, in den Communitys auf LiveJournal oder in Foren tauchten keine Infos auf. Ein Disbanding war nicht unwahrscheinlich, allerdings gab es auch darüber keine Nachrichten.
Noch 2009, glaube ich, kam dann eine neue Ankündigung: Ein Album. Das hatte es vorher nicht gegeben, nur zwei Singles und war dadurch eine große Sache. Mittlerweile war auch klar, dass außer dem Bassisten, der die Band gegründet hatte, auch niemand mehr geblieben war, einer der Gitarristen hatte bereits 2007 solo weitergemacht, der andere war ebenfalls ausgestiegen und in einer neuen Band (die auch noch auf meiner Liste steht, die Verknüpfungen bleiben erhalten ^^), es gab einen neuen festen Gitarristen sowie einen, der als Support dabei war. Aber eben nur bis 2008, dann verlor sich alles.

 
Als die Ankündigung für das Album kam, steigerte sich mein Interesse für die Band um ein Vielfaches. Mir hatten die Songs, die sich online finden ließen, gefallen, aber das war es damals auch gewesen. Für das zweite Line-Up gab es laut CD-Booklet vier Members, der altbekannte Bassist, ebenfalls einer der ersten beiden Gitarristen, einen neuen Drummer (den ich nur von hier namentlich kenne) und … und … der zweite Vocal von FeaDior. Hier kommen sie wieder ins Spiel und das war für mich der Grund, diese CD bestellen zu wollen.
Was damals gar nicht so einfach war.

 
Wie ich schon erwähnt hatte, gab es damals kaum Shops, die ins Ausland lieferten. Und in dem mir damals einzigen bekannten, war die Band nicht gelistet. Ich habe in ziemlich miesem Japanisch dem Sänger eine Nachricht geschrieben (E-Mail oder über den Bloganbieter) und nachgehakt. Kurze Zeit später kam die Info auf einen anderen Shop, der zwar nicht regulär eine Einkaufswagen-Option hatte, aber per E-Mail und sogar PayPal Bestellungen aus dem Ausland ermöglichte. Und genau über diesen Weg zog die CD auch bei mir ein.
Beim Lesen der Titel wurde mir schnell klar, dass ein paar alte Bekannte dabei sind. Beim ersten Anhören war ich dann leicht sprachlos.
Ich kannte diesen Vocal ja bereits seit ein paar Jahren und war von seiner Stimme schon immer begeistert gewesen. Doch mein erster Gedanke nach einem Song war: er hat eine Ausbildung durchlaufen. Das ist unter den Vocals nicht üblich. Gesangstraining haben viele von ihnen, aber eine richtige Ausbildung eher nicht. Er hat auch irgendwann später mal in einem Blogbeitrag darüber geschrieben, was mir diesen Gedanken bestätigt hat, aber es ist eigentlich ohne Weiteres rauszuhören, gerade mit dem Unterschied zu den Songs von FeaDior.

 
Dem Album folgte eine Single sowie ein Song auf einem kostenlosen Omnibus (den ich dem Shop auch noch aus der Tasche leiern konnte, eigentlich lagen die in Geschäften in Japan aus, aber darauf hatte ich ja keinen Zugriff und als ich etwas von einer anderen Band bestellt habe, habe ich gefragt, ob sie mir nicht eine von den CDs dazulegen können XD).
Unter dem Namen ANUBIS war es das dann leider.
Es folgte 2013 noch ein weiteres Album, allerdings nur noch unter dem Namen des Bassisten, der das Projekt seitdem allein betreibt, aber ich habe mich damit nicht mehr weiter befasst.

 
Das Besondere an ANUBIS ist wohl der Bezug zum Thema Pharaonen, Ägypten etc. Das ist teils an den Titeln schon ein bisschen zu erahnen.
Aber gerade das Album 「MYTH -神々の調べ-」 (MYTH -kamigami no shirabe-) ist eine Geschichte mit gesprochenen Elementen zwischendrin (ich mag es ja, dass die Erzählungen auf Englisch gehalten sind, so kann auch ich sie verstehen, zumindest die Einleitung und am Ende, die Figuren in der Geschichte sprechen Japanisch). Aus diesem Grund verlinke ich auch das gesamte Album als Playlist, denn wer von euch sich für Anime interessiert, mag das vielleicht mal mitnehmen. Es ist ein Wechsel aus Sprache, Songs und immer wieder auch Sounds, die für eine gewisse Stimmung passend zur Geschichte sorgen. Die Stimmen von Creed und Osiris werden beide vom Sänger gesprochen, aber auch ein Teil der anderen Musiker spricht eine Figur.

