Anxiety, OCD, Eating Disorder u. v. m.

 
TW: Anxiety/Angststörung, Dysthymie/Depression, Übelkeit/Erbrechen, Essstörung/Eating Disorder, Erwähnung von Tod, OCD/Zwangsstörung

 
Ich habe vor nur wenigen Wochen zum ersten Mal über meine gesundheitliche Verfassung gesprochen.
Auch wenn es für manche nicht so sein mag, hat mich das gar nicht so viel Überwindung gekostet. Der einzige Schritt, den ich im Vorfeld hatte schaffen müssen – und der hat sich wirklich lange gezogen, weit über die Existenz meines Blogs hinaus -, war gewesen zu akzeptieren, dass meine Aussagen für immer im Internet stehen würden. Für lange Zeit war mein Ziel eine Publikumsverlagsveröffentlichung gewesen. Und da war immer die Vorsicht, ob es sinnvoll wäre, so offen darzulegen, nicht zuverlässig belastbar zu sein. Würde mir das bei der Agentur- und Verlagssuche Steine in den Weg legen? Würden Verträge daran, aber nicht an meinen Geschichten scheitern?
Mittlerweile ist es mir einfach egal. Ich habe noch so viel zu arbeiten, überhaupt gut genug zu sein und ich weiß nicht, ob ich es je sein werde (nur ganz nüchtern betrachtet). Wenn ja, wird sich zeigen, wie die Welt, mein Zustand und das Verlagswesen überhaupt aussieht. An diesen Punkt hatte ich kommen müssen. Denn ansonsten gehe ich seit langem sehr offen mit dem Thema um.

 
Naja, so irgendwie zumindest.
Wer mich kennenlernt, muss nicht erst unzählige Hürden überwinden, um diesen Einblick in mich zu gewinnen. Was aber nicht bedeutet, dass ich damit viel über die eigentlichen Probleme preisgebe. Einen Teil kennt außerhalb von Ärzten und Psychotherapeuten genau eine Person – weil sie es erkannt und mich darauf angesprochen hat. Andere vermuten es vielleicht, das weiß ich natürlich nicht.
Doch selbst unabhängig davon sind die Einzelheiten in ihrer Vielfalt eigentlich niemandem bekannt. Wirklich niemandem. Denn in diese Tiefe bin ich weder mit Ärzten, aber auch nicht mit meiner letzten Therapeutin vorgedrungen (wobei zumindest bei letzterer die Frage offen bleibt, warum eigentlich nicht, bei den Ärzten und anderem psychotherapeutischen Personal verstehe ich es, weil da einfach die Zeit fehlt, denn neben besagter Therapeutin gab es weiteres Fachpersonal aus diesem Bereich nur in der Reha, die ich für die Rente durchlaufen bin und ja, bei diesem ach so „wundervoll“ pauschalen System, das in diesem Staat herrscht, ist eben nur Zeit für eine einzige Stunde Einzelgespräch pro Woche).

 
 

Anxiety

Ich habe ganz eindeutig eine generalisierte Angststörung diagnostiziert bekommen. Unter anderem durch die betreuenden Ärzt_innen und Therapeut_innen in der Reha. Das sah im Grunde so aus, dass ich aufgrund der ambulanten Form fünf Tage die Woche dorthin gefahren bin (wie zu einer Arbeitsstelle) und den Tag mit diversen Gruppentherapien, dem einen Einzelgespräch pro Woche und diversen medizinischen Untersuchungen verbracht habe. Das Personal ist täglich wenigstens einmal zusammengekommen und hat die Situation der Patient_innen besprochen, immer erst am Abend wurde der Therapieplan für den nächsten Tag erstellt, entsprechend der Fortschritte, Probleme einer_s jeden etc. Aber wirklich individuell wurde trotzdem nicht auf die Patient_innen im Einzelnen eingegangen. Das ließen die Regelungen einfach nicht zu, der die Rehaeinrichtung unterliegt.

 
Was bedeutet Angststörung denn nun eigentlich?
Ich muss sagen, dass ich mich damit nicht sonderlich befasst habe, wie das definiert wird. Aber wenn ich mal nur von mir selbst ausgehe, sind da Ängste, die so heftig sind, dass sie krankhaft sind.
Ich werde sie hier nicht im Einzelnen benennen, denn einerseits hat mir niemand jemals einzelne Ängste namentlich bestätigt, andererseits möchte ich das gar nicht so genau eingrenzen.

 

 
Übelkeit, Erbrechen, Krankheiten
Die wohl größte Angst bezieht sich darauf, krank zu sein/werden. Das erstreckt sich von ganz normalen Alltagskrankheiten bis hin zu schwerwiegenden, lebensbedrohlichen.
Am schlimmsten sind dabei vor allem Magen-Darm-Geschichten. Ich habe so krankhaft Angst davor, dass ich unzählige Mechanismen entwickelt habe, in dieser Gesellschaft zu überleben, im Miteinander mit anderen Menschen zu überleben, aber ich meide alles immer mehr. Daneben sind diese kleinen Flaschen Desinfektionsgel für die Hände das Wichtigste überhaupt. Ich gehe nicht aus der Wohnung, ohne wenigstens eine Flasche dabei zu haben, dort an mir, wo ich jederzeit unkompliziert rankomme (falls sich mal wer fragt, warum ich im Sommer immer mit Gürteltasche unterwegs bin, deswegen, hinten im Rucksack ist das zu weit weg) und immer in der Menge, die ich erwartungsgemäß brauchen werde (abhängig davon, was ich vorhabe).
Ich weiß nicht sicher, wann diese Angst begonnen hat, aber sie ist definitiv seit ungefähr fünfzehn Jahren immer da. Anfangs noch gering und erst präsent, wenn mir tatsächlich übel geworden ist, mittlerweile reicht die Erwähnung anderer Menschen von Krankheit, Übelkeit, Unwohlsein etc. Ich muss sofort gegen aufsteigende Angst oder gar Panik angehen. Wenn ich also nicht gute Besserung wünsche, liegt es daran, dass einer meiner Mechanismen darin besteht, ganz schnell weiter zu scrollen, den Thread zu verlassen oder was auch immer, damit das Gelesene gar nicht erst zu fest in meinem Kopf sitzen kann. Und mir zu wünschen, es stünde dort gar nicht, damit ich es nicht lesen muss. Und zu akzeptieren, dass andere Menschen erwähnen, wenn sie krank sind (ich muss gestehen, ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, warum viele Menschen das tun, ich beobachte es aber, ich vermeide jede Erwähnung, wo ich es nur kann, je weniger ich es formuliere, desto weniger existiert es oder so, etwas in dieser Art dürfte das in meinem Kopf sein).

 
Warum seit fünfzehn Jahren?
In den Jahren 2003/2004 begann es, dass mir regelmäßig plötzlich einfach übel wurde, ich nicht essen konnte. Meist verschwand es nach ein paar Stunden oder aber ich hatte mir wirklich etwas eingefangen. Was von beiden es ist, lässt sich absolut nicht differenzieren, beides fühlt sich komplett gleich an (und genau das macht es auch so schwer, diese Angst zu überwinden, weil es eben normal ist, dass wir uns ab und zu was einfangen und für mich selbst nach Jahren sofort das Gefühl von „nicht schon wieder“ da ist, ich in Panik verfalle). Irgendwann war das alle zwei bis vier Wochen so. Regelmäßig. Ich kann nur vermuten, dass diese Häufung zur Angst geführt hat. Es ist wahrscheinlich, dass das eine psychosomatische Reaktion ist, Anspannung, Vorfreude, negative Nervosität/Angst vor einem Ereignis, all das kann sowas bei mir auslösen. Ich habe damals erst gedacht, dass ich Unverträglichkeiten/Allergien ausgebildet habe und habe mich an ganz wenigen Lebensmitteln festgekrallt, die ich zu vertragen schien. In dem Rahmen bin ich in meiner ersten Therapie gelandet, in der ganz klassisch nach verhaltenstherapeutischem Ansatz wieder Lebensmittel auf meinen Speiseplan gewandert sind. Hinzu kamen vermutlich noch einige andere Stärkungen, derer ich mir aber nicht bewusst war, aber ich kann mich erinnern, dass mich mein damaliger Freund irgendwann als egoistisch bezeichnet hat, weil ich mich im Rahmen der Therapie verändert hatte. Und damals habe ich lange Zeit mit niemandem darüber gesprochen, dass ich eine Therapie mache, weil ich für mich selbst sortieren musste, was da eigentlich alles passiert. Daraus habe ich allerdings auch gelernt, dass es besser ist, sehr offen mit diesen Themen umzugehen, weil es für das Umfeld oft einfacher ist, Rücksicht zu nehmen. Es ist leider normal (und ich nehme mich da nicht aus, auch wenn ich versuche, nicht dieselben Verhaltensmuster an den Tag zu legen), dass wir anderen Menschen gegenüber mit unserer eigenen Lebenssicht begegnen. Aber dadurch ist es mir oft passiert, dass Menschen mich wie andere gesunde Menschen behandelt haben und dieselben Maßstäbe angesetzt haben. Seit sie wissen, dass ich krank bin, dadurch nicht so belastbar bin, sind die meisten tatsächlich rücksichtsvoller. Das heißt nicht, dass es keine komischen Blicke gibt und mir geht die daraus notwendige Rechtfertigerei gehörig auf den Keks, aber verglichen mit der Zeit, in der ich geschwiegen habe, ist es angenehmer, finde ich, dazu folgt unter einem anderen Punkt auch noch ein Beispiel. Langfristig wünsche ich mir für jede_n, dass überhaupt keine Maßstäbe angesetzt werden, es keine Erwartungen gibt, unabhängig davon, ob sich jemand erklärt hat oder nicht. Nur sehe ich auch – egal, ob das richtig ist oder nicht -, dass unsere Gesellschaft derzeit einfach nicht so aussieht. Und der alltägliche Kampf ist anstrengend genug, als dass ich ihn mir noch selbst erschweren muss, indem ich alles verschweige.

 
Ich weiß ebenfalls, dass ich bereits in meiner Kindheit ab und zu mit Übelkeit aus vorfreudiger Aufregung oder ähnlichem zu tun hatte. Da ist einerseits die verschwommene Erinnerung an einen Marktbesuch (sowas ähnliches wie Kirmes) mit Eltern und Geschwistern und da fing das an, aber ich kann es in keinen genaueren Kontext mehr bringen, ich weiß auch nicht, wie alt ich war.
Auch bei der anderen Situation weiß ich das Alter nicht mehr. Ich bin mit meiner Tante eine Bekannte besuchen gefahren, die für mich wie eine Oma war (die ersten fünf Jahre haben wir in einer Wohnung gelebt, die eine Eingangstür, einen winzigen Flur mit drei weiteren Türen hatte, von denen eine in unsere Küche, eine in unser Wohnzimmer und die dritte in eine weitere Wohnung geführt hat, dort hat sie gewohnt und war damit die ersten fünf Jahre immer um mich herum). Wir saßen in der Tram auf dem Weg dorthin und mit einem Mal wurde mir so übel, dass wir an der nächsten Haltestelle ausgestiegen sind. Es hat gereicht, ein bisschen zu warten und dann konnten wir weiterfahren. Erst im Nachhinein stufe ich das genauso ein, wie die Zeiten, wenn ich vor anderen freudigen Ereignissen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, sie aber zuordnen und zeitweise auch ganz gut kontrollieren konnte.
Ob es weitere Vorfälle in meiner Kindheit gab, weiß ich nicht.

