Bands, die ich liebe – Silverchair

 
Schon wieder sind fünf Wochen vergangen, seit ich über Musik geschrieben habe. Eigentlich sollte dieser Beitrag bereits im August erscheinen, aber dann kam alles anders.
Dieses Mal habe ich wieder eine nicht-japanischsprachige Band im Gepäck.
Genau genommen ist diese außerhalb der japanischsprachigen Musik meine Lieblingsband.

 
Die Rede ist von der australischen Band Silverchair.

 
Nach der Kelly Family bin ich ab 1997 zu Rockbands gekommen und Silverchair waren von Anfang an dabei. Sie hatten zu der Zeit ihr zweites Album noch nicht allzu lange auf dem Markt, obwohl die Mitglieder der Band gerade mal ungefähr ein Jahr älter sind als ich. Und ich bin damals gerade mal in die dreijährige Abiturphase aufgebrochen (also Orientungsphase plus zwei Jahre Abi).
Damals wurden Silverchair vor allem als die neuen Nirvana bezeichnet. Ja, es gab Parallelen, aber für mich war das so gar kein Grund. Ich kannte Nirvana namentlich, hatte aber nie viel von ihnen gehört. Das ist später auch noch ein bisschen anders geworden, aber Fan war ich nie.

 
 
 

 
Noch im August 1997 habe ich Silverchair das erste Mal live gesehen, sie haben als Vorband von Bush im Tempodrom in Berlin gespielt. Ja, noch in dem schönen alten Zelt mit dem kleinen Biergarten davor.
Als Vorband war das Set nicht ganz so lange, ich glaube, es waren neun Songs, aber es war einfach toll. So sehr viel entspannter als die Konzerte bei den Kellys, erste Reihe, ohne Probleme. Bei Bush sind meine Freundin und ich später sogar hinter gegangen, um uns zum Diven hochheben zu lassen. Ging nicht weit, weils eine Lücke in der Menge gab, aber war unglaublich toll in dem Moment.

 
Ich habe Silverchair noch zwei weitere Male gesehen, 1999 im Columbia Fritz und 2003 in der Arena.

 
Die Alben waren jedes für sich ein neues Erlebnis. Wobei ich sagen muss, dass mir das letzte nicht mehr wirklich zugesagt hat. Während sie sehr roh, sehr wild begonnen haben, wurde mit jedem weiteren Album alles ausgefeilter, aber auch elektronischer. Und letzteres ist der Punkt, der mir nicht so richtig gefallen hat.
Dennoch bedeuten mir die ersten vier Album und auch die Singles sehr viel.

 
In den letzten Jahren habe ich Silverchair recht wenig gehört. Irgendwann vor einem Jahr oder so, habe ich mir dann mal wieder alle ihrer Songs vorgenommen und habe so viele Details wieder oder sogar neu entdeckt. Und sie haben mich noch immer genauso tief berührt wie über 20 Jahre zuvor.

 
Leider haben sie bereits vor Jahren eine Pause bekanntgegeben (die eigentlich eher einer Trennung entspricht).
Interessant ist ja, dass hier in Deutschland kaum einer Silverchair kennt, während sie in Australien extrem bekannt sind.

 
Ihre Musik ist so unterschiedlich, deswegen fällt es mir schwer zu sagen, was mir daran so gut gefällt. Wie so oft ist es einfach das passende Zusammenspiel aus allem möglichen. Unter anderem auch den Lyrics, zumindest teilweise. Das gilt sicher nicht für jeden Song. Gerade je mehr Erfahrung sie hatten, desto weniger eindeutig wurden die Texte. Und ich bin überhaupt nicht gut darin, so etwas zu verstehen, weswegen ich allgemein keinen wirklichen Draht zu Lyrik habe.

 
Am bekanntesten ist vermutlich „Ana’s Song (Open Fire)“, ein Song, der sich um Anorexie dreht. Ebenso haben Silverchair für den Soundtrack zu Godzilla, der 1998 veröffentlicht wurde, den Song „Untitled“ aufgenommen.

 
Zur damaligen Zeit, so völlig ohne Internet, habe ich sogar einmal über den Viva-Videotext eine Kontaktanzeige aufgegeben. Ich weiß nicht, wer von euch das noch kennt, dort gab es Seiten, auf denen man Gesuche aufgeben konnte, um Menschen mit gleichen Interessen zu finden. Es gab sogar einige Briefe, die ich darauf erhalten habe und vor allem ein Kontakt hat sich noch bis 2006 oder so gehalten, aber irgendwann dann leider trotzdem verloren.
 
 
 

 
Ein paar Schätzchen habe ich auch, wenn ich auch nie auf Konzerten irgendwas gekauft habe. Ich weiß gar nicht, inwiefern da überhaupt etwas angeboten wurde.

 
Und außerdem gibts wieder ein Foto von mir aus der Zeit. Es müsste noch aus 1997 sein. Das allererste Male mit Farbe im Haar. Blau von Directions, nur in den vorderen Strähnen (und ohne vorige Blondierung), die länger als das restliche Haar waren. Mehr durfte ich in dem Alter noch nicht (ich war ja noch nicht volljährig, und als erstgeborenes Kind musste ich mir all diese Dinge auch noch hart erkämpfen, aber das ist ein anderes Thema, in das ich hier jetzt lieber nicht abrutsche).
 
 
 

 
Nun gehts aber auf zur Beispielmusik.
 
 
 

 
Freak
 
 
 

 
Israel’s Son
Der erste Song auf ihrem ersten Album.
 
 
 

 
Miss You Love
Von ihrem dritten Album „Neon Ballroom“.
 
 
 

 
Across The Night
Der Opener ihres vierten Albums „Diorama“.
Der Weg durch diese ersten vier Songs zeigt ziemlich gut die grobe Entwicklung, die die Band zwischen 1996 und 2002 gemacht hat.
 
 
 

 
Tuna In The Brine, ebenfalls von „Diorama“, einer meiner absoluten Favoriten.
 
 
 

 
Nobody Came, von „Freak Show“. Ebenfalls einer meiner Favoriten. Ich mag die Steigerung so sehr, die sie erzeugen und dann doch alles wieder zusammenfallen lassen.
 
 
 

 
Silverchairs Auftritt beim Bizarre Festival 1997. Das war exakt drei Tage vor dem Konzert, das ich in Berlin erlebt habe. Also quasi das, was sie dort spielen.
 
 
 

 
Emotion Sickness von „Neon Ballroom“ zählt ebenfalls zu meinen Favoriten, einfach schon der Depressions-Thematik wegen. Dessen war ich mir damals nicht bewusst, doch der Song hat auch so einen Nerv bei mir getroffen. Diese Version hier ist um die sechs Minuten lang, live haben sie es sogar zehn Minuten lang gespielt. Auch davon gibt es einen Auftritt von 2003 von Rock am Ring.
 
 
 

 
Und dann ist hier noch No Association. Ein Song, mit dessen Lyrics ich mich sehr verbunden fühle (wenn es auch zwei, drei Zeilen gibt, die nicht zu mir passen) und den ich deswegen mit reingenommen habe.

 
Hat jemand von euch schon mal was von Silverchair gehört?
Wenn nicht, habt ihr euch die verlinkten Songs angehört?
Wie gefallen sie euch?

 
Bis denne ☆

Rückblick 2019

 
Und damit liegt tatsächlich ein volles weiteres Jahr hinter uns. Hinter mir.
Und wenn ich darauf zurückschaue, dann war es geprägt von Höhen und Tiefen, immer hin und her, nie im Stillstand. Zumindest nicht emotional.
Aber ich denke, ich fange erstmal mit ein paar Zahlen an.

 

Bücher

Bücher: 15
weitere Geschichten: 10
Zeitschriftenartikel: 1
Seiten: 5.436 (Bücher) | ungefähr 11.500 (inklusive der weiteren Geschichten)
Anzahl Lesetage: 92 (nur Bücher)
Durchschnittliche Buchseitenzahl/Tag (bezogen aufs Jahr): 14,89
Durchschnittliche Buchseitenzahl/Tag (bezogen auf die Lesetage): 59,10
Vom SuB gelesen: 13
Neu gekauft/geschenkt: 2
 
 
 

 
Das waren noch mal eindeutig weniger Lesetage als 2018 und ebenfalls weit weniger Buchseiten.
Das liegt daran, dass ich alte Projekte von mir gelesen habe, zwei sogar mehr als einmal. Dazu habe ich aber nur eingeschränkt Aufzeichnungen, weswegen ich sie nur in der Gesamtseitenzahl berücksichtigen kann, aber nicht in die restliche Statistik mit reinnehmen wollte. Als grobe Grundlage für die Seitenzahl habe ich mit dem Normseitengrundschnitt von 250 Wörtern pro Seite gerechnet (Normseite = maximal 1.800 Zeichen, durchschnittlich 1.500 veranschlagt; durchschnittlich hat ein deutsches Wort sechs Zeichen inklusive Leerzeichen = 250 Wörter).

 
Die Anzahl an Büchern war trotzdem gering, das hat sich ja auch bereits in meinen Leserückblicken gezeigt. Andererseits habe ich insgesamt nicht wirklich weniger gelesen als im Jahr zuvor, weswegen mir die Zahlen für die Bücher recht egal sind. Zumal ich auch so einige Bücher noch mal gelesen habe (insgesamt 6 der 15 Bücher, selbst wenn 4 davon in einer anderen Sprache waren).
 
 
 

 
Hier sind die Bücher, die ich gelesen habe, auch wieder bildlich festgehalten, wie schon im letzten Jahr (und auch zuvor, da hatte ich den Blog nur noch nicht). Der E-Book-Reader ist dieses Mal gar nicht dabei. Ich habe ihn zwar für zwei Wälzer durchaus genutzt, da ich sie aber auch als Print besitze, liegen natürlich diese Exemplare dort.
 
 
 

 
Die Neuzugänge hielten sich dieses Jahr sehr in Grenzen. Ich habe ja bereits 2018 versucht, wenige Bücher zu kaufen, weil mein SuB noch genügend Bücher umfasst, aber 2019 sind tatsächlich nur drei Bücher eingezogen, wovon zwei bei ihrer Ankündigung sofort klar waren („Blutgesang“ und „Neon Birds“).

 
Auch wenn die Statistik ernüchternd aussieht, habe ich für 2020 keine Pläne, außer zu lesen, wenn mir danach ist. Die Lesezeit ist nämlich 2019 tatsächlich mehr gewesen als 2018. Wenn ich mich hingesetzt habe, dann meist gleich für zwei Stunden statt auch mal nur für ein paar wenige Minuten. Und ich mag mich nicht durch vorgegebene Pläne einengen oder unter Druck setzen.

 

Schreibtätigkeit

Statistisch fällt es mir dieses Mal etwas schwer. Einerseits betrachte ich meine Spaßprojekte als in ihrer Wichtigkeit gleichwertig zu den Projekten, die ich irgendwann mal veröffentlichen würde. Andererseits rede ich nicht viel über meine Spaßprojekte.

 
In Bezug auf die „offiziellen“ Projekte gibt es quasi nichts zu sagen.
Ich habe zu Jahresbeginn erst an einer Aktion mit anderen Autor_innen teilgenommen, dafür aber auch ein anderes Projekt verwendet, weil die „offiziellen“ Projekte dafür noch nicht ausreichend waren. Diese Aktion verlor sich dann aber recht bald. Mein einziges „offizielles“ Projekt aus dem letzten Jahr – „Notenrufen“ – habe ich genau zwei Mal zur Hand genommen, einmal zur Aufbereitung des Plots für Feedback (da der Plot sehr ausführlich ist, lasse ich den Inhalt bereits vor dem Schreiben gegenprüfen, weil sich da im Groben nichts mehr ändert, wenn ich schreibe) und danach, um mir das Feedback vorzunehmen. Daraus ist dann aber nichts geworden, außer dass ich es eben für mich griffbereit gesichert habe.

 
Bei meinen Spaßprojekten sieht es anders aus.
Die erste Jahreshälfte war ohnehin mau.
Einerseits war der Jahresbeginn von vielen Enttäuschungen geprägt, ich musste ein Gruppenprojekt, das mir sehr am Herzen lag, aus gesundheitlichen Gründen verlassen und wie danach damit verfahren wurde, war weniger angenehm zu sehen. Hinzu kamen noch weitere Aspekte, auch diese eben erwähnte Aktion war einer davon und auch das hat beeinflusst, dass ich nicht wirklich viel Motivation hatte. Mal ganz von der Depression zu schweigen, in der ich ja bis April oder so steckte.
Im Juni war ich weg und bereits der Mai war durch Vorbereitungen geprägt, der Juni galt für mich ohnehin als komplett freier Monat.
Doch die zweite Jahreshälfte änderte alles.
Ich habe im Juli das erste meiner Spaßprojekte angefangen, eigentlich durch Zufall, doch konnte mich ihm nicht entziehen. Meine Statistiken schossen durch die Decke, in Höhen, die ich seit Jahren nicht erlebt hatte. Im Oktober habe ich noch ein weiteres Spaßprojekt hinzugenommen (das sind alles keine neuen Projekte). Nur diese beiden Projekte von Juli bis zum Jahresende haben zu 300 Stunden Arbeitszeit geführt. Das ist sicher keine riesige Menge für Autor_innen, die Schreiben als ihren Beruf ansehen, es professionell betreiben, aber genau darauf liegt mein Fokus ja gar nicht. Als Vergleich, 2018 lagen meine Gesamtzeiten für Projekte bei 58 Stunden, 2017 bei 111 Stunden, 2016 bei 205 Stunden, 2015 bei 110 Stunden und 2014 bei 327 Stunden. Ja, 2014 war es noch mehr, allerdings über das gesamte Jahr verteilt.
Genau das ist es. Das letzte Mal zuvor wenigstens 2.000 Minuten in einem Monat hatte ich im Mai 2014 erreicht. 2019 bin ich im Juli unerwartet mit 3.519 Minuten – das sind fast 60 Stunden – gestartet. Es war extrem überwältigend. Und hat sich auch nicht so extrem gehalten, wobei der August noch heftiger war. Aber danach hat es sich reguliert. Abhängig davon, ob ich mehr gelesen habe, aber auch aufgrund der dunkleren Jahreszeit. Nichtsdestotrotz ist das so ein Unterschied, den ich noch immer zu begreifen versuche (und vermutlich deswegen auch gerade so viel dazu schreibe xDD). Außerdem habe ich tatsächlich seit Anfang Juli nicht einen Tag pausiert. Nicht an jedem habe ich viel Zeit investiert, manchmal waren es nur wenige Minuten, aber es gibt seit mittlerweile einem halben Jahr nicht einen Tag Pause, etwas das für mich 2015/2016 Alltag war.

 
Außerdem ist da ja noch der Autorenblog, den ich regelmäßig und ohne Pause befüllt habe.
Hierfür habe ich auch die Wörter und Zeiten gezählt und das waren auch noch mal fast 80 Stunden mit 51.128 Wörtern.

 

Japanisch

Da ich letztes Jahr bereits recht frühzeitig versucht hatte, eine Routine aufzubauen, greife ich das Thema mal auf.
Was das Schreiben der Kanji betrifft, war ich recht schnell wieder raus.
Die Nutzung der App betreibe ich aber tatsächlich nach wie vor. Es gab wenige Tage, an denen ich es nicht getan habe, meistens ist es mir einfach durchgerutscht. Für gewöhnlich mache ich das gleich am Vormittag und wenn ich es da mal vergesse, kommt es vor, dass ich es später auch nicht mehr beachte. Insgesamt waren es 349 Tage, an denen ich die App genutzt habe und das ist eindeutig positiv.

 

Allgemein

Wie ich oben schon sagte, war 2019 ein sehr emotionales Jahr. Ich habe Entscheidungen getroffen und umgesetzt, die so wichtig für mich und meine Gesundheit waren, habe gekämpft, das durchzuziehen und am Leben zu bleiben (im übertragenen Sinne, nicht wortwörtlich). Ich habe zwei wundervolle Konzerte besucht, die mir so unglaublich viel Kraft gegeben haben und noch immer geben. Ja, ich zehre auch jetzt noch davon, obwohl alles bereits über ein halbes Jahr zurückliegt.
2019 war tough, wirklich tough. Eine meiner Entscheidungen hat so viele Dinge nach sich gezogen, die ich bis heute bewältigen muss, was auch in Zukunft weiterhin der Fall sein wird.
Allerdings waren auch die Jahre zuvor tough. Das letzte Jahr, das ich zuvor als gut bezeichnen würde, ist 2013. Alle danach waren reiner Kampf. So auch 2019. Und trotzdem war 2019 ein gutes Jahr.
Denn egal wie sehr ich meine „offiziellen“ Projekte liegen gelassen habe, weil ich das Gefühl hatte, es tun zu müssen, egal wie anstrengend all die Kämpfe waren, 2019 hat so viel Positives mit sich gebracht. So viel Selbsterkenntnis, so viel Wissen über mich selbst. Ich bin immer mehr zu mir geworden (und habe noch einen weiten Weg vor mir, aber die Richtung stimmt). Ich habe mich viel mehr auf das fokussiert, das ich brauche, das ich liebe. Und habe so viel Liebe zurückbekommen und gespürt. Ich habe alte Freundschaften wieder aufleben lassen und mich neu bzw. mehr in eine Band verliebt, bei der ich glaubte, dass es gar nicht noch mehr geht.

 
Und deswegen kann ich dieses Jahr in zwei Worten zusammenfassen, die nicht zwingend zueinander gehören, es aber auch tun:
Intensiv und Gazette.

 
Wie war 2019 für euch?
Könnt ihr positiv darauf zurückblicken?
Oder ward ihr froh, dass es geendet ist und 2020 beginnt?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – The Kelly Family

 
Der letzte Beitrag, der in diesem Jahr hier online geht.
Und eine letzte Band für dieses Jahr.

 
Völlig aus der Reihe, denn keine japanische Band. Nichts, das ich derzeit noch oft höre.
Und trotzdem macht diese Band einen so wichtigen Teil in meinem Leben aus, das sie immer zu mir gehören wird.

 
Ich war 13, als ich den Kellys verfallen bin. „An Angel“ stand in den Startlöchern, war aber noch nicht veröffentlicht. Die Single zog natürlich nur kurze Zeit später bei mir ein, Wochen darauf dann auch das Album „Over The Hump“. Und Stück für auch die älteren Sachen. CD um CD, Videokassette um Videokassette. Nicht alles sofort, aber gerade durch meine Jugendweihe im darauffolgenden Jahr und den damit verbundenen Geldgeschenken, hatte ich die Möglichkeit meine Sammlung zu vergrößern.
 
 
 

Meine CD-Sammlung (oben Singles, unten Alben)

 
 
 

Und die Videokassetten

 
Ebenso startete ich am 19.03.1995 mit meinem ersten Konzert (der Kellys, aber auch überhaupt) in der Deutschlandhalle in Berlin. Wobei das nur fast stimmt. Ich habe wohl im Alter von 1 Jahr die Kellys auch mal auf der Straße spielen sehen, aber daran kann ich mich natürlich nicht erinnern.

 
Es gab damals ständig etwas Neues. Jede Woche waren die Kellys in irgendwelchen Zeitschriften drin. Bravo, Popcorn, aber auch die ganzen „Frauen“-Magazine, die meine Generation gar nicht zur Zielgruppe hatten. Auf Viva ging es hoch und runter, Fernsehsendung hier und da, irgendwo gab es ständig etwas von den Kellys.
 
 
 

Ein paar Photobooks. Die kleinen sind Postkartensets.

 
Bereits im Mai habe ich sie wieder gesehen, erst in der Wuhlheide und am Tag darauf spielten sie ein kostenloses Konzert auf dem Schlossplatz.
Weitere Konzerte waren dann noch im Sommer, da war ich in Rostock im Stadthafen, im Dezember erneut in Rostock. Dort spielten sie an einem Tag zwei Konzerte, die ich auch beide mitgenommen habe. Im darauffolgenden Sommer dann erneut in Rostock, dieses Mal im Ostsee-Stadion, was eine ziemlich große Nummer war. Ich war damals 15, ab morgens um 6:00 Uhr vor dem Einlass (und da waren schon eine ganze Menge Fans da) und den ganzen Tag im August davor gewartet. Es resultierte in einem Sonnenstich oder ähnlichem, der sich aber immerhin bis nach dem Konzert Zeit gelassen hat.
 
 
 

Ein kleiner Teil meines Zimmers Ende 1996. Das sah an allen Wänden und teils auch an der Zimmerdecke so aus.
 
 
 

Ich am 03.08.1996 im Ostsee-Stadion in Rostock vor dem Konzert.