 
Hier kommen jetzt also die Verlinkungen. Erst einmal die alten Aufnahmen mit dem ersten Vocal.
「SUBLIMINAL 【Collectors version】」 (Titel 4 auf dem Album)
「死者の書「アニのパピルス~魂ノ裁判~」」 (shisha no sho ‚ANI no Papyrus ~tama no saiban~‘) (Titel 6 auf dem Album)
「スカラベ徘徊」 (Osiris houtei) (das hier ist eine Live-Version, auf dem Album ist das ziemlich anders, Titel 7)
「月ノ華」 (tsuki no hana) (Titel 13 und 14 auf dem Album, mein Favorit ist die 14)
「スカラベ徘徊」 (scarab haikai) (nicht auf dem Album, aber ich mag den sehr gerne, ich vermute, dass das eine Live-Aufnahme ist und sie den Song auch nur live gespielt haben, denn abgesehen von dem kurzen melodischen Stück werden darin die einzelnen Members vorgestellt: Guitar Sayo, Guitar Dai, Bass Run, Drums Shintaro, Vocal Yukiki)

 
Und dann habe ich hier den Link zum Album:
「MYTH -神々の調べ-」 (MYTH -kamigami no shirabe-)

 
Wie immer, frage ich erstmal, ob ihr die Band zufällig kennt?
Gefällt euch der Sound bzw. das Konzept?
Wenn ihr auch schon bei FeaDior reingehört habt, seid ihr von der Entwicklung der Stimme auch so begeistert wie ich?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – DIMLIM

 
Die Band, für die ich mich diesen Monat entschieden habe, ist die jüngste, glaube ich.
Die erste Info, die ich zu DIMLIM kenne, stammt aus dem März 2017 und nur knapp einen Monat später hatten sie das erste Video online, das mir auch unglaublich gut gefallen hat (ich verlinke es unten). Schon ab diesem Zeitpunkt war ich neugierig, doch da ein Song auch nur eine Eintagsfliege sein kann, habe ich abgewartet, beobachtet, was die Band noch so auf ihrem YouTube-Account hochlädt und mir Samples auf iTunes angehört, als letztes Jahr im Sommer ihr erstes Album raus kam.

 
Ich mochte die Beispiele so sehr, dass ich Freunde fragte, ob sie mir von ihrer Reise nach Japan im November das Album mitbringen würden.
Doch sie kehrten mit leeren Händen zurück, denn das Album war ausverkauft. Sie hatten diverse Läden abgegrast und eine Verkäuferin hat dann mal genauer nachgeschaut. Diese Info bestätigte sich auch hier für mich.
Ich hätte das Album natürlich über iTunes kaufen können, aber ich mag nun mal CDs weit lieber. Und während ich durchaus auch digital kaufe, möchte ich Releases, die ich so richtig liebe, in der Hand halten können, unter anderem auch wegen der Songtexte.

 
Ich habe als nächstes einen Onlineshop hier in Deutschland durchgeschaut und die CD dort gefunden, allerdings weit teurer.
Dieser Onlineshop brachte mich wiederum auf einen anderen, der auch eine Niederlassung in Berlin hat, in der ich vor vielen Jahren sehr regelmäßig war. Ich telefonierte also mit ihnen, denn auf deren Webseite war die CD durchaus verfügbar, allerdings heißt das eher, dass sie in München statt in Berlin liegt. Doch nicht einmal so war es, auch in München waren die Exemplare bereits verkauft, allerdings könne man bestellen. Daran habe ich nicht geglaubt, denn wenn das Album in Japan ausverkauft ist, wird auch kein kleiner Shop in Deutschland noch ein Exemplar bekommen. Und die Kosten wären auch nicht wirklich anders gewesen als bei dem anderen Onlineshop.
Und ich setzte ein bisschen Hoffnung in eine zweite Auflage, denn ich fand immer wieder enttäuschte Stimmen, die keine CD mehr bekommen hatten, im Internet.

 
Es kam wie es kommen sollte, nur kurz darauf hieß es, dass es eine zweite Auflage geben wird, die sogar noch vor Weihnachten erscheint.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt ohnehin eine Bestellung bei einem japanischen Shop laufen, diese CD wurde aber erst im Januar veröffentlicht und deswegen stand die Lieferung noch aus. Kaum, dass dieser Shop die zweite Auflage gelistet hatte, lag sie in meinem Warenkorb und musste sich dort noch ein bisschen gedulden, bis sie dann im Januar bei mir einziehen durfte.

 
Zurück zur Band selbst, obwohl ich dazu nicht viel sagen kann. Es ist eine der wenigen Bands, bei der ich nicht weiß, wie die Mitglieder heißen oder wo sie vorher mal gespielt haben. Für mich zählt die Musik zwar immer am meisten, aber oft kenne ich mehr als nur diese. Ich kann auch nicht sagen, dass es mir total egal ist, aber tatsächlich interessieren mich weder die Looks noch die Namen so richtig.
Dieser erste Song, den ich damals gehört habe, er hat mich sofort an DIR EN GREY denken lassen, eine der Bands, die ich bereits 2006 gehört und geliebt habe, die zweite japanische Band, die ich live gesehen habe. DIMLIM klingen nicht genauso, sie sind aus meiner Sicht keine Kopie, aber sie haben bei mir sofort eine Verknüpfung ausgelöst. Und das hat sich nie ganz geändert. Ich will jetzt nicht zu sehr auf DIR EN GREY eingehen, denn sie stehen tatsächlich auch noch für irgendwann auf meiner Liste, aber es gibt musikalische Phasen bei ihnen, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Und DIMLIM haben eben den Teil in mir angesprochen, den ich auch bei DIR EN GREY extrem liebe.