 
Mit 18 ging es auf jeden Fall weiter, daran kann ich mich bereits wieder bewusst erinnern. Es stand eine Fahrt nach Hessen zur Verwandtschaft meines damaligen Freundes an und von Berlin aus ist die Fahrt weit. Ich war sehr nahe dran, alles zu canceln. Denn wenn ich tatsächlich krank bin, dann will ich niemanden um mich haben. Ablenkung, ja, gern und sehr viel. Telefonate, chatten, was auch immer. Aber Menschen in derselben Wohnung wie ich? Bloß nicht! Und dann zu viert in einem Auto sitzen? Über viele Stunden? Für ein paar Tage in einem Haus, insgesamt wenigstens acht Menschen, zeitweise mehr? Die Vorstellung war schrecklich. Aber irgendwie habe ich es damals geschafft, aus dem Gefühl rauszukommen. Wie, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass solche Vorfälle eigentlich über mein ganzes Leben verteilt sind, nur eben früher sehr sehr sporadisch.

 
Nach der ersten Therapie hatte sich das gelegt, ich vermute, dass ich insgesamt einfach gestärkter und dadurch weniger anfällig war. Das hielt in etwa vier Jahre, bis zum Tod meines Ex-Freundes. Das halbe Jahr meiner befristeten Arbeitsstelle hat das alles noch irgendwie getragen, doch danach fing es wieder an. Und zwar so heftig, dass ich eine Weile jeden zweiten Tag wenigstens eine Mahlzeit nicht essen konnte. Und das Wort „konnte“ ist exakt das richtige. Ich hatte Hunger. Ich saß vor meinem Essen. Aber mein Körper hat dicht gemacht, genauso wie er es tut, wenn ich tatsächlich krank bin und er sich weigert, etwas anzunehmen. Ich habe damals über einige Monate aufgrund dessen um die 15 kg abgenommen, weil es im Grunde eine unfreiwillige FdH-Diät war.
Aber genau aus dieser Zeit ist die Essstörung resultiert, die mir das erste Mal mit der Reha bescheinigt wurde. Darauf gehe ich später ein.

 
Ich weiß, dass man sich Ängsten stellen soll. Das Problem bei mir ist, dass ich zwar dieses Mal tatsächlich verschont bleiben kann, was üblicherweise in der Verhaltenstherapie dazu führt, dass eine Angst überwunden wird (manchmal braucht es mehr als einen Anlauf, aber ein paar weitere und für gewöhnlich tritt dann der Erkenntnisprozess ein, dass einem nichts geschehen kann, das erzählen einem die Therapeuten auch ganz munter). Da wir aber nun mal alle ab und zu mal krank werden, kann ich hundert Mal gut rauskommen, wenn das hunderterste Mal dann aber doch in Krankheit resultiert, ist die Angst mit voller Kraft zurück.
So war es in der Vergangenheit.
Mittlerweile komme ich gar nicht erst zu einem Erfolgserlebnis. Oder es sieht so aus, dass ich einige Tage bange, ob ich alles heil überstanden habe, diese Tage in ununterbrochener Anspannung verbringe und mich noch mehr zurückziehe als ohnehin schon.

 
Als aktuelles Beispiel mal in seiner kompletten Hässlichkeit, meine Konzertreise im Juni, die ich im Band-Beitrag in dieser Hinsicht gar nicht erwähnt habe. Das wird lang, aber ist weniger abstrakt. Davor noch der Abschnitt zur Essstörung, weil auch deren Auswirkungen in die Reise mit reingespielt haben.

 
Essstörung
Sie ist eigentlich vollständig mit meinen Ängsten verknüpft.
Im Rahmen dessen, nicht essen zu können, weil da immer dieses Gefühl von Übelkeit und die Weigerung meines Körpers war, Nahrung aufzunehmen, hatte ich jedes Mal Angst, ich hätte mir einen Infekt eingefangen. Also habe ich vorsorglich leichte Kost gegessen, Weißbrot, nichts Fettes usw. Das Problem war aber, dass es mir ja ständig so ging und über die Monate hat sich mein Körper an diese Nahrung angepasst. Mittlerweile ernähre ich mich seit acht Jahren so. Ich kann nicht wie andere Menschen „normal“ essen, denn mein Körper ist damit sehr schnell überfordert. Was beispielsweise in Situationen wie Weihnachten oder Feiern, die über den ganzen Tag gehen, darin resultiert, dass ich vielleicht ein bis zwei Mahlzeiten das mitesse, was es gibt (Kuchen, eine warme Mahlzeit mit Gemüse und Fleisch), aber selbst da vorsichtig bleibe und für die restliche Zeit auf anderes ausweiche, nicht selten etwas, das ich selbst mitgebracht habe. Ich muss ohnehin sehr regelmäßig essen (mein Blutzuckerspiegel steigt nicht so hoch an, wie er sollte und fällt daher schneller wieder ab, was nach sich zieht, dass ich in kleineren Abständen essen muss und über die Jahre auch keine großen Portionen essen kann), weswegen ich so ziemlich immer etwas zu essen einstecken habe. Ich esse quasi überall, ob ich nun in der Bahn stehe oder in Ruhe irgendwo sitzen kann, für mich spielt das keine Rolle. Wenn möglich, versuche ich vorher durchzukalkulieren, was wohl auch die ersten Schritte zu weniger Spontaneität nach sich gezogen hat, denn eigentlich muss ich am Tag vorher wissen, wie der nächste aussieht, um selbst bei einem Treffen am Nachmittag oder Abend den Tag schon mal mit meinen Mahlzeiten durchzutakten. Im Alltag habe ich einen sehr gleichmäßigen Rhythmus und brauche darüber nicht nachzudenken, weswegen aber Abweichungen umso mehr ins Gewicht fallen.
Ebenso mag ich viele Dinge nicht mehr essen. Alles, das fett ist, schmeckt mir nicht. Da ist immer dieser Fettfilm in meinem Mund, wenn ich nur eine Sahnesauce esse, wie sie ganz normal in Restaurants auf den Speisekarten steht.
Hinzu kommen einige Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Käse, Reis, Zimt, Olivenöl, Curry, Paprika) und eine chronische Gastritis (die es eigentlich auch erforderlich macht, Rücksicht zu nehmen, nicht zu fett, nicht zu süß, viel Obst ist auch deswegen bei mir nicht gut etc.), die ohnehin vorher schon einschränkend waren. Es lässt sich damit leben, ich stelle mir eine Laktoseintoleranz oder Zöliakie viel schlimmer vor, nur die Kombination mit der Angst macht es schwieriger.

 
Zu meiner Konzertreise.
Geplant waren zwei Konzerte in Köln und in München. Abreise hier am 15.06., das erste Konzert am darauffolgenden Tag, am 17. die Weiterreise nach München, am 18. das nächste Konzert und am Tag danach zurück nach Berlin. Ich hatte die Bahnfahrten und Hostels Monate vorher gebucht. Ich war allein unterwegs, das war mir wichtig gewesen. Anfangs gar nicht so sehr, weil ich den Abstand zu Menschen suche (wer sich mal damit befasst hat, wie sich Magen-Darm-Imfektionen verbreiten, weiß wieso), sondern um keine Kompromisse eingehen zu müssen, die im Miteinander normal sind, da ist auf der letzten Tour dieser Band einiges sehr ungünstig zusammengekommen und ich hatte damals beschlossen, dass es beim nächsten Mal nur um mich gehen würde.
Das zog allerdings ein weiteres Angstproblem meinerseits nach sich, zumindest vermute ich, dass bei mir auch eine soziale Angst mit reinspielt. Das hat mir nie jemand bestätigt, aber ich weiß, wie sehr ich mich schon als Kind hinter meinen Eltern versteckt habe, statt auf andere Menschen zuzugehen, ich bin introvertiert und Fremden gegenüber auch erstmal schüchtern, aber ich frage im Supermarkt nicht nach einem Artikel, den ich nicht finde, wenn ich ihn nicht zwingend brauche oder unbedingt haben will. Und das geht aus meiner Sicht über die Kombination aus schüchtern und introvertiert hinaus (während ich bei Menschen, die ich kenne und bei denen ich mich wohlfühle ohne Punkt und Komma reden kann). Ebenso verfalle ich in sprachliche Probleme, gerate immer wieder ins Stolpern, muss teilweise die Wörter suchen, als hätte ich einen Blackout oder würde nicht in meiner Muttersprache kommunizieren, werde immer leiser usw. Bis hin zur Unfähigkeit, überhaupt ein Wort rauszubringen. Und damit sollte ich jetzt allein in ein Hostel einchecken, etwas, das ich dieses Jahr tatsächlich zum ersten Mal komplett allein gemacht habe, eben wegen dieser Gründe.
Die ersten Angstzustände hatte ich bereits im ICE nach Köln. Ich meide wie gesagt Menschen, vor allem Kinder. Um es ganz klar zu sagen, ich habe Angst vor Kindern. Die letzten beiden Male, die ich krank war, kamen die Infektionen über meinen Neffen, sehr wahrscheinlich über die Kita. Ich saß nun in diesem ICE, am Gang, weil in meiner Sitzreihe der andere Platz schon besetzt war (eigentlich war es meiner, aber das habe ich anfangs nicht wirklich begriffen gehabt) und die ständigen Menschen, die noch nach Plätzen suchten (die Reservierungsanzeigen funktionierten anfangs nicht und alles irrte ziemlich verwirrt durch den Zug), dazu die ganzen Kinder, die auf und ab liefen, es kamen genügend Menschen an mir vorbei, berührten mich, auch wenn ich langärmlig gekleidet war, immerhin sind ICEs fast immer für mich zu kalt klimatisiert. Ich war so froh, als die Person neben mir ausgestiegen ist und ich ans Fenster wechseln konnte. Trotzdem achte ich die ganze Zeit darauf, nichts zu berühren, keinen Sitz, keine Armlehne, wenn doch, hallo Desinfektionsmittel. Denn das haben ja andere Menschen berührt. Dieser ungewollte physische Kontakt mit Menschen reicht dann von Genervtsein bis hin zu Tränen und Panik, je nachdem, wie es mir gerade geht, je stabiler ich bin, desto ruhiger kann ich oft bleiben (weswegen dieser Sommer für mich auch alles andere als einfach war, weil ich nie die Zeit hatte, eine Routine zu entwickeln wie im letzten Jahr, da es ja nicht konstant sehr warm mit für mich ständig kurzer Kleidung blieb).
Übrigens hat dieser erste Eindruck meiner Reise dazu geführt, dass ich zumindest bei der Reise von Köln nach München dem Menschen, der genau meinen Platz erklimmen wollte (der Waggon war noch leer, aber er musste natürlich genau dort hin), mitgeteilt habe, dass der Fensterplatz MEINE Reservierung ist. Er hatte gar keine, denn er ist komplett abgerauscht.
In Köln angekommen, habe ich sogar die Kommunikation beim Check-In überstanden (im Grunde ist das für mich anstrengend und wann immer ich kann, überlasse ich das anderen, aber das ist weniger schlimm als der Rest). Hoch ins Zimmer und dann kam der Teil, der für mich wichtig war: putzen. Nicht, weil ich davon ausgehe, dass das Personal nicht gründlich ist. Sondern weil ja auch die Mitarbeiter etwas verteilt haben können. Und krank zu werden, war keine Option. Nicht nur, weil ich hunderte Kilometer von zu Haus entfernt war, weil das allgemein eine Katastrophe für mich ist, sondern auch, weil ich diese Konzerte erleben musste. Es war tatsächlich ein Muss für mich. Mit einer kleinen Spülmittelflasche und Abwaschlappen im Gepäck war ich angereist und habe mir im Bad im Waschbecken Putzwasser vorbereitet und dann Türklinken, Lichtschalter, Bettrahmen und alles, was ich voraussichtlich berühren würde, sauber gemacht. Anfangs eine Stunde oder so, dann bin ich erstmal losgezogen, denn ich musste auch noch für meine Verpflegung sorgen.

