Leserückblick November

 
Letztes Jahr war der November sehr leseintensiv.
Dieses Jahr war er es – auf dieses Jahr bezogen – vermutlich auch ein bisschen, aber nicht so ausschweifend.
 
 
 

 
Angefangen habe ich mit Mika Krügers „Sieben Raben“, das ja noch vom Oktober zu beenden war. Im Buch ist noch eine Kurzgeschichte enthalten, eine kleine nette Idee zu „Totenläufer“, das ich schon vor längerer Zeit gelesen hatte. Es hat mich gefreut, in das Universum zurückzukehren.

 
Anschließend habe ich zum „Uhrwerk der Unsterblichen“ von Alexander Kopainski gegriffen, das bereits seit Jahresbeginn hier stand und darauf gewartet hat, gelesen zu werden. Leider bin ich mit dem Buch überhaupt nicht warm geworden (obwohl mich die Leseprobe neugierig gemacht hatte) und ich habe es abgebrochen.

 
Danach habe ich endlich mit „New Moon“ von Stephenie Meyer weitergemacht. Ich hatte ja im Januar mit „Twilight“ begonnen und echt Probleme gehabt. Was definitiv nicht an der Geschichte selbst liegt, denn ich habe die „Biss“-Reihe letztes Jahr im November verschlungen. Und ich weiß, dass ich auch auf Englisch lesen kann, wenn ich damit auch ein bisschen langsamer bin als auf Deutsch. Ich weiß bis jetzt nicht, was der Grund war, aber „New Moon“ habe ich in fünf Tagen gelesen, es liegt also wirklich weder an der Geschichte noch an der Sprache. Deswegen habe ich im Anschluss dann gleich noch „Eclipse“ dran gehängt, das ich aber bis zum Monatsende nicht ganz geschafft habe.

 
Und das wars dann auch für den November.

 
Wie viel habt ihr im November gelesen?
Oder hattet ihr wegen des NaNo keine Zeit?
Konntet ihr Favoriten zu eurer Liste hinzufügen?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – D’espairsRay

 
Die Wahl des Datums für den Band-Beitrag im November ist Absicht. Ganz spezifische Absicht. Wobei ich zwischen vergangenem und diesem Freitag wählen konnte. Warum? Darauf gehe ich nachher noch ein.

 
Mit der heutigen Band – D’espairsRay – kehre ich mal wieder sehr zu meinen Anfängen in der japanischen Musik zurück. Kaum dass ich damals angefangen hatte, bin ich unter anderem über diese Band gestolpert. Sie zählte zu den bekannteren in der Szene hier in Deutschland und somit konnte ich sie gar nicht übersehen. Sie waren gefragt und dadurch auch viel zu hören, aber ich konnte sie auch recht schnell live sehen. Selbst im hiesigen Fernsehen habe ich sie gesehen, wenn auch nur in einer spezifischen Sendung (und das gilt nicht nur für D’espairsRay). Viva+ hatte damals eine Sendung namens „Get the clip“ und es gab eine Folge, in der nur japanischen Bands vertreten waren (eventuell sogar nur auf Visual Kei beschränkt).
 
 
 

 
Im November 2006 habe ich D’espairsRay das erste Mal live sehen dürfen, ein ganz wundervoller Tag, umgeben von vielen Menschen, die mir damals sehr wichtig waren. Noch vor Beginn der Show gab es eine Ankündigung, nämlich dass eine Woche später – am 29.11. – eine Autogrammstunde stattfinden würde (ja, heute ist es genau 13 Jahre her und deswegen poste ich das hier auch heute). Sie fand im NeoTokyo statt, dem Shop, den ich hier schon mehrfach erwähnt habe. Die Besitzer des Shops haben ein Label, bei dem sie diverse japanische Bands unter Vertrag haben und einige von ihnen haben sie damals hier auch auf den Touren begleitet, unter anderem eben D’espairsRay.
Das hat wiederum dazu geführt – naja, nicht das allein -, dass ihre Musik auch so oft genug im Shop lief, wenn wir dort waren (und ich habe da zeitweise halb zum Inventar gezählt xDD), weil einer der Angestellten die Band begleitet hatte und selbst mochte.
 
 
 

Konzertkarten:
links 2006, mit Autogrammen
oben 2009, eines der beiden Konzerte, die ich während dieser Tour gesehen habe
rechts 2010, Abschiedstour

 
Ich kategorisiere Musik nicht gern, das habe ich ja auch bei den anderen Beiträgen nicht gemacht. Ich kann nicht mal wirklich sagen, was mich damals schnell an ihnen gefesselt hat, wobei, eines war ganz sicher die Stimme. Aber definitiv nicht sie allein. Ebenso ist es vor allem die Musik, die sie in der Mitte produziert haben, die mir am meisten gefällt. Die älteren Sachen kenne ich kaum, ich weiß einfach nur, dass sie existieren und kenne nur ein paar wenige vereinzelte Lieder. Und im Laufe der Zeit ist mir die Musik verglichen mit zuvor zu sehr Mainstream geworden, zu glatt. Auch dort gibt es einzelne Songs und live war die Band immer ein mega Erlebnis. Aber auf die größere Menge war es irgendwo in der Mitte ihres Schaffens, wo ich so richtig gefangen war.

 
Dennoch habe ich festgestellt, dass ich mich bei den Songs nicht entscheiden kann, weswegen ich weiter unten auch mit richtig vielen Videos anrücke.

 
Aber erstmal noch zurück.
Ich durfte sie insgesamt noch weitere drei Mal sehen, nämlich zwei Mal 2009 und auf ihrer Abschiedtour 2010. Diese war eigentlich nur für eine Pause angekündigt, weil der Vocal gesundheitliche Probleme hatte, doch einige Monate später kündigten sie das Aus der Band an. Die Gründe waren dieselben, aber es war halt viel endgültiger. Die Hoffnung geben die Fans (inklusive mir) aber bis heute nicht auf, dass die Band irgendwann vielleicht doch wieder zusammenfinden könnte. Auch wenn alle Mitglieder mittlerweile in anderen Bands stecken. Der Gitarrist ist allein zu einer anderen Band gestoßen, Bassist und Drummer haben mit ein paar anderen eine neue Band gegründet, die auch alle nach wie vor aktiv sind (letztere habe ich bereits auch einmal live gesehen). Der Vocal ist seit diesem Jahr in einer Band, noch recht neu. Und genau daher kann ich sagen, dass die Stimme allein nicht reicht. Es ist seine, ganz eindeutig, und die Samples und den einen Song, die es bislang gibt, zu hören, holt viele Erinnerungen hervor, aber es ist bei Weitem nicht dasselbe wie D’espairsRay. Für mich ist es viel flacher. Das bedeutet nicht, dass es weniger gut ist, es trifft nur viel weniger meinen Geschmack.
Trotz allem bleibt die Hoffnung. Auch weil sie die selbst ab und zu schüren, indem sie zu ihrem Band-Geburtstag jedes Jahr gratulieren und so weiter. Wenn es so sein soll, wird es irgendwann passieren. Und wenn nicht, dann machen sie mit den Leuten und Bands weiter, worauf sie Lust haben. Für mich ist das alles okay, auch wenn ich zumindest die Lives vermisse.
 
