Lesetyp – Bücher oder Hörbücher?

 
Ob Bücher oder Hörbücher, sie beide liefern Geschichten.

 
Dennoch liegen für mich Welten zwischen ihnen.

 
Wenn ich selbst lese, das Buch oder den E-Book-Reader in der Hand halte, dann tauche ich ab. Ich sehe die Wörter, die einen Sinn ergeben, die mir die Geschichte erzählen.
Wenn ich höre, drifte ich weg. Nicht selten ist es eine Szenerie, die beschrieben wurde oder dieser gerade stattfindende Handlungsaspekt und mein Kopf fängt an von dort weiterzudenken. Das endet nicht unbedingt in einer eigenen Geschichte, es können auch Erinnerungen dadurch ausgelöst werden und zu denen driftet meine Aufmerksamkeit dann.

 
Das ist der Grund, weshalb ich keine Hörbücher höre.

 
Und mir ist dabei aufgefallen, dass es mir schon immer schwer gefallen ist, nur zu hören.

 
„Schon immer“ ist dabei zumindest insofern zutreffend, wie ich mich erinnern kann. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir vorgelesen wurde, aber ich bin sehr sicher, dass es erwähnt wurde, also gehe ich davon aus, dass es das in meiner frühen Kindheit gab. Später nicht mehr. Ich habe selbst angefangen zu lesen, kaum, dass ich das Alphabet beherrscht habe. Ich weiß noch – und deswegen habe ich mich für dieses Bild entschieden -, dass ich „Brüderchen Vierbein“ gelesen habe, ohne die Silbe „ei“ zu kennen, „ie“ muss mir aber schon bekannt gewesen sein. Denn ich habe das E und I in „ei“ als einzelne Buchstaben gelesen und meine Eltern gefragt, was das bedeutet.

 
Einige Jahre später, wenn gelegentlich die Lehrer meinten, wir sollen nicht den Text im Buch selbst lesen, sondern es wird vorgelesen (oder auch im Deutschunterricht, wenn mit verteilten Rollen „Romeo und Julia“ gelesen wurde), habe ich den Großteil des Inhalts nicht erfasst. Was für mich ganz schlimm war in Fächern wie Geschichte oder Geografie, in beiden war ich nicht gut und musste mich schon sehr konzentrieren, wenn ich allein gelesen habe, wenn dann nur vorgelesen wurde, war es noch schwerer. Schon da zeigt sich dasselbe Problem, das ich heute damit habe.

 
Ich bin deswegen auch nicht sehr für Podcasts zu begeistern, vor allem, wenn sie rein auditiv sind (Die SchreibDilettanten haben ja so angefangen, sind aber vor Jahren auf ein Videoformat umgestiegen und damit fällt es mir leichter).

 
Also greife ich nur zu Büchern (damit meine ich übrigens, wenn ich es nicht explizit anders erwähne, immer beides – Print und E-Book, es sind beides Bücher, nicht nur Prints sind „echte Bücher“ und E-Books – ja, was sind diese dann eigentlich? „unechte Bücher“?). Es dauert vielleicht länger, sie zu lesen, aber ich verstehe wenigstens, worum es geht (was nicht bedeutet, dass das für andere gilt).

 
Ein weiterer Grund ist, dass ich versuche, immer weniger Dinge parallel zu machen. Okay, ich nutze Musik, um mich zur Hausarbeit zu motivieren (ich hasse das endlos und damit ists einfacher zu ertragen). Und ich brauche sie teils als Geräuschkulisse (Nebenwirkung beim Großstadtmenschen?). Aber Musik ist für mich anders zu gewichten. Sie kann für mich als reine Kulisse funktionieren oder ich lasse mich darauf ein und höre bewusst hin. Dann mache ich aber auch nichts anderes. Aber eine Geschichte nur nebenbei? Das funktioniert für mich höchstens, wenn ich sie schon sehr gut kenne, aber dafür müsste ich sie dann trotzdem wenigstens einmal gelesen haben. Ansonsten muss meine Aufmerksamkeit sich wieder auf zu viele Dinge fokussieren.
Ich versuche in dieser Hinsicht seit einiger Zeit zu entschleunigen. Multitasking ist spannend und herrlich effizient. Aber es überlastet auch. Und das versuche ich zu vermeiden.

 
Wie konsumiert ihr am liebsten Geschichten?
Kennt ihr das Problem mit der Konzentration bei Hörbüchern?
Oder fällt es euch eher schwer, beim niedergeschriebenen Wort am Ball zu bleiben?

 
Bis denne ☆