 
Es ist eine Mischung aus Shouts und Screams, die sich mit wundervollen Melodien abwechseln. Dazu kommt das Schlagzeug, das für mich immer sehr wichtig ist, eine Band, die mit zwei Bassdrums daher kommt (das wird noch so einige Male passieren, ich stehe da total drauf), mit leichten Metaleinflüssen, ohne wirklich Heavy Metal zu sein (was absolut nicht meins ist). Für alles Weitere dürft ihr euch ein eigenes Bild machen.

 
「アハレワタ」 ist das Video, das ich damals zu erst gesehen und gehört habe. Aufgrund der Schreibweise bin ich nicht sicher, was der Titel bedeuten soll und lasse ihn deswegen einfach mal nur japanisch stehen.
Ich habe damals sogar das dazu auf Facebook hinterlassen und das Video geteilt:

Uh, eine neue Band in meiner Musikszene.
Gleich ein Drumset mit einer Double Bass zu entdecken, war schon mal positiv. Dann war ich etwas unschlüssig. Ich mag Screams und Shouts, aber zu viel nervt mich schnell. Doch dann kam der melodische Gesang und ja, bislang bin ich erstmal interessiert. Mal sehen, was sich daraus so entwickelt.

「THE INVISIBLE」 ist ein weiterer Song, der mir sehr gut gefällt und ich bin froh, dass die Band ihn hier selbst eingestellt hat, denn er ist nicht auf dem Album drauf.
Das Album CHEDOARA habe ich als Playlist auf YouTube gefunden und stelle es hier einfach mal mit rein. Meine Favoriten sind definitiv 「GROTESQUE」 und 「「人」と「形」」 (‚hito‘ to ‚katachi‘). Aber auch wenn die beiden kurzen instrumentalen Stücke für mich etwas gewöhnungsbedürftig waren, mag ich das ganze Album und kann mich beim Rest schwer entscheiden, wen ich beim Nennen aussortieren könnte. 「vanitas」 findet ihr auf dem YouTube-Account der Band auch noch als komplettes PV. Wer auf nachdrückliche Screams steht, kommt bei dem Song auf seine Kosten. Und wie ich gelesen habe, schafft der Sänger es tatsächlich, das auch live umzusetzen.

 
Sagt euch diese Musik zu?
Oder ist sie euch zu „laut“?
Kennt ihr die Band?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – Jewel

 
Heute geht es mit meiner Reihe über die Bands weiter.

 
In diesem Monat geht es um die Band Jewel. Ausgewählt habe ich sie, da sie einen Bezug zur Band des vorigen Monats – FeaDior – hat, denn fast ein halbes Jahr nach dem Last Live FeaDiors (31.07.2008, ich komme mal zu meinem Fable für Daten, es kann also sein, dass ich bisweilen Zeiträume nicht nur umschreibe, sondern mit exakten Daten um mich werfe, weil das eben ich bin) erwähnte deren Drummer seine neue Band: Jewel.
Bereits drei Monate später erschien ihr erster Song „Crazy Game“ auf einem Omnibus-Release und ich wusste, ich werde die Band nicht nur im Auge behalten, weil das für jeden der ehemaligen FeaDior-Mitglieder der Fall sein würde, sondern weil ich von dem Song restlos begeistert war (leider ist ihre Musik auf YouTube kaum zu finden, dieser fällt darunter, der Vorteil daran ist wiederum, dass ich nicht auswählen muss, was ich mit euch teile).

 
Es folgten ungefähr eineinhalb Jahre Aktivität, in denen ich einige interessante Wege durchlief, um an die Musik der Band zu kommen. Der Omnibus am Anfang, vier reguläre Singles, eine davon in zwei Versionen, ein Minialbum und eine Live-only-Single (das bedeutet, sie wurde nur auf dem Konzert verkauft) zum Abschluss, mehr umfasst ihre Diskografie nicht (wobei das immerhin ein paar Titel mehr als bei FeaDior sind, die nicht nennenswert kürzer existiert haben).

 
Ich weiß nicht mehr, wie ich zu dem Omnibus und der ersten Single gekommen bin, wobei die Single ein Geschenk einer Freundin war, deswegen denke ich, dass sie die auch besorgt hat.
Für die zweite Single habe ich damals eine Japanerin online gefunden, die recht gut Englisch konnte und mir die Single kaufen und anschließend schicken würde. Das Problem war die Bezahlung. Ich besaß keine Kreditkarte, weil ich sie normalerweise nicht brauchte und um in Japan einen PayPal-Account zu erstellen, benötigte man wiederum dort eine Kreditkarte (ich weiß nicht, ob das heutzutage immer noch so ist, das ist in etwa zehn Jahre her) und die hatte sie nicht, ich konnte ihr das Geld also nicht via PayPal schicken. Ich bin also hier zu meinem Kreditinstitut gestiefelt und habe den nötigen Betrag in Yen umgetauscht. Der sollte mir einige Tage später zugesendet werden. Das passierte auch, allerdings muss zur selben Zeit noch jemand einen entsprechenden Umtausch vorgenommen haben, denn ich bekam viel mehr Geld als ich eigentlich hätte haben sollen. Das sah sehr nett aus, aber es war ja leider trotzdem nicht mein Geld. Nachdem ich also wieder bei meinem Kreditinstitut gewesen und alles geklärt war, konnte ich die Scheine in einen Umschlag stecken und per Post nach Japan schicken. Auf demselben Weg kam dann irgendwann auch meine CD.