 
 

Tourshirt 2010 vorn und Stulpe Tour 2006

 
 
 

Tourshirt 2010 hinten

 
 
 

Die signierten Bilder der Autogrammstunde 2006.
Ich habe sie in dem Rahmen angeordnet mit ein wenig Gestaltung.
(ja, die Weihnachtsdeko hängt noch vom letzten Jahr)

 
Und jetzt komme ich zu den Videos. Bunt gemischt durch die Zeiten, ebenfalls mal die eher energiegeladenen und mal die wirklich ruhigen Songs. Klickt euch durch, das ist eine bunte Mischung.

 
 
 

Garnet

 
 
 

BORN

 
 
 

Squall

 
 
 

Marry of the blood

 
 
 

闇に降る奇跡 -Classical White Ver.-
(yami ni furu kiseki -Classical White Ver.-)

 
 
 

琥珀
(kohaku)

 
 
 

R.E.M-冬の幻聴-
(R.E.M -fuyu no genchou-)

 
 
 

in vain

 
 
 

PARADOX 5

 
 
 

Lizard

 
 
 

Human-clad monster

 
 
 

Screen
(einer meiner absoluten Favoriten)

 
 
 

„Forbidden“
Das ist der einzige Live-Song, den ich mit reinpacke. In etwa so habe ich ihn 2006 erlebt und er begeistert mich heute noch genauso wie damals.

 
Wer von euch kennt D’espairsRay?
Gefällt euch ihre Musik?
Wenn ihr die Songs angehört habt, welchen mögt ihr am meisten?

 
Bis denne ☆

Warum wir weniger Binarität brauchen

 
Und warum es mit Gendern allein längst nicht getan ist.

 
Gendern ist wichtig.
Der Differenzierung wegen. Der Diversität wegen. Damit Frauen nicht immer nur mitgemeint sind, wenn das generische Maskulinum verwendet wird.

 
Doch an genau diesem Punkt erschöpft sich das Thema dann auch schon.
Mann und Frau.
Binarität.

 
Nur gibt es eben nicht allein diese beiden Geschlechter, sondern so viele mehr.
Wenn also beim Gendern von Autor_in gesprochen wird, wo sind dann all die nicht-binären Geschlechter?
Sie werden mal wieder nur mitgemeint.

 
Ich kann nicht für alle sprechen, aber zumindest ein Teil von uns fühlt sich eben nicht angesprochen, nicht gemeint, nicht berücksichtigt.
Ich ganz persönlich tue es nicht.

 
Und für mich – und ganz sicher nicht nur für mich – gibt es noch ein ganz anderes Problem.
Ich möchte nicht im binären System von mir sprechen, weil ich nicht in dieses System passe. Ich bin weder Autorin noch Autor. Aber mehr bietet die deutsche Sprache nicht.
Das Gendern ist ein Anfang, doch es ist nach wie vor ausschließend. Nur mitmeinend.

 
Nun ist klar, dass der Wandel weder von jetzt auf gleich noch einfach so passiert.
Doch selbst Ansätze werden im Deutschen ignoriert. Wie dieses Beispiel in einem Twitter-Thread von Alex zeigt. Wobei gerade solche Plattformen und Medien die Reichweite haben, diesen Wandel zu unterstützen.
Stattdessen strotzen sie vor Ignoranz und wir werden wieder ausgegrenzt. Als gäbe es uns nicht.

 
Doch wir sind da.
Wir existieren.
Und wir verdienen denselben Respekt in dieser Sprache wie Mann und Frau auch.

 
Ich will nicht ständig auf Umschreibungen ausweichen müssen, wenn ich über mich spreche. Und ich will nicht umschrieben oder falsch gegendert erwähnt oder angesprochen werden.
Ich will nicht immer nur mitgemeint sein.

 
Dasselbe gilt im Übrigen für die ganzen Bemühungen (die ich nicht falsch, aber eben nicht ausreichend richtig finde) Frauen sichtbar zu machen. Denn erneut fallen alle nicht-binären Geschlechter runter. Sie werden nicht gesehen.
Da werden Listen und Tweets und Instaposts und was auch immer erstellt. Mit Frauen.
Nicht-binäre Personen können nicht eingeschlossen werden. Denn dann werden sie falsch gegendert. Es ist richtig, diese Personen nicht auf diese Listen zu setzen. Aber es macht sie unsichtbar.

 
Warum kann es nicht einfach um Menschen gehen? Und sie mit neutralen Begriffen bezeichnet werden?
Ich weiß, dass es darum gehen soll, weg von der führenden Maskulinität zu kommen. Weg vom generischen Maskulinum. Weg davon, dass Männer an vielerlei Stellen bevorzugt werden, weil wir uns in einem Patriarchat befinden. Und ich stimme diesem Grundgedanken zu.
Doch die Umsetzung sollte nicht schon wieder ausgrenzen und nur eine weitere Gruppe berücksichtigen.

 
Sie sollte alle einschließen. Egal welchen Geschlechts. Egal welcher Ethnie. Egal welches Äußeren. Egal welcher sexuellen Orientierung. Egal wessen auch immer. Es sollte einfach nur um Menschen gehen.

 
Bis denne ☆

Warum ich eine Beitragsübersicht habe

 
Der Gedanke, eine Übersicht über meine Beiträge zu erstellen, geht mir schon seit einer Weile im Kopf herum.
Und endlich habe ich mich hingesetzt und sie erstellt.

 
Doch warum eigentlich?

 
Ich mag Übersicht und Ordnung.
Und ich mag es, mich schnell orientieren und zurechtfinden zu können.

 
Doch die Übersichten, die Blogs für gewöhnlich bieten, sind gering.

 
Ja, ich kann mich Monat für Monat durch die Beiträge klicken. Die ersten Beiträge werden auch aufgelistet angezeigt, was ich natürlich noch ein bisschen erweitern könnte. Und da ist die Liste mit den Kategorien.

 
Mein Problem damit auf anderen Blogs ist oft, dass die Wahl der Kategorien beispielsweise nicht mit dem übereinstimmen muss, das ich verwenden würde. Das ist okay, das darf jeder selbst entscheiden. Es hilft mir dann nur nicht.
Und die Anzeige der letzten Beiträge bringt eben auch nur aktuell etwas. Sobald jemand aber nach älteren Beiträgen sucht, bringt diese Auflistung gar nichts. Und das Klicken durch die Monate ist ebenfalls weniger zielführend, da kann man – wenn nicht der Zeitraum gut eingrenzbar ist – auch gleich den gesamten Blog durchscrollen. Und dazu haben die wenigsten – einschließlich mir – Lust oder Zeit.

 
Innerhalb der Übersicht verlinke ich nicht, denn das war wiederum mir zu mühsam. Ich codiere alles manuell und auch wenn ich die Codes dafür vorschreibe und bei etwas so Umfangreichen dann erst leer kopiere, hatte ich dennoch keine Lust, den Code zu vergrößern. Abgesehen davon hätte das nur für die Titel funktioniert, spätestens für die Kategorien nicht mehr, weil die Anzahl pro Beitrag ja schwankt. Die Kategorien finden sich an der Seite, für die Beiträge stehen deswegen die Veröffentlichungsdaten in der Übersicht und von dort kann man gezielt den entsprechenden Monat und sogar darunter im Kalender dann den Tag ansteuern.