 
Für mich gilt auf diesen Reisen immer Selbstversorgung, eben wegen der erwähnten Essstörung. Ich hatte im Vorfeld rausgesucht, wie die Lage im Umfeld der Hostels ist und auch dementsprechend geschaut, wo sich eine Buchung für mich sinnvoll gestaltet. Und bin dann erstmal zu Rewe gelaufen, Brot und Getränke holen. Dazu gab es, schon mitgebracht, Nutella und Margarine (diese in eine kleine Dose abgefüllt, um Platz zu sparen). Das Brot würde ich bis zur Weiterreise verbraucht haben. Getränke plante ich für die Zeit im Hostel, eine kleine Flasche für die Zeit vor dem Konzert (die dort ja eh abgegeben werden muss) und eine für die Weiterreise nach München, alles so knapp in der Größe wie nötig (zu Haus habe ich eine wiederverwendbare, aber die war dafür zu groß und ich hatte schon echt Platzprobleme, da ich Unmengen Klamotten dabei hatte).
Zurück im Hostel habe ich auch erstmal die Flaschen geputzt. Das mache ich im Alltag nicht, aber je angespannter ich bin – und das war ich während dieser Reise -, desto stärker das Bedürfnis. Wo keine Erreger sind, kann ich mir nichts einfangen! Und ja, ich weiß, das ist krank. Nicht abfällig ausgedrückt, sondern im Sinne von krankhaft. Ich bin mir dessen bewusst. Aber ich bin wie gesagt bisher mit Verhaltenstherapien gescheitert. Und das ganz klassische, das eine Person mit Angststörung an den Tag legt, ist Vermeidungsverhalten. Nichts anderes ist das gewesen. Wenn auch sehr stark ausgeprägt. Was wiederum der Ausnahmesituation durch die Reise zuzuschreiben ist. Aber das passiert bei entsprechender Anspannung eben auch zu Haus, nicht nur auf Reisen (in der Zeit vor der Reise habe ich auch hier die Flaschen geputzt, nicht, dass ich kurz vor der Reise noch krank werde, ich brauche nämlich auch sehr lange, bis ich wieder genügend Kraft habe, wenn ich sowas überstanden habe).
Auch im Zimmer gab es noch ein paar Sachen, beispielsweise die Fernbedienung des TV-Gerätes, den Kleiderschrank habe ich außer Acht gelassen und einfach aus dem Koffer gelebt, ich finde die Packerei ohnehin nervig und ich war ja eh nur zwei Nächte dort, diesen Abend und den nächsten Tag teils, dazwischen dann noch auf dem Konzert, also, egal. Ich war gegen 15:45 Uhr im Hostel ursprünglich angekommen, gegen 16:40 Uhr einkaufen gegangen und nun gegen 17:45 Uhr zurück. Fertig mit Putzen war ich eine weitere Stunde später. Um das auch mal so zu verdeutlichen.

 
Wenn ich solche Probleme mit menschlicher Nähe habe, warum gehe ich dann ausgerechnet auf Konzerte?
Weil ich muss. Weil ich es brauche.
Musik ist das, was mich am Leben hält. Natürlich im übertragenen Sinne, aber ich könnte auf Bücher verzichten, müsste ich mich zwischen beidem entscheiden, auf Musik nicht.
Ich weiß, als es im November eine Ankündigung für eine zusätzliche kurze Tour der Band in Japan gab und einige Fans äußerten, dass sie mit einer Welttour gerechnet hatten, dachte ich nur „zum Glück keine Tour hier“. Denn zu dem Zeitpunkt war ich nicht bereit, mich dem auszusetzen. Und wusste, würde ich darauf verzichten, würde ich hinterher umso tiefer fallen, weil ich mir das habe entgehen lassen.
Ich habe die Band bereits 2007, 2013 und eben 2016 gesehen. Und die Konzerte selbst waren jedes Mal so unglaublich toll. Dass gerade 2016 drumherum sehr viel ungünstig lief, hat die Aussicht, dieses Mal nicht zu gehen, nicht verbessert, sondern ich wusste, würde ich gar nicht gehen, wäre es danach noch schlimmer als vor drei Jahren. Deswegen sage ich, dass ich gehen musste. Und das Nachhinein zeigt auch, dass es richtig war. Nicht sofort, aber nachdem ich mich hinterher wieder sicher gefühlt habe. Dazu komme ich aber noch.

 
Glücklicherweise war es weder in Köln noch in München so warm zu der Zeit wie in Berlin. Ich konnte in Köln bei 23 Grad noch mit Sweatjacke vorher warten (ich friere ja sehr leicht). Drinnen hatte ich ein sehr dünnes Tuch dabei, das noch über Schultern und Armen lag, bis kurz vor Konzertbeginn. Somit konnte ich die Menschen um mich herum auch noch einigermaßen abschirmen. Ich stehe bevorzugt nicht vorn, weil ich dort nicht viel sehe, sondern suche in solch größeren Hallen (über die in München habe ich gelesen, dass sie 1.200 Leute fassen soll) hinter dem abgesperrten Bereich für die Technik meinen Platz, weil ich dann nicht direkt Schultern vor der Nase habe (ich bin nur 1,54 m groß). Außerdem gibt mir diese Absperrung die Möglichkeit, mich festzuhalten, denn ich und stillstehen auf Rockkonzerten? No way! Aber headbangen und springen funktionieren zusammen nicht so wirklich gut, ohne einen Punkt zum Festhalten. Das erste, was also folgte, ich habe erstmal diese Absperrung oben mit meinem Desinfektionsgel eingeschmiert, damit ich sie ohne Probleme anfassen kann (und habe das während des Konzertes ab und zu wiederholt, wenn ich den Eindruck hatte, dass sich durch Bewegung jemand neben mir in „meinen“ Bereich bewegt hat, es ist normal, dass das passiert, aber ich brauchte das als Sicherheitsgefühl). Während des Konzertes funktionieren lange Ärmel für mich gar nicht, nicht mal normale T-Shirts (Kreislaufproblematik). Ich wusste vorher, dass die Halle in Köln eh recht warm wird, trotz Klimatisierung und damit mein Kreislauf nicht tschüß sagt, heißt es für mich Augen zu und durch in solchen Situationen.
Ich muss dazu sagen, dass einer der Mechanismen im Alltag daraus besteht, immer zu beobachten, was ich wie berühre und wenn sowas versehentlich passiert und ich gerade nicht desinfizieren kann, dann eben mit diesem Finger oder so, mir nicht ins Gesicht zu fassen, nach Möglichkeit gar nichts zu berühren. Und aus genau diesem Grund habe ich während des Konzertes mit den Händen meine Arme gemieden, die durch die Leute links und rechts natürlich ständig berührt wurden. Die alltägliche Gewohnheit, mich darauf zu fokussieren, hat mir sicher dabei geholfen, aber dieser Fokus kostet auch eine Menge Kraft, jeden Tag, wenn ich draußen bin. Oder jemand hier bei mir ist (ich hatte eine solche Situation kürzlich mit meinem Papa, als er hier war, sich gegen den Türrahmen lehnte usw., in meinem Kopf ging es immer nur so, dass ich dies und das registriert habe und wusste, dass ich da nachher mal kurz mit einem Lappen drübergehen würde, wobei kurz dann auch eine halbe oder dreiviertel Stunde bedeutet hat, das nimmt in der Regel niemand wahr, ich bin mittlerweile extrem darauf fixiert und das kostet eben Kraft, weswegen ich meinen Alltag auch mit Akkordarbeit gleichsetze, weil ich genau deswegen immer angespannt und hoch fokussiert bin, vor allem, wenn ich mit anderen Menschen zusammentreffe und genau deswegen erzähle ich das hier auch gerade so ausführlich, damit andere, die davon nicht betroffen sind, einen Einblick bekommen können).
Nach dem Konzert habe ich, sobald ein bisschen Platz um mich war, die Arme großzügig mit dem Gel eingerieben. Der Rest blieb hoffen, denn gegen die Berührungen an meiner Kleidung konnte ich natürlich nichts mehr machen. Unterm Strich bin ich nach meiner Rückkehr aus allen Klamotten raus, habe sie in einen Beutel gestopft, der nach meiner Rückkehr in die Wäsche gewandert ist und habe geduscht. Und ich sage mir auch immer, dass ich auch im Alltag in den Öffentlichen auf Plätzen sitze und damit auch überlebe, ohne dass etwas passiert. Aber wie gesagt, solche Situationen wie die Konzerte sind noch mal verschärfter als reiner Alltag für mich. Und selbst da mag ich auch Berührungen an Kleidung nicht, wenn es nicht sein muss.

 
In München war alles ähnlich, putzen, einkaufen, weiter putzen, Vorbereitungsmaßnahmen für das Konzert usw.
Hier kam hinzu, dass ich Zeug vom Merchandise gekauft habe, da ich in München als VIP früher reinkam und ohne Andrang kaufen konnte (Merchandise ohne VIP bedeutete in einer riesigen Traube von Menschen zu stehen und meinen Platz zu verteidigen und langsam nach vorn zu rutschen, während andere, die bereits gekauft hatten, sich versuchten, wieder rauszukämpfen, den „Spaß“ habe ich 2016 mitgemacht und dieses Jahr in Köln darauf verzichtet). Es kamen hier also die Shirts und der Hoodie dazu, die angefasst worden waren, dazu das Geschenk für die VIP-Ticket-Holder, ebenfalls angefasst. Ich habe alles bis auf den Hoodie in den winzigen Rucksack gestopft, den ich dabei hatte. Hinterher bedeutete es, alles wieder mit den getragenen Klamotten in einen Beutel zu stopfen, um zu Haus alles zu waschen, den Rucksack habe ich, so gut es ging, ausgewischt (auch schon nach Köln), weil ich in ihm die wichtigsten Sachen auf der Reise zur Hand hatte (Fahrkarten, Geld, Verpflegung).

 
Dafür war die Rückkehr noch mal sehr heftig, denn während meiner Abwesenheit hat eine Freundin hier bei mir gewohnt, um meine Katze zu versorgen.
Normalerweise ist meine Wohnung mein Sicherheitsort und seit einem dreiviertel Jahr lasse ich hier nur sehr ungern jemanden rein (es waren in der ganzen Zeit nur ein paar Mal mein Papa, wenn er mir Getränke gebracht hat oder Techniker, wie derjenige, der die Rauchmelder installieren musste). Auch das ist etwas, das mit einem Dreivierteljahr noch nicht so lange ist und ich versuche ständig dagegen anzugehen, den Zustand zu erreichen, wo ich wieder Menschen in meine Wohnung lassen kann, ohne mich hinterher bedroht zu fühlen. Denn wenigstens hier möchte ich mich sicher fühlen können. Draußen kann ich das nicht.
Ich bin an dem Mittwoch gegen 16:00 Uhr hier angekommen, ich war von all den Tagen so erschöpft, aber als erstes habe ich die wichtigsten Stellen geputzt. Nach ungefähr einer Stunde war ich kurz einkaufen, denn ich hatte meine Vorräte vorher aufgebraucht (das klingt so falsch, als hätte ich einen riesigen Vorrat abgebaut, aber ich esse nur eine Sorte Wurst, diese eine Sorte Brot, es war also nicht wirklich viel, aber gerade das Brot schmeckt frisch einfach besser). Gegen 17:45 Uhr habe ich wieder mit putzen begonnen und gegen 19:30 Uhr das erste Mal wirklich gesessen.
Darauf folgte eine weitere Woche Anspannung. Die meisten Stellen waren okay. Aber Gardinen beispielsweise lassen sich nicht reinigen und ich muss sie zum Schlafen zuziehen und um das Fenster zu öffnen, muss ich eben an den Gardinen vorbei. Das Bett hatte ich für die Freundin natürlich vorher frisch bezogen und dann wieder gewechselt, als ich zurück war, die Matratze einmal gewendet, um einen gewissen Abstand zwischen mich und die Freundin zu bringen. Das klingt alles nach unnötigen Kleinigkeiten, aber für mich war das eine volle weitere Woche mit Angst, dass mir diese liebe Freundin was mit reingebracht hat, kann ja alles sein. Erst als auch diese Woche rum war, konnte ich anfangen abzuschalten. Konnte ich überhaupt erst damit beginnen, diese wundervollen Erlebnisse, die neben all der Anstrengung gewesen waren, zuzulassen. Nur keine Freude oder Euphorie, bevor die Gefahr nicht vorüber ist. Denn genau so fühlt sich das für mich an. Höchst bedrohlich.