 
Die nächsten beiden Releases (Single und Minialbum) konnte ich nicht vorbestellen und als ich sie endlich kaufen wollte, waren sie in meinem Shop, der ins Ausland liefert, ausverkauft. Im Endeffekt bin ich nur über die Hilfe meiner Freundin und einem Shopping-Service (das sind Menschen, die in Japan leben und gegen einen Aufpreis, den sie für den entstandenen Aufwand erhalten, Waren für andere kaufen und an sie senden) an beide CDs gekommen.

 
Die nächste Single erschien genau einen Tag bevor eine andere Freundin, die für einen Urlaub in Japan war, wieder abreiste, so dass sie sie direkt vor Ort kaufen konnte, weswegen ich auch gleich beide Versionen gekauft habe (die Versandkosten sind in der Regel recht hoch und da diese entfielen, konnte ich mir auch die zweite Version gönnen, die einen anderen Titel zusätzlich enthält). Außerdem hat sie auf einem Konzert, auf dem auch Jewel gespielt haben, das Fotoset, das unten rechts auf dem obigen Foto abgebildet ist und die Chekis (die kleinen Polaroids ganz oben, die heißen dort so) gekauft. Gerade Chekis sind bei den Indie-Bands damals sehr beliebt gewesen (sie werden auch jetzt noch angeboten, aber ob sie noch so gut gehen, weiß ich nicht). Die Band-Mitglieder fotografieren sich dafür backstage gegenseitig, kritzeln etwas auf die Bilder und der Verkauf erfolgt dann meist im Los-Verfahren: Die Chekis befinden sich in einer Box und man darf reingreifen und ziehen.

 
Abschließend ist da noch die Single, die es ausschließlich auf dem Last Live im April 2010 gab. Auch hierfür habe ich glücklicherweise eine Japanerin kennengelernt, die mir die Single kaufen würde. Sie hat sogar noch ein paar andere Bilder dazu gelegt (unten links auf dem obigen Foto), worüber ich mich sehr gefreut habe.

 
Es gab durchaus noch andere Songs, die nur auf Lives verkauft oder vergeben wurden (es gibt da noch mal die Trennung nach „live sold“ und „live distributed“), aber diese wurden nicht in der Diskografie auf ihrer Webseite aufgeführt, anders als diese Last-Live-Single. Warum das eine so und das andere so gehandhabt wird, habe ich nie verstanden.
Auf jeden Fall war ich so unglaublich froh, als ich damit die Diskografie in meinem Regal komplettieren konnte.

 
Die Musik hat sich im Laufe der Zeit ein wenig gewandelt.
Jewel hat sehr „laut“ gestartet, was einfach nur bedeutet, es waren schnellere Songs mit viel Shouting, wenn sie auch zusätzlich melodische Stellen beinhalteten. Wirklich ruhige Songs sind insgesamt seltener, aber auf der zweiten Single gab es die erste Ballade. Dennoch sind sie damit immer in dem Rahmen geblieben, der mir bis heute gut gefällt (wobei zukünftige Beiträge auch noch zeigen werden, dass ich es gern „laut“ mag).

 
Leider hat sich das Ende der Band wohl bereits am 17.12.2009 angekündigt als Bassist und Drummer (ausgerechnet an seinem Geburtstag und dann auch noch derjenige, der mich zu dieser Band gebracht hat) ihren Austritt im nächsten Monat ankündigten. Nur zweieinhalb Monate später fand das Last Live statt. Und ironischerweise ist keines der drei übrigen Mitglieder je wieder in einer festen Band gewesen, was für den Bassisten und Drummer nicht galt. Sie waren beide für längere Zeit in einer anderen Band, der Bassist sehr schnell, bis er dort ausgestiegen ist, um sich etwas anderem zu widmen, wobei er seit Kurzem doch wieder in einer Band spielt. Der Drummer war dagegen teils als Support unterwegs, teils in zeitlich begrenzten Projekten und ist dann aber vom 11.02.2013 bis 10.12.2018 fester Teil der Band Neverland gewesen. Mittlerweile hat er sich davon aber zurückgezogen und ist als DJ unterwegs.
Die anderen drei sind zwar auch nicht ganz von der Musik abgewandert, aber wirklich aktiv scheinen sie auch nicht zu sein, was sehr schade ist. Allerdings verhält es sich meiner Beobachtung nach mit den Indie-Musikern nicht viel anders als mit Selfpublishern. Je nach privatem Umfeld und finanziellen Verhältnissen kann sich der eine tiefer als der andere in die Musik knien.

 
Auf diesem Foto zeige ich euch noch ein paar Goodies. Es ist zumindest bei den Indie-Bands nicht unüblich, dass jeder Shop eine Besonderheit dazugibt, wenn man die CD dort kauft. Was es ist, wechselt ein bisschen, es können Fotosets sein, willkürlich Fotos eines Band-Mitglieds, Video-Kommentare oder oder oder. Als meine Freundin, die in Japan Urlaub gemacht, meine CD gekauft hat, hatte ich deswegen auch einen bestimmten Shop vor Augen, denn wenn ich schon mal die Wahl des Goodies hatte, musste ich das ausnutzen. XD

 
Über FeaDior habe ich euch gesagt, dass sie eine meiner vier absoluten Lieblingsbands sind. Und auch Jewel zählen dazu, womit ihr jetzt bereits die Hälfte meiner absoluten Top-Bands aus Japan kennt. Die beiden kleinsten/unbekanntesten. Und die beiden, die schon ewig nicht mehr existieren und dennoch weiterhin in meinem Herzen und meinen Playlisten sind (wenn ich auch zugeben muss, dass FeaDior da weit häufiger vertreten sind).