 
Im nächsten Jahr, nach über drei Jahren, habe ich mich von der Band distanziert. Einerseits entdeckte ich andere Bands, andererseits gefielen mir manche Seiten an den Kellys nicht wirklich. Auf mich machte es den Eindruck, als stiege ihnen der Erfolg zu Kopf. Vielleicht war dem nie so, ich will gar nicht sagen, dass mein Eindruck korrekt war. Aber ich fühlte mich nicht so richtig wohl und habe jahrelang nicht wirklich etwas mit ihnen zu tun gehabt. Hinzu kam, dass ich überall nur der Kelly-Fan war. Nicht nur in der Schule (da war ich das Image überraschenderweise sogar recht schnell los), sondern vor allem im Umkreis der Familie. Und ich wollte das nicht sein. Ich war nicht nur der Kelly-Fan, ich war so vieles mehr.

 
Ende 2001 habe ich für ein bisschen Weihnachtsmusik bei meinen Schwiegereltern auch zu ein paar Kelly-Songs gegriffen, was recht viel Nostalgie bei mir ausgelöst hat. Mittlerweile gab es ja bereits das Internet (auch bei mir zu Haus und nicht nur in der Schule oder bei Freunden) und somit suchte ich ein bisschen, was die Kellys mittlerweile so machen. Als erstes stolperte ich darüber, dass sie nicht mehr zu neunt auf der Bühne standen.
Ich besorgte mir die verpassten Releases (eBay war dafür sehr hilfreich) und habe dann im April 2002 wieder ein Konzert gesehen, in der Columbiahalle in Berlin. Im Sommer kamen dann noch ein paar Stadtfeste in verschiedenen Städten im Land Brandenburg dazu, außerdem Ende 2002 noch ein Konzert in Hamburg (das gleichzeitig ein Wiedersehen mit verschiedenen Freunden war, sonst wäre ich vermutlich nicht nach Hamburg gefahren).
Das – so glaube ich – letzte Album vor ihrem damals tatsächlichen Ende (oder der sehr langen Pause) hat mir auch nicht mehr wirklich gefallen (tut es auch jetzt noch nicht, ich habe vorhin noch mal in die Hörproben online reingehört). Bis auf ein Song (den ich nachher mit reinpacke) hat die Musik nicht meinen Geschmack getroffen. Was mir heute aufgefallen ist, dass das Album sehr den Weg gezeigt hat, den die einzelnen Geschwister in den folgenden Jahren gegangen sind (worüber ich nicht viel weiß, nur was ich so ein bisschen im Nachhinein mitbekommen habe). Sie haben vieles Neues ausprobiert, was auch gut ist. Nur eben nichts für mich war.

 
Seit sie vor zwei Jahren wieder zurückgekehrt sind – erneut in anderer Besetzung -, habe ich sie noch nicht viel gehört. Ich habe mir die Neuaufnahmen alter Songs vor ungefähr zwei Jahren digital gekauft, weil das alles vertraute Songs waren, aber ich glaube, ich habe das Album einmal gehört, öfter nicht. Das neue Album, eine Art Tribute an ihr erstes großes vor 25 Jahren ist ja erst seit zwei Monaten auf dem Markt. Ich weiß noch nicht, ob ich es kaufen werde, eben auch, weil ich die Kellys insgesamt sehr wenig höre.

 
Warum sind sie dann eigentlich so wichtig für mich?

 
Einerseits, weil sie eben meine Jugend begleitet haben. Von 13,5 bis ungefähr 17 Jahren habe ich überwiegend sie gehört. Neben Radio und Viva, wo natürlich noch so einiges anderes lief. Aber den Rest habe ich so mitgenommen, die Musik der Kellys habe ich gesammelt, Konzerte besucht etc.
Hinzu kommt, dass sie das Image der perfekten Familie hatten. Und die Fans irgendwie auch. Sicher nicht alle, aber die Freunde, die ich damals hatte, waren meine Familie. Vor einiger Zeit hatte ich ja geschrieben, dass ich mich in meiner Familie des Öfteren wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt habe und die Kelly Family war meine Zuflucht. Ich habe in der Musik und auch bei den Fans mein Zuhause gehabt. Dort habe ich mich geliebt und beschützt gefühlt. Und ich glaube, das macht einen wichtigen Teil aus, warum diese Band bis heute so tief in meinem Herzen sitzt.

 
Es gab dieses Jahr eine Situation, bei der ich exakt dieses Gefühl meiner Jugend hatte. Jeder andere in meiner Familie geht vor. Zumindest ist es dieses Gefühl, das mir durch Handlungen und Worte immer wieder vermittelt wird.
Und was ist passiert? Ich habe meinen Player mit der Kelly Family gefüttert und das gehört. Es war das, was ich in dem Moment brauchte. Als ich es realisiert habe, habe ich gelacht. Und zugleich geweint.

 
Natürlich hat diese Band mir auch Schmerz beigebracht. Nicht sie selbst, sondern die Reaktionen auf sie.
Es gab in meiner Jugend, in meiner Altersklasse eigentlich nur zwei Extreme: Man hat die Kellys geliebt oder sie gehasst. Alles dazwischen war eher selten. Und wer dem neutral gegenüber stand, hat sich wohlweislich von denen, die sie gehasst haben, ferngehalten, wenn sie Sprüche gerissen haben.
Ich bin wie ich bin, man hat mir damals sehr leicht meine Liebe zu der Band ansehen können. Ich hatte lange Haare (die hatte ich bis kurz vorm Abi überwiegend, außer als Kind und dann in der 6. Klasse, als ich sie habe schulterlang schneiden lassen, doch danach sind sie gewachsen, ohne über viele Jahre eine Schere zu sehen), habe lange, weite Röcke getragen, teils mit Shirt, teils mit Bluse. Und es hagelte nur Sprüche. Kelly war der Name, mit dem ich teils angesprochen wurde. Und zwar abwertend. Ich habe damals teils ähnlich zurückgeantwortet, doch ich denke, auch wenn ich es nach außen nicht gezeigt habe, wenn ich es nicht mal bewusst gemerkt habe, dass das verletzt (auch weil ich in meiner Klasse allein mit dieser Vorliebe war), hat das trotzdem viel mit mir gemacht.
Aber dadurch bin ich auch nur noch mehr zur Musik gekrochen, kaum dass ich zu Haus war.

 
Mit meinen Freunden – die meisten haben leider in anderen Stadtbezirken gewohnt – war es dagegen so anders. Wir haben so viel zusammen gesungen, gespielt und dadurch Spaß gehabt. Ich habe das auch viel allein zu Haus gemacht (ich habe bereits mit 10 gelernt, Noten zu lesen und Gitarre zu spielen, nicht dass ich je über das Akkordspielen hinausgekommen bin, aber für die Kelly-Songs hat das ja völlig ausgereicht). Ich habe mit 16 mit Freunden zusammen Songs im selben Stil geschrieben. Es gab hier in der Nähe regelmäßig sogenannte Kelly-Partys, wo deren Musik gespielt wurde, aber Fans auch deren Songs gespielt haben, aufgetreten sind. Auch ich mit einigen Freunden.

 
Das alles verlor sich nicht nur, weil mein Interesse an der Band abflaute, es ließ irgendwie alles gleichzeitig nach. Die Kelly-Partys fanden nicht mehr statt. Der Kontakt zu einigen der Freunde schlief ein (und damals blieb ja nur das Telefon, Briefe oder persönliche Treffen, die ganzen anderen Kommunikationswege, die wir heute haben, gab es für uns damals noch nicht). Und mein Bild der Band veränderte sich.

 
Mittlerweile ist die Musik für mich immer sehr emotional. Eben wegen all der Dinge, die ich damit verbinde. Meine Jugend an sich, die Zeit des Heranwachsens, des Wandels, in dem ein Mensch in dem Alter ja ohnehin steckt (hormonverseucht ohne Ende). Die Zuflucht von den anderen Dingen, die es damals schon gab und ich doch kein bisschen bewusst erkannt habe. Und eben einfach die Nostalgie der Dinge, die über 20 Jahre zurückliegen. Ich kann keine Dokumentation über sie sehen, vor allem nicht, wenn es um diese Jahre Mitte der 90er geht, ohne mit Gänsehaut und Tränen hier zu sitzen.

 
Um mal ein paar wenige Songs einzuwerfen … Die bekannten Titel kennen vermutlich die meisten.
Eventuell zählt „I can’t help myself“ dazu. Eigentlich ja, meines Wissens ist das eine der meist verkauften Singles von ihnen überhaupt. Trotzdem glaube ich oft, dass „An Angel“ den meisten noch mehr ein Begriff ist.
 
 
 

 
I can’t help myself
 
 
 

 
I wanna be loved

 
Ich habe mich hier für die Album-Version entschieden, weil diese länger ist als die, die auf der Single ist.
Für mich ist dieser Song sehr persönlich, auch wenn ich nicht weiß, ob Maite für sich dasselbe gesehen hat, als sie ihn geschrieben hat, wie ich für mich.
 
 
 

 
Flip a coin

 
Dies ist der oben erwähnte Song des damals letzten Albums, der mir wirklich gut gefallen hat. Er stellt auch eine Veränderung dar, denn er verlässt das klassische Schema, das ich bis dahin von den Kellys kannte. Und die Thematik ist dazu sehr tief, sehr drückend. Die Ton- und Videospur sind leider nicht perfekt identisch, aber bei einem weiteren Video fehlten die letzten zwei Sekunden und in denen steckt noch Text, deswegen gibt es hier lieber etwas geringere Qualität beim Hinschauen. Dies ist vermutlich der Song, den ich heutzutage noch am häufigsten höre.
 
 
 

 
Calling Heaven

 
Als das Album „Almost Heaven“ 1996 rauskam, lief es bei mir hoch und runter. Innerhalb einer Woche hatte ich die Akkorde für alle Titel rausgehört und notiert, spielte das Album nicht nur im CD-Player hoch und runter, sondern auch für mich allein auf der Gitarre. „Calling Heaven“ stach dabei immer auf seine eigene Weise für mich heraus, auch wenn ich bis heute nicht sagen kann, wieso. Er zählt auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

 
Und dann habe ich abschließend noch zwei ältere Songs von einem Konzert, die auch auf dem gleichnamigen Live-Album festgehalten worden sind: „Street Life“. Aufgezeichnet im Dezember 1992 auf dem Berliner Alexanderplatz.
 
 
 

 
„Crazy“ berührt vom Text her schon immer mein Herz.

Why am I so, so, so crazy
I think that I’m just an artist

Es sind genau diese Zeilen, die mir aus der Seele sprechen, die Barby dort auf der Bühne auch zeigt.
 
 
 

 
Eine ebenfalls sehr tiefe Bedeutung hat für mich „Break free“.
Was damals nicht bekannt war, aber ich vermute, dass es bereits vorhanden war, ist Barbys psychische Erkrankung. Ich habe keine Ahnung, was genau das ist, ich habe verschiedene Sachen online von Fans gelesen, aber nie etwas offiziell bestätigtes. Allein dass sie bereits 1992 diesen Song gesungen hat, lässt mich das vermuten. Der Erfolg der 90er hat jeden in dieser Familie sehr getroffen, sie haben alle Auszeiten auf die eine oder andere Weise gebraucht, um sich davon zu erholen. Doch ich glaube, Barby hat das alles am schwersten getroffen. Sie kann bis heute nicht auftreten, auch wenn sie gern singt und auch zum neuesten Album diesen Song hier neu aufgenommen hat. Es soll ihr viel besser gehen als früher (dies sind Aussagen ihrer Geschwister), aber eben nicht dafür ausreichend, vollständig mitzumischen. Und wie könnte mich das, in meiner eigenen Situation, nicht berühren.

 
Und das war es dann auch zu einem sehr wichtigen Teil aus meinem Leben, selbst wenn er mehr der Vergangenheit als der Gegenwart angehört. Ganz weg vom Hier und Jetzt wird er wohl nie sein, denn dafür sind zu viele aktuelle Dinge immer noch damit verknüpft.

 
Zu welcher Fraktion gehört ihr? Nicht mögen, egal oder lieben?
Ward ihr in den 90ern auch dabei oder seid es vielleicht jetzt?
Oder sind euch die Kellys (so gut wie) kein Begriff?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – D’espairsRay

 
Die Wahl des Datums für den Band-Beitrag im November ist Absicht. Ganz spezifische Absicht. Wobei ich zwischen vergangenem und diesem Freitag wählen konnte. Warum? Darauf gehe ich nachher noch ein.

 
Mit der heutigen Band – D’espairsRay – kehre ich mal wieder sehr zu meinen Anfängen in der japanischen Musik zurück. Kaum dass ich damals angefangen hatte, bin ich unter anderem über diese Band gestolpert. Sie zählte zu den bekannteren in der Szene hier in Deutschland und somit konnte ich sie gar nicht übersehen. Sie waren gefragt und dadurch auch viel zu hören, aber ich konnte sie auch recht schnell live sehen. Selbst im hiesigen Fernsehen habe ich sie gesehen, wenn auch nur in einer spezifischen Sendung (und das gilt nicht nur für D’espairsRay). Viva+ hatte damals eine Sendung namens „Get the clip“ und es gab eine Folge, in der nur japanischen Bands vertreten waren (eventuell sogar nur auf Visual Kei beschränkt).
 
 
 

 
Im November 2006 habe ich D’espairsRay das erste Mal live sehen dürfen, ein ganz wundervoller Tag, umgeben von vielen Menschen, die mir damals sehr wichtig waren. Noch vor Beginn der Show gab es eine Ankündigung, nämlich dass eine Woche später – am 29.11. – eine Autogrammstunde stattfinden würde (ja, heute ist es genau 13 Jahre her und deswegen poste ich das hier auch heute). Sie fand im NeoTokyo statt, dem Shop, den ich hier schon mehrfach erwähnt habe. Die Besitzer des Shops haben ein Label, bei dem sie diverse japanische Bands unter Vertrag haben und einige von ihnen haben sie damals hier auch auf den Touren begleitet, unter anderem eben D’espairsRay.
Das hat wiederum dazu geführt – naja, nicht das allein -, dass ihre Musik auch so oft genug im Shop lief, wenn wir dort waren (und ich habe da zeitweise halb zum Inventar gezählt xDD), weil einer der Angestellten die Band begleitet hatte und selbst mochte.
 
 
 

Konzertkarten:
links 2006, mit Autogrammen
oben 2009, eines der beiden Konzerte, die ich während dieser Tour gesehen habe
rechts 2010, Abschiedstour

 
Ich kategorisiere Musik nicht gern, das habe ich ja auch bei den anderen Beiträgen nicht gemacht. Ich kann nicht mal wirklich sagen, was mich damals schnell an ihnen gefesselt hat, wobei, eines war ganz sicher die Stimme. Aber definitiv nicht sie allein. Ebenso ist es vor allem die Musik, die sie in der Mitte produziert haben, die mir am meisten gefällt. Die älteren Sachen kenne ich kaum, ich weiß einfach nur, dass sie existieren und kenne nur ein paar wenige vereinzelte Lieder. Und im Laufe der Zeit ist mir die Musik verglichen mit zuvor zu sehr Mainstream geworden, zu glatt. Auch dort gibt es einzelne Songs und live war die Band immer ein mega Erlebnis. Aber auf die größere Menge war es irgendwo in der Mitte ihres Schaffens, wo ich so richtig gefangen war.

 
Dennoch habe ich festgestellt, dass ich mich bei den Songs nicht entscheiden kann, weswegen ich weiter unten auch mit richtig vielen Videos anrücke.

 
Aber erstmal noch zurück.
Ich durfte sie insgesamt noch weitere drei Mal sehen, nämlich zwei Mal 2009 und auf ihrer Abschiedtour 2010. Diese war eigentlich nur für eine Pause angekündigt, weil der Vocal gesundheitliche Probleme hatte, doch einige Monate später kündigten sie das Aus der Band an. Die Gründe waren dieselben, aber es war halt viel endgültiger. Die Hoffnung geben die Fans (inklusive mir) aber bis heute nicht auf, dass die Band irgendwann vielleicht doch wieder zusammenfinden könnte. Auch wenn alle Mitglieder mittlerweile in anderen Bands stecken. Der Gitarrist ist allein zu einer anderen Band gestoßen, Bassist und Drummer haben mit ein paar anderen eine neue Band gegründet, die auch alle nach wie vor aktiv sind (letztere habe ich bereits auch einmal live gesehen). Der Vocal ist seit diesem Jahr in einer Band, noch recht neu. Und genau daher kann ich sagen, dass die Stimme allein nicht reicht. Es ist seine, ganz eindeutig, und die Samples und den einen Song, die es bislang gibt, zu hören, holt viele Erinnerungen hervor, aber es ist bei Weitem nicht dasselbe wie D’espairsRay. Für mich ist es viel flacher. Das bedeutet nicht, dass es weniger gut ist, es trifft nur viel weniger meinen Geschmack.
Trotz allem bleibt die Hoffnung. Auch weil sie die selbst ab und zu schüren, indem sie zu ihrem Band-Geburtstag jedes Jahr gratulieren und so weiter. Wenn es so sein soll, wird es irgendwann passieren. Und wenn nicht, dann machen sie mit den Leuten und Bands weiter, worauf sie Lust haben. Für mich ist das alles okay, auch wenn ich zumindest die Lives vermisse.
 
 
 

Tourshirt 2010 vorn und Stulpe Tour 2006

 
 
 

Tourshirt 2010 hinten

 
 
 

Die signierten Bilder der Autogrammstunde 2006.
Ich habe sie in dem Rahmen angeordnet mit ein wenig Gestaltung.
(ja, die Weihnachtsdeko hängt noch vom letzten Jahr)

 
Und jetzt komme ich zu den Videos. Bunt gemischt durch die Zeiten, ebenfalls mal die eher energiegeladenen und mal die wirklich ruhigen Songs. Klickt euch durch, das ist eine bunte Mischung.

 
 
 

Garnet

 
 
 

BORN

 
 
 

Squall

 
 
 

Marry of the blood

 
 
 

闇に降る奇跡 -Classical White Ver.-
(yami ni furu kiseki -Classical White Ver.-)

 
 
 

琥珀
(kohaku)

 
 
 

R.E.M-冬の幻聴-
(R.E.M -fuyu no genchou-)

 
 
 

in vain

 
 
 

PARADOX 5

 
 
 

Lizard

 
 
 

Human-clad monster

 
 
 

Screen
(einer meiner absoluten Favoriten)

 
 
 

„Forbidden“
Das ist der einzige Live-Song, den ich mit reinpacke. In etwa so habe ich ihn 2006 erlebt und er begeistert mich heute noch genauso wie damals.

 
Wer von euch kennt D’espairsRay?
Gefällt euch ihre Musik?
Wenn ihr die Songs angehört habt, welchen mögt ihr am meisten?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – GANGLION

 
Da bin ich wieder mit dieser Reihe.
Es ist unglaublich lange her, seit ich über Bands geschrieben habe. Aber seit ich im Juni auf den Konzerten von the GazettE gewesen bin, lief lange Zeit gar keine andere Musik bei mir und dadurch konnte ich mich auch nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit diesen Beiträgen widmen. Mittlerweile habe ich meine Playlist ein wenig erweitert und starte in diesem Monat wieder.

 
Die heutige Band habe ich 2012 das erste Mal gehört, obwohl sie schon eine Weile zuvor angefangen hatten, nämlich 2010. Ich hatte den Namen GANGLION schon mehrfach gelesen gehabt und weiß gar nicht mehr genau, wieso ich dann mal in die Musik reingehört habe. Ich weiß nur noch, dass ich direkt mit ihrem damals aktuellen PV 「TWILIGHT」 gestartet habe und mehr hören wollte.

 
Wie üblich habe ich YouTube zurate gezogen und 2012/2013 die Chance genutzt, als eine Freundin für sechs Monate zu einem Praktikum in Japan war, verschiedene ihrer Releases zu kaufen, eines sogar per Vorbestellung, was dann wieder ein Goodie beinhaltete, in diesem Fall ein signiertes Foto eines der Bandmitglieder. Auch für eine der andere CDs gabs einfach dafür, dass meine Freundin sie in einem der Geschäfte vor Ort gekauft hat, noch eine DVD mit Offshot-Szenen vom Videodreh dazu. Das war für mich überraschend, weil die Single bereits 2011 erschienen war und es diese Goodies für gewöhnlich nur für die vorbestellten Exemplare gibt.

 
Leider war es im Laufe der Zeit immer mehr so, dass mir einige Songs nicht so sehr gefallen haben, weswegen ich im späteren Verlauf auf digitale Käufe umgestiegen bin und nur einzelne Songs, die mir wirklich gut gefallen haben, gekauft habe. Ebenso gibt es einige CDs, die sie nur live verkauft haben. Als sie 2016 bekannt gegeben haben, dass sie aufhören, wurden diese Releases dann allerdings auch digital angeboten (das werden sie bis heute), die physischen Exemplare wurden wohl auch über ihren Online-Shop verkauft, habe ich gelesen.