 
Insgesamt waren das also fast zwei volle Wochen ununterbrochene Anspannung, für zwei Konzerte. Jede Umarmung von Freunden, die ich vor den Konzerten getroffen habe, beobachtet, im Großen und Ganzen versucht, den Kopf nicht zu nah ranzubringen, damit nur die Hände berühren, die Arme steckten ja in schützender Kleidung. Das meinte ich oben mit „mich sicher fühlen“. Ich weiß nicht, wie oft ich in dieser Zeit immer wieder Hände oder Arme gewaschen habe, teils Kleidung gewechselt habe, weil ich gegen die Gardinen im Schlafzimmer gekommen bin oder so. Das Verhalten, das ich sonst draußen an den Tag lege (permanent beobachten, was ich womit berührt habe), habe ich in einigen Bereichen meiner Wohnung in der Zeit auch an den Tag gelegt. Immer.

 
Ich weiß nicht, wie genau für andere daraus nachvollziehbar ist, wie anstrengend das Leben mit meiner Angst ist. Ich weiß nicht, wie sich Ängste für andere anfühlen. Ich kenne nur meine eigenen. Ich denke, es gibt immer noch Unterschiede für einen jeden von uns. Weil wir alle unterschiedlich sind. Aber ich glaube, dass das reine Nennen sehr viel abstrakter und dadurch auch geringer im Ausmaß ist, als wirklich mal detailliert darzulegen, wie viel Kraft so eine Angst kosten kann.

 
Diese Angst vorm Kranksein erstreckt sich darüber hinaus wie gesagt auch auf lebensbedrohliche oder solche, die mich ins Krankenhaus bringen könnten. Dort bleiben zu müssen, ist für mich absoluter Horror. Nicht nur, weil ich nicht wüsste, wie meine Katze versorgt sein soll (mein soziales Netz vor Ort ist sehr sehr dünn), sondern auch, weil ich dort nicht für mich wäre, es wäre eine Veränderung und ich wäre von Menschen umgeben, fremden Menschen. Ich wüsste nicht, wie ich das mit dem Essen regeln soll. Außerdem meide ich Krankenhäuser, wo ich nur kann, ich komme mit dem Geruch nicht zurecht und bis ich jemanden dort besuche, muss mittlerweile echt viel dranhängen, weil das jedes Mal unglaublich belastend für mich ist.

 
Menschen/Kinder
Im Grunde hängt das alles mit der zuvor geschilderten Angst zusammen, denn durch den Kontakt mit Menschen – direkt wie indirekt – kann es zu Infektionen kommen. Und ich habs ja eigentlich schon im langen Text erwähnt, dass eben gerade Kinder mir dadurch Angst machen. Dass ich einige Jahre mit Kindern gearbeitet habe, ist für mich mittlerweile so unglaublich weit entfernt. Ich weiche Menschen körperlich aus. Und gerade bei Kindern schaue ich immer noch genauer, wenn sie mir draußen entgegen kommen oder in einem Center/einer Mall den Gang entlang laufen, sie sind in ihren Bewegungen weniger gut einzuschätzen und der Bogen, den ich wortwörtlich um sie mache, ist größer, immer darauf bedacht, noch weiter ausweichen zu können.

 
Höhenangst, Feuer, Menschen u. v. m.
Es gibt so einige weitere Ängste, die aber auf einem recht „normalen“ Level sind. Ich habe Höhenangst, was manchmal zu ein paar Problemen im Alltag führt, die aber vielen Menschen vertraut sind. Ich kann kein Leuchtmittel austauschen, wenn die Lampe nicht recht nah am Rand zur Wand befestigt ist. Ich steige auf Leitern, wenn ich mich an der Wand entlang nach oben tasten kann, aber mitten im Raum eben nicht. Ich putze meine Fenster nur von innen, aber nicht von außen, weil ich fast vollständig oberhalb des Fensterbretts bin, um oben am Rahmen anzukommen (noch mal, ich bin nur 1,54 m groß). Diese Situationen meide ich auch, von außen sind mir die Fenster halt einfach egal, für eine Lampe oder ähnliches brauche ich dann eben mal Hilfe durch andere, aber das sind keine Dinge, die sich für gewöhnlich stark auf meinen Alltag auswirken.
Feuer ist da schon ein bisschen anders, aber auch das war schon eindeutig schlimmer. Als ich noch nicht sehr lange allein gewohnt habe, gab es in dem Strang, in dem ich wohne, einen Brand, nachts. Und es werden zwischen 22:00 und 6:00 Uhr leider die Lüftungen in Bad und Küche abgestellt. Das hat dazu geführt, dass es den Löschqualm in die Wohnungen gedrückt hat. Ich hatte damit insgesamt nicht viele Probleme, außer einigen Stunden an Putzerei, weil ich es halt zeitnah mitbekommen habe (und meine Wellensittiche haben das damals auch überlebt, obwohl sie einige Stunden in dem Qualm aushalten hatten müssen, bis ich es überhaupt bemerkt habe). Aber seitdem ist unterschwellig die Angst da, dass sich sowas wiederholt. Es gab einige Jahre, in denen ich beim Klang jedes Martinshorns aufgesprungen bin, um zu schauen, was los ist. Und wenn die Feuerwehr wirklich hier zu tun hat, finde ich keine Ruhe, bis sie wieder abzieht. Sobald ich nur den Hauch von etwas verkokeltem wahrnehme, laufe ich durch die gesamte Wohnung und suche nach der Quelle. Aber auch das ist insgesamt recht erträglich.
Menschen machen mir allgemein recht viel Angst, egal ob männlich oder weiblich gelesen und das ganz unabhängig von der obigen Erwähnung. Ich vertraue schwer und wenn ich allein draußen im Dunkeln unterwegs bin, wenn nicht mehr viel los ist, könnte jeder eine Bedrohung sein. Es ist aber nicht so, dass ich permanent ängstlich unterwegs bin, tagsüber kann genauso viel passieren und in ruhigen Gegenden bin ich auch tags nicht entspannter. Ansonsten finde ich Menschen insgesamt beängstigend, aber das hat weniger mit tatsächlicher Anxiety zu tun.
Es gibt noch weitere Sachen, ich glaube, mir fällt nicht mal unbedingt alles ein, solange ich nicht damit konfrontiert bin (Spinnen, ganz eindeutig), aber wie gesagt, das ist alles in einem Rahmen, der nichts mit Angststörung zu tun hat.

 
 

Vergangenheit

Es gibt Dinge, die ich schon im eingangs verlinkten Beitrag erwähnt habe, über die ich (noch) nicht schreiben kann. Oder es gesondert tun will, ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob es nur letzteres oder beides ist. Dinge, die mich geprägt haben. Wie vermutlich jeden von uns.
Ich hatte oben geschrieben, dass ich noch ein Beispiel nennen werde und ich setze es jetzt einfach mal hier hin.
Damals habe ich geschwiegen, weil ich gar nichts sagen konnte. Ich erkenne die Zusammenhänge erst seit wenigen Jahren. Und solange rede ich auch offener.
Ich bin nach meiner Ausbildung im Büro in die Arbeitslosigkeit gerutscht. Das ging sicher nicht jedem so. Aber für Personen wie mich war es schwieriger. Im Grunde waren einerseits Leute gewünscht, die zwar erst 25 sind, dabei aber schon zwanzig Jahre Berufserfahrung mit sich bringen. Wer sich gut verkaufen konnte, hat die mangelnde Berufserfahrung wettgemacht. Bei mir war es dagegen so, dass ich so einige Stellenanzeigen sofort weggeschoben habe. Ich habe damals ausschließlich gespürt, dass das nicht der richtige Arbeitsplatz für mich ist. Warum? Das konnte ich nie erklären. Kann ich bis heute nicht. Was ich heute allerdings sagen kann, dass alle Stellen, in denen es direkt um Telefondienst oder Empfangstätigkeiten ging, auch darunter gefallen sind. Denn beides scheitert an dem, das ich als social anxiety sehe. Wie gesagt, mir hat das nie jemand so bestätigt, aber wann immer ich wusste, ich soll sowas tun, konnte ich nicht schlafen. Bei dem Job 2010 war ich als Projektfachkraft im Büro angestellt, aber die klassischen Sekretariatstätigkeiten hat eine andere Kollegin gemacht. Und sie musste an einem Tag weg. Ich war diejenige, die im Büro ausgebildet war und sie kam zu mir, damit ich das Telefon übernehme. Ich war davon so überfordert, ich bin vor ihr in Tränen ausgebrochen. Ich liebe die Arbeit im Büro, aber Telefondienste oder eben Empfangstätigkeiten funktionieren für mich nicht. Ich bin nicht spontan. Ich bin kein bisschen schlagfertig. Ich brauche ewig Zeit, um Antworten zu überlegen. Und nichts davon geht in diesen Momenten.
Als sich die Arbeitslosigkeit über einige Monate nach meiner Ausbildung zog, konnten meine Eltern nicht verstehen, warum dem so ist. Ich war doch klug, hatte mein Abi gemacht, die Ausbildung verkürzt und gut bestanden. Wieso also konnte ausgerechnet ich keinen Job finden? War ich zu wählerisch? Zu faul? Ich weiß nicht mehr, ob letztere Formulierung direkt gefallen ist oder nur zwischen den Aussagen hing, aber der Vorwurf war da. Mir wurde direkt gesagt, dass es doch egal wäre. Man würde auch draußen das Grünzeug machen, Hauptsache arbeiten.
Mich haben diese Aussagen damals schwer getroffen, denn ich war nicht faul, aber ich war blockiert. Und ich konnte nicht erklären, wieso. Ich saß wie ein kleines Kind da, das Vorwürfe bekommt, weil es Unsinn gemacht hat und sich nicht rechtfertigen kann.
Außerdem hinkten diese Aussagen für mich auf zwei Ebenen. Erstens, ich hasse Gartenarbeit und das war bekannt (ich hasse auch kochen, aber als wir in meiner Jugend einen Garten hatten, habe ich das Kochen übernommen, um der Gartenarbeit zu entkommen). Zweitens, ich war Berufsanfänger. Es hätte mir später nichts gebracht, dass ich etwas anderes gemacht habe, was ich wirklich brauchte, war Erfahrung in dem Bereich, in dem ich arbeiten wollte. Das habe ich auch zu vermitteln versucht. Was für mich generell schwer wird. Denn sobald ich mich ungerecht behandelt fühle (da spielt noch mal die Vergangenheit rein, die bislang nur angedeutet ist, ich habe ein extrem großes Bedürfnis nach Gleichbehandlung/Fairness), werde ich wütend und wenn ich wütend werde, fange ich an zu weinen und habe den sprichwörtlichen Kloß im Hals, der alles so zuschnürt, dass kein Ton rauskommt (die Beschreibungen aus Büchern treffen da bei mir voll zu). Ich kann mich dann also gar nicht erklären. Egal, ob es überhaupt angebracht ist oder nicht, sich in dieser Situation zu befinden, das mal so nebenbei gesagt.
Das große Problem dabei war eben, was ich oben gesagt habe, niemandem war bewusst, dass psychische Probleme reinspielen. Und daher ist das Bild entstanden, ich sei faul. Ich halte nichts davon, so etwas überhaupt einer Person gegenüber zu entwickeln oder zu äußern, die einem wichtig ist/sein sollte. Unabhängig davon und eher rational betrachtet, sage ich aber deswegen, zu reden und zu vermitteln, dass man nicht gesund ist, hilft oft, sich diesen zusätzlichen Kampf vom Leib zu halten. Wenn man es eben kann. Ich finde es ebenso wichtig, dass die Menschen allgemein mehr Bewusstsein und Bereitschaft dazu entwickeln, über ihre eigene Nasenspitze hinaus zu blicken und nicht einfach so zu verurteilen. Gerade in so einer Konstellation wie sie bei mir war. Seinem Kind, das man als Eltern kennen sollte, zu unterstellen, es sei faul, sollte einfach niemals passieren. Welche Gründe da auch ursächlich sind, sollte keine Rolle spielen.

