Sensitivity Reading

 
Der Begriff Sensitivity Reading sorgt seit einiger Zeit für Aufregung in der Autorenszene.
Und ich verstehe nicht, wieso.

 

Doch was ist das überhaupt?

Sensitivity Reading ist im Grunde ein möglicher Schritt im Lektoratsvorgang, bei dem eine Geschichte auf bestimmte sensible Themen von Menschen, die sich damit auskennen (in der Regel sind es sogenannte Own-Voices, also Menschen, die auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen reden), geprüft wird. Hierbei geht es darum, vorurteilbehaftete oder fehlerhafte Darstellungen, die sich in den Köpfen eingenistet haben, zu vermeiden. Noch mehr Infos dazu findet ihr auf der Seite Sensitivity Reading.

 

Warum ist das so wichtig?

Wie schon erwähnt, es gibt eine Menge klischeebehafteter Vorstellungen oder sogar welche, die nicht der Realität entsprechen, die immer wieder in Büchern auftauchen und damit nur noch mehr Vorurteile und Klischees erschaffen. Die ein Bild erschaffen, dass etwas nur so und so sein kann, aber nicht anders. Obwohl die Realität weit vielfältiger ist.
Und auf genau solche Umstände weisen Sensitivity Reader hin.

 
Wie bei einem Lektorat geht es nicht darum, die schreibende Person zu bevormunden, sondern sie darauf hinzuweisen, was in ihrer Geschichte problematisch ist. Welche Hinweise sie annimmt, liegt ebenfalls in ihrer Entscheidung.

 

Aber gibt es denn überhaupt den einen richtigen Weg?

Über diese Frage habe ich selbst sehr lange nachgedacht.
Nein, es gibt nicht diese eine korrekte Darstellung.
Viel eher gibt es aber Szenarien, die für Betroffene verletzend sind und dennoch in Büchern auftauchen, die deswegen durchaus generell vermieden werden sollten. Während es für andere durchaus eine Vielfalt an Möglichkeiten gibt. Hier wird es vom Sensitivity Reader und ihren_seinen eigenen Erfahrungen abhängen, was si_er empfiehlt. Und wie viel Austausch mit anderen Betroffenen si_er hat.
Beispielsweise habe ich in einem anderen Beitrag über mich erwähnt, dass ich weder ein klassisches Outing hatte noch dass ich bisher Anfeindungen ertragen musste. Dennoch existieren diese natürlich wie auch je nach persönlichem Umfeld die Angst vor dem Outing. Was nun zur Geschichte passt, muss letztlich die schreibende Person entscheiden. Aber allein durch Hinweise von Sensitivity Readern, kann sie Anregungen bekommen, wohin sich alles entwickeln kann, nach Möglichkeit ohne den gesamten Plot zu sprengen (ich glaube, das passiert auch nur, wenn die Geschichte bislang weitab der Realität erdacht ist).

 
Die Möglichkeit mit Sensitivity Readern zusammenzuarbeiten, bietet einfach Raum zur Entwicklung, nicht nur der Geschichte, sondern auch für die schreibende Person selbst. Und wäre sie nicht an bestimmten sensiblen Themen interessiert, würde sie vermutlich nicht über sie schreiben.

 
Habt ihr schon Erfahrungen mit Sensitivity Reading gemacht?
Wie war sie für euch?
Oder ist das Konzept für euch neu?

 
Bis denne ☆