 

 
Was GANGLION von den meisten Bands, die ich höre, unterscheidet, ist, dass es eine Band ausschließlich mit weiblicher Besetzung ist. Ich mag Frauenstimmen oft nicht sehr, was – so glaube ich – daran liegt, dass ich tiefere Klänge bevorzuge, selbst wenn viele der Männer in den japanischen Bands auch höher singen als so einige in den westlichen, es gibt trotzdem Unterschiede zwischen den Männer- und Frauenstimmen, und ich empfinde die Männerstimmen meist als angenehmer (ich verwende übrigens tatsächlich gerade diese beiden Kategorien, weil die Vocals sich entsprechend eingestuft haben, soweit ich das überblicken kann). Auch bei der Sängerin von GANGLION mag ich die Songteile, in denen sie tiefer singt, meist mehr als die höheren Parts, vor allem, wenn es in etwa eine Tonhöhe am Stück bleibt und nicht viel gewechselt wird.

 
Die Band war zwei Mal in Deutschland, beide Male 2015. Einmal im April und dann noch mal im November. Da sie beide Male nicht in Berlin gespielt haben, musste ich darauf verzichten, sie zu sehen, was ich im Nachhinein, als sie ihre Auflösung bekannt gaben, sehr schade fand. Warum sie aufgehört haben, weiß ich gar nicht so genau, was ihr größtes Pech war, war wohl eine dauerhafte Bassistin zu finden. Immer wieder musste eine aufhören (zumindest teils aus gesundheitlichen Gründen) und ersetzt werden.

 
Mittlerweile macht ein Teil der Band weiterhin Musik, über manche Mitglieder weiß ich nicht, was sie heute tun, andere sind meines Wissens zumindest immer noch mit der Musik verbandelt, wenn auch eher im Hintergrund.

 
Wie immer habe ich ein paar Videos rausgesucht.

 
Allen voran mein Lieblingssong der Band, von ihrem ersten Release, einem Minialbum, dass denselben Titel wie der Song trägt.
「Returns to you」
Dieser Song ist fest mit einem meiner Projekte verknüpft, das für mich eher ein Übungsprojekt ist und bleiben wird. Er lief damals, als ich über zwei der Figuren viel nachgedacht habe und hat sich an sie rangehangen und egal wie rum, ob ich an die Figuren denke oder den Song höre, das jeweils andere ist automatisch auch in meinem Kopf.

 
Dann habe ich einen Teaser für eine ihrer späteren EPs, dieser zeigt ein bisschen mehr die Vielfalt ihrer Songs. Gekauft habe ich davon tatsächlich nur 「Dearness」 als einzelnen Song via iTunes, da dieser Release schon unter diese fällt, wo mich der Rest nicht mehr ausreichend überzeugen konnte.
『INFINITY』 Teaser

 
Da ich den eben erwähnten Song ebenfalls unglaublich liebe, kriegt ihr ihn hier in voller Länge, sogar mit ein paar Fotos der Band und Text sowie Übersetzung.
「Dearness」

 
Abschließend habe ich noch einen weiteren Song, den ich sehr gern höre (einer von noch einigen, ein anderer – 「脈」 (myaku) – läuft gerade, während ich das hier tippe ^^), den die Band auf ihrem Account gepostet hatte. Er ist nicht vollständig und stammt von ihrem einzigen Album 『WORLD』. Sie haben das Video bereits drei Wochen vor Veröffentlichung des Albums online gestellt und obwohl ich das Album ohnehin kaufen wollte, hat mich der Song darin bestärkt.
「Catch your way」

 
Habt ihr schon mal von dieser Band gehört? (der Name ist für eine Google-Suche nicht sonderlich geeignet)
Gefällt sie euch?
Hört ihr eigentlich lieber hohe oder tiefe Stimmen?

 
Bis denne ☆

Fragen an mich

 
Ich habe vor ein paar Wochen auf Twitter und FB mal einen Versuch gestartet. Und zwar habe ich euch gebeten, mir Fragen zu stellen.
Allerdings habe ich es bewusst als Versuch bezeichnet, weil ich nicht mit vielen Reaktionen gerechnet habe. Immerhin bin ich selbst absolut unkreativ, wenn es darum geht, anderen Fragen zu stellen.
Die Ausbeute war auch gering, die ersten Fragen hier sind die, die ihr gestellt habt. Für alles weitere habe ich aus verschiedenen Fragen, die ich über die Jahre gesehen und gesammelt habe, rausgesucht.

 
Mein Ziel war gewesen, euch das zu beantworten, was euch interessiert. Aber ich wollte die gestellten Fragen auch nicht einfach sein lassen, sonst hätte ich das hier fallen lassen. Deswegen habe ich für den Rest selbst Fragen zusammengesucht und hoffe, dass euch die Antworten nicht langweilen. ^^

 
Und bevor ich anfange: Danke an diejenigen, die mir Fragen gestellt haben. ♥

 
01. Wenn du ein Tier sein könntest, welches wärst du und was würdest du tun?
Ich denke über diese Frage nach, seit ich sie gesehen habe und das sind mittlerweile dreieinhalb Wochen.
Nach wie vor habe ich keine eindeutige Antwort.
Einerseits habe ich eine große Nähe zu Katzentieren und wäre es eines davon, dann wohl ein Gepard, mein Lieblingstier.
Gleichzeitig mag ich die Vorstellung vom Fliegen, was jegliche Vogeltiere in den Fokus rückt.
Was ich tun würde? Da ich Tiere nicht gern vermenschliche wohl das, was für sie typisch ist. Leben. Jagen. Fressen. Schlafen. Überleben. Sofern möglich.

 
02. Schreibst Du aktuell an einem Projekt und wenn ja, worum geht es da grob?
Nicht im herkömmlichen Sinn.
Ja, es gibt da ein Projekt, an dem ich arbeite, aber das ist sehr alt und ich mache das nur für mich.
Ich bin momentan an einem Punkt, an dem ich nach Lösungen für Probleme beim Schreiben suchen muss und gleichzeitig davon ausgelaugt bin und deswegen alles erstmal ruhen lasse und viel weiter zurückgehe und einfach nur „nach Haus komme“. Das stimmt nicht ganz, weil ich meine anderen Projekte auch sehr liebe, aber dieses hier habe ich jahrelang nicht angeschaut und daher rührt dieses Gefühl.

 
03. Wenn dein Leben ein Buch wäre, was wäre der erste Satz?
Einfach ist für andere.

 
04. Welche Vorurteile haben andere Menschen häufig, wenn sie dich das erste Mal sehen bzw. das erste Mal mit dir reden?
Ich weiß es nicht sicher. Aber ich denke, die meisten halten mich für desinteressiert, distanziert und eventuell auch überheblich.
Zum einen bin ich anfangs oft recht ruhig. Und ich beherrsche Smalltalk nicht. Wenn man mir also einen recht durchschnittlichen Satz gibt, weiß ich meist nicht, wie ich ihn aufgreifen soll. Ich bin da auch nicht schlagfertig. Also schweige ich bisweilen sogar nur. Und daher kann ein desinteressierter Eindruck schnell entstehen. Obwohl ich eigentlich nur überfordert bin. Und die meisten meiner Interessen decken sich nicht mit denen anderer und genau dort befinden sich die Aufhänger, über die man mit mir ins Gespräch kommt.

 
05. Was ist für dich das Wichtigste im Leben? Das können Familie, Freunde, Werte, aber auch materielle Güter sein.
Musik. Nichts kann mich so schützen, verletzen, halten und fallen lassen, aufmuntern und traurig machen, ruhig werden oder aufgebracht sein lassen wie Musik es tut. Sie kann alles mit mir machen, egal in welche Richtung. Sie ist mein Leben. Sie ist meine Grundnahrung (neben der, die physisch nötig ist). Ohne sie könnte ich nicht leben.
Das Schreiben folgt etwas danach. Es ist so wichtig geworden (gar nicht mal das reine Schreiben an sich, sondern meine Geschichten und die Projektarbeit an sich). Ich hätte nie gedacht, dass ich mal jemand sein würde, der es braucht, Geschichten aufzuschreiben, der sich ständig damit befasst, um besser zu werden, der sich kräftig kritisieren lässt, um daraus etwas zu lernen.
Internet und PC. Ich gebe ganz offen zu, dass ich beides brauche. Ich verbringe den Großteil meines Tages dort. Ich lebe vor meinem PC, wenn ich zu Haus bin. Ich kommuniziere zu großen Teilen mit anderen Menschen (ich habe bei Weitem nicht nur in Deutschland lebende Kontakte), ich lerne darüber sehr viel, ich verfolge meine Musikszene (die aus Japan kommt), alles. Was am PC nicht über das Internet läuft (Musik hören, der reine Schreibprozess), kommt dann noch dazu.

 
06. Welches ist dein favorisiertes Instrument?
Drums.
Zumindest sind sie es, worauf ich oft den Fokus lege. Nicht allein, aber doch verstärkt.
Ich mag vor allem den basslastigen Sound, also Bassdrum (ja, vor allem, wenns mehr als eine ist) und Toms.

 
07. Schläfst du mit deinen Jalousien oben oder runter?
Bei mir sind es Gardinen, aber sie sind komplett dicht zugezogen und festgesteckt. Da sie nicht blickdickt sind, habe ich sogar zwei übereinander hängen. Ich bin sehr lichtempfindlich (weswegen ich bei Tageslicht immer mit Sonnenbrille zu sehen bin, auch in Räumen, in die Tageslicht dringt), weswegen ich das brauche.

 
08. Was ist die größte Sache, die du nicht abkannst?
Lügen/Unehrlichkeit. Ignoranz. Ungerechtigkeit.

 
09. Zählst du manchmal deine Schritte beim Gehen?
Kommt durchaus vor, vor allem bei Treppenstufen. Ist eine tolle Möglichkeit, um das Zählen in anderen Sprachen zu üben. xDD

 
10. Was ist dein allerliebster Film?
Mad Love – Volle Leidenschaft (mit Drew Barrymore und Chris O’Donnell)
Völlig unterschätzt, eigentlich komplett untergegangen, aber ich liebe ihn.

 
11. Welche Filme kannst du immer wieder schauen und liebst sie trotzdem?
Siehe vorige Frage.
Außerdem Romeo & Julia sowie Moulin Rouge, beide von Baz Luhrmann.

 
12. Wer war die letzte Person, die du geküsst hast / die dich geküsst hat?
Meine Ex-Freundin. Was dann gute zehn Jahre zurückliegt.

 
13. Findest du Weihnachten stressig?
Stressig? Ich weiß es nicht.
Ich kann Weihnachten nicht leiden.
Für mich ist es mit plötzlichem „Friede, Freude, Eierkuchen“ ab dem 24. verbunden, das nach dem 26. wieder endet. Denn es ist ja in der Zeit Weihnachten. Den Rest des Jahres kann man streiten, aber doch bitte nicht in dieser Zeit.
Also ja, irgendwie ist es dadurch stressig, gleichzeitig bin ich mittlerweile an dem Punkt, an dem ich denke, macht was ihr wollt, wenn ihr mich nervt, bai.

 
14. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Schwarz!
Gefolgt von violett.
Und smaragdgrün.

 
15. Welches Parfüm benutzt du?
Je nachdem, wozu ich Lust habe.
Im Alltag ohnehin meist nur ein Deo, wenn mir aber nach Parfüm ist, ist es meist Tomo von Annayake (und wers kennt, weiß, dass das in der Herrenabteilung steht). Sehr selten ist es Laura von Laura Biagiotti.
Ich mag keine sehr süßen Düfte. Und auch keine sonderlich blumigen.
Wenn es in die typisch weibliche Richtung gehen soll, sollten die Düfte noch immer irgendwie frisch/fruchtig riechen, damit sie mir gefallen. Wenn ich nicht eben eh Herrendüfte bevorzuge.

 
16. Welches war dein liebstes Schulfach?
Musik!
Es gab nichts besseres auf der Schule.
War sogar einer meiner beiden Leistungskurse in den Abijahren.

 
17. Auf wie vielen Konzerten bist du schon gewesen?
Wenn ich nur die Konzerte japanischer Bands zähle, sind es 47.
Die anderen sind 46.
Wobei ich Events, auf denen mehrere Bands gespielt haben, für jede Band einzeln zähle, außer bei manchen Vorbands, abhängig davon, ob ich die Band vorher kannte und sie mich interessiert hat oder nicht (ich habe beispielsweise 2007 vor Dir en grey eine Band gesehen, deren Name mir schon wieder nicht einfällt, obwohl ich ihn erst vorhin gesehen habe, wenn ich mich nicht mal mehr an den Namen erinnere, kann ich auch das Zählen lassen; Silverchair waren dagegen Vorband von Bush, aber für mich der wichtigere Grund, dorthin zu gehen, obwohl ich Bush auch sehr mochte, also zähle ich auch beide).

 
18. Wen hast du am häufigsten live gesehen?
Das habe ich gerade nur von den japanischen Bands zur Hand, weil sie die letzten über zehn Jahre fast vollständig allein darstellen.
ガゼット (Gazette) (6 x)
ムック (MUCC) (4 x)
D’espairsRay (4 x)
Dir en grey (4 x)
Plastic Tree (4 x)

 
19. Schläfst du bei laufendem Fernseher?
Nein, aber bei laufendem Radio. Ganz leise, aber ich brauche etwas, absolute Stille geht für mich nicht. Wenn am frühen Morgen der Straßenverkehr einsetzt, verstehe ich das Radio nicht mal mehr, aber bis dahin und am Sonntag brauche ich das.

 
20. Schreibst du Tagebuch?
Ja.
Einerseits habe ich einen Blog, der nicht öffentlich einsehbar ist, der seit zwölfeinhalb Jahren mein Tagebuch ist.
Zusätzlich habe ich als Kind mit einem klassischen Tagebuch angefangen, teils mit einem Eintrag im Jahr. Bis zum letzten Jahr habe ich dort an die fünfzehn Jahre nicht geschrieben. Ich schreibe nicht gern per Hand und ich denke, das hat sich dadurch irgendwann verloren. Mittlerweile schreibe ich seit einem Jahr überwiegend täglich kurz etwas rein und wenn es nur ein einzelnes Wort ist. Wenn es mal eine ganze Seite wird, ist es schon sehr viel.

 
Und das wars dann erstmal.

 
Mögt ihr solche Fragebögen?
Oder findet ihr das überflüssig?
Findet ihr sie gemischt besser oder lieber nur auf ein Thema bezogen?

 
Bis denne ☆

Anxiety, OCD, Eating Disorder u. v. m.

 
TW: Anxiety/Angststörung, Dysthymie/Depression, Übelkeit/Erbrechen, Essstörung/Eating Disorder, Erwähnung von Tod, OCD/Zwangsstörung

 
Ich habe vor nur wenigen Wochen zum ersten Mal über meine gesundheitliche Verfassung gesprochen.
Auch wenn es für manche nicht so sein mag, hat mich das gar nicht so viel Überwindung gekostet. Der einzige Schritt, den ich im Vorfeld hatte schaffen müssen – und der hat sich wirklich lange gezogen, weit über die Existenz meines Blogs hinaus -, war gewesen zu akzeptieren, dass meine Aussagen für immer im Internet stehen würden. Für lange Zeit war mein Ziel eine Publikumsverlagsveröffentlichung gewesen. Und da war immer die Vorsicht, ob es sinnvoll wäre, so offen darzulegen, nicht zuverlässig belastbar zu sein. Würde mir das bei der Agentur- und Verlagssuche Steine in den Weg legen? Würden Verträge daran, aber nicht an meinen Geschichten scheitern?
Mittlerweile ist es mir einfach egal. Ich habe noch so viel zu arbeiten, überhaupt gut genug zu sein und ich weiß nicht, ob ich es je sein werde (nur ganz nüchtern betrachtet). Wenn ja, wird sich zeigen, wie die Welt, mein Zustand und das Verlagswesen überhaupt aussieht. An diesen Punkt hatte ich kommen müssen. Denn ansonsten gehe ich seit langem sehr offen mit dem Thema um.

 
Naja, so irgendwie zumindest.
Wer mich kennenlernt, muss nicht erst unzählige Hürden überwinden, um diesen Einblick in mich zu gewinnen. Was aber nicht bedeutet, dass ich damit viel über die eigentlichen Probleme preisgebe. Einen Teil kennt außerhalb von Ärzten und Psychotherapeuten genau eine Person – weil sie es erkannt und mich darauf angesprochen hat. Andere vermuten es vielleicht, das weiß ich natürlich nicht.
Doch selbst unabhängig davon sind die Einzelheiten in ihrer Vielfalt eigentlich niemandem bekannt. Wirklich niemandem. Denn in diese Tiefe bin ich weder mit Ärzten, aber auch nicht mit meiner letzten Therapeutin vorgedrungen (wobei zumindest bei letzterer die Frage offen bleibt, warum eigentlich nicht, bei den Ärzten und anderem psychotherapeutischen Personal verstehe ich es, weil da einfach die Zeit fehlt, denn neben besagter Therapeutin gab es weiteres Fachpersonal aus diesem Bereich nur in der Reha, die ich für die Rente durchlaufen bin und ja, bei diesem ach so „wundervoll“ pauschalen System, das in diesem Staat herrscht, ist eben nur Zeit für eine einzige Stunde Einzelgespräch pro Woche).

 
 

Anxiety

Ich habe ganz eindeutig eine generalisierte Angststörung diagnostiziert bekommen. Unter anderem durch die betreuenden Ärzt_innen und Therapeut_innen in der Reha. Das sah im Grunde so aus, dass ich aufgrund der ambulanten Form fünf Tage die Woche dorthin gefahren bin (wie zu einer Arbeitsstelle) und den Tag mit diversen Gruppentherapien, dem einen Einzelgespräch pro Woche und diversen medizinischen Untersuchungen verbracht habe. Das Personal ist täglich wenigstens einmal zusammengekommen und hat die Situation der Patient_innen besprochen, immer erst am Abend wurde der Therapieplan für den nächsten Tag erstellt, entsprechend der Fortschritte, Probleme einer_s jeden etc. Aber wirklich individuell wurde trotzdem nicht auf die Patient_innen im Einzelnen eingegangen. Das ließen die Regelungen einfach nicht zu, der die Rehaeinrichtung unterliegt.

 
Was bedeutet Angststörung denn nun eigentlich?
Ich muss sagen, dass ich mich damit nicht sonderlich befasst habe, wie das definiert wird. Aber wenn ich mal nur von mir selbst ausgehe, sind da Ängste, die so heftig sind, dass sie krankhaft sind.
Ich werde sie hier nicht im Einzelnen benennen, denn einerseits hat mir niemand jemals einzelne Ängste namentlich bestätigt, andererseits möchte ich das gar nicht so genau eingrenzen.

 

 
Übelkeit, Erbrechen, Krankheiten
Die wohl größte Angst bezieht sich darauf, krank zu sein/werden. Das erstreckt sich von ganz normalen Alltagskrankheiten bis hin zu schwerwiegenden, lebensbedrohlichen.
Am schlimmsten sind dabei vor allem Magen-Darm-Geschichten. Ich habe so krankhaft Angst davor, dass ich unzählige Mechanismen entwickelt habe, in dieser Gesellschaft zu überleben, im Miteinander mit anderen Menschen zu überleben, aber ich meide alles immer mehr. Daneben sind diese kleinen Flaschen Desinfektionsgel für die Hände das Wichtigste überhaupt. Ich gehe nicht aus der Wohnung, ohne wenigstens eine Flasche dabei zu haben, dort an mir, wo ich jederzeit unkompliziert rankomme (falls sich mal wer fragt, warum ich im Sommer immer mit Gürteltasche unterwegs bin, deswegen, hinten im Rucksack ist das zu weit weg) und immer in der Menge, die ich erwartungsgemäß brauchen werde (abhängig davon, was ich vorhabe).
Ich weiß nicht sicher, wann diese Angst begonnen hat, aber sie ist definitiv seit ungefähr fünfzehn Jahren immer da. Anfangs noch gering und erst präsent, wenn mir tatsächlich übel geworden ist, mittlerweile reicht die Erwähnung anderer Menschen von Krankheit, Übelkeit, Unwohlsein etc. Ich muss sofort gegen aufsteigende Angst oder gar Panik angehen. Wenn ich also nicht gute Besserung wünsche, liegt es daran, dass einer meiner Mechanismen darin besteht, ganz schnell weiter zu scrollen, den Thread zu verlassen oder was auch immer, damit das Gelesene gar nicht erst zu fest in meinem Kopf sitzen kann. Und mir zu wünschen, es stünde dort gar nicht, damit ich es nicht lesen muss. Und zu akzeptieren, dass andere Menschen erwähnen, wenn sie krank sind (ich muss gestehen, ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, warum viele Menschen das tun, ich beobachte es aber, ich vermeide jede Erwähnung, wo ich es nur kann, je weniger ich es formuliere, desto weniger existiert es oder so, etwas in dieser Art dürfte das in meinem Kopf sein).