 
 

Folgen

Selbstverständlich haben solche Ängste und Erkrankungen ihre Folgen.
Dass ich gar nicht mehr normal essen kann, mal einfach so, das habe ich bereits direkt unter dem Punkt der Essstörung geschrieben.
Bei der Angststörung ist sicher die Daueranspannung und die Erschöpfung zu nennen, aber beides steht auch bereits im Text.
Eine weitere Folge, die äußerlich klar erkennbar ist, möchte ich euch einfach mal zeigen.

 

 
Das erste Bild ist recht aktuell, von letzter Woche. Es waren die einzigen Stellen, also insgesamt noch recht harmlos. Da ich aber in den letzten Wochen kaum Probleme damit hatte (kein Wunder, ich war überwiegend zu Haus, das Wetter sommerlich, was eindeutig positiv unterstützt), war ich doch davon überrascht, dass es dann gleich drei Einrisse gab. Die übrigens bei jeder Bewegung zu spüren sind.

 

 
Das zweite Bild ist schon älter, es stammt aus der Winterzeit, wo die Haut ohnehin empfindlicher ist (jedenfalls meine). Das regelmäßige Desinfizieren und Händewaschen sorgt bisweilen für solche Auswirkungen. Vor allem abends sitze ich dann hier und spüre die einzelnen Stellen wieder aufreißen, wenn ich nach etwas greife, die Hand dadurch zur Faust balle. Meine Haut ist so unglaublich ausgetrocknet. Der Übergang von Hand zum Handgelenk ist nicht mehr weich und geschmeidig, einfach weil die Haut zu trocken ist. Und das, obwohl ich sie durchaus regelmäßig eincreme. Cremes und alles mit Gerüchen usw. ist noch mal ein ganz anderes Kapitel für sich, weswegen ich bisher nicht das passende Produkt gefunden habe, fürchte ich. Zumal ich eben jede Wirkung aufgrund der Ängste auch immer wieder zerstöre. Das ist auf jeden Fall ein weiterer unschöner Teil der Auswirkungen, die so eine Angststörung haben kann.

 
Eine weitere Folge bezüglich der Essstörung ist, dass ich esse, weil ich muss. Ich genieße nicht. Und ich rede nicht gern über Essen. Gelegentlich mag ich keinerlei Bilder dazu sehen. Meine erste Therapeutin wollte, dass ich mich dem Essen bewusst widme (für gewöhnlich esse ich am PC und lese nebenbei, wirklich nebenbei arbeiten, gibt es bei mir nicht, weil es Zeiten gab, in denen ich nur wegen des Essens mal das Arbeiten unterbrochen habe). Ich sollte mich am besten in meine Küche setzen (geht nur, wenn ich dann die Wand anstarre) und bewusst jeden Bissen wahrnehmen und analysieren. Hätte ich das gemacht, hätte ich gar nicht mehr gegessen. Ich war froh, mich gedanklich ablenken zu können und dankbar, wenn das Essen in mir drin war, ohne dass mir übel geworden ist.

 
 

OCD

Dieser Teil hier wird der schwerste. Und ich schreibe ihn als letztes. Exakt betrachtet, schreibe ich an diesem Beitrag seit über einer Woche, immer in Etappen, einfach weil ich wusste, er wird lang. Auch wenn ich ein hohes Schreibtempo habe und oft bei durchschnittlich 2,5 k in einer Stunde lag, hat der Beitrag bis zu diesem Punkt hier bereits um die 7 k Wörter. Außerdem ist es unglaublich anstrengend, mich permanent diesen Themen auszusetzen. Es ging zwar bis hierher, aber ich weiß, dass gerade das Folgende die größte Herausforderung überhaupt für mich ist. Weil sie mir unglaubliche Angst macht.
Ich hatte ganz am Anfang erwähnt, dass es ein Thema gibt, über das niemand sehr tief Bescheid weiß und diejenigen, die es tun, tun es eben nur ein bisschen. Das ganze Ding ist ein extrem tiefer Teufelskreis und baut ebenfalls auf der Angststörung auf. Was es nicht leichter macht, auszubrechen.
OCD steht für obsessive-compulsive disorder und heißt im Deutschen Zwangsstörung (wie gesagt, manch einer vermutet es vielleicht, wirklich nachgefragt hat in all den Jahren nur eine Person).
Eine der ersten Fragen, die meine Psychiaterin (nicht Therapeutin, wers nicht weiß, Psychiater sind die Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie, diejenigen, die Rezepte und alles mögliche ausstellen dürfen, aber solange sie die therapeutische Weiterbildung nicht machen, dürfen sie keine psychotherapeutische Betreuung anbieten, das ist wiederum etwas anderes) gestellt hat, war, ob es Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen sind. Und meine Antwort lag sehr sehr klar und eindeutig auf letzterem.
Bei mir funktioniert die Zwangsstörung so, dass sie Regeln gleich kommt, denen ich folgen muss. Tue ich es nicht, werde ich bestraft. An diesem Punkt kommt der Anteil meiner Angststörung hinzu. Die Strafe ist grundsätzlich Übelkeit oder im schlimmsten Fall, krank zu werden. Das bedeutet, die Zwänge sind in gewisser Weise auch ein Vermeidungsverhalten, würde ich sagen (hat mir niemand erklärt, ist meine eigene Interpretation).
Es gibt zwei oberste Regeln. Die wichtigste ist eigentlich, dass niemand über die Zwänge Bescheid wissen darf. Und genau deswegen fällt es mir gerade auch so schwer, das zu schreiben oder es am Ende nicht doch wieder zu löschen oder aus dem Beitrag zu nehmen, sondern tatsächlich zu veröffentlichen, vor allem, weil es ab dem momentanen Zeitpunkt bis zur Veröffentlichung des Artikels noch acht Stunden und achtzehn Minuten dauert. So viel Zeit, in der ich das wieder ändern könnte, weil es ja noch niemand gesehen haben kann. Es ist immer wichtig, diesen Teil geheim zu halten. Notfalls auch damit, übliche Regeln zu ignorieren, wenn ich nicht allein bin, damit andere Menschen nichts merken (was mir in Gegenwart von anderen manchmal ein wenig Freiheit gegeben hat und dadurch schon wieder ein Punkt war, sogar freiwillig alles geheim zu halten, das Geheimnis zu bewahren). Darüber gibt es nur eine einzige weitere Regel, die mit meiner Persönlichkeit verknüpft ist: Nicht lügen. Weswegen diese eine Person das auch entdecken konnte. Bin ich bislang direkt gefragt worden (oder in diesem Fall war es sehr direkt ausgesprochen, nicht gefragt), so bestand für mich nicht die Möglichkeit „nein“ zu sagen, denn das wäre eine Lüge gewesen. Beim Fachpersonal war es unterschiedlich, teils kam die Frage direkt. In der Reha bei meiner Bezugstherapeutin kam die Frage nicht, da habe ich bereits im Erstgespräch von mir aus erwähnt, dass es Zwänge gibt, weil es für mich nicht das erste Erstgespräch war und ich wusste, dass die Reha insgesamt eher kurz ist. So sehr ich die Reha gehasst habe, so sehr wollte ich doch mitnehmen, was immer ich konnte, damit es mir besser geht und deswegen habe ich das von Anfang an erwähnt, anstatt es entdecken zu lassen. Aber auch da fiel es mir nicht leicht und ich habe sehr gehofft, dass ich nicht bestraft werde.
Die Zwänge selbst sind unzählig. Ganz ehrlich, mein ganzer Tag besteht aus Zwängen. Es gibt kaum etwas, das ich nicht auf gleiche Weise mache. Und jegliche Abweichungen machen mich nervös. Denn – und das ist ein Teil des Teufelskreises – die Zwänge bieten Routine. Und an diesem Punkt funktioniert der Teufelkreis in zwei Richtungen. Die ursprünglich geglaubten Routinen sind nicht nur zu Zwängen geworden, sondern aus diesen Zwängen rauszukommen, bedeutet neben dem Aushalten der Angst (und wer mal über Stunden in dem wellenförmigen Zustand von Anstieg und minimalem Abfall gesteckt hat, der nicht dem üblicherweise genannten Modell von Erreichen der Spitze und danach Entspannung gleicht, der kann sich nur diesen einen Teil des Ganzen vorstellen, der Rest kommt oben drauf), dass ich bewusst gegen die Routinen arbeiten muss. Vieles sitzt so tief in mir verankert, weil ich das seit Jahren mache, dass ich nicht nur schaffen muss, mich dazu durchzuringen, die Angst auszuhalten, ich muss dann auch noch bewusst darauf achten, Dinge anders zu machen als sonst, was erneut zusätzliche Energie kostet. Und fast immer scheitere ich an irgendeinem Punkt, weil ich nicht mehr die Kraft habe. Die routinierten Zwänge (es ist echt schwer zu entscheiden, welches Wort wann das richtige ist, sofern das überhaupt noch einen Unterschied macht) sind vertraut und geben teilweise ein Gefühl von Sicherheit. Ich bin sogar ziemlich überzeugt, dass ich ja erst deswegen in die Zwänge gerutscht bin. Wenn ich alles so wie gestern mache und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann mir heute ja auch nichts passieren. Dass das rational völlig unsinnig ist, weiß der logische Teil in mir auch (und wenn man bedenkt, dass ich ein sehr logischer Mensch bin, ein Kopfmensch, dann wird das Ganze noch absurder). Aber der emotionale, der, der mit der Angst verknüpft ist, die eben völlig und immer irrational ist, der schafft es nicht, sich dem zu entziehen.
Ich habe in den vergangenen Tagen jegliche Gedanken an diesen Abschnitt des Beitrags immer wieder von mir geschoben. Nur nicht zu früh provozieren. Nichts eher herausfordern als es unbedingt nötig ist. Allein das Nachdenken hätte zu viel sein können, die Ängste wecken und auf den Plan rufen. Ob ich heute Nacht schlafen werde, ich weiß es nicht. Ob ich es können werde. Oder ob ich dazu komme.