 
Hier habe ich jetzt noch zwei Songs rausgesucht (die einzigen beiden, die ich finden konnte), damit ihr mal reinhören könnt.

 
不純バタフライ (fujun butterfly) (von der Single 『恍惚トリコロール』)
Endless Grudge (von der Single 『Ugly / Endless Grudge』)

 
Und falls ihr nach mehr suchen wollt, setze ich euch hier mal die Diskografie mit einzelnen Titeln hin:

 
Next Burning Circus (Omnibus, 2008.10.31)
Crazy Game

 
Ugly / Endless Grudge (Single, 2008.11.26)
Ugly
Endless Grudge

 
恍惚トリコロール (Single, 2009.02.25)
不純バタフライ
BLACK OUT
春の訪れ、散る雪花

 
Paradise lost (Single, 2009.07.01)
Paradise lost
オレンジ

 
Clockwork [5]th parade (Minialbum, 2009.08.05)
glitter
HIDE&SEEK
LAST BREATH
VI BULLET
Clockwork parade

 
[T]rickster (Single, 2010.01.13)
[T]rickster
Re:
トロイメライ (nur A-Type)
SNOW BIRD (nur B-Type)

 
(Live-only-Single, 2010.04.16)

不純バタフライ

 
Ich gehe auch dieses Mal nicht davon aus, frage aber dennoch, ob jemand von euch Jewel kennt?
Habt ihr auch schon mal etwas Witziges oder Interessantes erlebt, um eine CD zu kaufen?
Gefällt euch die Musik von Jewel?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – FeaDior

 
Heute stelle ich euch die erste Band in diesem neuen Format vor und damit gehts auch gleich ganz an die Spitze.

 
Ich habe vier Bands, die ich derzeit (oder eigentlich seit mehr als sieben Jahren) als meine Favoriten aus dem Raum der Visual-Kei-Bands betrachte. Wobei da derzeit eine fünfte in Lauerstellung ist.
Und eine von ihnen ist FeaDior.

 
Kennengelernt habe ich die Band im April 2007, als ich im Berliner NeoTokyo stand und eine Zeitschrift durchblätterte. Da war das Bild eines Musikers und ich war neugierig. Das mag oberflächlich klingen, aber Visual Kei heißt wegen des visuellen Aspekts nun einmal so. Und es gab eine Zeit, da konnte ich am Look einigermaßen einordnen, wie die Band klingen würde. Das hat sich mittlerweile wieder ein bisschen verloren, was ich auch gut finde, allerdings war es auf diese Weise recht einfach, sich zu orientieren.
YouTube sei Dank habe ich einige Zeit später das erste Mal in die beiden Songs ihrer Single reinhören können und war sicher, ich möchte diese CD haben und auch mehr hören.

 
Für mich war das damals der Grundstein, in die Indieszene einzusteigen.

 
Bis dahin hörte ich gerade einmal ein Jahr japanische Musik und das erstreckte sich auf die bekannteren Bands, deren CDs teils sogar hier im Media Markt zu finden waren.
Mit FeaDior tauchte ich in eine völlig neue Welt ein, die ich auch von westlichen Bands bis dahin nicht kannte. Kaum hatte ich eine DSL-Leitung in meiner Wohnung, war ich auch schon bei der japanischen Musik gelandet. Und vorher kannte ich Musik eben nicht über das Internet, sondern nur über Rockzeitschriften usw. Was die Indieszene im Großen ausschloss.

 
FeaDior haben sich im August 2006 gegründet, bereits am Ende desselben Jahres einen Gitarristen verloren, im Mai 2007 folgte der Vocal. Beide Positionen wurden kurz darauf neu besetzt, doch im September verließ der Bassist die Band. Als Ende 2007 auch der zweite Vocal aussteigen wollte, gab die Band ihr Last Live bekannt, das im Februar 2008 stattfand.
Das war meine erste Negativerfahrung mit Indiebands. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen, weil ich darauf nicht vorbereitet war. Auch bei großen Bands gibt es mal Trennungen, aber so ein munteres Kommen und Gehen wie bei den Indies ist es nicht.

 
Wenn man mich heute fragt, was für mich so besonders an dieser Band ist, ich weiß es nicht. Ich kann das vermutlich für keine Band sagen. Ich fühle es einfach.
Ich höre die Musik noch immer ständig, es gibt kaum eine Playlist, in der sie nicht vertreten sind, obwohl sie insgesamt nur neun Songs veröffentlicht haben.

 
Nach der Single (mit dem ersten Vocal) folgten ein Omnibus (das ist der übliche Begriff für eine Various-Artists-CD) und ein Minialbum (beide mit dem zweiten Vocal). Alle drei CDs sind oben auf dem Foto abgebildet.