 
Warum seit fünfzehn Jahren?
In den Jahren 2003/2004 begann es, dass mir regelmäßig plötzlich einfach übel wurde, ich nicht essen konnte. Meist verschwand es nach ein paar Stunden oder aber ich hatte mir wirklich etwas eingefangen. Was von beiden es ist, lässt sich absolut nicht differenzieren, beides fühlt sich komplett gleich an (und genau das macht es auch so schwer, diese Angst zu überwinden, weil es eben normal ist, dass wir uns ab und zu was einfangen und für mich selbst nach Jahren sofort das Gefühl von „nicht schon wieder“ da ist, ich in Panik verfalle). Irgendwann war das alle zwei bis vier Wochen so. Regelmäßig. Ich kann nur vermuten, dass diese Häufung zur Angst geführt hat. Es ist wahrscheinlich, dass das eine psychosomatische Reaktion ist, Anspannung, Vorfreude, negative Nervosität/Angst vor einem Ereignis, all das kann sowas bei mir auslösen. Ich habe damals erst gedacht, dass ich Unverträglichkeiten/Allergien ausgebildet habe und habe mich an ganz wenigen Lebensmitteln festgekrallt, die ich zu vertragen schien. In dem Rahmen bin ich in meiner ersten Therapie gelandet, in der ganz klassisch nach verhaltenstherapeutischem Ansatz wieder Lebensmittel auf meinen Speiseplan gewandert sind. Hinzu kamen vermutlich noch einige andere Stärkungen, derer ich mir aber nicht bewusst war, aber ich kann mich erinnern, dass mich mein damaliger Freund irgendwann als egoistisch bezeichnet hat, weil ich mich im Rahmen der Therapie verändert hatte. Und damals habe ich lange Zeit mit niemandem darüber gesprochen, dass ich eine Therapie mache, weil ich für mich selbst sortieren musste, was da eigentlich alles passiert. Daraus habe ich allerdings auch gelernt, dass es besser ist, sehr offen mit diesen Themen umzugehen, weil es für das Umfeld oft einfacher ist, Rücksicht zu nehmen. Es ist leider normal (und ich nehme mich da nicht aus, auch wenn ich versuche, nicht dieselben Verhaltensmuster an den Tag zu legen), dass wir anderen Menschen gegenüber mit unserer eigenen Lebenssicht begegnen. Aber dadurch ist es mir oft passiert, dass Menschen mich wie andere gesunde Menschen behandelt haben und dieselben Maßstäbe angesetzt haben. Seit sie wissen, dass ich krank bin, dadurch nicht so belastbar bin, sind die meisten tatsächlich rücksichtsvoller. Das heißt nicht, dass es keine komischen Blicke gibt und mir geht die daraus notwendige Rechtfertigerei gehörig auf den Keks, aber verglichen mit der Zeit, in der ich geschwiegen habe, ist es angenehmer, finde ich, dazu folgt unter einem anderen Punkt auch noch ein Beispiel. Langfristig wünsche ich mir für jede_n, dass überhaupt keine Maßstäbe angesetzt werden, es keine Erwartungen gibt, unabhängig davon, ob sich jemand erklärt hat oder nicht. Nur sehe ich auch – egal, ob das richtig ist oder nicht -, dass unsere Gesellschaft derzeit einfach nicht so aussieht. Und der alltägliche Kampf ist anstrengend genug, als dass ich ihn mir noch selbst erschweren muss, indem ich alles verschweige.

 
Ich weiß ebenfalls, dass ich bereits in meiner Kindheit ab und zu mit Übelkeit aus vorfreudiger Aufregung oder ähnlichem zu tun hatte. Da ist einerseits die verschwommene Erinnerung an einen Marktbesuch (sowas ähnliches wie Kirmes) mit Eltern und Geschwistern und da fing das an, aber ich kann es in keinen genaueren Kontext mehr bringen, ich weiß auch nicht, wie alt ich war.
Auch bei der anderen Situation weiß ich das Alter nicht mehr. Ich bin mit meiner Tante eine Bekannte besuchen gefahren, die für mich wie eine Oma war (die ersten fünf Jahre haben wir in einer Wohnung gelebt, die eine Eingangstür, einen winzigen Flur mit drei weiteren Türen hatte, von denen eine in unsere Küche, eine in unser Wohnzimmer und die dritte in eine weitere Wohnung geführt hat, dort hat sie gewohnt und war damit die ersten fünf Jahre immer um mich herum). Wir saßen in der Tram auf dem Weg dorthin und mit einem Mal wurde mir so übel, dass wir an der nächsten Haltestelle ausgestiegen sind. Es hat gereicht, ein bisschen zu warten und dann konnten wir weiterfahren. Erst im Nachhinein stufe ich das genauso ein, wie die Zeiten, wenn ich vor anderen freudigen Ereignissen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, sie aber zuordnen und zeitweise auch ganz gut kontrollieren konnte.
Ob es weitere Vorfälle in meiner Kindheit gab, weiß ich nicht.

 
Mit 18 ging es auf jeden Fall weiter, daran kann ich mich bereits wieder bewusst erinnern. Es stand eine Fahrt nach Hessen zur Verwandtschaft meines damaligen Freundes an und von Berlin aus ist die Fahrt weit. Ich war sehr nahe dran, alles zu canceln. Denn wenn ich tatsächlich krank bin, dann will ich niemanden um mich haben. Ablenkung, ja, gern und sehr viel. Telefonate, chatten, was auch immer. Aber Menschen in derselben Wohnung wie ich? Bloß nicht! Und dann zu viert in einem Auto sitzen? Über viele Stunden? Für ein paar Tage in einem Haus, insgesamt wenigstens acht Menschen, zeitweise mehr? Die Vorstellung war schrecklich. Aber irgendwie habe ich es damals geschafft, aus dem Gefühl rauszukommen. Wie, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass solche Vorfälle eigentlich über mein ganzes Leben verteilt sind, nur eben früher sehr sehr sporadisch.

 
Nach der ersten Therapie hatte sich das gelegt, ich vermute, dass ich insgesamt einfach gestärkter und dadurch weniger anfällig war. Das hielt in etwa vier Jahre, bis zum Tod meines Ex-Freundes. Das halbe Jahr meiner befristeten Arbeitsstelle hat das alles noch irgendwie getragen, doch danach fing es wieder an. Und zwar so heftig, dass ich eine Weile jeden zweiten Tag wenigstens eine Mahlzeit nicht essen konnte. Und das Wort „konnte“ ist exakt das richtige. Ich hatte Hunger. Ich saß vor meinem Essen. Aber mein Körper hat dicht gemacht, genauso wie er es tut, wenn ich tatsächlich krank bin und er sich weigert, etwas anzunehmen. Ich habe damals über einige Monate aufgrund dessen um die 15 kg abgenommen, weil es im Grunde eine unfreiwillige FdH-Diät war.
Aber genau aus dieser Zeit ist die Essstörung resultiert, die mir das erste Mal mit der Reha bescheinigt wurde. Darauf gehe ich später ein.

 
Ich weiß, dass man sich Ängsten stellen soll. Das Problem bei mir ist, dass ich zwar dieses Mal tatsächlich verschont bleiben kann, was üblicherweise in der Verhaltenstherapie dazu führt, dass eine Angst überwunden wird (manchmal braucht es mehr als einen Anlauf, aber ein paar weitere und für gewöhnlich tritt dann der Erkenntnisprozess ein, dass einem nichts geschehen kann, das erzählen einem die Therapeuten auch ganz munter). Da wir aber nun mal alle ab und zu mal krank werden, kann ich hundert Mal gut rauskommen, wenn das hunderterste Mal dann aber doch in Krankheit resultiert, ist die Angst mit voller Kraft zurück.
So war es in der Vergangenheit.
Mittlerweile komme ich gar nicht erst zu einem Erfolgserlebnis. Oder es sieht so aus, dass ich einige Tage bange, ob ich alles heil überstanden habe, diese Tage in ununterbrochener Anspannung verbringe und mich noch mehr zurückziehe als ohnehin schon.

 
Als aktuelles Beispiel mal in seiner kompletten Hässlichkeit, meine Konzertreise im Juni, die ich im Band-Beitrag in dieser Hinsicht gar nicht erwähnt habe. Das wird lang, aber ist weniger abstrakt. Davor noch der Abschnitt zur Essstörung, weil auch deren Auswirkungen in die Reise mit reingespielt haben.

 
Essstörung
Sie ist eigentlich vollständig mit meinen Ängsten verknüpft.
Im Rahmen dessen, nicht essen zu können, weil da immer dieses Gefühl von Übelkeit und die Weigerung meines Körpers war, Nahrung aufzunehmen, hatte ich jedes Mal Angst, ich hätte mir einen Infekt eingefangen. Also habe ich vorsorglich leichte Kost gegessen, Weißbrot, nichts Fettes usw. Das Problem war aber, dass es mir ja ständig so ging und über die Monate hat sich mein Körper an diese Nahrung angepasst. Mittlerweile ernähre ich mich seit acht Jahren so. Ich kann nicht wie andere Menschen „normal“ essen, denn mein Körper ist damit sehr schnell überfordert. Was beispielsweise in Situationen wie Weihnachten oder Feiern, die über den ganzen Tag gehen, darin resultiert, dass ich vielleicht ein bis zwei Mahlzeiten das mitesse, was es gibt (Kuchen, eine warme Mahlzeit mit Gemüse und Fleisch), aber selbst da vorsichtig bleibe und für die restliche Zeit auf anderes ausweiche, nicht selten etwas, das ich selbst mitgebracht habe. Ich muss ohnehin sehr regelmäßig essen (mein Blutzuckerspiegel steigt nicht so hoch an, wie er sollte und fällt daher schneller wieder ab, was nach sich zieht, dass ich in kleineren Abständen essen muss und über die Jahre auch keine großen Portionen essen kann), weswegen ich so ziemlich immer etwas zu essen einstecken habe. Ich esse quasi überall, ob ich nun in der Bahn stehe oder in Ruhe irgendwo sitzen kann, für mich spielt das keine Rolle. Wenn möglich, versuche ich vorher durchzukalkulieren, was wohl auch die ersten Schritte zu weniger Spontaneität nach sich gezogen hat, denn eigentlich muss ich am Tag vorher wissen, wie der nächste aussieht, um selbst bei einem Treffen am Nachmittag oder Abend den Tag schon mal mit meinen Mahlzeiten durchzutakten. Im Alltag habe ich einen sehr gleichmäßigen Rhythmus und brauche darüber nicht nachzudenken, weswegen aber Abweichungen umso mehr ins Gewicht fallen.
Ebenso mag ich viele Dinge nicht mehr essen. Alles, das fett ist, schmeckt mir nicht. Da ist immer dieser Fettfilm in meinem Mund, wenn ich nur eine Sahnesauce esse, wie sie ganz normal in Restaurants auf den Speisekarten steht.
Hinzu kommen einige Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Käse, Reis, Zimt, Olivenöl, Curry, Paprika) und eine chronische Gastritis (die es eigentlich auch erforderlich macht, Rücksicht zu nehmen, nicht zu fett, nicht zu süß, viel Obst ist auch deswegen bei mir nicht gut etc.), die ohnehin vorher schon einschränkend waren. Es lässt sich damit leben, ich stelle mir eine Laktoseintoleranz oder Zöliakie viel schlimmer vor, nur die Kombination mit der Angst macht es schwieriger.

 
Zu meiner Konzertreise.
Geplant waren zwei Konzerte in Köln und in München. Abreise hier am 15.06., das erste Konzert am darauffolgenden Tag, am 17. die Weiterreise nach München, am 18. das nächste Konzert und am Tag danach zurück nach Berlin. Ich hatte die Bahnfahrten und Hostels Monate vorher gebucht. Ich war allein unterwegs, das war mir wichtig gewesen. Anfangs gar nicht so sehr, weil ich den Abstand zu Menschen suche (wer sich mal damit befasst hat, wie sich Magen-Darm-Imfektionen verbreiten, weiß wieso), sondern um keine Kompromisse eingehen zu müssen, die im Miteinander normal sind, da ist auf der letzten Tour dieser Band einiges sehr ungünstig zusammengekommen und ich hatte damals beschlossen, dass es beim nächsten Mal nur um mich gehen würde.
Das zog allerdings ein weiteres Angstproblem meinerseits nach sich, zumindest vermute ich, dass bei mir auch eine soziale Angst mit reinspielt. Das hat mir nie jemand bestätigt, aber ich weiß, wie sehr ich mich schon als Kind hinter meinen Eltern versteckt habe, statt auf andere Menschen zuzugehen, ich bin introvertiert und Fremden gegenüber auch erstmal schüchtern, aber ich frage im Supermarkt nicht nach einem Artikel, den ich nicht finde, wenn ich ihn nicht zwingend brauche oder unbedingt haben will. Und das geht aus meiner Sicht über die Kombination aus schüchtern und introvertiert hinaus (während ich bei Menschen, die ich kenne und bei denen ich mich wohlfühle ohne Punkt und Komma reden kann). Ebenso verfalle ich in sprachliche Probleme, gerate immer wieder ins Stolpern, muss teilweise die Wörter suchen, als hätte ich einen Blackout oder würde nicht in meiner Muttersprache kommunizieren, werde immer leiser usw. Bis hin zur Unfähigkeit, überhaupt ein Wort rauszubringen. Und damit sollte ich jetzt allein in ein Hostel einchecken, etwas, das ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal komplett allein gemacht habe, eben wegen dieser Gründe.
Die ersten Angstzustände hatte ich bereits im ICE nach Köln. Ich meide wie gesagt Menschen, vor allem Kinder. Um es ganz klar zu sagen, ich habe Angst vor Kindern. Die letzten beiden Male, die ich krank war, kamen die Infektionen über meinen Neffen, sehr wahrscheinlich über die Kita. Ich saß nun in diesem ICE, am Gang, weil in meiner Sitzreihe der andere Platz schon besetzt war (eigentlich war es meiner, aber das habe ich anfangs nicht wirklich begriffen gehabt) und die ständigen Menschen, die noch nach Plätzen suchten (die Reservierungsanzeigen funktionierten anfangs nicht und alles irrte ziemlich verwirrt durch den Zug), dazu die ganzen Kinder, die auf und ab liefen, es kamen genügend Menschen an mir vorbei, berührten mich, auch wenn ich langärmlig gekleidet war, immerhin sind ICEs fast immer für mich zu kalt klimatisiert. Ich war so froh, als die Person neben mir ausgestiegen ist und ich ans Fenster wechseln konnte. Trotzdem achte ich die ganze Zeit darauf, nichts zu berühren, keinen Sitz, keine Armlehne, wenn doch, hallo Desinfektionsmittel. Denn das haben ja andere Menschen berührt. Dieser ungewollte physische Kontakt mit Menschen reicht dann von Genervtsein bis hin zu Tränen und Panik, je nachdem, wie es mir gerade geht, je stabiler ich bin, desto ruhiger kann ich oft bleiben (weswegen dieser Sommer für mich auch alles andere als einfach war, weil ich nie die Zeit hatte, eine Routine zu entwickeln wie im letzten Jahr, da es ja nicht konstant sehr warm mit für mich ständig kurzer Kleidung blieb).
Übrigens hat dieser erste Eindruck meiner Reise dazu geführt, dass ich zumindest bei der Reise von Köln nach München dem Menschen, der genau meinen Platz erklimmen wollte (der Waggon war noch leer, aber er musste natürlich genau dort hin), mitgeteilt habe, dass der Fensterplatz MEINE Reservierung ist. Er hatte gar keine, denn er ist komplett abgerauscht.
In Köln angekommen, habe ich sogar die Kommunikation beim Check-In überstanden (im Grunde ist das für mich anstrengend und wann immer ich kann, überlasse ich das anderen, aber das ist weniger schlimm als der Rest). Hoch ins Zimmer und dann kam der Teil, der für mich wichtig war: putzen. Nicht, weil ich davon ausgehe, dass das Personal nicht gründlich ist. Sondern weil ja auch die Mitarbeiter etwas verteilt haben können. Und krank zu werden, war keine Option. Nicht nur, weil ich hunderte Kilometer von zu Haus entfernt war, weil das allgemein eine Katastrophe für mich ist, sondern auch, weil ich diese Konzerte erleben musste. Es war tatsächlich ein Muss für mich. Mit einer kleinen Spülmittelflasche und Abwaschlappen im Gepäck war ich angereist und habe mir im Bad im Waschbecken Putzwasser vorbereitet und dann Türklinken, Lichtschalter, Bettrahmen und alles, was ich voraussichtlich berühren würde, sauber gemacht. Anfangs eine Stunde oder so, dann bin ich erstmal losgezogen, denn ich musste auch noch für meine Verpflegung sorgen.

 
Für mich gilt auf diesen Reisen immer Selbstversorgung, eben wegen der erwähnten Essstörung. Ich hatte im Vorfeld rausgesucht, wie die Lage im Umfeld der Hostels ist und auch dementsprechend geschaut, wo sich eine Buchung für mich sinnvoll gestaltet. Und bin dann erstmal zu Rewe gelaufen, Brot und Getränke holen. Dazu gab es, schon mitgebracht, Nutella und Margarine (diese in eine kleine Dose abgefüllt, um Platz zu sparen). Das Brot würde ich bis zur Weiterreise verbraucht haben. Getränke plante ich für die Zeit im Hostel, eine kleine Flasche für die Zeit vor dem Konzert (die dort ja eh abgegeben werden muss) und eine für die Weiterreise nach München, alles so knapp in der Größe wie nötig (zu Haus habe ich eine wiederverwendbare, aber die war dafür zu groß und ich hatte schon echt Platzprobleme, da ich Unmengen Klamotten dabei hatte).
Zurück im Hostel habe ich auch erstmal die Flaschen geputzt. Das mache ich im Alltag nicht, aber je angespannter ich bin – und das war ich während dieser Reise -, desto stärker das Bedürfnis. Wo keine Erreger sind, kann ich mir nichts einfangen! Und ja, ich weiß, das ist krank. Nicht abfällig ausgedrückt, sondern im Sinne von krankhaft. Ich bin mir dessen bewusst. Aber ich bin wie gesagt bisher mit Verhaltenstherapien gescheitert. Und das ganz klassische, das eine Person mit Angststörung an den Tag legt, ist Vermeidungsverhalten. Nichts anderes ist das gewesen. Wenn auch sehr stark ausgeprägt. Was wiederum der Ausnahmesituation durch die Reise zuzuschreiben ist. Aber das passiert bei entsprechender Anspannung eben auch zu Haus, nicht nur auf Reisen (in der Zeit vor der Reise habe ich auch hier die Flaschen geputzt, nicht, dass ich kurz vor der Reise noch krank werde, ich brauche nämlich auch sehr lange, bis ich wieder genügend Kraft habe, wenn ich sowas überstanden habe).
Auch im Zimmer gab es noch ein paar Sachen, beispielsweise die Fernbedienung des TV-Gerätes, den Kleiderschrank habe ich außer Acht gelassen und einfach aus dem Koffer gelebt, ich finde die Packerei ohnehin nervig und ich war ja eh nur zwei Nächte dort, diesen Abend und den nächsten Tag teils, dazwischen dann noch auf dem Konzert, also, egal. Ich war gegen 15:45 Uhr im Hostel ursprünglich angekommen, gegen 16:40 Uhr einkaufen gegangen und nun gegen 17:45 Uhr zurück. Fertig mit Putzen war ich eine weitere Stunde später. Um das auch mal so zu verdeutlichen.

 
Wenn ich solche Probleme mit menschlicher Nähe habe, warum gehe ich dann ausgerechnet auf Konzerte?
Weil ich muss. Weil ich es brauche.
Musik ist das, was mich am Leben hält. Natürlich im übertragenen Sinne, aber ich könnte auf Bücher verzichten, müsste ich mich zwischen beidem entscheiden, auf Musik nicht.
Ich weiß, als es im November eine Ankündigung für eine zusätzliche kurze Tour der Band in Japan gab und einige Fans äußerten, dass sie mit einer Welttour gerechnet hatten, dachte ich nur „zum Glück keine Tour hier“. Denn zu dem Zeitpunkt war ich nicht bereit, mich dem auszusetzen. Und wusste, würde ich darauf verzichten, würde ich hinterher umso tiefer fallen, weil ich mir das habe entgehen lassen.
Ich habe die Band bereits 2007, 2013 und eben 2016 gesehen. Und die Konzerte selbst waren jedes Mal so unglaublich toll. Dass gerade 2016 drumherum sehr viel ungünstig lief, hat die Aussicht, dieses Mal nicht zu gehen, nicht verbessert, sondern ich wusste, würde ich gar nicht gehen, wäre es danach noch schlimmer als vor drei Jahren. Deswegen sage ich, dass ich gehen musste. Und das Nachhinein zeigt auch, dass es richtig war. Nicht sofort, aber nachdem ich mich hinterher wieder sicher gefühlt habe. Dazu komme ich aber noch.