 
Ich werde die Übersicht in Abständen aktualisieren, aber sehr wahrscheinlich nicht wöchentlich mit Erscheinen eines neuen Beitrags. An diesem Punkt will ich mich nicht festlegen.
Die Übersicht ist oben im Menü verlinkt und damit jederzeit leicht auffindbar. Nur falls jemand wie ich tickt und etwas bestimmtes schnell finden will.

 
Wie steht ihr zu Übersichten?
Findet ihr sie nutzlos?
Oder habt ihr über so etwas auch schon einmal nachgedacht/euch gewünscht?

 
Bis denne ☆

Neuer Name – neues Ich?

 
Ich hätte den Beitrag auch „Warum ich jetzt einen neuen Namen habe und wieso er eigentlich überhaupt nicht neu ist“ nennen können, aber das war zu lang.

 
Also, hallo, ich bin Kuro. ^^

 
Seit ich im Februar 2017 in den sozialen Medien unter meinem bürgerlichen Namen (naja, in Kurzform beim Vornamen) gestartet bin, kennen mich die meisten mittlerweile darunter.
Kuro gibt es dagegen bereits seit 2007/2008 und für mich ist das seit langem eigentlich mein Name. Ich bin damit schon lange auch online unterwegs und ich rede mich selbst mit diesem Namen an (wenn ich mir sage, was ich gerade falsch gemacht habe oder mich lobe oder über mich lache usw.).

 
Bis 2012 gab es neben noch älteren Online-Namen nur diesen. Dann zerbrach eine Freundschaft, die ebenfalls eine Schreibpartnerschaft war. Als ich 2013 das erste Mal in ein Schreibforum kam, wollte ich unerkannt bleiben und baute mir eine weitere Online-Identität auf. Ursprünglich habe ich mich dort auch nur angemeldet, um entspannt mitlesen zu können, aber dabei ist es nicht geblieben. Aber diese Identität (ursprünglich Drachenschwinge, woraus ich Riyuu bildete) stand für meine schreibende Seite, während ich andere Interessen weiterhin unter Kuro verfolgte. 2017 habe ich Riyuu hinter mir gelassen und bin eben mit meinem bürglichen Namen ins Internet gegangen, zum ersten mal überhaupt.

 
Mit all den Veränderungen in meinem Leben in den letzten eineinhalb Jahren, dem familieninternen Bruch, der einer der Schritte zu meinem eigentlichen Ich war, will ich nicht mehr alles getrennt halten. Irgendwie ist es das immer noch. Aber eben jetzt auch hier zu Kuro zu werden bzw. es zu sein, ist ein Teil davon.

 
Kuro lehnt sich ohnehin an meinen richtigen Namen an.
Ich mochte Melanie nie wirklich. Als Kind war der Name mir egal, später mochte ich ihn einfach nicht. Auch nicht gängige Abkürzungen, weswegen ich mit Mel die sehr kurze Form gewählt hatte. Einzig die Bedeutung – die Schwarze, die Dunkle – ist, was mir an dem Namen gefällt und genau dort besteht die Verbindung zu Kuro. Kuro ist der Wortstamm für schwarz im Japanischen.

 
Twitter und Instagram sind bereits umbenannt.
Auf Facebook ist das nicht möglich. Denn Facebook schreibt zwar in seinen „Regeln“, dass man den Namen wählen soll, unter dem die meisten einen kennen und es sollte idealerweise der Name sein, der im Ausweis steht, nur stimmt beides bei mir eben nicht überein. Und ich habe in der Vergangenheit bereits einen Account verloren. Er wurde gesperrt und um ihn freizuschalten, soll ich mich mittels Personalausweis oder ähnlichem Dokument ausweisen. Was diese „Regel“ völlig lächerlich macht. Ich habe Freunde, die mich im Japanischkurs mit richtigem Namen kennengelernt haben, doch kaum hat sich der private Kontakt ergeben, haben sie angefangen, mich Kuro zu nennen und wann immer sie mit meinem richtigen Namen konfrontiert sind, irritiert er sie kurz, während Kuro für sie mein Name ist. Ich kann Kuro also nur als weiteren Namen hinzufügen (der, der auf dem Profil in Klammern angezeigt wird) und das mache ich sogar schon seit ein paar Monaten. Es fällt nur nicht auf, solange man nicht aufs Profil geht, was den Namen im Alltag doch wieder sehr unsichtbar macht.

 
Für den Blog/die Seite muss ich noch nach einer Lösung schauen. Mein Hostingpaket enthält nur eine Domain und die kann nicht umbenannt werden. Ob die Möglichkeit besteht, anderweitig nur eine Domain zu kaufen und dann umzuleiten, muss ich schauen. Das Paket hochzustufen, wird wahrscheinlich gleich noch viel mehr Features nach sich ziehen, die ich nicht benötige und somit die Kosten ebenfalls steigen lassen, was ich insgesamt vermeiden will. Dementsprechend bleibt die Domain zumindest vorübergehend bei meinem richtigen Namen.

 
Ansonsten erklärt sich jetzt vermutlich ein bisschen, warum ich als Pronomen K gewählt habe.

 
Ich fühle mich noch längst nicht vollständig, das ist mir vor ein paar Tagen bewusst geworden.
Aber mit jedem Schritt werde ich ein bisschen mehr ein Ganzes. Und ein bisschen mehr ich.

 
Bis denne ☆

Leserückblick Oktober

 
In den letzten Jahren habe ich zum Jahresende immer vermehrt gelesen, obwohl ich nicht der Mensch bin, der sich in Decken kuschelt, sobald es kalt wird.
Dieses Jahr ist es anders.

 
Und auch wenn das Bild drei Bücher zeigt, trügt der Schein.
 
 

 
„Das Kind in dir muss Heimat finden“ habe ich am Beginn des Monats zu Ende gelesen, das war also nicht mehr viel.

 
Anschließend habe ich zu „Sind Sie hochsensibel?“ von Elaine N. Aron gegriffen, das ich schon seit einiger Zeit lesen wollte. Ich bin letztes Jahr auf die Thematik aufmerksam geworden und wollte unbedingt mehr dazu wissen.
Doch insgesamt habe ich nur einen Teil des Buches gelesen und es erstmal zur Seite gelegt. Anders als erwartet, wühlt es mich weit mehr auf als das vorige Buch. Irgendwann möchte ich unbedingt noch wissen, was auf den restlichen Seiten steht, aber im Augenblick ist das keine gute Idee.

 
Und dann ist da noch „Sieben Raben“ von Mika M. Krüger, das ich aber erst am letzten Tag des Monats begonnen habe. Dementsprechend bringt es auch nicht so viele Seiten in die Lesestatistik des Monats. Aber immerhin habe ich überhaupt erstmal wieder gelesen, denn im Großen und Ganzen gab es ein paar Tage zu Anfang des Monats und dann eben ganz am Ende. Mehr nicht.
Ob sich das in den nächsten beiden Monaten ändern wird, ich weiß es nicht, lasse mich aber überraschen.