 
Den Omnibus-Release habe ich damals gar nicht mitbekommen. Ich hatte von der Sprache so gut wie gar keine Ahnung. Aber immerhin wurden die beiden anderen CDs in einem Shop verkauft, der auch damals schon ins Ausland geliefert hat. Ich habe sie beide zusammen bestellt und kannte das Minialbum vorher auch nicht (im Gegensatz zur Single). Ich wusste, das kann nur gut sein, obwohl sie ja den neuen Vocal hatten. Es war die richtige Entscheidung, denn der zweite Vocal hat eine viel ausdrucksstärkere Stimme. So sehr ich den ersten mochte, aus meiner Sicht war der zweite ein Gewinn für die Band gewesen.
Der Omnibus zog Jahre später bei mir ein (ich glaube 2010 oder 2011). Ich hatte ihn Ende 2008 schon mal in einem Shop gesehen, aber da war er vergriffen.

 
Ein Teil der Mitglieder ist in neuen Bands wieder aufgetaucht und auch dazu werde ich in den zukünftigen Beiträgen noch eingehen, denn da steht hier noch ein bisschen was in meiner Sammlung. Bis heute habe ich auf jeden von ihnen ein Auge, sofern sie sich zeigen, und schaue, was sie in Zukunft so machen.

 
Damit ihr euch einen kleinen eigenen Eindruck verschaffen könnt, habe ich ein paar Songs rausgesucht. Leider ist nicht mehr viel von ihnen zu finden, ich hätte gern meinen Lieblingssong verlinkt. Stattdessen gibt es von jeder CD einen.

 
Night Dance (von der Single 『「償いと絆」 「Night Dance」』)
零-ZERO- (von der Omnibus-CD 『u-20亥』)
Amirry? (vom Minialbum 『The BLADE』)

 
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht groß ist, kennt ihr die Band?
Habt ihr überhaupt schon mal Rockmusik aus Japan gehört?
Was erwartet ihr bei Visual Kei?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe

 
Im November habe ich erwähnt, dass mir die Idee für ein neues Beitragsformat gekommen ist, in dem es um Musik geht.
Selbstverständlich hat mich dieser Gedanke nicht in Ruhe gelassen und deswegen schreibe ich heute erneut darüber. Und ja, ich muss das als selbstverständlich bezeichnen, denn für mich gibt es nichts Wichtigeres als Musik. Das war schon immer so. Oder zumindest seit ich die Möglichkeit habe, selbst zu entscheiden, welche Musik ich hören möchte (es war mein 10. oder 11. Geburtstag, an dem ich so ein tolles Gerät zum Abspielen bekommen habe, ein Doppelkassettenrekorder mit Radiofunktion).

 
Ab Februar wird es vermutlich monatlich einen Beitrag zu diesem Thema geben.
Auf dem Plan stehen verschiedene Bands, die ich unglaublich gern mag. Nein, eigentlich liebe ich jede von ihnen auf die eine oder andere Weise. Manche begleiten mich schon bis zu zwanzig Jahren oder darüber hinaus, andere sind noch sehr neu dabei.
Und gerade bei „meinen Japanern“, wie ich sie gern bezeichne, haben die CDs (und manchmal auch noch ein bisschen anderer Kram) auf dem einen oder anderen Umweg zu mir gefunden und wer weiß, vielleicht erzähle ich auch ein bisschen davon.

 
Ob dieses Format wirklich jeden Monat hier zu finden sein wird, weiß ich selbst nicht ganz sicher. Grundsätzlich habe ich es vor, aber wenn mal etwas dazwischen kommen sollte und dadurch ein Monat ausfällt, dann schränke ich mich damit auch nicht ein.
 
 

 
Das obere Foto zeigt meine Schätze aus Japan, wobei nur der Großteil CDs sind.
Auf dem unteren Bild befinden sich dagegen viele meiner restlichen CDs, die ich mittlerweile kaum noch höre.

 
Ich bin im Mai 2006 der japanischen Musik verfallen, vornehmlich dem, das als Visual Kei bezeichnet wird, wobei sich das nicht zwingend musikalisch eingrenzen lässt. Dennoch höre ich eigentlich nur Rockbands. Die Art von Rock variiert dabei durchaus, teilweise lausche ich sanften Balladen, doch am meisten zieht es mich zu eher dunklen, harten Sounds (was unter anderem bedeutet, dass ich nicht wirklich Metal höre, wobei es einige Einflüsse aus diesem Genre dennoch gibt).
Seitdem höre ich fast ausschließlich Musik aus Japan. Ab und zu habe ich mal Tage oder kurze Phasen, wo es mich zu „meinen alten Bands“ zurückzieht, aber so sehr ich sie liebe, sie reichen nicht an das heran, was ich bei „meinen Japanern“ finde.
Auch zuvor war ich bei Rock-Bands unterwegs, nur eben aus dem englischsprachigen Raum. Dass ich direkt vor dem „Wechsel“ System Of A Down gehört habe, hat vermutlich auch geholfen, im Anschluss den Einstieg zu finden. Aber das war sicher nicht der Grund. Zumal ich auch bei den Japanern gleich recht vielfältig eingetaucht bin, was unter anderem damit zusammenhing, dass 2006 noch wirklich viele Bands in Berlin gespielt haben und ich mich jedes Mal sofort auf YouTube rumgetrieben habe, um festzustellen, ob ich mir ein Ticket kaufen möchte oder nicht.