 
Glücklicherweise war es weder in Köln noch in München so warm zu der Zeit wie in Berlin. Ich konnte in Köln bei 23 Grad noch mit Sweatjacke vorher warten (ich friere ja sehr leicht). Drinnen hatte ich ein sehr dünnes Tuch dabei, das noch über Schultern und Armen lag, bis kurz vor Konzertbeginn. Somit konnte ich die Menschen um mich herum auch noch einigermaßen abschirmen. Ich stehe bevorzugt nicht vorn, weil ich dort nicht viel sehe, sondern suche in solch größeren Hallen (über die in München habe ich gelesen, dass sie 1.200 Leute fassen soll) hinter dem abgesperrten Bereich für die Technik meinen Platz, weil ich dann nicht direkt Schultern vor der Nase habe (ich bin nur 1,54 m groß). Außerdem gibt mir diese Absperrung die Möglichkeit, mich festzuhalten, denn ich und stillstehen auf Rockkonzerten? No way! Aber headbangen und springen funktionieren zusammen nicht so wirklich gut, ohne einen Punkt zum Festhalten. Das erste, was also folgte, ich habe erstmal diese Absperrung oben mit meinem Desinfektionsgel eingeschmiert, damit ich sie ohne Probleme anfassen kann (und habe das während des Konzertes ab und zu wiederholt, wenn ich den Eindruck hatte, dass sich durch Bewegung jemand neben mir in „meinen“ Bereich bewegt hat, es ist normal, dass das passiert, aber ich brauchte das als Sicherheitsgefühl). Während des Konzertes funktionieren lange Ärmel für mich gar nicht, nicht mal normale T-Shirts (Kreislaufproblematik). Ich wusste vorher, dass die Halle in Köln eh recht warm wird, trotz Klimatisierung und damit mein Kreislauf nicht tschüß sagt, heißt es für mich Augen zu und durch in solchen Situationen.
Ich muss dazu sagen, dass einer der Mechanismen im Alltag daraus besteht, immer zu beobachten, was ich wie berühre und wenn sowas versehentlich passiert und ich gerade nicht desinfizieren kann, dann eben mit diesem Finger oder so, mir nicht ins Gesicht zu fassen, nach Möglichkeit gar nichts zu berühren. Und aus genau diesem Grund habe ich während des Konzertes mit den Händen meine Arme gemieden, die durch die Leute links und rechts natürlich ständig berührt wurden. Die alltägliche Gewohnheit, mich darauf zu fokussieren, hat mir sicher dabei geholfen, aber dieser Fokus kostet auch eine Menge Kraft, jeden Tag, wenn ich draußen bin. Oder jemand hier bei mir ist (ich hatte eine solche Situation kürzlich mit meinem Papa, als er hier war, sich gegen den Türrahmen lehnte usw., in meinem Kopf ging es immer nur so, dass ich dies und das registriert habe und wusste, dass ich da nachher mal kurz mit einem Lappen drübergehen würde, wobei kurz dann auch eine halbe oder dreiviertel Stunde bedeutet hat, das nimmt in der Regel niemand wahr, ich bin mittlerweile extrem darauf fixiert und das kostet eben Kraft, weswegen ich meinen Alltag auch mit Akkordarbeit gleichsetze, weil ich genau deswegen immer angespannt und hoch fokussiert bin, vor allem, wenn ich mit anderen Menschen zusammentreffe und genau deswegen erzähle ich das hier auch gerade so ausführlich, damit andere, die davon nicht betroffen sind, einen Einblick bekommen können).
Nach dem Konzert habe ich, sobald ein bisschen Platz um mich war, die Arme großzügig mit dem Gel eingerieben. Der Rest blieb hoffen, denn gegen die Berührungen an meiner Kleidung konnte ich natürlich nichts mehr machen. Unterm Strich bin ich nach meiner Rückkehr aus allen Klamotten raus, habe sie in einen Beutel gestopft, der nach meiner Rückkehr in die Wäsche gewandert ist und habe geduscht. Und ich sage mir auch immer, dass ich auch im Alltag in den Öffentlichen auf Plätzen sitze und damit auch überlebe, ohne dass etwas passiert. Aber wie gesagt, solche Situationen wie die Konzerte sind noch mal verschärfter als reiner Alltag für mich. Und selbst da mag ich auch Berührungen an Kleidung nicht, wenn es nicht sein muss.

 
In München war alles ähnlich, putzen, einkaufen, weiter putzen, Vorbereitungsmaßnahmen für das Konzert usw.
Hier kam hinzu, dass ich Zeug vom Merchandise gekauft habe, da ich in München als VIP früher reinkam und ohne Andrang kaufen konnte (Merchandise ohne VIP bedeutete in einer riesigen Traube von Menschen zu stehen und meinen Platz zu verteidigen und langsam nach vorn zu rutschen, während andere, die bereits gekauft hatten, sich versuchten, wieder rauszukämpfen, den „Spaß“ habe ich 2016 mitgemacht und dieses Jahr in Köln darauf verzichtet). Es kamen hier also die Shirts und der Hoodie dazu, die angefasst worden waren, dazu das Geschenk für die VIP-Ticket-Holder, ebenfalls angefasst. Ich habe alles bis auf den Hoodie in den winzigen Rucksack gestopft, den ich dabei hatte. Hinterher bedeutete es, alles wieder mit den getragenen Klamotten in einen Beutel zu stopfen, um zu Haus alles zu waschen, den Rucksack habe ich, so gut es ging, ausgewischt (auch schon nach Köln), weil ich in ihm die wichtigsten Sachen auf der Reise zur Hand hatte (Fahrkarten, Geld, Verpflegung).

 
Dafür war die Rückkehr noch mal sehr heftig, denn während meiner Abwesenheit hat eine Freundin hier bei mir gewohnt, um meine Katze zu versorgen.
Normalerweise ist meine Wohnung mein Sicherheitsort und seit einem dreiviertel Jahr lasse ich hier nur sehr ungern jemanden rein (es waren in der ganzen Zeit nur ein paar Mal mein Papa, wenn er mir Getränke gebracht hat oder Techniker, wie derjenige, der die Rauchmelder installieren musste). Auch das ist etwas, das mit einem Dreivierteljahr noch nicht so lange ist und ich versuche ständig dagegen anzugehen, den Zustand zu erreichen, wo ich wieder Menschen in meine Wohnung lassen kann, ohne mich hinterher bedroht zu fühlen. Denn wenigstens hier möchte ich mich sicher fühlen können. Draußen kann ich das nicht.
Ich bin an dem Mittwoch gegen 16:00 Uhr hier angekommen, ich war von all den Tagen so erschöpft, aber als erstes habe ich die wichtigsten Stellen geputzt. Nach ungefähr einer Stunde war ich kurz einkaufen, denn ich hatte meine Vorräte vorher aufgebraucht (das klingt so falsch, als hätte ich einen riesigen Vorrat abgebaut, aber ich esse nur eine Sorte Wurst, diese eine Sorte Brot, es war also nicht wirklich viel, aber gerade das Brot schmeckt frisch einfach besser). Gegen 17:45 Uhr habe ich wieder mit putzen begonnen und gegen 19:30 Uhr das erste Mal wirklich gesessen.
Darauf folgte eine weitere Woche Anspannung. Die meisten Stellen waren okay. Aber Gardinen beispielsweise lassen sich nicht reinigen und ich muss sie zum Schlafen zuziehen und um das Fenster zu öffnen, muss ich eben an den Gardinen vorbei. Das Bett hatte ich für die Freundin natürlich vorher frisch bezogen und dann wieder gewechselt, als ich zurück war, die Matratze einmal gewendet, um einen gewissen Abstand zwischen mich und die Freundin zu bringen. Das klingt alles nach unnötigen Kleinigkeiten, aber für mich war das eine volle weitere Woche mit Angst, dass mir diese liebe Freundin was mit reingebracht hat, kann ja alles sein. Erst als auch diese Woche rum war, konnte ich anfangen abzuschalten. Konnte ich überhaupt erst damit beginnen, diese wundervollen Erlebnisse, die neben all der Anstrengung gewesen waren, zuzulassen. Nur keine Freude oder Euphorie, bevor die Gefahr nicht vorüber ist. Denn genau so fühlt sich das für mich an. Höchst bedrohlich.

 
Insgesamt waren das also fast zwei volle Wochen ununterbrochene Anspannung, für zwei Konzerte. Jede Umarmung von Freunden, die ich vor den Konzerten getroffen habe, beobachtet, im Großen und Ganzen versucht, den Kopf nicht zu nah ranzubringen, damit nur die Hände berühren, die Arme steckten ja in schützender Kleidung. Das meinte ich oben mit „mich sicher fühlen“. Ich weiß nicht, wie oft ich in dieser Zeit immer wieder Hände oder Arme gewaschen habe, teils Kleidung gewechselt habe, weil ich gegen die Gardinen im Schlafzimmer gekommen bin oder so. Das Verhalten, das ich sonst draußen an den Tag lege (permanent beobachten, was ich womit berührt habe), habe ich in einigen Bereichen meiner Wohnung in der Zeit auch an den Tag gelegt. Immer.

 
Ich weiß nicht, wie genau für andere daraus nachvollziehbar ist, wie anstrengend das Leben mit meiner Angst ist. Ich weiß nicht, wie sich Ängste für andere anfühlen. Ich kenne nur meine eigenen. Ich denke, es gibt immer noch Unterschiede für einen jeden von uns. Weil wir alle unterschiedlich sind. Aber ich glaube, dass das reine Nennen sehr viel abstrakter und dadurch auch geringer im Ausmaß ist, als wirklich mal detailliert darzulegen, wie viel Kraft so eine Angst kosten kann.

 
Diese Angst vorm Kranksein erstreckt sich darüber hinaus wie gesagt auch auf lebensbedrohliche oder solche, die mich ins Krankenhaus bringen könnten. Dort bleiben zu müssen, ist für mich absoluter Horror. Nicht nur, weil ich nicht wüsste, wie meine Katze versorgt sein soll (mein soziales Netz vor Ort ist sehr sehr dünn), sondern auch, weil ich dort nicht für mich wäre, es wäre eine Veränderung und ich wäre von Menschen umgeben, fremden Menschen. Ich wüsste nicht, wie ich das mit dem Essen regeln soll. Außerdem meide ich Krankenhäuser, wo ich nur kann, ich komme mit dem Geruch nicht zurecht und bis ich jemanden dort besuche, muss mittlerweile echt viel dranhängen, weil das jedes Mal unglaublich belastend für mich ist.

 
Menschen/Kinder
Im Grunde hängt das alles mit der zuvor geschilderten Angst zusammen, denn durch den Kontakt mit Menschen – direkt wie indirekt – kann es zu Infektionen kommen. Und ich habs ja eigentlich schon im langen Text erwähnt, dass eben gerade Kinder mir dadurch Angst machen. Dass ich einige Jahre mit Kindern gearbeitet habe, ist für mich mittlerweile so unglaublich weit entfernt. Ich weiche Menschen körperlich aus. Und gerade bei Kindern schaue ich immer noch genauer, wenn sie mir draußen entgegen kommen oder in einem Center/einer Mall den Gang entlang laufen, sie sind in ihren Bewegungen weniger gut einzuschätzen und der Bogen, den ich wortwörtlich um sie mache, ist größer, immer darauf bedacht, noch weiter ausweichen zu können.

 
Höhenangst, Feuer, Menschen u. v. m.
Es gibt so einige weitere Ängste, die aber auf einem recht „normalen“ Level sind. Ich habe Höhenangst, was manchmal zu ein paar Problemen im Alltag führt, die aber vielen Menschen vertraut sind. Ich kann kein Leuchtmittel austauschen, wenn die Lampe nicht recht nah am Rand zur Wand befestigt ist. Ich steige auf Leitern, wenn ich mich an der Wand entlang nach oben tasten kann, aber mitten im Raum eben nicht. Ich putze meine Fenster nur von innen, aber nicht von außen, weil ich fast vollständig oberhalb des Fensterbretts bin, um oben am Rahmen anzukommen (noch mal, ich bin nur 1,54 m groß). Diese Situationen meide ich auch, von außen sind mir die Fenster halt einfach egal, für eine Lampe oder ähnliches brauche ich dann eben mal Hilfe durch andere, aber das sind keine Dinge, die sich für gewöhnlich stark auf meinen Alltag auswirken.
Feuer ist da schon ein bisschen anders, aber auch das war schon eindeutig schlimmer. Als ich noch nicht sehr lange allein gewohnt habe, gab es in dem Strang, in dem ich wohne, einen Brand, nachts. Und es werden zwischen 22:00 und 6:00 Uhr leider die Lüftungen in Bad und Küche abgestellt. Das hat dazu geführt, dass es den Löschqualm in die Wohnungen gedrückt hat. Ich hatte damit insgesamt nicht viele Probleme, außer einigen Stunden an Putzerei, weil ich es halt zeitnah mitbekommen habe (und meine Wellensittiche haben das damals auch überlebt, obwohl sie einige Stunden in dem Qualm aushalten hatten müssen, bis ich es überhaupt bemerkt habe). Aber seitdem ist unterschwellig die Angst da, dass sich sowas wiederholt. Es gab einige Jahre, in denen ich beim Klang jedes Martinshorns aufgesprungen bin, um zu schauen, was los ist. Und wenn die Feuerwehr wirklich hier zu tun hat, finde ich keine Ruhe, bis sie wieder abzieht. Sobald ich nur den Hauch von etwas verkokeltem wahrnehme, laufe ich durch die gesamte Wohnung und suche nach der Quelle. Aber auch das ist insgesamt recht erträglich.
Menschen machen mir allgemein recht viel Angst, egal ob männlich oder weiblich gelesen und das ganz unabhängig von der obigen Erwähnung. Ich vertraue schwer und wenn ich allein draußen im Dunkeln unterwegs bin, wenn nicht mehr viel los ist, könnte jeder eine Bedrohung sein. Es ist aber nicht so, dass ich permanent ängstlich unterwegs bin, tagsüber kann genauso viel passieren und in ruhigen Gegenden bin ich auch tags nicht entspannter. Ansonsten finde ich Menschen insgesamt beängstigend, aber das hat weniger mit tatsächlicher Anxiety zu tun.
Es gibt noch weitere Sachen, ich glaube, mir fällt nicht mal unbedingt alles ein, solange ich nicht damit konfrontiert bin (Spinnen, ganz eindeutig), aber wie gesagt, das ist alles in einem Rahmen, der nichts mit Angststörung zu tun hat.

 
 

Vergangenheit

Es gibt Dinge, die ich schon im eingangs verlinkten Beitrag erwähnt habe, über die ich (noch) nicht schreiben kann. Oder es gesondert tun will, ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob es nur letzteres oder beides ist. Dinge, die mich geprägt haben. Wie vermutlich jeden von uns.
Ich hatte oben geschrieben, dass ich noch ein Beispiel nennen werde und ich setze es jetzt einfach mal hier hin.
Damals habe ich geschwiegen, weil ich gar nichts sagen konnte. Ich erkenne die Zusammenhänge erst seit wenigen Jahren. Und solange rede ich auch offener.
Ich bin nach meiner Ausbildung im Büro in die Arbeitslosigkeit gerutscht. Das ging sicher nicht jedem so. Aber für Personen wie mich war es schwieriger. Im Grunde waren einerseits Leute gewünscht, die zwar erst 25 sind, dabei aber schon zwanzig Jahre Berufserfahrung mit sich bringen. Wer sich gut verkaufen konnte, hat die mangelnde Berufserfahrung wettgemacht. Bei mir war es dagegen so, dass ich so einige Stellenanzeigen sofort weggeschoben habe. Ich habe damals ausschließlich gespürt, dass das nicht der richtige Arbeitsplatz für mich ist. Warum? Das konnte ich nie erklären. Kann ich bis heute nicht. Was ich heute allerdings sagen kann, dass alle Stellen, in denen es direkt um Telefondienst oder Empfangstätigkeiten ging, auch darunter gefallen sind. Denn beides scheitert an dem, das ich als social anxiety sehe. Wie gesagt, mir hat das nie jemand so bestätigt, aber wann immer ich wusste, ich soll sowas tun, konnte ich nicht schlafen. Bei dem Job 2010 war ich als Projektfachkraft im Büro angestellt, aber die klassischen Sekretariatstätigkeiten hat eine andere Kollegin gemacht. Und sie musste an einem Tag weg. Ich war diejenige, die im Büro ausgebildet war und sie kam zu mir, damit ich das Telefon übernehme. Ich war davon so überfordert, ich bin vor ihr in Tränen ausgebrochen. Ich liebe die Arbeit im Büro, aber Telefondienste oder eben Empfangstätigkeiten funktionieren für mich nicht. Ich bin nicht spontan. Ich bin kein bisschen schlagfertig. Ich brauche ewig Zeit, um Antworten zu überlegen. Und nichts davon geht in diesen Momenten.
Als sich die Arbeitslosigkeit über einige Monate nach meiner Ausbildung zog, konnten meine Eltern nicht verstehen, warum dem so ist. Ich war doch klug, hatte mein Abi gemacht, die Ausbildung verkürzt und gut bestanden. Wieso also konnte ausgerechnet ich keinen Job finden? War ich zu wählerisch? Zu faul? Ich weiß nicht mehr, ob letztere Formulierung direkt gefallen ist oder nur zwischen den Aussagen hing, aber der Vorwurf war da. Mir wurde direkt gesagt, dass es doch egal wäre. Man würde auch draußen das Grünzeug machen, Hauptsache arbeiten.
Mich haben diese Aussagen damals schwer getroffen, denn ich war nicht faul, aber ich war blockiert. Und ich konnte nicht erklären, wieso. Ich saß wie ein kleines Kind da, das Vorwürfe bekommt, weil es Unsinn gemacht hat und sich nicht rechtfertigen kann.
Außerdem hinkten diese Aussagen für mich auf zwei Ebenen. Erstens, ich hasse Gartenarbeit und das war bekannt (ich hasse auch kochen, aber als wir in meiner Jugend einen Garten hatten, habe ich das Kochen übernommen, um der Gartenarbeit zu entkommen). Zweitens, ich war Berufsanfänger. Es hätte mir später nichts gebracht, dass ich etwas anderes gemacht habe, was ich wirklich brauchte, war Erfahrung in dem Bereich, in dem ich arbeiten wollte. Das habe ich auch zu vermitteln versucht. Was für mich generell schwer wird. Denn sobald ich mich ungerecht behandelt fühle (da spielt noch mal die Vergangenheit rein, die bislang nur angedeutet ist, ich habe ein extrem großes Bedürfnis nach Gleichbehandlung/Fairness), werde ich wütend und wenn ich wütend werde, fange ich an zu weinen und habe den sprichwörtlichen Kloß im Hals, der alles so zuschnürt, dass kein Ton rauskommt (die Beschreibungen aus Büchern treffen da bei mir voll zu). Ich kann mich dann also gar nicht erklären. Egal, ob es überhaupt angebracht ist oder nicht, sich in dieser Situation zu befinden, das mal so nebenbei gesagt.
Das große Problem dabei war eben, was ich oben gesagt habe, niemandem war bewusst, dass psychische Probleme reinspielen. Und daher ist das Bild entstanden, ich sei faul. Ich halte nichts davon, so etwas überhaupt einer Person gegenüber zu entwickeln oder zu äußern, die einem wichtig ist/sein sollte. Unabhängig davon und eher rational betrachtet, sage ich aber deswegen, zu reden und zu vermitteln, dass man nicht gesund ist, hilft oft, sich diesen zusätzlichen Kampf vom Leib zu halten. Wenn man es eben kann. Ich finde es ebenso wichtig, dass die Menschen allgemein mehr Bewusstsein und Bereitschaft dazu entwickeln, über ihre eigene Nasenspitze hinaus zu blicken und nicht einfach so zu verurteilen. Gerade in so einer Konstellation wie sie bei mir war. Seinem Kind, das man als Eltern kennen sollte, zu unterstellen, es sei faul, sollte einfach niemals passieren. Welche Gründe da auch ursächlich sind, sollte keine Rolle spielen.