 
Welche Bücher habt ihr gelesen?
Greift ihr des Öfteren zu Sachbüchern?
Oder entschwindet ihr lieber in Romanwelten?

 
Bis denne ☆

Bands, die ich liebe – GANGLION

 
Da bin ich wieder mit dieser Reihe.
Es ist unglaublich lange her, seit ich über Bands geschrieben habe. Aber seit ich im Juni auf den Konzerten von the GazettE gewesen bin, lief lange Zeit gar keine andere Musik bei mir und dadurch konnte ich mich auch nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit diesen Beiträgen widmen. Mittlerweile habe ich meine Playlist ein wenig erweitert und starte in diesem Monat wieder.

 
Die heutige Band habe ich 2012 das erste Mal gehört, obwohl sie schon eine Weile zuvor angefangen hatten, nämlich 2010. Ich hatte den Namen GANGLION schon mehrfach gelesen gehabt und weiß gar nicht mehr genau, wieso ich dann mal in die Musik reingehört habe. Ich weiß nur noch, dass ich direkt mit ihrem damals aktuellen PV 「TWILIGHT」 gestartet habe und mehr hören wollte.

 
Wie üblich habe ich YouTube zurate gezogen und 2012/2013 die Chance genutzt, als eine Freundin für sechs Monate zu einem Praktikum in Japan war, verschiedene ihrer Releases zu kaufen, eines sogar per Vorbestellung, was dann wieder ein Goodie beinhaltete, in diesem Fall ein signiertes Foto eines der Bandmitglieder. Auch für eine der andere CDs gabs einfach dafür, dass meine Freundin sie in einem der Geschäfte vor Ort gekauft hat, noch eine DVD mit Offshot-Szenen vom Videodreh dazu. Das war für mich überraschend, weil die Single bereits 2011 erschienen war und es diese Goodies für gewöhnlich nur für die vorbestellten Exemplare gibt.

 
Leider war es im Laufe der Zeit immer mehr so, dass mir einige Songs nicht so sehr gefallen haben, weswegen ich im späteren Verlauf auf digitale Käufe umgestiegen bin und nur einzelne Songs, die mir wirklich gut gefallen haben, gekauft habe. Ebenso gibt es einige CDs, die sie nur live verkauft haben. Als sie 2016 bekannt gegeben haben, dass sie aufhören, wurden diese Releases dann allerdings auch digital angeboten (das werden sie bis heute), die physischen Exemplare wurden wohl auch über ihren Online-Shop verkauft, habe ich gelesen.

 

 
Was GANGLION von den meisten Bands, die ich höre, unterscheidet, ist, dass es eine Band ausschließlich mit weiblicher Besetzung ist. Ich mag Frauenstimmen oft nicht sehr, was – so glaube ich – daran liegt, dass ich tiefere Klänge bevorzuge, selbst wenn viele der Männer in den japanischen Bands auch höher singen als so einige in den westlichen, es gibt trotzdem Unterschiede zwischen den Männer- und Frauenstimmen, und ich empfinde die Männerstimmen meist als angenehmer (ich verwende übrigens tatsächlich gerade diese beiden Kategorien, weil die Vocals sich entsprechend eingestuft haben, soweit ich das überblicken kann). Auch bei der Sängerin von GANGLION mag ich die Songteile, in denen sie tiefer singt, meist mehr als die höheren Parts, vor allem, wenn es in etwa eine Tonhöhe am Stück bleibt und nicht viel gewechselt wird.

 
Die Band war zwei Mal in Deutschland, beide Male 2015. Einmal im April und dann noch mal im November. Da sie beide Male nicht in Berlin gespielt haben, musste ich darauf verzichten, sie zu sehen, was ich im Nachhinein, als sie ihre Auflösung bekannt gaben, sehr schade fand. Warum sie aufgehört haben, weiß ich gar nicht so genau, was ihr größtes Pech war, war wohl eine dauerhafte Bassistin zu finden. Immer wieder musste eine aufhören (zumindest teils aus gesundheitlichen Gründen) und ersetzt werden.

 
Mittlerweile macht ein Teil der Band weiterhin Musik, über manche Mitglieder weiß ich nicht, was sie heute tun, andere sind meines Wissens zumindest immer noch mit der Musik verbandelt, wenn auch eher im Hintergrund.

 
Wie immer habe ich ein paar Videos rausgesucht.

 
Allen voran mein Lieblingssong der Band, von ihrem ersten Release, einem Minialbum, dass denselben Titel wie der Song trägt.
「Returns to you」
Dieser Song ist fest mit einem meiner Projekte verknüpft, das für mich eher ein Übungsprojekt ist und bleiben wird. Er lief damals, als ich über zwei der Figuren viel nachgedacht habe und hat sich an sie rangehangen und egal wie rum, ob ich an die Figuren denke oder den Song höre, das jeweils andere ist automatisch auch in meinem Kopf.

 
Dann habe ich einen Teaser für eine ihrer späteren EPs, dieser zeigt ein bisschen mehr die Vielfalt ihrer Songs. Gekauft habe ich davon tatsächlich nur 「Dearness」 als einzelnen Song via iTunes, da dieser Release schon unter diese fällt, wo mich der Rest nicht mehr ausreichend überzeugen konnte.
『INFINITY』 Teaser

 
Da ich den eben erwähnten Song ebenfalls unglaublich liebe, kriegt ihr ihn hier in voller Länge, sogar mit ein paar Fotos der Band und Text sowie Übersetzung.
「Dearness」

 
Abschließend habe ich noch einen weiteren Song, den ich sehr gern höre (einer von noch einigen, ein anderer – 「脈」 (myaku) – läuft gerade, während ich das hier tippe ^^), den die Band auf ihrem Account gepostet hatte. Er ist nicht vollständig und stammt von ihrem einzigen Album 『WORLD』. Sie haben das Video bereits drei Wochen vor Veröffentlichung des Albums online gestellt und obwohl ich das Album ohnehin kaufen wollte, hat mich der Song darin bestärkt.
「Catch your way」

 
Habt ihr schon mal von dieser Band gehört? (der Name ist für eine Google-Suche nicht sonderlich geeignet)
Gefällt sie euch?
Hört ihr eigentlich lieber hohe oder tiefe Stimmen?

 
Bis denne ☆

Missbrauch durch elterlichen Narzissmus

 
TW: Narzissmus, Kindesmissbrauch

 
Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich zu diesem Thema jemals öffentlich schreiben werde.
Eigentlich will ich es, wollte es vermutlich genauso lange, wie ich gehadert habe.
Doch zugleich war da immer dieses Zögern. Denn heute geht es nicht nur um mich.
Es betrifft das gesamte Konstrukt, das gesellschaftlich als Familie bezeichnet wird. Nur im engeren Sinn, also Eltern, Geschwister.
Und das Thema elterlicher Narzissmus.