 
So viel jetzt also erstmal dazu. Alles Weitere folgt dann bei den jeweiligen Bands.

 
Welche Bedeutung hat Musik in eurem Leben?
Hört ihr eher Musik aus den Charts oder seid ihr auch ein Exot?
Verbindet ihr Musik mit dem Schreiben?

 
Bis denne ☆

Wenn die Weihnachtsstimmung fehlt

 
Jedes Jahr dasselbe: Der Sommer ist vorbei, es wird grau, kälter und dann ist plötzlich schon Weihnachten.
Dieses Jahr hielt sich der Sommer bis Ende Oktober, der Herbst blitzte kurz auf und dann zeigte der Kalender auf Dezember.
Vielen Menschen scheint die Weihnachtsstimmung zu fehlen.

 
Ebenso war es im letzten Jahr, mit der kürzesten Adventszeit, die sich aber auch in diesem Jahr um nur einen Tag verlängert (es dauert noch bis 2022, bis es die längste Adventszeit gibt), für viele zu schnell Weihnachten. Ich habe Stimmen gehört, die davon sprachen, dass kaum der 1. Advent gewesen war und schon stand Heiligabend vor der Tür. Das warme Winterwetter spielt sicher mit hinein, Schnee wird immer noch oft mit Weihnachten assoziiert.

 
Doch wir können weder das Wetter noch die verfliegende Zeit ändern.
Wir können versuchen, uns Zeit zu nehmen, sie bewusst zu erleben und damit das Gefühl der Schnelllebigkeit entschleunigen, doch auf den Rest haben wir keinen Einfluss.
Allerdings haben wir aber die Möglichkeit, uns weihnachtlich zu beeinflussen.

 
Dafür gibt es Duftkerzen, -wachse, -öle, Räucherstäbchen, -männchen, Plätzchen, Stollen und andere Naschereien.
Nun reagiere ich auf Gerüche meist sehr negativ (Kopfschmerzen bis hin zu Übelkeit) und Essen ist ein Thema, das ich gern meide. Deswegen funktionieren diese Wege für mich nicht.

 
Stattdessen nutze ich seit Jahren Musik dafür. Eigentlich kann es bei mir auch gar nichts anderes sein.

 
Ich bin ohnehin kein Weihnachtsmensch, Winterwetter und Schnee brauche ich erst recht nicht.
Trotzdem hat diese Zeit einen eigenen Reiz, der mir zwar nicht so wichtig ist wie anderen das Weihnachtsfest, ich mir aber gern aus positiver Beeinflussung zu Gemüte führe. Immerhin bietet mir die kalte Jahreszeit genügend Anlass zum Grummeln und deswegen brauche ich den positiven Ausgleich.

 
Seit 2007 habe ich eine Playlist, die sich ein bisschen auf Weihnachten und Winter ausrichtet. Angefangen hat alles mit ein paar ruhigeren Titeln, die damals auch nur ganz kurz als Playlist blieben und dann schnell wieder durch andere Songs erweitert wurden. Doch bereits ab dem darauffolgenden Jahr habe ich die Liste erweitert und auch einige Zeit gehört.
Und das mache ich bis heute jedes Jahr.

 
Immer um den 1. Advent oder 1. Dezember (je nachdem, was zuerst ansteht) bereite ich die Liste vor, die mittlerweile auf 243 Titel angewachsen ist (2007 habe ich mit 42 Titeln gestartet). Ich schaue mir die alten Listen an, übernehme die meisten Songs, sortiere aber ab und zu ein paar aus und füge meist noch welche hinzu, die ich im vergangenen Jahr kennengelernt habe.

 
Längst nicht alle Songs haben tatsächlich mit Weihnachten, oft auch nicht mit Winter zu tun. Viele sind ruhiger (ich höre normalerweise nicht sehr viele ruhige Songs), manche enthalten Elemente, die auch mit Weihnachten oder Winter zu tun haben.
Beispiele:
„White & Holy Night with U“ der Band A (gesprochen: Ace)
„twinkle snow twinkle“ von DaizyStripper
„雪葬“ und „まほら“ (Sessou und Mahora) von ナイトメア (Nightmare)

 
Andere dagegen haben für mich eine Verbindung zu der Zeit wie „9th Revolver“ von アリス九號. (Alice Nine), den ich vor Jahren auf dem MP3-Player hatte und als der erste Schnee um mich herum zu fallen begann, setzte auch dieser Song ein und genau diesen Moment habe ich vor Augen, wenn ich ihn seitdem höre.
„9th Revolver“ von アリス九號. (Alice Nine)

 
Wiederum andere gehören einfach zu meinen Lieblingen und sind deswegen immer oder ab und zu dabei, seit es sie gibt. Gerade the GazettE ist eine meiner absoluten Lieblingsbands und mit entsprechend vielen Songs meistens vertreten, dieses Jahr sind es 31. Und sie sind deswegen jetzt auch hier ein paar mehr geworden, ich könnte noch so viele andere verlinken, weil ich sie so unglaublich liebe. xDD
Immer:
„DOGMA“ von the GazettE
„OMINOUS“ von the GazettE
Ab und zu:
„DIM SCENE“ von the GazettE

 
Im Laufe der Jahre verbinde ich einige der Songs mit dem Jahresende. Manche von ihnen höre ich nur dann, was sie für mich damit verknüpft. Außerdem entdecke ich Songs immer wieder neu, wenn ich sie längere Zeit nicht höre, auch das macht sie in dieser Playlist besonders. Das gilt dann natürlich nicht für alle, ist aber auch ein Grund, warum ich manche ab und zu aussortiere, gerade, wenn ich sie über das Jahr hinweg schon viel gehört habe.