 
 

Folgen

Selbstverständlich haben solche Ängste und Erkrankungen ihre Folgen.
Dass ich gar nicht mehr normal essen kann, mal einfach so, das habe ich bereits direkt unter dem Punkt der Essstörung geschrieben.
Bei der Angststörung ist sicher die Daueranspannung und die Erschöpfung zu nennen, aber beides steht auch bereits im Text.
Eine weitere Folge, die äußerlich klar erkennbar ist, möchte ich euch einfach mal zeigen.

 

 
Das erste Bild ist recht aktuell, von letzter Woche. Es waren die einzigen Stellen, also insgesamt noch recht harmlos. Da ich aber in den letzten Wochen kaum Probleme damit hatte (kein Wunder, ich war überwiegend zu Haus, das Wetter sommerlich, was eindeutig positiv unterstützt), war ich doch davon überrascht, dass es dann gleich drei Einrisse gab. Die übrigens bei jeder Bewegung zu spüren sind.

 

 
Das zweite Bild ist schon älter, es stammt aus der Winterzeit, wo die Haut ohnehin empfindlicher ist (jedenfalls meine). Das regelmäßige Desinfizieren und Händewaschen sorgt bisweilen für solche Auswirkungen. Vor allem abends sitze ich dann hier und spüre die einzelnen Stellen wieder aufreißen, wenn ich nach etwas greife, die Hand dadurch zur Faust balle. Meine Haut ist so unglaublich ausgetrocknet. Der Übergang von Hand zum Handgelenk ist nicht mehr weich und geschmeidig, einfach weil die Haut zu trocken ist. Und das, obwohl ich sie durchaus regelmäßig eincreme. Cremes und alles mit Gerüchen usw. ist noch mal ein ganz anderes Kapitel für sich, weswegen ich bisher nicht das passende Produkt gefunden habe, fürchte ich. Zumal ich eben jede Wirkung aufgrund der Ängste auch immer wieder zerstöre. Das ist auf jeden Fall ein weiterer unschöner Teil der Auswirkungen, die so eine Angststörung haben kann.

 
Eine weitere Folge bezüglich der Essstörung ist, dass ich esse, weil ich muss. Ich genieße nicht. Und ich rede nicht gern über Essen. Gelegentlich mag ich keinerlei Bilder dazu sehen. Meine erste Therapeutin wollte, dass ich mich dem Essen bewusst widme (für gewöhnlich esse ich am PC und lese nebenbei, wirklich nebenbei arbeiten, gibt es bei mir nicht, weil es Zeiten gab, in denen ich nur wegen des Essens mal das Arbeiten unterbrochen habe). Ich sollte mich am besten in meine Küche setzen (geht nur, wenn ich dann die Wand anstarre) und bewusst jeden Bissen wahrnehmen und analysieren. Hätte ich das gemacht, hätte ich gar nicht mehr gegessen. Ich war froh, mich gedanklich ablenken zu können und dankbar, wenn das Essen in mir drin war, ohne dass mir übel geworden ist.

 
 

OCD

Dieser Teil hier wird der schwerste. Und ich schreibe ihn als letztes. Exakt betrachtet, schreibe ich an diesem Beitrag seit über einer Woche, immer in Etappen, einfach weil ich wusste, er wird lang. Auch wenn ich ein hohes Schreibtempo habe und oft bei durchschnittlich 2,5 k in einer Stunde lag, hat der Beitrag bis zu diesem Punkt hier bereits um die 7 k Wörter. Außerdem ist es unglaublich anstrengend, mich permanent diesen Themen auszusetzen. Es ging zwar bis hierher, aber ich weiß, dass gerade das Folgende die größte Herausforderung überhaupt für mich ist. Weil sie mir unglaubliche Angst macht.
Ich hatte ganz am Anfang erwähnt, dass es ein Thema gibt, über das niemand sehr tief Bescheid weiß und diejenigen, die es tun, tun es eben nur ein bisschen. Das ganze Ding ist ein extrem tiefer Teufelskreis und baut ebenfalls auf der Angststörung auf. Was es nicht leichter macht, auszubrechen.
OCD steht für obsessive-compulsive disorder und heißt im Deutschen Zwangsstörung (wie gesagt, manch einer vermutet es vielleicht, wirklich nachgefragt hat in all den Jahren nur eine Person).
Eine der ersten Fragen, die meine Psychiaterin (nicht Therapeutin, wers nicht weiß, Psychiater sind die Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie, diejenigen, die Rezepte und alles mögliche ausstellen dürfen, aber solange sie die therapeutische Weiterbildung nicht machen, dürfen sie keine psychotherapeutische Betreuung anbieten, das ist wiederum etwas anderes) gestellt hat, war, ob es Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen sind. Und meine Antwort lag sehr sehr klar und eindeutig auf letzterem.
Bei mir funktioniert die Zwangsstörung so, dass sie Regeln gleich kommt, denen ich folgen muss. Tue ich es nicht, werde ich bestraft. An diesem Punkt kommt der Anteil meiner Angststörung hinzu. Die Strafe ist grundsätzlich Übelkeit oder im schlimmsten Fall, krank zu werden. Das bedeutet, die Zwänge sind in gewisser Weise auch ein Vermeidungsverhalten, würde ich sagen (hat mir niemand erklärt, ist meine eigene Interpretation).
Es gibt zwei oberste Regeln. Die wichtigste ist eigentlich, dass niemand über die Zwänge Bescheid wissen darf. Und genau deswegen fällt es mir gerade auch so schwer, das zu schreiben oder es am Ende nicht doch wieder zu löschen oder aus dem Beitrag zu nehmen, sondern tatsächlich zu veröffentlichen, vor allem, weil es ab dem momentanen Zeitpunkt bis zur Veröffentlichung des Artikels noch acht Stunden und achtzehn Minuten dauert. So viel Zeit, in der ich das wieder ändern könnte, weil es ja noch niemand gesehen haben kann. Es ist immer wichtig, diesen Teil geheim zu halten. Notfalls auch damit, übliche Regeln zu ignorieren, wenn ich nicht allein bin, damit andere Menschen nichts merken (was mir in Gegenwart von anderen manchmal ein wenig Freiheit gegeben hat und dadurch schon wieder ein Punkt war, sogar freiwillig alles geheim zu halten, das Geheimnis zu bewahren). Darüber gibt es nur eine einzige weitere Regel, die mit meiner Persönlichkeit verknüpft ist: Nicht lügen. Weswegen diese eine Person das auch entdecken konnte. Bin ich bislang direkt gefragt worden (oder in diesem Fall war es sehr direkt ausgesprochen, nicht gefragt), so bestand für mich nicht die Möglichkeit „nein“ zu sagen, denn das wäre eine Lüge gewesen. Beim Fachpersonal war es unterschiedlich, teils kam die Frage direkt. In der Reha bei meiner Bezugstherapeutin kam die Frage nicht, da habe ich bereits im Erstgespräch von mir aus erwähnt, dass es Zwänge gibt, weil es für mich nicht das erste Erstgespräch war und ich wusste, dass die Reha insgesamt eher kurz ist. So sehr ich die Reha gehasst habe, so sehr wollte ich doch mitnehmen, was immer ich konnte, damit es mir besser geht und deswegen habe ich das von Anfang an erwähnt, anstatt es entdecken zu lassen. Aber auch da fiel es mir nicht leicht und ich habe sehr gehofft, dass ich nicht bestraft werde.
Die Zwänge selbst sind unzählig. Ganz ehrlich, mein ganzer Tag besteht aus Zwängen. Es gibt kaum etwas, das ich nicht auf gleiche Weise mache. Und jegliche Abweichungen machen mich nervös. Denn – und das ist ein Teil des Teufelskreises – die Zwänge bieten Routine. Und an diesem Punkt funktioniert der Teufelkreis in zwei Richtungen. Die ursprünglich geglaubten Routinen sind nicht nur zu Zwängen geworden, sondern aus diesen Zwängen rauszukommen, bedeutet neben dem Aushalten der Angst (und wer mal über Stunden in dem wellenförmigen Zustand von Anstieg und minimalem Abfall gesteckt hat, der nicht dem üblicherweise genannten Modell von Erreichen der Spitze und danach Entspannung gleicht, der kann sich nur diesen einen Teil des Ganzen vorstellen, der Rest kommt oben drauf), dass ich bewusst gegen die Routinen arbeiten muss. Vieles sitzt so tief in mir verankert, weil ich das seit Jahren mache, dass ich nicht nur schaffen muss, mich dazu durchzuringen, die Angst auszuhalten, ich muss dann auch noch bewusst darauf achten, Dinge anders zu machen als sonst, was erneut zusätzliche Energie kostet. Und fast immer scheitere ich an irgendeinem Punkt, weil ich nicht mehr die Kraft habe. Die routinierten Zwänge (es ist echt schwer zu entscheiden, welches Wort wann das richtige ist, sofern das überhaupt noch einen Unterschied macht) sind vertraut und geben teilweise ein Gefühl von Sicherheit. Ich bin sogar ziemlich überzeugt, dass ich ja erst deswegen in die Zwänge gerutscht bin. Wenn ich alles so wie gestern mache und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann mir heute ja auch nichts passieren. Dass das rational völlig unsinnig ist, weiß der logische Teil in mir auch (und wenn man bedenkt, dass ich ein sehr logischer Mensch bin, ein Kopfmensch, dann wird das Ganze noch absurder). Aber der emotionale, der, der mit der Angst verknüpft ist, die eben völlig und immer irrational ist, der schafft es nicht, sich dem zu entziehen.
Ich habe in den vergangenen Tagen jegliche Gedanken an diesen Abschnitt des Beitrags immer wieder von mir geschoben. Nur nicht zu früh provozieren. Nichts eher herausfordern als es unbedingt nötig ist. Allein das Nachdenken hätte zu viel sein können, die Ängste wecken und auf den Plan rufen. Ob ich heute Nacht schlafen werde, ich weiß es nicht. Ob ich es können werde. Oder ob ich dazu komme.

 
Womit wir bei einem der Zwänge wären (ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie viele sich durch meine Tage ziehen). Ich habe feste Schlafenszeiten. Und eine letzte. Bin ich zu dieser nicht im Bett, schlafe ich nicht. Das hat einen Grund, der mir wichtig ist, aber im Endeffekt ist es trotzdem zwanghaft.
Wer mich schon lange kennt (mehr als drei Jahre), weiß, dass ich über Jahre Nachtmensch war. Schon in meiner Jugend habe ich am Wochenende gern die Nacht zum Tag gemacht. Ich habe mich zwar zeitweise zum Tagmenschen umgewöhnt, weil ich mit ständigen Wechseln nicht zurechtkomme und das während der Abiturjahre und auch in der Ausbildung nicht hilfreich war, aber darüber hinaus bin ich immer in die Nachtzeiten gerutscht, sobald ich es konnte. Während ich früher dennoch recht gut damit umgehen konnte, einige Jahre auch nur vier Stunden Schlaf pro Nacht brauchte und insgesamt sehr flexibel war (die vier Jahre nach meiner ersten Therapie, bis im Grunde die Dysthymie ausgebrochen ist), kann ich das seit Jahren gar nicht mehr. Das Problem, wenn ich erst um 8:00 Uhr ins Bett gehe und um 15:30 Uhr aufstehe, liegt im Zusammenhang mit der Gesellschaft (übrigens glaube ich sehr fest, dass meine Angst durch den Brand hier im Strang auch unterstützend war, lange an dem Nachtrhythmus festzuhängen, denn so bin ich erst schlafen gegangen, als die Lüftungen schon wieder eingeschaltet waren, wenn nachts etwas passiert wäre, hätte ich es sofort mitbekommen). Arzttermine sind damit fast unmöglich. Und da ich ja nicht berufstätig bin, sollte ich doch ohnehin am besten gleich morgens aufschlagen, ich habe doch ganz viel Zeit. Das sprechen viele nicht aus, aber die Blicke sagen genug. Und die bilde ich mir nicht ein. Meist kommen einfach die Vorschläge und sobald dann die Aussage meinerseits fällt, dass ich erst nachmittags kann, werde ich völlig entsetzt oder fragend angeschaut. Ich sehe da keinen großen Interpretationsspielraum. Dass ich Rente beziehe, ist nun mal am Versicherungsstatus in der elektronischen Akte sichtbar.
Ich habe über viele Jahre unzählige Versuche gestartet, meinen Rhythmus zu verändern und 2016 ist es mir endlich gelungen. Ich weiß aber auch, dass ich sofort wieder in den Nachtrhythmus falle, gehe ich später als diese festgesetzte Zeit ins Bett. Es gibt wenige Ausnahmen und bei diesen bin ich nie allein (es waren exakt drei Stück: die beiden 60. meiner Eltern, die wir groß in Familie gefeiert haben und ein Silvester, an dem ich nicht allein zu Haus war, denn wenn dem so ist, bin ich auch wie jeden anderen Tag pünktlich im Bett). Mal sehen, ungefähr zwei Stunden habe ich noch, aber ich habe auch noch ein paar Dinge zu erledigen.

 
Was ein weiterer Zwang ist. Bestimmte Dinge muss ich tun. Und haben sie sich erstmal auf einem festen Platz in meinem Alltag etabliert, kann ich sie nicht einfach früher am Tag erledigen. Ausnahme ist, wenn ich am nächsten Tag früher aufstehen muss (beispielsweise am Abend vor der Konzertreise), aber dann rutscht alles früher, die Reihenfolge bleibt gleich, außer sie wird von außen verändert. Habe ich also einen Tag, an dem ich mit allem langsamer bin, kann es passieren, dass ich zum Tagesende noch richtig viel zu tun habe, um alles zu schaffen. Alles in fester Reihenfolge. Alles in festgelegtem Ablauf. Erst dieser Handgriff, dann jener. Falsch gemacht? Noch mal auf Anfang.

 
Zahlen, Daten, Zeiten. Gedächtnis.
Ja, Zahlen sind was Tolles. Ich liebe sie, ganz ehrlich.
Schon in den ersten Schuljahren war Mathe eines meiner Lieblingsfächer gewesen (Deutsch eigentlich nur, solange es um Grammatik ging, als Interpretationen dazu kamen und ich immer andere Dinge interpretiert und begründet habe als die Lehrer der Ansicht waren, das hätte der Autor gemeint, war Deutsch einfach nur noch doof, Mathe aber in den letzten Jahren überwiegend auch). Früher war mir nicht bewusst, dass Zahlen bei mir weit tiefer reichen. Aber je älter ich wurde, merkte ich die Affinität. Ich bin durch meine Eltern sehr lange zum Kopfrechnen angehalten worden. Taschenrechner gabs zu meiner Schulzeit ohnehin erst ab – ich glaube – der 9. Klasse. Aber selbst in meiner Ausbildung habe ich in Rechnungswesen die meisten Beispielzahlen, die überwiegend große glatte waren (10.000,00 € hier, 4.000,00 € da), schnell im Kopf gerechnet, statt wie die meisten, den Taschenrechner zu nutzen.
Darüber hinaus spielen Daten in meinem Kopf eine große Rolle. „Wandelnder Kalender“ ist so eine Bezeichnung, die ich mehrfach zu hören bekommen und früher automatisch auch für mich übernommen habe. Mittlerweile nicht mehr, weil in meinem Kopf kein Kalender steckt. Da ist nur simple Mathematik. Ich habe in fast jedem Monat Eckpunkte, Geburtstage und ähnliches und weiß einfach, auf welchen Wochentag sie fallen. Von dort aus rechne ich und das im Kopf auch einigermaßen zügig (zumal da einfach nur viel System hintersteckt mit vier Wochen sind 28 Tage und die meisten Monate haben 30 oder 31 Tage, das als grobe Anmerkung, ums nicht zu detailliert auszuführen). Tatsächlich sehe ich Wochen aber auch visualisiert in meinem Kopf, im Zwei-Wochen-Takt, die ähnlich einem Oval oder Rechteck zusammenführen. Sie sind für mich auch eine Art geschlossener Kreis. Einmal durchlaufen, geht es wieder von vorn los. Wie oft ich mich schon zusammenreißen musste, anderen Menschen nicht zu sagen „ah, dass war in so einer Woche“, womit ich dann eine der beiden meinte und niemand außer mir etwas damit anfangen kann, ich weiß es nicht. Einige Male. Aber das sind im Grunde Dinge, die dafür sorgen, dass ich Daten sehr schnell mit einem Wochentag benennen kann. Nicht, weil da tatsächlich eine kalendarische Übersicht in meinem Kopf prangt.

 
Die meisten Menschen beglückwünschen mich zu dieser Fähigkeit.
Es ist nicht so, dass ich sie verfluche. Aber sie ist tatsächlich Fluch und Segen zugleich.
Denn wie in der Überschrift dieses Abschnitts erwähnt ist, spielt mein Gedächtnis mit rein. Das ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt, sehr detailreich. Ich weiß nicht, wie oft Menschen mich schon irritiert angeblickt haben, an welche Feinheiten ich mich erinnern kann. Mein Gedächtnis ist immer so. Und eben sehr stark an Daten geknüpft.
Und da entsteht der Fluch des Ganzen.
Alles, was negativ besetzt ist, wird in meinem Kopf mit dem Datum verknüpft gespeichert. Und jedes Jahr an diesem Datum geht der „Spaß“ mit der Angst wieder los.

 
Beispiel: Mein Geburtstag.
Es gibt genau einen Ort online, wo ich ihn angegeben habe. Aus dem einfachen Grund, dass ich unglaubliche Angst vor diesem Tag und der darauffolgenden Woche habe. Was zur Folge hat, dass ich meist den halben Monat wie gelähmt bin.
2003 bin ich an meinem Geburtstag krank geworden. Neben dieser Geschichte, die mir eben eh schon endlos Angst macht, kam noch eine Influenza dazu. Und das hielt eine ganze Woche an. Seitdem ist jedes Jahr an meinem Geburtstag Angst da. In den ersten Jahren ging es noch. 2004 – 2006 war ich in therapeutischer Betreuung, das hat mir ein bisschen geholfen, komplett genommen hat es das trotzdem nicht. Danach war ich ja einige Jahre recht gut aufgestellt, Angst hatte ich aber dann auch immer. Seit danach ist es noch schlimmer. Es war damals ein Montag und wenn mein Geburtstag auf einen Montag fällt, ist es am Schlimmsten. 2008 war ich zu der Zeit nicht allein und es ging mir eben auch insgesamt besser. 2014 hatte ich schon am Wochenende so viel Angst, dass es mir bereits da richtig mies ging (= nicht essen können, Übelkeit, ohne dass ich tatsächlich krank geworden bin). Der nächste Montag wäre nächstes Jahr dran, aber glücklicherweise haben wir ein Schaltjahr und er wird übersprungen. Das heißt nicht, dass nicht trotzdem was passieren kann, aber – ich weiß gar nicht so richtig, wie ich das erklären soll – es ist ein bisschen so, als wäre die Gefahr damit ein bisschen kleiner. Nicht weg. Nur ein bisschen geringer. In dieser Angst lebe ich jetzt seit gut fünfzehn Jahren.
Ich versuche, diesen Tag für gewöhnlich so normal wie möglich zu verbringen. Wie immer, wenn alles so wie gestern ist und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann ja heute auch nichts passieren. Oder durch Ablenkung in Gegenwart eingeweihter Personen. So mehr oder weniger. Wobei das mittlerweile vermutlich auch fast schwieriger ist, weil das ja wieder Kontakt mit Menschen bedeutet.
Und so geht es mit weiteren Daten. Sei es nun krank sein. Oder auch Daten wie der Todestag meines Ex-Freundes. Und je älter ich werde, desto mehr Daten werden es. Was die Angst wieder vergrößert. Je größer die Angst, desto stärker werden die Zwänge. Ich sagte ja, das ist ein ganz böser Teufelskreis. Bis soweit, dass ich fast gelähmt bin. So war es vor der Konzertreise. Alles war hoch zwanghaft. Während es im Alltag oft „nur“ darum geht, bestimmte Reihenfolgen und Handlungen durchzuführen, kommt unter diesem erhöhten Druck ein Perfektionsdrang dazu. Da reicht dann nicht mehr nur die einzelne Bewegung, sondern sie muss ganz perfekt so und so durchgeführt sein.
Ach ja, da war ja noch was mit den Zahlen.