 
Vorweg möchte ich zwei Dinge anmerken.
Ich habe keine Ahnung, ob irgendjemand aus meiner Familie überhaupt von der Existenz dieses Blogs weiß und wenn ja, hier auch liest. Wenn ja, dann werden sich hier wohl Antworten finden, die auf direkterem Wege zu geben ich nicht in der Lage bin. Ich weiß, dass es gewünscht wird. Und dass ich es abgelehnt habe. Mich würde daher nicht wundern, wenn das, was ich hier jetzt tue, mit „schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen“ assoziiert wird. Was nicht meine Intention ist. Aber ich bin auch nicht mehr bereit zu schweigen. Nur um Menschen zu schützen, während ich jahrelang gelitten habe. Kaputtgegangen bin.
Die andere Sache ist, ich weiß nicht, ob es sich bei allem um eine tatsächliche narzisstische Persönlichkeitsstörung handelt oder es „nur“ starke narzisstische Akzentuierungen der Persönlichkeit sind. Ich werde von Narzissmus reden, weil das eine Wort weniger sperrig als ständige Umschreibungen sind. Die Auswirkungen für mich sind ohnehin dieselben. Und darum geht es im Endeffekt.

 
Ich bin unter einer narzisstischen Mutter aufgewachsen.

 
Ich bin mittlerweile Ende 30 und weiß wissentlich von der Narzissmus-Problematik seit ungefähr eineinhalb Jahren Bescheid. Davor wusste ich nur lange Zeit, dass so einiges nicht wirklich ist wie es sein sollte.
Vielleicht habe ich das schon früh gespürt, ich weiß es nicht.
Es gibt definitiv Erinnerungen an die Zeitspanne meiner Jugend. Zumindest betrachte ich „sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlen“ nicht als das, wie es in einer Familie sein sollte.
Ganz eindeutig wusste ich es, als ich rausgeworfen wurde, als ich Kritik geäußert habe. Damals war ich 24. Und in all den Jahren danach sah meine Beschreibung so aus: Oberflächlich stehen wir füreinander ein. Aber irgendwo tiefer ist etwas, das nicht stimmt.
Ich habe über die letzten zwölf Jahre verteilt in meinem digitalen Tagebuch Einträge von Situationen, die ich mit dem jetzigen Wissen anders beurteile als damals. Oder vielleicht auch nicht. Damals war irgendwas unfair, stimmte nicht. Jetzt sehe ich da eindeutig narzisstische Aspekte.
Aus meiner gesamten Kindheit und Jugend gibt es nicht einen festgehaltenen Hinweis. Ich habe mit 10 mein erstes Tagebuch bekommen, doch nirgends etwas festgehalten. Gar nichts über Familie. Weder Positives noch Negatives. Über die Zeit, als damals mein Interesse an Jungs begann. Über Musik, vor allem Konzerte. Aber das wars.

 
Aber ich versuche mal einigermaßen der Reihe nach vorzugehen.
Ich bin das älteste von drei Kindern. Geboren in der ehemaligen DDR, bereits in Berlin. Aufgewachsen erst „in der Stadt“, was die Altbaugebiete meint und als ich gerade 5 war, ging es raus in die neu gebauten Randgebiete. Wir waren mittlerweile zu fünft und brauchten dringend eine größere Wohnung. Meine Eltern waren beide berufstätig, ganz typisch „im Osten“. Soweit ich weiß, bin ich bereits mit sechs Monaten in die Kinderkrippe gekommen, mit 3 gabs den Wechsel in den Kindergarten, mit knapp 7 folgte die Einschulung. Die Rollenverteilung bei meinen Eltern war klassisch, mein Vater handwerklich versiert, Mutter für Haushalt und Kinderbetreuung zuständig, Erziehung lief mehr oder weniger gemeinsam. Als ich eineinhalb war, musste mein Vater für eineinhalb Jahre zur NVA, in der Zeit war ich also hauptsächlich mit Mutter allein, hinsichtlich Familie. Verwandtschaft gab es in Berlin keine, meine Eltern stammen beide nicht von hier.

 
Ich kann nicht sagen, ich hatte eine super schlimme Kindheit oder Jugend. Ich bin nicht permanent überwacht worden. Ich durfte Freunde haben. Wurde nicht an Schulleistungen gemessen.
Und da rede ich von Narzissmus?
Ja. Eine sehr subtile Form. Die es sicher auf so mancher Ebene leichter gemacht hat. Ich bin durchaus dankbar, dass ich Privatsphäre erleben durfte. Freunde treffen durfte. In den Arm genommen wurde. Für eine 2 in der Schule nicht als dumm bezeichnet wurde (okay, ich war die einzige Person, die überhaupt auf dem Gymnasium war und das nicht nur in diesem Familienteil, auch was meine Cousinen und Cousins betrifft, bin ich die einzige, aber ich bin sicher, dass das keine Rolle gespielt hätte, wäre alles weniger subtil gewesen). Der Nachteil daran ist allerdings, dass alles viel weniger auffällig ist. Es wird nicht gesehen. Und ich bin sicher, jeder, der meine Familie kennt, wird auch jetzt noch keine Probleme darin sehen. Die schaffe derzeit nur ich, seit ich mich schütze und damit alles an diesem Konstrukt zum Einsturz bringe.

 
Ich kann nicht sagen, wann mir das erste Mal bewusst war, dass etwas falsch ist.
Denn lange Zeit hat sich alles normal angefühlt. So, wie ich es aus Filmen und Büchern, aus Erzählungen anderer kannte. Mutter hat mich als Kind versorgt, wie eine Mutter das zu tun hatte. Füttern, wickeln, baden, spielen/beschäftigen. Ich bekam nicht jeden Wunsch erfüllt, aber ich glaube auch nicht, dass einem Kind das zugute kommt, wenn dem so ist. Ich habe Regeln und Grenzen kennengelernt und laut der Erzählungen war ich von uns drei Kindern in der Hinsicht am folgsamsten, am einfachsten. Ob das nun nur an meiner Persönlichkeit lag, weiß ich natürlich nicht.

 
Vielleicht war es in meiner Jugend.
Denn zumindest spätestens da muss das Gefühl entstanden sein, das fünfte Rad am Wagen zu sein. So habe ich mich damals teilweise gefühlt. Und so fühle ich mich bis heute. Nicht immer, aber es kommt vor.
Meine Eltern haben sich früher viel gestritten. Oft ging es dabei um die Erziehung meines Bruders und sie waren unterschiedlicher Meinung. Anders als heute ist mein Vater früher regelmäßig allein zu meiner Oma gefahren, ich vermute zu einem gewissen Teil aufgrund dieser Auseinandersetzungen, aber vorrangig wird es an unserem Alter gelegen haben – wir waren zu jung, um übers Wochenende allein zu bleiben. Auf jeden Fall sind es diese Wochenenden, die mir in der Hinsicht in Erinnerung geblieben sind. Ich war schon immer zurückgezogen, brachte meine Zeit viel in meinem Zimmer zu (und damals war noch nichts mit PC, geschweige denn mit Internet). Ich habe gelesen, gestrickt, gehäkelt, irgendsowas. Musik gehört. Ganz eindeutig Musik gehört. Tage später saßen wir in der Familie zusammen, sei es beim Essen oder in anderen Situationen und es fielen Aussagen zwischen meinen Geschwistern und Mutter. Ich wusste nicht, worum es geht und habe nachgefragt. Die Antwort von Mutter sah in etwa wie folgt aus: Na, das habe ich doch dann und dann erzählt. Und ich dachte: Ist dir aufgefallen, dass eines deiner Kinder nicht dabei war?
Das war in meiner Jugend.