 
Womit wir bei einem der Zwänge wären (ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie viele sich durch meine Tage ziehen). Ich habe feste Schlafenszeiten. Und eine letzte. Bin ich zu dieser nicht im Bett, schlafe ich nicht. Das hat einen Grund, der mir wichtig ist, aber im Endeffekt ist es trotzdem zwanghaft.
Wer mich schon lange kennt (mehr als drei Jahre), weiß, dass ich über Jahre Nachtmensch war. Schon in meiner Jugend habe ich am Wochenende gern die Nacht zum Tag gemacht. Ich habe mich zwar zeitweise zum Tagmenschen umgewöhnt, weil ich mit ständigen Wechseln nicht zurechtkomme und das während der Abiturjahre und auch in der Ausbildung nicht hilfreich war, aber darüber hinaus bin ich immer in die Nachtzeiten gerutscht, sobald ich es konnte. Während ich früher dennoch recht gut damit umgehen konnte, einige Jahre auch nur vier Stunden Schlaf pro Nacht brauchte und insgesamt sehr flexibel war (die vier Jahre nach meiner ersten Therapie, bis im Grunde die Dysthymie ausgebrochen ist), kann ich das seit Jahren gar nicht mehr. Das Problem, wenn ich erst um 8:00 Uhr ins Bett gehe und um 15:30 Uhr aufstehe, liegt im Zusammenhang mit der Gesellschaft (übrigens glaube ich sehr fest, dass meine Angst durch den Brand hier im Strang auch unterstützend war, lange an dem Nachtrhythmus festzuhängen, denn so bin ich erst schlafen gegangen, als die Lüftungen schon wieder eingeschaltet waren, wenn nachts etwas passiert wäre, hätte ich es sofort mitbekommen). Arzttermine sind damit fast unmöglich. Und da ich ja nicht berufstätig bin, sollte ich doch ohnehin am besten gleich morgens aufschlagen, ich habe doch ganz viel Zeit. Das sprechen viele nicht aus, aber die Blicke sagen genug. Und die bilde ich mir nicht ein. Meist kommen einfach die Vorschläge und sobald dann die Aussage meinerseits fällt, dass ich erst nachmittags kann, werde ich völlig entsetzt oder fragend angeschaut. Ich sehe da keinen großen Interpretationsspielraum. Dass ich Rente beziehe, ist nun mal am Versicherungsstatus in der elektronischen Akte sichtbar.
Ich habe über viele Jahre unzählige Versuche gestartet, meinen Rhythmus zu verändern und 2016 ist es mir endlich gelungen. Ich weiß aber auch, dass ich sofort wieder in den Nachtrhythmus falle, gehe ich später als diese festgesetzte Zeit ins Bett. Es gibt wenige Ausnahmen und bei diesen bin ich nie allein (es waren exakt drei Stück: die beiden 60. meiner Eltern, die wir groß in Familie gefeiert haben und ein Silvester, an dem ich nicht allein zu Haus war, denn wenn dem so ist, bin ich auch wie jeden anderen Tag pünktlich im Bett). Mal sehen, ungefähr zwei Stunden habe ich noch, aber ich habe auch noch ein paar Dinge zu erledigen.

 
Was ein weiterer Zwang ist. Bestimmte Dinge muss ich tun. Und haben sie sich erstmal auf einem festen Platz in meinem Alltag etabliert, kann ich sie nicht einfach früher am Tag erledigen. Ausnahme ist, wenn ich am nächsten Tag früher aufstehen muss (beispielsweise am Abend vor der Konzertreise), aber dann rutscht alles früher, die Reihenfolge bleibt gleich, außer sie wird von außen verändert. Habe ich also einen Tag, an dem ich mit allem langsamer bin, kann es passieren, dass ich zum Tagesende noch richtig viel zu tun habe, um alles zu schaffen. Alles in fester Reihenfolge. Alles in festgelegtem Ablauf. Erst dieser Handgriff, dann jener. Falsch gemacht? Noch mal auf Anfang.

 
Zahlen, Daten, Zeiten. Gedächtnis.
Ja, Zahlen sind was Tolles. Ich liebe sie, ganz ehrlich.
Schon in den ersten Schuljahren war Mathe eines meiner Lieblingsfächer gewesen (Deutsch eigentlich nur, solange es um Grammatik ging, als Interpretationen dazu kamen und ich immer andere Dinge interpretiert und begründet habe als die Lehrer der Ansicht waren, das hätte der Autor gemeint, war Deutsch einfach nur noch doof, Mathe aber in den letzten Jahren überwiegend auch). Früher war mir nicht bewusst, dass Zahlen bei mir weit tiefer reichen. Aber je älter ich wurde, merkte ich die Affinität. Ich bin durch meine Eltern sehr lange zum Kopfrechnen angehalten worden. Taschenrechner gabs zu meiner Schulzeit ohnehin erst ab – ich glaube – der 9. Klasse. Aber selbst in meiner Ausbildung habe ich in Rechnungswesen die meisten Beispielzahlen, die überwiegend große glatte waren (10.000,00 € hier, 4.000,00 € da), schnell im Kopf gerechnet, statt wie die meisten, den Taschenrechner zu nutzen.
Darüber hinaus spielen Daten in meinem Kopf eine große Rolle. „Wandelnder Kalender“ ist so eine Bezeichnung, die ich mehrfach zu hören bekommen und früher automatisch auch für mich übernommen habe. Mittlerweile nicht mehr, weil in meinem Kopf kein Kalender steckt. Da ist nur simple Mathematik. Ich habe in fast jedem Monat Eckpunkte, Geburtstage und ähnliches und weiß einfach, auf welchen Wochentag sie fallen. Von dort aus rechne ich und das im Kopf auch einigermaßen zügig (zumal da einfach nur viel System hintersteckt mit vier Wochen sind 28 Tage und die meisten Monate haben 30 oder 31 Tage, das als grobe Anmerkung, ums nicht zu detailliert auszuführen). Tatsächlich sehe ich Wochen aber auch visualisiert in meinem Kopf, im Zwei-Wochen-Takt, die ähnlich einem Oval oder Rechteck zusammenführen. Sie sind für mich auch eine Art geschlossener Kreis. Einmal durchlaufen, geht es wieder von vorn los. Wie oft ich mich schon zusammenreißen musste, anderen Menschen nicht zu sagen „ah, dass war in so einer Woche“, womit ich dann eine der beiden meinte und niemand außer mir etwas damit anfangen kann, ich weiß es nicht. Einige Male. Aber das sind im Grunde Dinge, die dafür sorgen, dass ich Daten sehr schnell mit einem Wochentag benennen kann. Nicht, weil da tatsächlich eine kalendarische Übersicht in meinem Kopf prangt.

 
Die meisten Menschen beglückwünschen mich zu dieser Fähigkeit.
Es ist nicht so, dass ich sie verfluche. Aber sie ist tatsächlich Fluch und Segen zugleich.
Denn wie in der Überschrift dieses Abschnitts erwähnt ist, spielt mein Gedächtnis mit rein. Das ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt, sehr detailreich. Ich weiß nicht, wie oft Menschen mich schon irritiert angeblickt haben, an welche Feinheiten ich mich erinnern kann. Mein Gedächtnis ist immer so. Und eben sehr stark an Daten geknüpft.
Und da entsteht der Fluch des Ganzen.
Alles, was negativ besetzt ist, wird in meinem Kopf mit dem Datum verknüpft gespeichert. Und jedes Jahr an diesem Datum geht der „Spaß“ mit der Angst wieder los.

 
Beispiel: Mein Geburtstag.
Es gibt genau einen Ort online, wo ich ihn angegeben habe. Aus dem einfachen Grund, dass ich unglaubliche Angst vor diesem Tag und der darauffolgenden Woche habe. Was zur Folge hat, dass ich meist den halben Monat wie gelähmt bin.
2003 bin ich an meinem Geburtstag krank geworden. Neben dieser Geschichte, die mir eben eh schon endlos Angst macht, kam noch eine Influenza dazu. Und das hielt eine ganze Woche an. Seitdem ist jedes Jahr an meinem Geburtstag Angst da. In den ersten Jahren ging es noch. 2004 – 2006 war ich in therapeutischer Betreuung, das hat mir ein bisschen geholfen, komplett genommen hat es das trotzdem nicht. Danach war ich ja einige Jahre recht gut aufgestellt, Angst hatte ich aber dann auch immer. Seit danach ist es noch schlimmer. Es war damals ein Montag und wenn mein Geburtstag auf einen Montag fällt, ist es am Schlimmsten. 2008 war ich zu der Zeit nicht allein und es ging mir eben auch insgesamt besser. 2014 hatte ich schon am Wochenende so viel Angst, dass es mir bereits da richtig mies ging (= nicht essen können, Übelkeit, ohne dass ich tatsächlich krank geworden bin). Der nächste Montag wäre nächstes Jahr dran, aber glücklicherweise haben wir ein Schaltjahr und er wird übersprungen. Das heißt nicht, dass nicht trotzdem was passieren kann, aber – ich weiß gar nicht so richtig, wie ich das erklären soll – es ist ein bisschen so, als wäre die Gefahr damit ein bisschen kleiner. Nicht weg. Nur ein bisschen geringer. In dieser Angst lebe ich jetzt seit gut fünfzehn Jahren.
Ich versuche, diesen Tag für gewöhnlich so normal wie möglich zu verbringen. Wie immer, wenn alles so wie gestern ist und es mir gestern körperlich gut ging, dann kann ja heute auch nichts passieren. Oder durch Ablenkung in Gegenwart eingeweihter Personen. So mehr oder weniger. Wobei das mittlerweile vermutlich auch fast schwieriger ist, weil das ja wieder Kontakt mit Menschen bedeutet.
Und so geht es mit weiteren Daten. Sei es nun krank sein. Oder auch Daten wie der Todestag meines Ex-Freundes. Und je älter ich werde, desto mehr Daten werden es. Was die Angst wieder vergrößert. Je größer die Angst, desto stärker werden die Zwänge. Ich sagte ja, das ist ein ganz böser Teufelskreis. Bis soweit, dass ich fast gelähmt bin. So war es vor der Konzertreise. Alles war hoch zwanghaft. Während es im Alltag oft „nur“ darum geht, bestimmte Reihenfolgen und Handlungen durchzuführen, kommt unter diesem erhöhten Druck ein Perfektionsdrang dazu. Da reicht dann nicht mehr nur die einzelne Bewegung, sondern sie muss ganz perfekt so und so durchgeführt sein.
Ach ja, da war ja noch was mit den Zahlen.

 
Eigentlich zwei Dinge.
Das eine ist die Kopplung an Daten.
Ich sehe in Uhrzeiten Daten. Und dank meiner Vorliebe zu Japan auch noch auf zwei Weisen, da die Japaner ihr Datum rückwärts schreiben (eine sehr logische und sinnvolle Sache, die ich in meinem Alltag auch nutze und immer darauf achten muss, für andere Menschen andersrum zu schreiben, ist euch aufgefallen, dass die Daten auf meinem Blog auch quasi rückwärts laufen, für mich ist das Normalität). Das bedeutet, dass ich um 8:16 Uhr wie auch um 16:08 den 16. August vor Augen habe, der erwähnte Todestag. Für mich sind diese Zeiten Sperrzeiten. Das heißt nicht, dass ich den ganzen Tag dasitze und darauf achte, währenddessen nur auf die Uhr zu starren. Aber es bedeutet, dass ich zu dieser Zeit nichts Neues anfange. Denn fast alle Aktionen, die ich beginne, sind mit der Uhr verknüpft.
Hier kommt die zweite Sache ins Spiel, Quersummen bis zur Einstelligkeit.
Es gibt für mich Zahlen, die tabu sind und welche, die besonders geeignet oder eben passend sind. Welche Zahlen (oder bei der Quersummensache ja eigentlich Ziffern) wo tabu oder passend sind, kann variieren und verändert sich ab und zu mal (ist aber mittlerweile schon richtig lange her). Ich kann für fast alle Uhrzeiten zumindest sehr schnell sagen, ob sie für mich passend sind oder nicht. Mache ich also in meinen Abläufen Fehler und die nächste Minute passt nicht, muss ich auch noch warten, bis ich wieder weitermachen kann. Kommen dann noch Zeiten, die direkt mit Daten verknüpft sind (wie 8:16 Uhr oder 16:08 Uhr) dazu, dann muss ich noch länger warten. Und ja, da es Zwänge sind, muss ich. Und es gibt nicht wenige Daten. Hinzu kommt, dass bestimmte Zeiträume ohnehin gesperrt sind. Ich weiß den absoluten Ursprung dazu, der lag bei 1:12 Uhr, wegen der Verknüpfung zur 112 und der Angst vor lebensbedrohlichen Krankheiten (ja, ich habe tolle, um viele Ecken gehende Verknüpfungen, nicht wahr), aber wieso es mittlerweile alles ab :09 bis :13 in jeder Stunde betrifft, kann ich nicht mal mehr rekonstruieren.
Richtig „toll“ ist dabei übrigens, dass mein PC seit einigen Monaten immer ein bisschen schneller unterwegs ist als andere Uhren und es dadurch zu Diskrepanzen zwischen PC und Smartphone kommt. Das macht mich bisweilen richtig kirre.