 
Eigentlich zwei Dinge.
Das eine ist die Kopplung an Daten.
Ich sehe in Uhrzeiten Daten. Und dank meiner Vorliebe zu Japan auch noch auf zwei Weisen, da die Japaner ihr Datum rückwärts schreiben (eine sehr logische und sinnvolle Sache, die ich in meinem Alltag auch nutze und immer darauf achten muss, für andere Menschen andersrum zu schreiben, ist euch aufgefallen, dass die Daten auf meinem Blog auch quasi rückwärts laufen, für mich ist das Normalität). Das bedeutet, dass ich um 8:16 Uhr wie auch um 16:08 den 16. August vor Augen habe, der erwähnte Todestag. Für mich sind diese Zeiten Sperrzeiten. Das heißt nicht, dass ich den ganzen Tag dasitze und darauf achte, währenddessen nur auf die Uhr zu starren. Aber es bedeutet, dass ich zu dieser Zeit nichts Neues anfange. Denn fast alle Aktionen, die ich beginne, sind mit der Uhr verknüpft.
Hier kommt die zweite Sache ins Spiel, Quersummen bis zur Einstelligkeit.
Es gibt für mich Zahlen, die tabu sind und welche, die besonders geeignet oder eben passend sind. Welche Zahlen (oder bei der Quersummensache ja eigentlich Ziffern) wo tabu oder passend sind, kann variieren und verändert sich ab und zu mal (ist aber mittlerweile schon richtig lange her). Ich kann für fast alle Uhrzeiten zumindest sehr schnell sagen, ob sie für mich passend sind oder nicht. Mache ich also in meinen Abläufen Fehler und die nächste Minute passt nicht, muss ich auch noch warten, bis ich wieder weitermachen kann. Kommen dann noch Zeiten, die direkt mit Daten verknüpft sind (wie 8:16 Uhr oder 16:08 Uhr) dazu, dann muss ich noch länger warten. Und ja, da es Zwänge sind, muss ich. Und es gibt nicht wenige Daten. Hinzu kommt, dass bestimmte Zeiträume ohnehin gesperrt sind. Ich weiß den absoluten Ursprung dazu, der lag bei 1:12 Uhr, wegen der Verknüpfung zur 112 und der Angst vor lebensbedrohlichen Krankheiten (ja, ich habe tolle, um viele Ecken gehende Verknüpfungen, nicht wahr), aber wieso es mittlerweile alles ab :09 bis :13 in jeder Stunde betrifft, kann ich nicht mal mehr rekonstruieren.
Richtig „toll“ ist dabei übrigens, dass mein PC seit einigen Monaten immer ein bisschen schneller unterwegs ist als andere Uhren und es dadurch zu Diskrepanzen zwischen PC und Smartphone kommt. Das macht mich bisweilen richtig kirre.

 
Ich könnte dazu jetzt sicher endlose Beispiele auflisten. Genauso detailliert wie die Konzertreise. Aber anders als bei den Ängsten glaube ich, dass schon aus diesem Teil sehr klar wird, wie viel Zeit und Kraft das jeden Tag raubt. Denn es beginnt mit dem Aufstehen (es beginnt eigentlich schon mit der Anzahl der Wecker und den eingestellten Zeiten). Und endet damit, wie ich ins Bett gehe, wie ich mich hinlege.
Was ich für mich sagen kann, ist, dass Routinen toll sind. Ich weiß, dass sie gerade bei depressiven Menschen in Therapien aufgebaut werden, um Struktur in den Alltag zu bringen, aus der Lethargie rauszukommen. Aber ich weiß, wie gefährlich Routinen auch sein können. Ich sage nicht, meidet sie, denn ich bin sehr für Routinen. Aber beobachtet euch immer gut. Der Grat zwischen nur Routine und festem Zwang ist unglaublich schmal.

 
Und jetzt sehe ich zu, diesen Beitrag endlich zu einem Ende zu bringen.
Er ist unglaublich lang, das weiß ich. Aber ich bin nicht sicher, ob ich in nächster Zeit oder überhaupt irgendwann wieder die Kraft finden würde, mich hinzusetzen und das aufzuschreiben. Deswegen muss ich es alles in diesen einen packen. Wer bis hierher durchgehalten hat: Danke. Ich hoffe, niemand von euch ist davon betroffen. Wenn doch, dann wünsche ich euch die Kraft, euch daraus zu lösen. Wenn nicht, dann hoffe ich, dass ihr vielleicht ein bisschen auf euer Umfeld schauen könnt. Mit offenen Augen durch den Tag gehen könnt, ob jemand in eurem Umfeld betroffen ist und diesen vielleicht erst fragt und nicht aus dem eigenen vertrauten Blick zu verurteilen – sehr wahrscheinlich, ohne es zu wollen.
Auf jeden Fall hoffe ich, jedem damit Mut zu machen. Sei es, sich anderen anzuvertrauen und zu öffnen. Oder sich vielleicht auch zu finden, wo sich alles bislang nur schwammig und komisch angefühlt hat.

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – the GazettE

 
Vor dem heutigen Beitrag sitze ich und weiß weder, wie ich anfangen soll noch, wie ich ihn kurzhalten soll, ohne einfach nur ein paar Fakten zu listen.
Denn heute geht es um the GazettE (und ja, ich lege bei ihnen viel Wert auf diese Schreibweise, solange ich das „the“ verwende, ansonsten schreibe ich nur Gazette, wie die Aussprache hier üblicherweise auch lautet, das „the“ spricht eigentlich keiner mit, weil das auch erst mit der Änderung aus der Katakana-Schreibweise (ガゼット) 2006 hinzugekommen ist).

 
Als ich 2006 in die Fänge der japanischen Musik geraten bin, hat es nicht sehr lange gedauert, bis ich the GazettE entdeckt habe. Und das sogar in einem deutschen Magazin. Ich habe damals entweder in einer der Sommerausgaben der AnimaniA oder des Sonic Seducer ein Bild der Band gesehen und war – wie so oft – allein dadurch neugierig. Den Rest hat dann YouTube erledigt. Das war im Juni oder Juli 2006, denn sie haben Ende Juli auf der AnimagiC in Bonn gespielt und ich konnte es nicht mehr organisieren, dabei zu sein, weil ich zu kurzfristig davon wusste.

 
Anfangs waren sie eine Band von vielen, ich habe ständig neue kennengelernt, auch weil zu der Zeit immer wieder Konzerte in Berlin stattfanden und ich mir die entsprechenden Bands anhörte, um zu entscheiden, ob ich auf die Konzerte gehen würde oder nicht.
Doch Gazette liefen recht regelmäßig bei mir. Sie hatten in diesem Jahr ihr zweites Album veröffentlicht, waren zu einer Major-Band geworden, doch ich entdeckte für mich vor allem die älteren Sachen, mit denen sie angefangen hatten.

 
Als sie 2007 das erste Mal auf Tour außerhalb Japans gingen – wenn es auch nur eine kleine Europa-Tour war -, hatten sie sich bereits zu diesem Zeitpunkt bei mir an die Spitze geschoben. Und sie verweilen dort bis heute, wenn auch nicht mehr ganz allein. Sie sind für mich eine der wichtigsten Bands überhaupt, die so gut wie nie in meinen gemischten Playlists fehlt. Ihre Musik ist für mich vielleicht nicht physisch überlebenswichtig, doch jedes Mal, wenn ich sie längere Zeit nur sehr wenig oder nicht intensiv gehört habe, merke ich, dass ich sie brauche.

 
Und trotzdem habe ich einige Jahre nur sehr sporadisch verfolgt, was sie machen.
Ich war damals sehr aktiv in der Szene unterwegs, aber das Fandom schreckte mich irgendwann ab. Ich mag nicht detailliert darauf eingehen, warum, denn das ist möglicherweise nur Ansichtssache und ich will niemandem zu nahe treten, aber gegen Ende 2008 habe ich mich zurückgezogen. Ich habe mitbekommen, wenn etwas Neues rauskam, habe mir die Sachen online angehört, aber irgendwie wars das, zumindest gefühlt. Ich weiß, dass ich das nächste Album 2009 noch recht gut mitbekommen habe, wobei auch nur meine damaligen Favoriten hängen geblieben sind. Ähnlich lief es auch 2011 und 2012 bei den Alben ab, wobei ich einen Teil des 2012er Albums intensiver gehört habe. Aber vor allem die Singles dazwischen, sind bei mir halb durchgerauscht. Angehört, das Thema zur Seite gelegt. Infolge dessen weiß ich bis heute oft nicht sicher, welcher Song B-Seite auf welcher Single war, was ich ansonsten sehr gut differenzieren kann.

 
Dann kam das Jahr 2013 und die Band kündigte ihre erste Welttour an. Es würden fast sechs Jahre vergangen sein, seit ich sie gesehen hatte. Sechs lange Jahre nach einer Autogrammstunde und zwei Konzerten. Denn ich war 2007 selbstverständlich verrückt genug, sechs Stunden vor einer Autogrammstunde dazusitzen. Das Ganze fand in einem Einkaufscenter in Berlin statt und wir wurden stundenlang wie exotische Tiere begafft. Und so verrückt das klingt, ich bereue es nicht. Denn abgesehen von den Menschen dort, war die Autogrammstunde immer wechselnd auf 60 – 90 Minuten Dauer angekündigt. Ein paar Minuten, nachdem ich meine Autogramme hatte, wurde abgebrochen. Ja, ich würde mich für so etwas wieder so lange hinsetzen, wenn es mir wichtig genug ist. Denn die Schlange war hinter mir noch sehr lang. Die erste Tour hier, die einzige Autogrammstunde und von entsprechend weit kamen die Fans angereist.
Am Tag darauf gab es das Konzert in Berlin (das einzige, das sie hier je gespielt haben) und am nächsten war ich auch noch in Köln dabei.

 
Aber zurück ins Jahr 2013. Auch wenn so viel Zeit vergangen war, ich so viele andere Bands kennengelernt, kommen und gehen gesehen hatte, Gazette spielten weiterhin ganz oben mit.
Ab einen Monat vor dem Konzert habe ich mir ihre ganze Musik angehört, immer und immer wieder. Nur sie, nichts anderes. Ich entdeckte Songs wieder, die ich lange nicht gehört und tatsächlich vermisst hatte. Andere fühlten sich fast neu an, eben durch diese Art Pause in den vorigen Jahren. Es war alles so unglaublich intensiv (weswegen ich es zeitweise auch bewusst so handhabe, nur eine bestimmte Auswahl zu hören, Abstand kann unglaublich erfrischend sein, ganz auf Gazette verzichten, kann ich dennoch nicht).
Und dann kam das Konzert. Sie spielten in dem Jahr in Deutschland nur in Dortmund und München und ich hatte mich für letzteres entschieden. Nach einer recht nervenaufreibenden Zeit kurz vorher, weil meine ursprünglich geplante Unterbringung nicht funktionierte und zur selben Zeit das Oktoberfest stattfand, war letztlich alles geregelt. Abgesehen davon, dass ich zum ersten Mal allein woanders zu einem Konzert fahren würde, würde ich meiner Zimmernachbarin erst in München das erste Mal begegnen, kennengelernt hatten wir uns im Rahmen meiner verzweifelten Zimmersuche, bei ihr war jemand abgesprungen.
Das Konzert war unglaublich befreiend, ein Gefühl, das mich 2013 ohnehin oft getragen hat, auch wenn die Band sich sehr bedeckt hielt. Im August war eine neue Single erschienen, von der sie nichts spielten, im Oktober stand das nächste Album an, von dem sie auch nichts preisgaben. Aber nach all den Jahren war das völlig egal. Mein kleines Highlight war vermutlich, als sie 「Filth in the beauty」 spielten, ein Song aus den Jahren 2006/2007. Während der Wartezeit lief er beständig in meinem Kopf und weckte Erinnerungen an die Konzerte von 2007. Dass sie ihn spielen würden, damit hatte ich nicht gerechnet, aber sie taten es. Wie die meisten der Titel, die sie live spielen, ist er sehr energiegeladen, aber er hat auch das perfekte Tempo, um zu springen, passt super fürs Headbangen und gehört seit 2013 für mich zu einem Konzert dazu.

 
Da im darauffolgenden Monat das nächste Album erschien, verließ mich die Euphorie nach dem Konzert auch nicht. Ich hatte zwar ein kleines Tief, das sich bei mir nicht selten einstellt, wenn ich realisiere, dass ich wieder in den Alltag zurück muss, aber ansonsten fieberte ich dem neuen Album entgegen, die Band fütterte uns Fans mit kleinen Häppchen und dann war es soweit. Ich weiß gar nicht, wie lang die Intensität damals anhielt, aber das waren insgesamt locker drei Monate.

 
Das nächste Album folgte im Sommer 2015, ihm schlossen sich über das nächste halbe Jahr verteilt noch zwei Singles an und dann kam im Juni 2016 die nächste Welttour. Dieses Mal fuhr ich mit einigen Bekannten nach Köln, eine kleine Gruppe, was alles kostensparender gestaltete, aber ich habe dabei auch die Erfahrung gemacht, dass es mir den Freiraum nimmt, den ich brauche – im Leben an sich, aber auch hinsichtlich der Musik. Niemand der anderen war durch unangenehmes Verhalten daran Schuld, es hing einfach mit den Kompromissen zusammen, die in einer Gruppe notwendig werden.
Dies und ein paar weitere Fehlentscheidungen meinerseits stürzten mich in ein weit tieferes Loch und zogen schon damals nach sich, dass ich wusste, beim nächsten Mal wird es anders.

 
Letztes Jahr kam das nächste reguläre Album (es gab insgesamt noch zwei Alben in der Art von Best ofs, das erste meines Wissens nur eine Zusammenstellung, das zweite mit Re-Recordings und teilweise kleinen, teilweise sehr auffälligen Veränderungen, aber die führt die Band selbst nicht in den regulären Alben auf, weswegen ich sie jetzt nur hier erwähne) und am 22.12. folgte die große Ankündigung der nächsten Welttour.
Und ich habe in meinem letzten Beitrag erwähnt, dass ich „quasi Urlaub gemacht“ habe, denn Erholung war das nicht. Aber da ich hier rausgekommen bin und seit wirklich vielen Jahren nicht klassisch im Urlaub war (Verwandtschaftsbesuche und so zähle ich nicht) und ich wusste, dass die Kosten nicht gering sein würden, habe ich das für mich als meinen Urlaub deklariert.
Nach meinen Erfahrungen 2016 wusste ich, ich würde auf dieser Tour mindestens zwei Konzerte besuchen, also alle in Deutschland, so es denn nicht plötzlich mehr gäbe (das war nur 2007 so). Und ich wusste ebenfalls, ich würde mir ein VIP-Ticket leisten, vielleicht sogar auch zwei. Diese beinhalten einen früheren Einlass, früheren Zugang zum Merchandise (und das war mein eigentlicher Grund, das zu wollen, denn ich habe 2016 nicht alles bekommen, das ich wollte), ein sogenanntes Meet & Greet mit der Band, das aber eher ein Handshake-Event ist (ja, nach 2007 war das ein netter Gedanke, spielte für mich aber tatsächlich nicht die größte Rolle und sorgte auch dafür, nur ein VIP-Ticket zu kaufen) und ein Fangeschenk, das dieses Mal ein dünnes Handtuch war (wobei ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste).
Ende Januar fand der Ticketverkauf statt und im Anschluss reservierte ich noch am selben Tag Zimmer in Köln und München und buchte ebenfalls die Bahntickets. Ich würde das dieses Mal komplett allein machen und höchstens andere Bekannte vor Ort treffen. Wer nicht involviert war, wusste nicht, dass ich das vorhatte (ich rede nicht gern über Dinge, die in der Zukunft liegen, vor allem, wenn sie mir wichtig sind).

 
Von Samstag bis Mittwoch war ich unterwegs, Reise nach Köln, ruhiger Abend, Konzerttag (und ich habe lange gar nicht realisiert, dass es endlich soweit ist), am nächsten Tag die Weiterreise nach München, ebenso entspannt (okay, in beiden Fällen, wenn ich von den anderen Gästen absehe, die waren echt nicht leise, weder in Köln noch in München), der nächste Konzerttag inklusive des Meet & Greets und dann die Rückreise. Bereits am Montag wollte ich eigentlich nur noch wieder nach Haus, denn anders als viele andere, bin ich nicht gern woanders. Ich reise nicht sonderlich gern, sondern halte mich lieber in meiner Wohnung bei meinem Mädchen (= Katze) auf. Doch ich wusste ja, dass der Dienstag sich lohnen würde und das tat er.
Im Rahmen der Konzerte hatten sich einige alte Kontakte wiederbelebt und es war toll Menschen nach Jahren wieder zu treffen. Das Konzert in Köln war schon extrem gut gewesen, sehr heiß (aber das war die Halle 2016 auch schon gewesen), aber auch sehr energiegeladen, außerdem recht emotional für mich. Das in München war noch viel heißer (ich war nie zuvor in einer so heißen Halle wie dort), aber auch seitens der Band weit beteiligter. In Köln haben sie gut gespielt, aber eher jeder für sich. Es gab kaum Interaktionen, die ich durchaus von ihnen kenne. Und genau das trat in München zutage. Es lockerte einfach alles auf.
Das Meet & Greet fand erst im Anschluss statt (ich hatte schon in Köln mitbekommen, dass es wohl an die 300 VIP-Tickets gab, was die Bezeichnung eigentlich lächerlich macht), ich vermute, sie hätten das nicht wie in der Vergangenheit vorher geschafft (der Einlass lag eine Stunde vor dem regulären Einlass und 300 Leute zu kontrollieren, durch das M&G zu bringen und am Merchandise-Tisch durchzuschleusen, ist in 60 Minuten schon sehr schwierig). Also hieß es warten, bis wir aufgefordert wurden, uns aufzustellen und dann ging es der Reihe nach einmal los. Die Jungs standen nebeneinander hinter einem Tisch, schüttelten einem die Hand und bedankten sich, das wars im Grunde auch. Aus dem Hintergrund wurden wir ständig aufgefordert, weiterzugehen, Umarmungen wurden regelmäßig verboten (und manche Fans fragten die Jungs trotzdem danach), manchmal gab es eine kurze Kommunikation über den Dank hinaus, aber dann war auch schon alles vorbei. Es war dadurch ähnlich wie 2007 bei der Autogrammstunde, auch da wurde permanent gedrängelt, man solle sich beeilen, obwohl die Jungs damals ja Autogramme schrieben und das Warten vor einem von ihnen nicht daran lag, sich nicht trennen zu wollen. Und obwohl beides sehr schnell ging – das waren immer nur wenige Sekunden – so fühlt sich das jedes Mal für mich unendlich an. Das war 2007 so und unterscheidet sich dieses Mal nicht.
Ich bin danach nicht länger dort geblieben, auch meine Bekannten wollten in ihr Hotel zurückkehren, ich musste aber am nächsten Morgen früh aufstehen und musste noch packen und ganz dringend duschen.

 
Das Ganze liegt jetzt gerade einmal drei Wochen zurück (wenn das hier online geht, sinds dreieinhalb Wochen) und ich bin noch immer nicht so richtig zurückgekehrt. Zumindest thematisch ist mein Kopf noch immer voll von Musik, voll von dieser wundervollen Band und lässt keinen Platz für anderes.

 
Gazette werden für mich immer etwas ganz Besonderes sein und wegen der Tour schreibe ich jetzt über sie, denn ich wusste, ich könnte mich jetzt nicht auf eine andere konzentrieren (der Beitrag zu MUCC kam zwar zwei Tage nach meiner Rückkehr online, tatsächlich habe ich aber die letzten drei Juni-Beiträge vor meiner Abreise geschrieben und geplant, weil ich wusste, dass mein Kopf dafür keine Kapazitäten haben würde, nicht mal für Beiträge ohne Musik).

 
Ich werde euch jetzt einfach meine Schätze zeigen, zwischen den Text haben sie heute irgendwie nicht so richtig gut gepasst also kommen sie einfach hintereinander.

 

CDs
(alle 9 Alben, eines davon in zwei Versionen, zwei Minialben und noch ein gesondertes)

 

DVDs

 
Tourshirt und Bandana, beides 2007

Vorderseite Shirt, Bandana ausgeklappt

 

Rückseite Shirt, Bandana gefaltet

 
Tourshirts 2013

Vorderseite

 

Rückseite

 
Tourshirt 2016 (links) und „Black Moral“-Shirt (im NeoTokyo gekauft)

Vorderseite

 

Rückseite

 
Merchandise 2019
Hoodie (links), Tourshirts

Vorderseite

 

Rückseite

 
Das war es im Groben. Es ist noch eine ganze Menge mehr Geld indirekt in die Band geflossen, aber dafür habe ich einen gesonderten Beitrag geplant und das betrifft auch nicht nur Gazette.

 
Jetzt fehlen nur noch die Videos.
Ein paar wenige habe ich ja schon im Dezember bei meiner Playlist für die Weihnachts-/Winterzeit verlinkt.
Mich zu entscheiden, fällt mir unglaublich schwer, denn Gazette haben in mittlerweile gut 17 Jahren so vieles gemacht, sie haben sich verändert, sind gewachsen und trotzdem immer noch unglaublich toll. Ich mag nach wie vor viele der alten Songs, auch wenn ich die aktuelleren häufiger höre.