 
Wie sehen solche Familien eigentlich aus?
Für gewöhnlich gibt es einen, vielleicht sogar zwei narzisstische Elternteile (in letzterem Fall kämpfen beide ständig um die Dominanz, weil Narzissten Macht brauchen). Ist es nur einer und die Beziehung mit der_m Partner_in bleibt bestehen, tut diese_r eines: si_er enabled (ich werde mich hier des Öfteren auf das englischsprachige Vokabular stützen, weil darüber einfach mehr Informationen zu finden sind und ich überwiegend englischsprachige gelesen habe). Wie, das ist vielfältig. Manche Partner_innen nehmen stillschweigend hin und halten sich überwiegend raus. Andere verteidigen sofort, beschuldigen das/die Kind/er vielleicht sogar und unterstützen den narzisstischen Elternteil damit aktiver.
Außerdem gibt es das sogenannte Golden Child und Scapegoat(s). Letztere können sich auf mehrere Kinder (und/oder di_en Partner_in) beziehen, müssen es aber nicht.

 
Was ich mit Sicherheit sagen kann: in dem Konstrukt meiner Familie ist mein Bruder das Golden Child. Besser ist er damit auch nicht dran, auch wenn es erstmal so klingt, eigentlich sogar noch schlimmer. Da sich alles auch nicht so intensiv auf ihn auswirkt, sondern subtil bleibt, wirkt es aus meiner Sicht für ihn nur sehr positiv, bleibt aber ebenso schädlich. Andere Golden Children dagegen sind von ihren narzisstischen Elternteilen ebenso erdrückt, belastet usw. wie die Scapegoats es sind, weil in diesen Familien die Golden Children die perfekten Vorzeigekinder sind (Stichwort: Alanis Morissettes „Perfect“).
Mich als Scapegoat zu bezeichnen, ist richtig, auch wenn es mir durch die Subtilität schwerfällt (genau das ist eines der Probleme daran, es löst immer und immer wieder Zweifel und Schuldgefühle aus).
Es wird immer mit zweierlei Maß gemessen, zumindest was meinen Bruder und mich betrifft (doch auch darüber hinaus), die Rolle meiner Schwester kann ich nicht richtig einstufen.

 
Ich denke am prägendsten war tatsächlich der Rauswurf.
Damals bin ich gerade bei meinen Eltern ausgezogen. Wir hatten am Vortag so ziemlich alles in meine Wohnung gebracht, viel war es nicht. Es lief nicht alles nach Plan – wann tut es das schon – aber die Verzögerungen hielten sich in Grenzen, insgesamt haben wir geschafft, was wir schaffen wollten. Mutter war allerdings komplett angefressen, wie sie es immer ist, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorgestellt hat und ihre Wut dann auch an jedem um sie herum auslässt.
Am nächsten Tag sollte es noch einmal in meine Wohnung gehen und ich hörte, wie sie im Nebenzimmer nach dem Frühstück zu meiner Schwester sagte, dass sie eigentlich gar keine Lust hat, sie hätte noch vieles anderes zu tun. Und das nicht nur als Äußerung, sondern da war weiterhin diese schlechte Laune, schon beim Essen. Ich bin am Abend zuvor vollständig ignoriert worden, ob das für den Morgen auch noch galt, weiß ich nicht mehr.
Und ich hatte die Nase voll. Den gesamten Tag zuvor hatte ich das stillschweigend hingenommen. Ich war 24. Ich war erwachsen. Und ich sagte ihr den Spruch, den ich mein ganzes Leben in solchen Situationen von ihr zu hören bekommen hatte: Wenn du so drauf bist, will ich dich nicht dabei haben.
Womit ich eine Grenze überschritten habe. Ich kann nicht mehr sagen, wie sie sich mir gegenüber geäußert hat. Außer, dass ich undankbar bin. So gut ich konnte, habe ich ihr erklärt, was ich meinte (ich kann in solchen Situationen nicht gut reden, weil sich mein Hals zusammenzieht). Sie tat es ab (auch ein ganz typisches narzisstisches Verhalten). Als ich ins Spiel brachte, dass auch mein Freund das geäußert hätte, waren wir ihrer Ansicht nach beide zu empfindlich. Und als sie merkte, dass ich nicht klein beigebe, sagte sie, ich solle ihre Wohnung verlassen und erst wiederkommen, wenn ich mich entschuldigt habe.
Nun ist das allein schon schlimm genug. In einem Streit, in dem ihr die Argumente ausgingen und sie dennoch ihre Machtposition mir gegenüber verteidigen musste, hat sie mich rausgeworfen.
Aber, da war ja noch diese andere Situation.
Einige Zeit zuvor saß mein Vater mit einem Kumpel in der Wohnung meiner Eltern an einem Vormittag am Wochenende, sie schauten sich ein Formel-1-Rennen an. Wie bei beiden üblich, tranken sie dazu ein Bier und etwas Schnaps. Die Tochter des Kumpels war mit meiner Schwester befreundet und deswegen auch in der Wohnung. Und sie bezeichnete beide – ihren eigenen Vater wie auch meinen – als Alkis. Worauf mein Vater sie der Wohnung verwies. Ich kann nicht sagen, ob der Alkohol mit reingespielt hat, denn wie ich ihn einschätze, hätte er das damals auch im komplett nüchternen Zustand getan. Mutter befand sich zu dem Zeitpunkt nur im Nebenzimmer und kam auf die Aufforderung meines Vaters hinüber und sagte, dass aus ihrer Wohnung niemand herausgeworfen würde.
Und mit dieser Situation wiegt mein eigener Rauswurf noch einmal viel schwerer. Es geht nicht darum, dass niemand rausgeworfen wird. Das passiert nur nicht, solange Mutter nicht das Ziel von Kritik ist. Ist sie es, dann kann sie ihr eigenes Kind rauswerfen. Ist jemand anderes Ziel der Kritik, dann darf selbst eine familienfremde Person nicht der Wohnung verwiesen werden. Womit sich das Messen mit zweierlei Maß ein weiteres Mal zeigt.

 
Zusätzlich kommt dann noch die Zeit um den Beginn des letzten Jahres ins Spiel. Mein Bruder hat seine Wohnung nach einer Trennung renoviert. Seine Zeitverhältnisse zu der Zeit waren nicht anders als meine zu meinem Auszug (unsere Lebenssituationen sehr unterschiedlich, aber die zur Verfügung stehende Zeit eben nicht). Dennoch benötigte er dreieinhalb Monate, bis er fertig war. Ich dagegen hatte gut einen Monat gebraucht, obwohl ich damals meine Wohnung komplett renovieren musste (bedeutet alle Wände tapezieren und streichen, das hatte ich mit der Vermietung so ausgehandelt, weil ich dadurch knapp einen Monat mietfrei rein konnte und ohnehin keine einfach weißen Wände haben wollte, dafür würden sie eben nicht renovieren). Also auch hier hat sich der Aufwand nicht nennenswert unterschieden. Bei mir war Mutter damals nach der Zeit schon der Meinung, das dauert alles ganz schön lange. Bei meinem Bruder letztes Jahr sagte sie nur: „Er ist halt gründlich“.