 
Ich könnte dazu jetzt sicher endlose Beispiele auflisten. Genauso detailliert wie die Konzertreise. Aber anders als bei den Ängsten glaube ich, dass schon aus diesem Teil sehr klar wird, wie viel Zeit und Kraft das jeden Tag raubt. Denn es beginnt mit dem Aufstehen (es beginnt eigentlich schon mit der Anzahl der Wecker und den eingestellten Zeiten). Und endet damit, wie ich ins Bett gehe, wie ich mich hinlege.
Was ich für mich sagen kann, ist, dass Routinen toll sind. Ich weiß, dass sie gerade bei depressiven Menschen in Therapien aufgebaut werden, um Struktur in den Alltag zu bringen, aus der Lethargie rauszukommen. Aber ich weiß, wie gefährlich Routinen auch sein können. Ich sage nicht, meidet sie, denn ich bin sehr für Routinen. Aber beobachtet euch immer gut. Der Grat zwischen nur Routine und festem Zwang ist unglaublich schmal.

 
Und jetzt sehe ich zu, diesen Beitrag endlich zu einem Ende zu bringen.
Er ist unglaublich lang, das weiß ich. Aber ich bin nicht sicher, ob ich in nächster Zeit oder überhaupt irgendwann wieder die Kraft finden würde, mich hinzusetzen und das aufzuschreiben. Deswegen muss ich es alles in diesen einen packen. Wer bis hierher durchgehalten hat: Danke. Ich hoffe, niemand von euch ist davon betroffen. Wenn doch, dann wünsche ich euch die Kraft, euch daraus zu lösen. Wenn nicht, dann hoffe ich, dass ihr vielleicht ein bisschen auf euer Umfeld schauen könnt. Mit offenen Augen durch den Tag gehen könnt, ob jemand in eurem Umfeld betroffen ist und diesen vielleicht erst fragt und nicht aus dem eigenen vertrauten Blick zu verurteilen – sehr wahrscheinlich, ohne es zu wollen.
Auf jeden Fall hoffe ich, jedem damit Mut zu machen. Sei es, sich anderen anzuvertrauen und zu öffnen. Oder sich vielleicht auch zu finden, wo sich alles bislang nur schwammig und komisch angefühlt hat.

 
Bis denne ☆

Wenn das Innere leidet

 
TW: Depression, Tod, narzisstisches Verhalten

 
Der heutige Beitrag fällt mir unglaublich schwer. Und trotzdem schwirrt er mir seit vielen Wochen immer wieder im Kopf umher, möchte heute, genau heute, heraus, also lasse ich ihn. Ich weiß weder, ob ich meine Gedanken verständlich äußern kann, ob der Text ein reines Chaos wird oder ob jeder, der sich hier durchwühlt, sich wünschen wird, es nicht getan zu haben.
Was ich sicher sagen kann, das hier sind meine Erfahrungen, meine Empfindungen, keine Verallgemeinerungen.

 
Was ist am heutigen Tag so besonders?
Heute vor neun Jahren hat ein ganz besonderer Mensch mein Leben verlassen.
Dabei geht es um meinen Ex-Freund. Und nein, er hat an diesem Tag nicht unsere Beziehung beendet, das hatte ich bereits einige Jahre zuvor getan. Das Verlassen ist viel endgültiger gewesen, unwiderbringlich.
Und damit hat sich mein Leben völlig verändert. Nicht sofort, denn die Anfangszeit bestand aus einer sehr kurzen Auszeit vom Job, es folgte eine eher arbeitsreiche Phase, Ablenkung war genau das Richtige, bis zu dem Punkt, an dem ich meinem Körper zugestehen musste, mich auszuruhen. Selbst da habe ich nicht gemerkt, dass dieses Ereignis viel tiefere Spuren in mir hinterlassen hatte – aber wie hätte ich das auch können? Trauer ist normal, braucht je nach Mensch unterschiedlich viel Zeit, aber das Leben geht ja weiter.
Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste – gar nicht wissen konnte -, dieses Ereignis hat eine Krankheit losgetreten, die mir selbst noch einige Jahre lang danach absolut unbekannt war. Dysthymie.

 
Laut meiner Erfahrung gibt es nicht sehr umfangreiche Informationen dazu, gerade im deutschsprachigen Bereich. Ich persönlich mag die Darstellung auf dieser Seite recht gern, weil sie ausführlicher und zugleich verständlicher ist als ich sie sonst gefunden habe.
Nicht selten ist es so, dass eine Dysthymie schon sehr früh beginnt, aber erst viel später durch ein schwerwiegendes Ereignis ausgelöst wird, das nicht einmal mit der Ursache der Dysthymie zu tun hat/haben muss. Das schwerwiegende Ereignis habe ich oben geschildert. Die Erkrankung existierte bereits sehr lange. Aus heutiger Sicht (und es gibt noch sehr viele offene Fragen, auf die ich Antworten finden muss, in mir vergrabene Informationen, die therapeutische Ansätze zu blockieren scheinen) stimme ich der Erwähnung im verlinkten Text über Prägung im frühen Kindesalter zu. Dass die ersten Symptome zu der Zeit längst existierten, kann ich ebenfalls bestätigen. Ich hatte zu der Zeit allein schon eine Verhaltenstherapie hinter mir, die augenscheinlich andere Ursachen hatte, aber im Nachhinein stimmt das nicht. Es war nur nicht eindeutiger zu erkennen. Erst 2014 gab es den ersten Gedanken an die Dysthymie durch eine Ärztin, die mich bereits seit meiner Jugend begleitet hat, im Laufe der nächsten drei Jahre wurde sie mehrfach bestätigt. Und als würde eine solche Erkrankung nicht ausreichen, ist die vermutlich auffälligste Diagnose, die mich jeden Tag, rund um die Uhr begleitet, eine Angststörung.

 
An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass dieser eine Tag das gesamte Kartenhaus, das mein Leben darstellt, zum Einsturz gebracht hat. Dann weiß ich wieder, dass es natürlich nicht so ist. Und wäre es nicht das gewesen, hätte es irgendwann ein anderes Ereignis gegeben. Tatsächlich kaputtgegangen ist alles viel früher. Wann? Ich weiß es nicht. Ich habe auch nicht wirklich viele Erinnerungen an das Davor. Irgendwie ja, aber wann immer ich eine von ihnen greifen und ansehen möchte, ist da nicht viel. Ab und zu sind da unbestimmte Erinnerungen, die aber eher einem Gefühl gleichkommen. Was davon ist Tatsache und was verzerrte Erinnerung (womit ich nicht meine, dass meine subjektive Wahrnehmung verzerrt wäre, weil andere sie anders empfänden, sondern einfach aufgrund des Alters und des zeitlichen Abstandes)? Ich sage ja, es liegt vieles tief vergraben und mir fehlt der Zugriff darauf.

 
 

Anzeichen, Symptome etc.

Klar erkennbar ist ein großer Energieverlust, gepaart mit Antriebslosigkeit. Also Teile von Depressionen, wenn ich auch nicht zu denen zähle, die morgens nicht aufstehen können. Aber ich kann mich auch oft genug in anderen Situationen nicht aufraffen, es ist zu anstrengend. Genauso wie ich heute nicht weiß, was ich morgen tun kann. Was in langen Krankheitszeiten resultiert ist, die mittlerweile zu einer Erwerbsminderungsrente geführt haben (den ganzen Weg dazwischen mag ich gerade nicht ausführen, er war insgesamt recht kurz, denke ich, er hat nur ungefähr ein Jahr gedauert, was mich am meisten daran gestört hat, ist die bürokratische Pauschalisierung, aber gerade mit psychischen Erkrankungen ist das wohl etwas, was nicht sehr überraschend ist). Also, falls sich je jemand gefragt hat, warum ich zu den unterschiedlichsten Tageszeiten online anzutreffen bin, deswegen. Und sollte sich jemand fragen, wie ich mich mit der Rente fühle, gut. Seit ich nicht mehr zu sagen brauche, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeite (= faul), sondern Rentner bin (= oh, der Mensch ist krank, wie schlimm ist das denn in noch so einem jungen Alter), fühlt es sich erträglicher an. Nicht, dass an meiner Krankheit irgendwas anders wäre, aber die Reaktion ist oft einfach anders. Sollte anders sein, meine Erfahrung ist im Großen aber nicht so (es gibt natürlich Ausnahmen).

 
Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit kann ich ziemlich sicher nennen. Mehr Traurigkeit als Fröhlichkeit vermutlich auch. Ich schreibe das so vage, weil der Weg dorthin ein Prozess war und ich das dadurch viel weniger klar wahrnehme. War ich früher wirklich fröhlicher? Ich weiß es nicht mal. Es ist ja nicht so, dass ich den ganzen Tag heulend in der Ecke sitze. Und ich kann mich nicht erinnern, je ein übermäßig positiver Mensch gewesen zu sein. Eher Realist mit Hang zum Negativen. Aber es gibt sie die Kleinigkeiten, die mich zum Lachen bringen, oft sogar täglich. Kurze Augenblicke. Bin ich also wirklich so traurig?
Ja, mit Abstand muss ich das wohl schon sagen. Ich kann mich sehr intensiv freuen und wer das schon mal erlebt hat, die Sternchen und Herzchen in meinen Augen gesehen hat, der kann sich in etwa vorstellen, was ich meine. Aber die Auslöser dafür sind weniger geworden, würde ich sagen. Es gibt weniger Dinge, die diese Begeisterung in mir auslösen, das dürfte wohl die passendste Antwort sein.

 
Es gibt oben hinter dem Link eine Auflistung an Symptomen. Gerade von den ersten habe ich ja schon welche genannt und bis auf den Selbstwert kann ich eigentlich alle für mich als zutreffend einstufen. Wobei ich schon immer viel gegrübelt habe und viel für mich war. Aber da ist eben auch wieder die Frage, zählt das zu den Sachen, die es schon gab und nur nicht erkannt wurden? Was davon ist der introvertierte Anteil von mir?
Was den Selbstwert betrifft, ich habe mich nie endlos hoch eingestuft. Aber ich halte mich bis heute auch nicht für wertlos. Ich weiß, dass es vielen mit Depression und anderen psychischen Erkrankungen anders geht und ich bin froh, wenigstens diesen Teil nicht mit mir rumzuschleppen. Der Rest wiegt genug.

 
Auch die körperlichen Symptome treffen zuteilen zu. Nicht alle, was normal ist, denke ich. Was ich besonders interessant fand, ist der Punkt „Kreislauf/vegetatives Nervensystem“ und die dabei erwähnte Temperaturüberempfindlichkeit. Ich habe schon immer schneller gefroren als andere Menschen, habe schon immer zu eher niedrigem Blutdruck und daraus resultierenden kalten Händen und Füßen geneigt. Aber in den letzten ungefähr fünf Jahren ist das immer schlimmer geworden. Ich trage schon dicke Klamotten, da möchte der Großteil sich bestenfalls in einen Hoodie mummeln. Ich brauche ewig zum An- und Ausziehen, wenn ich rausgehe oder nach Haus komme und ich hasse es. Ich hasse diese Unmengen an Klamotten, die mich einengen, in denen ich mich weniger frei bewegen kann, die mir in den Öffentlichen zu warm sind, ich aber draußen trotzdem brauche. Aber immerhin habe ich hier zum ersten Mal eine Erklärung gefunden, warum es mir überhaupt so geht.

 
 

Ärzte, Therapeuten usw.

Für mich ein ganz schwieriges Thema.
Nicht nur, dass es in Deutschland, obwohl noch eines der bestversorgtesten Länder, was das Gesundheitssystem betrifft, Horror ist, sich überhaupt einen Therapieplatz zu suchen, mit endlosen Wartezeiten, Wartelisten usw. Hinzu kommen die eher negativen Erfahrungen, die hinter mir liegen.