 
Ich denke, ich starte einfach mal mit dem Song, mit dem ich glaube, sie kennengelernt zu haben. Er zählt nicht mal zu meinen Top-Favoriten. Ich weiß nicht sicher, ob es wirklich der erste Song war, aber es waren auf jeden Fall die Kostüme, die sie in dem Video tragen.
SILLY GOD DISCO

 
十七歳 (juunana sai) ist einer ihrer ältesten Songs, aus dem Jahr 2002 (das zeigt auch die Videoqualität). Trotzdem zählt er zu der sehr langen Liste meiner Favoriten. Er hat eine sehr eigene Art sich zu steigern und vor allem, wenn zum Ende die Gitarre noch mit im Hintergrund einsteigt, geht mir jedes Mal das Herz auf (wer wissen will, was ich meine, muss durchhalten).

 
Verglichen mit heute waren sie gewissermaßen in den ersten Jahren roher und vielleicht auch verrückter drauf. Ein Beispiel dafür ist 春ニ散リケリ、身ハ枯レルデゴザイマス (haru ni chirikeri, mi ha kareru de gozaimasu).

 
Da ich es schon erwähnt habe und von dem Song ohnehin nicht genug bekommen kann, verlinke ich auch Filth in the beauty.

 
Ich arbeite mich hier gerade ein bisschen durch ihre Discography und versuche mich pro Album für einen Song zu entscheiden (das vorige habe ich übersprungen, weil ich davon 「DIM SCENE」 bereits letztes Jahr verlinkt hatte) und nehme deswegen THE SUICIDE CIRCUS mit rein.

 
Vom nächsten Album weiß ich, dass zu 「DERANGEMENT」 ein PV existiert, das ich mir nur einmal angesehen habe, weil es extrem eklig war (ich meine mich an Maden zu erinnern, aber ich glaube, das war längst nicht alles), deswegen lasse ich den Song weg. Eine Entscheidung zu treffen, fällt mir ohnehin schwer, aber im Endeffekt nehme ich ATTITUDE. Unter anderem auch, weil der Song ziemlich gut zeigt, wie die beiden Konzerte aussahen, auf denen ich dieses Jahr war. Sie haben ihn zwar nicht gespielt, aber so in der Art war der überwiegende Teil der Musik, vielleicht ein bisschen mehr melodisch, aber rein von der Energie her.

 
Mit dem nächsten Album wird die Entscheidung fast noch schwerer. Ich hatte mich bis 2013 nie auf eines als Favoriten festlegen können, doch das änderte sich damals schlagartig (ich habe auch keines so oft gehört, wie dieses, wobei ich fast glaube, dass die beiden nachfolgenden nicht kürzer gekommen sind, sie kann ich nur noch nicht so lange hören und dadurch auch weniger häufig), was allerdings jetzt auch schon nicht mehr so richtig passt, mittlerweile sind es im Grunde die letzten drei Alben. ^^
Ich nehme jetzt einfach INSIDE BEAST. Eigentlich wollte ich das PV verwenden, doch dann habe ich diese Live-Version gesehen und festgestellt, dass es der erste Song der Zugabe ist. Und das war er auf beiden Konzerten hier dieses Jahr auch, also muss es diese Version sein.

 
Da ich aus dem nächsten Album auch schon in dem älteren Beitrag 「DOGMA」 verlinkt hatte, lasse ich diesen Song jetzt auch weg und gehe stattdessen zum letzten Album über. Das Shirt auf dem letzten Bild ganz rechts zieren drei Zeilen aus Falling.

 
Und bevor ich euch die letzten drei Alben in Gänze dalasse, verlinke ich aus einem von ihnen noch ab einer bestimmten Stelle. Denn mein absoluter Top-Song ist nicht einer, sondern es sind zwei. Und obwohl sie inhaltlich nicht miteinander verbunden sind, so gibt es auf dem Album keine Unterbrechung und irgendwann im zweiten der beiden Songs wunderte ich mich, wann der vorige denn enden würde, da keine extra langen Titel auf dem Album waren. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich schon im zweiten und habe sie seitdem nie getrennt gehört, obwohl das Album mittlerweile über fünfeinhalb Jahre draußen ist.
TO DAZZLING DARKNESS + CODA (einfach bis zum Ende durchhören, es sind die letzten beiden Titel auf dem Album) Auch wenn meine Auswahl zeigt, dass ich die sehr energiegeladene Musik von ihnen liebe, so trifft es eindeutig nicht auf meinen Favoriten zu (den höchsten Favoriten, ich habe eine sehr lange Liste an Titeln, die ganz oben rangieren).

 
Komplette Alben:
『BEAUTIFUL DEFORMITY』 (23.10.2013)
『DOGMA』 (26.08.2015)
『NINTH』 (13.06.2018)

 
Kennt ihr die Band? (das ist nicht ganz so ausgeschlossen wie bei mancher der bisherigen)
Woher kennt ihr sie oder seid ihr neugierig geworden?
Was gefällt euch oder auch nicht an ihnen?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – MUCC

 
Für diesen Beitrag habe ich mir eine Band ausgesucht, für die es endlich Zeit wird. Denn mit ihr bin ich in die japanische Musik überhaupt eingestiegen.

 
Es war entweder noch Ende 2005 oder vielleicht auch schon 2006, als mein Bruder immer wieder diese Band gehört hat. Wenn ich bei meinen Eltern war, hörte ich einzelne Lieder, manche im Laufe der Zeit mehrfach und so blieben sie bei mir hängen. Sie gefielen mir, ich suchte zu Haus online ein bisschen und fand heraus, dass MUCC (damals noch mit der Schreibweise ムック) sogar im Mai in Berlin spielen würden. Aber der Preis von damals gut 30,00 € erschien mir sehr hoch (üblicherweise zahlte ich sonst für Bands in diesem Club ungefähr 20,00 €). Ich ließ von dem Gedanken ab, doch drei Tage vor dem Konzert war da der Gedanke, wer weiß, wie schnell sie wieder nach Deutschland kommen würden. Also ab zum Reisebüro mit Theaterkasse, Ticket gekauft, rüber zum Elektromarkt, zwei Alben gekauft und das wars.

 
Es ging danach sehr schnell auch mit anderen Bands weiter, doch darauf möchte ich jetzt hier nicht eingehen, zu einem Teil von ihnen kommen ohnehin noch einzelne Beiträge.

 
Es war das erste Konzert, auf das ich allein gegangen bin, weil ich niemanden kannte, der solche Musik hört (mein Bruder zählt nicht, er geht nicht auf Konzerte), aber obwohl ich mir das total komisch vorgestellt hatte, hat es mich nicht gestört. Was nicht bedeutet, dass ich jemanden kennengelernt habe.
Das kam erst ein paar Monate später, nach weiteren Konzerten und witzigerweise im Zusammenhang mit dem Japanischkurs, den ich an der VHS belegt habe. Zwei Fans, die ich auf Konzerten ein paar Mal gesehen hatte, waren auch in dem Kurs und darüber ergab sich dann mehr Kontakt in die Szene, die es damals in Berlin gab (mittlerweile ist davon nicht mehr viel übrig, so mein Eindruck). Und zusätzlich eben auch über Onlinekontakte.

 
Mein Gedanke, wann MUCC wieder nach Deutschland kommen würden, war eindeutig naiv, zumindest zur damaligen Zeit, denn bereits im Frühjahr 2007, also nicht mal ein Jahr später, waren sie wieder in Europa. Ich war mittlerweile Stammgast im NeoTokyo (ein kleiner Shop für Manga, Anime, J-, wie auch K-Music; eigentlich war ich auch Stammkunde, aber nicht nur, wir gehörten damals quasi zum Inventar) und als ich meine Tickets für Saarbrücken und Berlin gekauft hatte (ja, das waren zwei Konzerte, denn ein Teil der Tour war eine sogenannte Coupling Tour, also MUCC und noch eine weitere Band – BALZAC – und ich wollte unbedingt eines der Onemans von MUCC mitmachen und daher fiel die Wahl zusätzlich auf Saarbrücken), gab es noch eine Frage vom Verkäufer hinten dran: Wegen der Coupling Tour ab dem Auftritt in Hamburg gäbe es weniger Platz im Bus und sie bräuchten noch jemanden für den Merchandise-Verkauf, ob ich denn Lust dazu hätte. Die Fahrt bekäme ich bezahlt, das Konzert könnte ich mir anschauen, weil in der Zeit wenig am Verkaufstisch los sei, ich bräuchte nur eine Unterkunft. Und da ich eine Freundin in Hamburg wohnen hatte, war ich dann ganz spontan dabei und konnte auf der Tour drei Konzerte sehen. Und die Unterstützung in Hamburg war natürlich etwas ganz besonderes. Auch wenn ich dadurch keinen Kontakt zur Band hatte oder so, darauf kam es gar nicht an. Der Sänger war zwar zwei Mal in der Nähe, einmal während der Rest der Band noch beim Soundcheck auf der Bühne stand, saß er mit Laptop nur ein paar wenige Meter entfernt (während ich vorbereitend Poster rollte, damit es beim Verkauf schneller ginge, hinterher haben wir sie dann alle wieder entrollt, damit sie sich besser transportieren lassen), später kam er dann an den Tisch und wollte für ein paar japanische Münzen eine CD mitnehmen (was dann ein sehr günstiger Kauf für ihn gewesen wäre ^^).
Die Konzerte auf der Tour waren natürlich alle spitze, aber jedes für sich eine eigene kleine Erfahrung. Beispielsweise erhielten besagte Freundin und ich am Abend vor dem Konzert in Saarbrücken einen Anruf, weil die Band was essen gehen wollte. Die Besitzer des NeoTokyo haben auch ein Label hier in Deutschland, das eben diese Tour ausgerichtet hat und daher war der Verkäufer aus dem hiesigen NeoTokyo begleitend bei der Tour dabei, was zu dem Anruf geführt hat.
Ebenso ist das Konzert in Saarbrücken für mich insofern immer besonders, weil sie dort einen Song live aufgenommen und als B-Seite auf eine Single gepackt haben. Was gibt es schöneres, als einen dauerhaften Eindruck eines Live-Erlebnisses, bei dem man dabei war?

 
Leider war es das auch schon mit meinen Konzerterfahrungen (es ist also bereits über zwölf Jahre her). MUCC waren zwar noch zwei Mal in Berlin, aber beide Male konnte ich aus finanziellen Gründen nicht gehen (beim zweiten Mal wars fest einkalkuliert, aber dann kam die Nierenerkrankung meiner Katze dazwischen und die Untersuchungen waren einfach wichtiger). Ich hoffe, sie kommen mal wieder her und ich kann dann dabei sein.

 
Was die CDs etc. betrifft, habe ich tatsächlich gar nichts selbst in Japan bestellt.
Die ersten beiden Alben (『朽木の灯』 (kuchiki no tou, das sehr dunkle, zweite von unten, links) und 『鵬翼』 (houyoku, das helle darüber)) habe ich, wie oben erwähnt, im Elektromarkt gekauft. Die Single 『最終列車』 (saishuu ressha, rechts neben den beiden Alben) müsste ich auf dem ersten Konzert mitgenommen haben, glaube ich. Alles weitere habe ich im NeoTokyo erstanden. Was auf dem Bild nicht zu sehen ist, sind noch ein paar digitale Käufe über iTunes.
Außerdem habe ich mir 2007 auf der Tour noch Shirts geholt.

 

Vorderseite

 

Rückseite

 
Es gab nach 2007 ein paar Jahre, wo ich ein bisschen Abstand genommen habe, weil mir die Releases nicht so gut gefallen haben.
So richtig zurück waren MUCC für mich erst 2015 mit ihrem Minialbum 『T.R.E.N.D.Y. -Paradise from 1997-』. Stilistisch ging alles wieder mehr in die Richtung, mit der ich die Band kennengelernt habe. Auch ihr neuestes Album 『壊れたピアノとリビングデッド』 (kowareta piano to living dead) gefällt mir sehr gut.
Mittlerweile gibt es die Band seit 22 Jahren, sie zählen also eindeutig zu den erfahrenen Musikern (im Vergleich zu manch anderen Bands, über die ich schon geschrieben habe).

 
Hier kommen jetzt wie immer noch ein paar Videos:

 
「最終列車」 (saishuu ressha) (die oben erwähnte Single und einer der Songs, die mich zur Band gebracht haben)
「雨のオーケストラ」 (ame no orchestra) (der andere Song, der nicht mehr aus meinem Kopf verschwinden wollte)
「リブラ」 (libra) (ich mag das PV total gern und den Song ohnehin, die Melodie im Refrain ist einfach so wundervoll)
「B.L.U.E -Tell me KAFKA-」 (vom Minialbum 『T.R.E.N.D.Y. -Paradise from 1997-』) (auch hier ist es die Melodie und überhaupt, wie es in den Refrain reingeht, was ich so mag, das Video ist eine Live-Aufnahme)
「モノクロの景色」 (monochrome no keshiki) (auch einer der Songs, die mich von Anfang an begleiten und schon immer zu meinen Favoriten gezählt haben)

 
Da MUCC nicht ganz so unbekannt sind, kennt ihr sie?
Habt ihr sie vielleicht auch schon mal live gesehen oder was ist eure Geschichte zur Band?
Wenn die Band neu für euch ist, wie gefällt sie euch?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – ANUBIS

 
Wo ist denn eigentlich die Zeit hin? Der letzte Musikbeitrag ist tatsächlich schon sechs Wochen her. Es wird also dringend Zeit, euch die nächste Band vorzustellen.

 
Heute habe ich mich für ANUBIS entschieden.
Eine Band, die es auch schon lange nicht mehr gibt, schon gar nicht so, wie ich sie einmal kennengelernt habe. Doch eins nach dem anderen.

 
Grund dafür, ANUBIS heute mit reinzunehmen, ist erneut der Bezug zu FeaDior. Das beginnt bereits beim Kennenlernen, doch geht noch weit darüber hinaus.

 
Ich hatte im Februar erzählt, dass ich über einen der Members von FeaDior in einer Zeitschrift gestolpert und neugierig war. Allerdings war das nicht nur dieser eine Musiker, sondern es waren zwei weitere in dem Interview und dadurch auch mit Bild vertreten, nämlich der Sänger und Bassist von ANUBIS. Beide Bands waren damals beim selben Label, das meines Wissens dem Bassisten von ANUBIS gehört/gehörte (ich weiß nicht sicher, ob es noch existiert). Wie bei FeaDior war ich damals auf den Sound neugierig. Und wie sich das anhörte, findet ihr unten verlinkt.

 
Das war also ebenfalls 2007 gewesen.
2008 war dann nicht mehr wirklich etwas von der Band zu hören. Es wurden keine Releases angekündigt, in den Communitys auf LiveJournal oder in Foren tauchten keine Infos auf. Ein Disbanding war nicht unwahrscheinlich, allerdings gab es auch darüber keine Nachrichten.
Noch 2009, glaube ich, kam dann eine neue Ankündigung: Ein Album. Das hatte es vorher nicht gegeben, nur zwei Singles und war dadurch eine große Sache. Mittlerweile war auch klar, dass außer dem Bassisten, der die Band gegründet hatte, auch niemand mehr geblieben war, einer der Gitarristen hatte bereits 2007 solo weitergemacht, der andere war ebenfalls ausgestiegen und in einer neuen Band (die auch noch auf meiner Liste steht, die Verknüpfungen bleiben erhalten ^^), es gab einen neuen festen Gitarristen sowie einen, der als Support dabei war. Aber eben nur bis 2008, dann verlor sich alles.

 
Als die Ankündigung für das Album kam, steigerte sich mein Interesse für die Band um ein Vielfaches. Mir hatten die Songs, die sich online finden ließen, gefallen, aber das war es damals auch gewesen. Für das zweite Line-Up gab es laut CD-Booklet vier Members, der altbekannte Bassist, ebenfalls einer der ersten beiden Gitarristen, einen neuen Drummer (den ich nur von hier namentlich kenne) und … und … der zweite Vocal von FeaDior. Hier kommen sie wieder ins Spiel und das war für mich der Grund, diese CD bestellen zu wollen.
Was damals gar nicht so einfach war.

 
Wie ich schon erwähnt hatte, gab es damals kaum Shops, die ins Ausland lieferten. Und in dem mir damals einzigen bekannten, war die Band nicht gelistet. Ich habe in ziemlich miesem Japanisch dem Sänger eine Nachricht geschrieben (E-Mail oder über den Bloganbieter) und nachgehakt. Kurze Zeit später kam die Info auf einen anderen Shop, der zwar nicht regulär eine Einkaufswagen-Option hatte, aber per E-Mail und sogar PayPal Bestellungen aus dem Ausland ermöglichte. Und genau über diesen Weg zog die CD auch bei mir ein.
Beim Lesen der Titel wurde mir schnell klar, dass ein paar alte Bekannte dabei sind. Beim ersten Anhören war ich dann leicht sprachlos.
Ich kannte diesen Vocal ja bereits seit ein paar Jahren und war von seiner Stimme schon immer begeistert gewesen. Doch mein erster Gedanke nach einem Song war: er hat eine Ausbildung durchlaufen. Das ist unter den Vocals nicht üblich. Gesangstraining haben viele von ihnen, aber eine richtige Ausbildung eher nicht. Er hat auch irgendwann später mal in einem Blogbeitrag darüber geschrieben, was mir diesen Gedanken bestätigt hat, aber es ist eigentlich ohne Weiteres rauszuhören, gerade mit dem Unterschied zu den Songs von FeaDior.

 
Dem Album folgte eine Single sowie ein Song auf einem kostenlosen Omnibus (den ich dem Shop auch noch aus der Tasche leiern konnte, eigentlich lagen die in Geschäften in Japan aus, aber darauf hatte ich ja keinen Zugriff und als ich etwas von einer anderen Band bestellt habe, habe ich gefragt, ob sie mir nicht eine von den CDs dazulegen können XD).
Unter dem Namen ANUBIS war es das dann leider.
Es folgte 2013 noch ein weiteres Album, allerdings nur noch unter dem Namen des Bassisten, der das Projekt seitdem allein betreibt, aber ich habe mich damit nicht mehr weiter befasst.

 
Das Besondere an ANUBIS ist wohl der Bezug zum Thema Pharaonen, Ägypten etc. Das ist teils an den Titeln schon ein bisschen zu erahnen.
Aber gerade das Album 「MYTH -神々の調べ-」 (MYTH -kamigami no shirabe-) ist eine Geschichte mit gesprochenen Elementen zwischendrin (ich mag es ja, dass die Erzählungen auf Englisch gehalten sind, so kann auch ich sie verstehen, zumindest die Einleitung und am Ende, die Figuren in der Geschichte sprechen Japanisch). Aus diesem Grund verlinke ich auch das gesamte Album als Playlist, denn wer von euch sich für Anime interessiert, mag das vielleicht mal mitnehmen. Es ist ein Wechsel aus Sprache, Songs und immer wieder auch Sounds, die für eine gewisse Stimmung passend zur Geschichte sorgen. Die Stimmen von Creed und Osiris werden beide vom Sänger gesprochen, aber auch ein Teil der anderen Musiker spricht eine Figur.

 
Hier kommen jetzt also die Verlinkungen. Erst einmal die alten Aufnahmen mit dem ersten Vocal.
「SUBLIMINAL 【Collectors version】」 (Titel 4 auf dem Album)
「死者の書「アニのパピルス~魂ノ裁判~」」 (shisha no sho ‚ANI no Papyrus ~tama no saiban~‘) (Titel 6 auf dem Album)
「スカラベ徘徊」 (Osiris houtei) (das hier ist eine Live-Version, auf dem Album ist das ziemlich anders, Titel 7)
「月ノ華」 (tsuki no hana) (Titel 13 und 14 auf dem Album, mein Favorit ist die 14)
「スカラベ徘徊」 (scarab haikai) (nicht auf dem Album, aber ich mag den sehr gerne, ich vermute, dass das eine Live-Aufnahme ist und sie den Song auch nur live gespielt haben, denn abgesehen von dem kurzen melodischen Stück werden darin die einzelnen Members vorgestellt: Guitar Sayo, Guitar Dai, Bass Run, Drums Shintaro, Vocal Yukiki)

 
Und dann habe ich hier den Link zum Album:
「MYTH -神々の調べ-」 (MYTH -kamigami no shirabe-)

 
Wie immer, frage ich erstmal, ob ihr die Band zufällig kennt?
Gefällt euch der Sound bzw. das Konzept?
Wenn ihr auch schon bei FeaDior reingehört habt, seid ihr von der Entwicklung der Stimme auch so begeistert wie ich?

 
Bis denne ☆