 
Wenn sich je jemand fragt, weswegen ich ein extrem hohes Bedürfnis nach Gleichbehandlung, Fairness und all dem habe, da ist die Antwort. Warum ich schwer und nie vollständig vertrauen kann, auch da spielt das mit hinein. Warum ich ebenfalls ein sehr hohes Bedürfnis nach Ehrlichkeit habe, auch das findet sich über all diese Situationen. Warum ich extrem auf Ignoranz reagiere? Deswegen (wobei ich durchaus auch zu Ignoranz neigen kann, aber dann existiert auch keine Freundschaft (mehr) oder sie hat nie bestanden).

 
Diese ganze Rauswurf-Situation fand damals im November statt (ja, ich kenne auch noch das genaue Datum, aber ich verschone euch damit).
Ich bin direkt aus der Wohnung raus, weil Mutter keinerlei Argumentationsversuche mehr zuließ, sondern nur wiederholte, dass ich gehen soll und erst wiederkommen dürfe, wenn ich mich entschuldigt habe. Draußen habe ich meinen Freund angerufen und er kam, ging in die Wohnung und holte erstmal noch meine restlichen Sachen, die ich zum Übernachten dabei gehabt hatte. Ich war so schnell draußen gewesen, eine Weile später rief mein Vater mich an, weil er komplett verwirrt war, was da eigentlich geschehen war.

 
Bis Weihnachten habe ich die Wohnung nicht mehr betreten. Ich durfte mittlerweile zwar theoretisch wieder, glaube ich, aber das weiß ich nicht mehr sicher. Ich weiß aber, dass ich Weihnachten kommen durfte, so als wäre etwas anderes ohnehin nicht denkbar gewesen (obwohl ich mich bis heute nicht entschuldigt habe, ich fand ihre Forderung danach schon damals unangemessen, im Zusammenhang mit ihrem Verhalten am Vortag). Der nächste typische Punkt für Narzissten: Sie reagieren drastisch, aber sie brauchen auch ihre Opfer, um sie auszusaugen, Narzissten werden immerhin auch als Energievampire bezeichnet. Es wächst also meist recht schnell Gras über die Sache, solange die Gegenseite das mitmacht. Und das habe ich getan. Über sehr viele Jahre. In denen ich keine Kritik mehr geübt habe. Manchmal gab es den Ansatz, aber nie so weitreichend wie damals.

 
Beispielhaft ist hier mal eine der Situationen, die ich in meinem digitalen Tagebuch festgehalten habe, besser spät als nie, denke ich jetzt, denn bis ich sie im letzten Jahr dort wiederentdeckt habe, hatte ich sie aus meiner Erinnerung gestrichen: Einmal gab es eine Situation, da habe ich mit Mutter telefoniert und sie war mit einer Reaktion von mir nicht zufrieden und hat einfach aufgelegt. Das hätte ich mir mal erlauben sollen, wären unsere Rollen vertauscht gewesen. Da war ich übrigens bereits Mitte 30. Da damals der Akku des Telefons meiner Eltern auch immer nur sehr kurzlebig war, habe ich erst gewartet, weil bei so einem Zusammenbruch der Leitung meine Eltern sich normalerweise wieder gemeldet haben, aber als nichts kam, habe ich wieder angerufen. Ich sagte ihr, dass sie plötzlich weg gewesen war und sie antwortete mir ganz direkt, dass sie aufgelegt habe. Weil ihr mein Ton nicht gepasst habe. Und danach plauderte sie munter weiter, obwohl ich ganz still geworden war. Selbst auflegen konnte ich nicht. Denn dann könnte es ja passieren, dass sie mich quasi wieder rauswirft.

 
Das ist damit nämlich passiert: Ich hatte Angst. Ich hatte über viele Jahre beständig Angst davor, was ich zu Mutter sagen darf und was nicht.
Denn ich war abhängig von ihr. Was ja bei den toxischen Beziehungen, die narzisstische Menschen mit sich bringen, sehr typisch ist.
Eigentlich war ich alt genug und hätte mich jederzeit lösen können müssen, aber dem war eben nicht so. Einerseits weil es schon schwer ist, vor allem, wenn man nicht erkennt, was genau schiefläuft. Andererseits weil es sich eben um die Mutterperson handelt. Da spielt weit mehr als die theoretische Bindung zwischen Mutter und Kind mit rein, da kommt die ganze Gesellschaft hinzu, die Medien. Ich wusste, dass da was nicht stimmt. Es hat mich über Jahre immer wieder geärgert, dass ich nicht ich sein darf, ohne zu riskieren, wieder so behandelt zu werden. Und für mich war das die schlimmere Vorstellung. Also habe ich geschwiegen. Während Mutter immer erzählt hat, dass man ehrlich sagen können solle, wenn etwas nicht passt. Sobald es um andere Menschen ging. Ging es um sie, war es eben nicht möglich.

 
Als ich 2014 mit der Dysthymie konfrontiert wurde und das Beispiel von Frau A gelesen habe, habe ich natürlich auch in Gedanken gesucht, wo bei mir der Auslöser liegen könnte. Eine alleinerziehende Mutter hatte ich nicht gehabt. Aufmerksamkeit und Beachtung als Belohnung für Unterstützung ist bei mir auch nicht gerade ein Zugpunkt. Aber ich entwickelte die Überlegung, ob mein Status als erstgeborenes Kind reinspielen könnte. Dass ich quasi eifersüchtig auf die Geburten meiner Geschwister reagiert habe. Damit wäre Mutter auch irgendwo der Grund gewesen, nämlich weil sie mir weniger Aufmerksamkeit geschenkt hat als zuvor. Weil ich sie teilen musste. Schuld wäre aber ich gewesen, denn was kann sie dafür, wenn ich mit dem Teilen nicht umgehen kann. Ich habe mich unzählige Nächte in den Schlaf geweint, weil ich dachte, ich kann doch die Person, die meine Mutter ist, nicht verantwortlich machen, so etwas geht doch nicht. Sie ist doch eine Mutter.
Das entsteht vor allem aus dem Gesellschaftsdruck heraus.