 
Therapeuten
Die erste Therapie war okay, zeitlich überschaubar, das Leben danach gut.

Die zweite, bei derselben Therapeutin, ließ ich irgendwann auslaufen, weil ich das Gefühl hatte, sie weiß nichts weiter mit mir anzufangen. Ich glaube allerdings im Nachhinein auch, dass sie nach der ersten auf bestimmte Aspekte fokussiert war, ich gleichzeitig irgendwo dichtgemacht habe und es ein Wechselspiel war, dass der Eindruck bei mir zustande kam.

Die dritte und letzte endete ziemlich … heftig.
Ich bin jetzt fast ein Jahr auf mich allein gestellt, denn so lange ist es her, seit meine letzte Therapie ausgelaufen ist. Sie wurde nicht verlängert. Und endete nicht gerade nett, was auch dazu geführt hat, dass es mir bislang schwerfällt, überhaupt nach einem neuen Platz zu suchen. Einem tiefenpsychologischen Platz, die ohnehin weniger verbreitet sind als verhaltenstherapeutische. Es geht ja immer noch um die Ausgrabungen.
Eine Therapeutin, die den eigentlichen Ursprung meiner Erkrankung (zumindest sieht es sehr wahrscheinlich danach aus) selbst gar nicht entdeckt, wenn auch im letzten Jahr freigelegt hat. Obwohl sie einige Jahre Zeit dazu hatte. Entdeckt habe ich ihn dank der Hilfe eines Menschen, der sich mit der Thematik auskennt und weil ein paar Äußerungen hier und da sich für mich wie ein Puzzle zusammengesetzt haben (ich vermeide die direkte Nennung des Ursprungs ganz bewusst). Leider war besagte Therapeutin ab diesem Zeitpunkt auch für eine Zusammenarbeit ungeeignet. Nicht nur, dass sie mich bedrängte und unter Druck setzte, in einer Weise zu handeln, die sie selbst in der Situation gern gesehen hätte. Nein, unser letzter Kontakt, nach Ablauf des durch die Krankenkasse bewilligten Kontingents, nach der Ablehnung jeglicher Widersprüche durch die Krankenkasse und nachdem ich tagelang auf Reaktion meiner Therapeutin warten musste (und dabei rede ich nicht vom Wochenende), was nicht das erste Mal war, aber in diesem Augenblick besonders problematisch war, weil ich komplett ohne Halt in der Luft hing (bzw. mich so fühlte), fand telefonisch statt. Eigentlich war verabredet gewesen, dass ich trotz allem zu einem Abschiedsgespräch in die Praxis kommen würde. Der Weg dorthin bedeutete für mich jedes Mal eine Stunde Fahrt mit den Öffentlichen. Und nachdem sie sich tagelang nicht gemeldet hatte, ohnehin keine Chance auf zusätzliche, überbrückende Unterstützung bestand und ich zutiefst enttäuscht war (es kam eine Menge zusammen, das hier sind einzelne Auszüge), habe ich ihr schriftlich mitgeteilt, dass ich nicht kommen würde und ihr dies auch begründet. Die Reaktion war eine E-Mail und etwas später der besagte Anruf. In dem sie diverse narzisstische Muster abspulte, mich bat, mir die Entscheidung zu überlegen (mehr als einmal), mir sagte, dass sie mit Abschieden nicht gut umgehen könne und ich deswegen doch noch mal vorbeikommen solle, mir erzählte, wie viel Aufwand all die Anträge für sie doch seien und wie belastet sie gerade wäre – und endete in Tränen auf ihrer Seite.
Ich habe die Muster, emotionalen Druck auf mich auszuüben, in dem Augenblick sofort erkannt. Das bedeutet nicht, dass sie an mir abgeprallt sind. Im Gegenteil, sie sind der Grund, warum ich noch keinen Platz in Angriff genommen habe. Wer weiß, bei wem ich als nächstes lande. Ich baue ohnehin sehr schwer Vertrauen auf und nach diesem Telefonat wie auch den letzten Wochen in der Therapie fehlte mir ganz einfach die Fähigkeit, mich Therapeuten anzuvertrauen. So langsam legt sich das. Immerhin etwas. Dass ich Ende letzten Jahres zusätzlich in die tiefste depressive Phase meines bisherigen Lebens gerutscht bin, hat das Ganze dann auch nicht gerade positiv beeinflusst, zumal das auch locker ein halbes Jahr angehalten hat, bevor ich mich da Stück für Stück höher kämpfen konnte. Dass ich raus bin, würde ich nicht behaupten, denn im Grunde hängt man als dysthymer Mensch ständig in der Depression, nur nicht so tief, nicht ganz so antriebslos und nicht ganz so geschwächt wie in klassischen depressiven Phasen. Hinzu kam auch, dass ich sehr anfällig für die graue Jahreszeit bin. Das kam letztes Jahr ungünstig zusammen, hat mir dieses Jahr sicher beim Aufstieg geholfen und über alles Weitere denke ich nicht nach.

 
Ärzte
Fachärzte zu finden, ist ebenfalls ein „Spaß“ für sich. Nicht nur, dass es immer heißt „wir nehmen keine neuen Patienten an“, nein, es gibt ja nicht nur den Facharzt für Psychiatrie, er ist gekoppelt mit der Neurologie. Generell sicher nicht falsch, aber meiner Erfahrung nach spezialisieren die meisten sich auf Neurologie statt auf Psychiatrie.
Als ich 2011 in einer Praxis auftauchte, in der ich Jahre zuvor aufgrund einer neurologischen Untersuchung im Patientenstamm gelandet war und sie mich deswegen gar nicht abweisen konnten, war die erste Konsultation sehr distanziert. Ich hatte das Gefühl, abgefertigt zu werden. Leider war ich auf die Krankschrift angewiesen, da ich nicht in der Lage war, arbeiten zu gehen und angeblich dürfen Hausärzte das nicht langfristig machen. Ab dem zweiten Termin wurde es besser und während meiner zweiten Therapie war ich begleitend dort.
Als 2014 der Dysthymie-Verdacht auf den Tisch kam (ich hatte ungefähr ein Jahr Ruhe im Kopf gehabt, in dem Jahr eine Weiterbildung gemacht und im neuen Job auch kurzzeitig gearbeitet) und ich wieder in der Facharztpraxis aufgetaucht bin, ging das Spiel mit dem Abfertigen von vorn los. Woher meine Probleme denn dieses Mal kommen? Ich wusste es nicht. Wüsste ich es, bräuchte ich vermutlich keine ärztliche Hilfe. Die Reaktion? Na, wenn sie einfach aus heiterem Himmel aufgetaucht wären, dann würden sie ja vielleicht auch einfach wieder so verschwinden.
Resultat: Ich wollte weder einen Arzt noch einen Therapeuten suchen. Das habe ich ungefähr ein halbes Jahr gemacht, bis ich nicht mehr konnte und in meiner dritten Therapie gelandet bin.

 
Ebenso gibt es Ärzte, die plötzlich der Meinung sind, ich müsse ja nur wollen und ich würde mir ja nichts zutrauen. Und es könne ja nicht sein, dass ich jetzt schon berentet bin. Ob ich denn jetzt mein restliches Leben dem Staat auf der Tasche liegen wolle? Dass das ja reichlich unfair anderen Menschen gegebenüber sei, die arbeiten müssten. Und ich frage mich dann jedes Mal, was in diesen Köpfen eigentlich so falsch läuft. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, eine Arztpraxis am Leben zu halten. Ich habe das jahrelang hautnah miterlebt, denn die Mutter von besagtem Ex-Freund hatte eine eigene hausärztliche internistische Praxis (Allgemeinmediziner und Internisten sind wohl diejenigen, die am schlimmsten dastehen hinsichtlich Budget und daraus resultierend auch Verdienst, vor allem, wenn sie für ihre Patienten da sein wollen, und wenn ich eines über meine Schwiegermutter – ich nenne sie bis heute so – sagen kann, dann, dass für sie die Patienten an oberster Stelle standen). Sie hatte die Praxis bis sie selbst aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, alles aufgeben musste. Also ja, ich weiß auch, dass es kein Zuckerschlecken ist, niedergelassener Arzt zu sein, sein Personal zu bezahlen, sondern dass da sehr viel Arbeitszeit außerhalb der Sprechzeiten dranhängt. Gleichzeitig bin ich nach solchen Aussagen, wie ich sie zu hören bekommen habe, völlig überzeugt, dass diese Leute absolut keine Ahnung davon haben, wie es ist 24/7 Akkord zu arbeiten, denn nichts anderes tue ich. Nur um zu überleben. Ohne abschalten zu können. Immer darauf bedacht, die Angsttrigger in Schach zu halten, dabei gegen die depressive Niedergeschlagenheit anzukämpfen und eben irgendwie zu überleben. Ganz selten mal zu leben.
Solche Aussagen machen mich kaum noch traurig. Aber sie machen mich endlos wütend. Als hätte ich mir das alles ausgesucht. Niemand sucht sich das freiwillig aus. Niemand.

 
Aber das alles macht es so schwer, überhaupt noch wem zu vertrauen (hinsichtlich Ärzten und Therapeuten).

 
 

Leben, Zukunft …

Ich habe aufgehört über die Zukunft nachzudenken. Langfristig mache ich das schon sehr lange nicht mehr. Zukunftsplanung? Karriere. Screw all this! Mit so einer Krankheit (und auch wenn das nirgends wirklich so ausgesprochen wurde, gehe ich von einem chronischen Verlauf aus, weil es sehr lange unentdeckt geblieben ist), die einem ständig an den Hacken klebt, weißt du nie, wie viel Kraft du morgen haben wirst. Wie willst du da übers nächste Jahr nachdenken? Über in fünf Jahren? Oder in zehn?
Ich würde nicht behaupten, dass ich wirklich im Hier und Jetzt lebe, mich immer nur darauf konzentriere, was ich gerade fühle oder erlebe. Allein dafür muss ich zu viel nachdenken. Eher lasse ich die Dinge geschehen und schiebe eine Menge der negativen von mir. Was nicht heißt, dass ich ihnen allen ausweiche, dafür bin ich ein zu realitätsnaher Mensch und müsste mich selbst belügen können. Aber womit ich mich nicht auseinandersetzen muss, nehme ich oft nur kurz wahr und dann ist es wieder weg, bis es mir erneut über den Weg hoppelt.
Auf der bewussten Ebene versuche ich mich eher auf die positiveren Dinge zu konzentrieren, wobei ich eben nie ein positiver Mensch war und deswegen auch nicht sonderlich darin brilliere.
Im Grunde gleicht das alles überwiegend einem „Muss ich das da unbedingt machen? Nein? Gut, weg.“ und ebenfalls einem „Das, das und das muss ich nicht? Super, Zeit für das andere.“.
Das ist kein Konzept, das dauerhaft funktionieren wird, denke ich, aber ich hoffe, es hilft mir ein bisschen, meine Akkus ein wenig mehr zu füllen.

 
Manchmal erscheint es mir so unglaublich, dass ein einziger Tag der Anstoß für all das gewesen sein soll. Wie so ein kleiner Dominostein in einer riesigen Halle unzähliger weiterer aufgestellter Steine, die einer nach dem anderen kippen.
Wie gesagt, der Tag war im Grunde auch eher sowas wie ein Zufall, aber er ist da. Und er begleitet mich Jahr für Jahr.
Tag für Tag.
Es ist also alles ein verworrener Kreislauf, der gleichzeitig irgendwie ein Hamsterrad ist, mit mir als Hamster. Der Runde um Runde das Rad antreibt und nicht aufhören kann. Nicht zur Ruhe kommt.
Manchmal wünsche ich mir Urlaub. Urlaub von mir selbst. Und doch würde ich meinen Kopf, meine Psyche nie eintauschen. Denn das bin noch immer ich, das gehört zu mir.
Wenn nur …

 
Bis denne ☆