 
Mit dieser Playlist kann ich mir trotz all der Hektik der heutigen Zeit manchmal ein Gefühl hervorzaubern, das ich mit der Ruhe und Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit verbinde. Und deswegen ist sie mein kleiner Trick für jedes Jahr. Es hat zwar einige Jahre gebraucht, diese Verknüpfungen aufzubauen, aber mittlerweile funktionieren sie sehr gut.
Und ja, das sind alles nur Beispiele japanischer Bands, weil sie 96 % der Playlist ausmachen.

 
Habt ihr auch Kniffe, wie ihr euch Weihnachtsstimmung selbst erschafft?
Wiederholt ihr sie jedes Jahr oder sind sie neu für euch?
Oder seid ihr ohnehin ständig in Weihnachtsstimmung, sobald es auf das Jahresende zugeht?

 
Bis denne ☆

Statusupdate

 
Ich sage immer, dass ich Schreibblockaden nicht kenne. Nicht so, wie die meisten sie definieren. Ich kann eigentlich immer an meinen Projekten arbeiten, mal zügiger, mal langsamer, vor allem, je regelmäßiger ich dabei bin.
Doch da gibt es diese zwei Ausnahmen.
Fehlt mir der Plot oder ist er lückenhaft, kommt das absoluter Leere gleich. Bis ich die Szene, die ich schreiben will, in meinem Kopf nicht einigermaßen visualisiert habe (was gar nicht so wirklich viel mit Bildern zu tun hat) und weiß, was passiert, bin ich wirklich blockiert. Dem kann ich aber mit Plotten entgehen.
Schlimmer ist es, wenn mein Kopf so voll ist, dass er keinen Raum für Kreativität lässt.

 
Und genau das passiert mir in den letzten Wochen und Monaten.
Hierfür gibt es nur ein Mittel und das heißt Aussitzen (jedenfalls bei mir). Ich muss die Dinge klären oder loswerden, die meinen Kopf überfluten und erst dann bin ich überhaupt wieder für Projekte und Ideen zugänglich.

 
Die Phase zieht sich mittlerweile ganz schön und ich mag sie nicht. Da ich aber genug über mich selbst weiß und trotz dessen auch versucht habe, mich mit meinen Projekten zu befassen, um vielleicht Ideen auszulösen, lasse ich das derzeit alles ruhen.
Auf dieser Ebene gibt es also gar nichts weiter zu erzählen.

 
 

Buch Berlin

Letztes Wochenende war ich auf der kleinen Berliner Buchmesse. Eventuell erzähle ich dazu noch ein bisschen mehr, doch wenn, dann wird das erst in vier Wochen etwas, bis dahin ist der Dezember schon durchgeplant. Im Augenblick habe ich noch gar keine Fotos von den wenigen Schätzen, die ich mitgenommen habe, gemacht. Und vor Ort habe ich auch nicht ein einziges geschossen. Jetzt einen Beitrag zur Messe zu schreiben, hätte keinen Zweck, deswegen erwähne ich einfach nur kurz am Rand, dass ich dort war.
Faszinierend ist dabei immer wieder, wie sehr mich dieser eine kleine Tag erschöpft. In der Stadt, in der ich wohne, also ohne große Anreise. Leipzig habe ich dagegen viel entspannter weggesteckt und dort war ich an drei Tagen auf der Messe, einen nur zur Hälfte (denn da bin ich vormittags erst losgefahren), zwei komplett. Und dazu gab es ja den apokalyptischen Wintereinbruch.

 
 

Neue Beitragsidee

Vielleicht, ganz vielleicht, wird es im nächsten Jahr monatlich Beiträge zu einer der bislang gering vertretenen Seiten von mir geben, zum Thema Musik. Die Idee ist noch ganz neu und ich muss sie erstmal ein bisschen reifen lassen und durchplanen. Aber eigentlich wäre das eben etwas, das ganz indirekt auch mit dem Schreiben zu tun hat. Da ich jedoch keine Playlists nutze, wie so viele andere Autoren, trifft das nur ganz am Rande zu.

 
 
Viel mehr kann ich derzeit gar nicht berichten. Es ist für meinen Geschmack viel zu kalt, aber da es für mich erst ab 25 Grad so richtig angenehm wird, ist das ganz normal. Dass es mittlerweile mehr Stunden dunkel als hell ist, macht es auch nicht so richtig besser, obwohl es bedeutet, dass ich auch mal ohne Sonnenbrille rausgehen kann. Ob das nun so wirklich positiver ist? Das ist wohl Ansichtssache.
Ich hoffe ja, dass der Winter sich nicht zu ewig zieht, wobei wir nicht unbedingt schon im April wieder Hochsommer haben müssen (meine wärme- und sommerliebende Seite wäre davon begeistert, aber ich denke ja auch noch ein bisschen an die Natur).

 
Bis denne ☆