 
Dann kam dieser Tag in meiner ehemaligen Therapie.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt einige Nachrichten mit einem Menschen ausgetauscht, die mich und mein familiäres Umfeld betrafen und dort stand noch eine Antwort aus, wozu die Person zu dem Zeitpunkt nicht in der Lage war. Ich hatte eine andere Vermutung als es tatsächlich war, was dem zugrunde liegt, aber egal, was die Ursache war, es war okay.
Bis eben zu diesem Mittwoch.
Meine Therapeutin und ich sprachen ein paar Situationen genauer durch. Und auf eine sagte sie: Das ist aber ein ganz schön stark narzisstisches Verhalten [seitens Mutter].
Und in meinem Kopf machte es klick. Die ausstehende Antwort dieser einen Person stand plötzlich in einem ganz anderen Licht und fügte sich perfekt ins Bild.
Noch am selben Abend habe ich sie gefragt, ob das was mit dem Thema Narzissmus zu tun hat und die Person bestätigte mir dies.

 
Ich wusste damals nicht viel über Narzissmus. Nur, dass er toxisch ist und ein Loslösen absolut notwendig. Und genau das tat ich, von einem auf den anderen Tag. Diese Erkenntnis war der Antrieb, der mir all die Jahre gefehlt hatte.

 
Es vergingen Tage, Wochen, Monate, in denen ich immer wieder gelesen und mich ausgetauscht habe. Nicht ununterbrochen, dafür ist das Thema viel zu emotional für mich (ich schreibe diesen Beitrag hier auch in teils sehr kurzen Etappen, um nicht zu tief darin zu versinken). Tage, Wochen, Monate, in denen ich den Abstand aufrechterhielt. In denen meine Therapeutin mich nicht verstehen konnte, warum ich das Mutter gegenüber nicht kommuniziere. In denen meine Therapeutin mich bedrängte, Mutter zu sagen, warum ich distanziert bin, denn es fühle sich echt bescheiden an, wenn plötzlich der Kontakt weg ist und man nicht weiß, wieso. Ja, das glaube ich, es ist dennoch meine Entscheidung und Druck von außen hilft nicht. Es hat dazu geführt, dass ich die wenigen letzten Sitzungen jedes Mal auch davor Angst hatte, dass es wieder dazu kommen würde, dass besagte Therapeutin mich bedrängt (und ja dann endgültig in dem Tränentelefonat endete, das ich schon einmal erwähnt hatte und bei dem ich die narzisstischen Muster erkennen konnte, weil ich die Monate zuvor viel gelesen hatte).

 
Ich wusste sogar ziemlich schnell, dass ich den kompletten Kontaktabbruch möchte, dass ich ihn brauche. Aber ich wusste nicht, wie ich das vermitteln soll. Ich habe insgesamt wenigstens ein Jahr gebraucht, ihn umzusetzen, aber mittlerweile liegt dieser Schritt hinter mir. Durch einen sehr kurzen Brief, ohne ausführliche Erklärungen. Weil ich das eben nicht konnte. Es ist etwas anderes, das direkt zu adressieren oder hier allgemein über meine Erfahrungen zu erzählen. Für mich zumindest.
Ob andere Menschen das verstehen, weiß ich nicht. Aber das spielt keine Rolle. Es muss hier gerade nur um mich gehen. Nicht um andere zu verletzen, sondern weil ich kaputt bin und auf mich achten muss. Mich schützen muss.

 
Wenn man sich die meisten Informationen zu Narzissmus anschaut (ob nun elterlich oder auch auf anderer Beziehungsebene), sind die Anzeichen weit auffälliger. Das habe ich auch auf der Seite Daughters of Narcissistic Mothers festgestellt. Auf dieser Seite habe ich wohl am meisten gelesen. Allein die ausführliche Auflistung der Charaktereigenschaften war für mich erschlagend. Und doch habe ich anfangs bei den meisten von ihnen gezögert, weil kaum etwas so plakativ auf mich zutraf (außer Punkt 23). Doch je öfter ich die Texte gelesen habe (und das war bei der Menge nötig), habe ich doch Situationen erkannt, oft eben nur viel subtiler. Mal wieder. Insgesamt bin ich bei 16 der 24 Punkte, zu denen ich Beispiele finde. Manchmal sehr klein und für sich allein wären sie längst kein Anzeichen für Narzissmus oder eine starke narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung. Aber die Summe hat den Schaden verursacht.

 
Und auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass so ziemlich jeder im Umfeld mir nicht zustimmen würde, Erklärungen, Entschuldigungen und was auch immer finden würde, kann ich das nicht länger ertragen. Ich habe das viel zu lange getan. Deswegen bin ich gegangen. Und ich wünsche mir, dass dem ganzen mehr Beachtung geschenkt wird. Im realen Leben wie auch in den Medien. Narzissmus ist nicht immer klar offensichtlich und kommt mit Pauken und Trompeten daher, er kann auch sehr unterschwellig auftreten. Gerade diese Repräsentation in Medien halte ich für wichtig, damit Menschen dafür sensibilisiert werden können.
Hinzu kommt, dass in meinem Fall nicht der Vater der narzisstische Elternteil war, sondern die Mutter. Eine Mutter, die ihren Kindern schadet, die sie misshandelt, sowas ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Und sollte gerade deswegen viel stärker repräsentiert werden. Dabei rede ich nicht von vorsätzlichem Missbrauch, der tritt bei Narzissten wenig auf. Es geht selten um das Vorhaben, den anderen zu schaden. Und ich weiß ebenfalls, dass Mutter eine schwierige Kindheit und Jugend hatte. Aber so schlimm das ist, ändert es nichts daran, dass mich ihr Verhalten kaputtgemacht hat. Und wie gesagt, es muss hierbei um mich gehen.
Ein weiterer Grund für die immer wiederkehrenden Zweifel ist also der gesellschaftliche Druck, eine Mutter immer zu lieben, sie zu ehren. Sie hat es ja nicht absichtlich getan. Genau das ist eine dieser Entschuldigungen/Rechtfertigungen, die alles, was Opfern von elterlichem Narzissmus angetan wurde, relativiert, den Missbrauch abspricht. Der aber stattgefunden hat. Und im schlimmsten Fall sehen Menschen wie ich sich damit konfrontiert, dass sie alles zerstören, indem sie aus diesem toxischen Konstrukt ausbrechen. Ich musste mir diesen Vorwurf bislang nicht direkt anhören. Ich habe keine Ahnung, ob er in irgendwelchen Köpfen gedacht wird. Ich habe bislang nur endlose Rechtfertigungen und Entschuldigungen erzählt bekommen, warum diese oder jene Situation so gewesen sein wird. Und abstruse und teils an den Haaren herbeigezogene Vergleiche, wie sich das für Mutter anfühlen muss. Aus Sicht einer Mutter.
Noch mal, es geht hier um mich. Warum wird Opfern immer noch erzählt, sie sollen doch Verständnis für die Täter haben? Nein! Das ist die einzig richtige Antwort. Und dementsprechend handele ich. Das muss niemand anderes tun, das erwarte ich von niemandem. Was ich erwarte, ist Akzeptanz, Toleranz und Respekt hinsichtlich meiner Entscheidungen.

 
Nela hat hat die Aktion [Writing] About Us ins Leben gerufen und ich möchte diesen Beitrag dazu beisteuern.
Zu ähnlicher Thematik wie meine Erfahrungen gibt es einen Beitrag von Nela selbst „Kindesmissbrauch durch die Mutter“ und einen von Serenity „Kindesmissbrauch durch die Eltern“. Beiträge zu anderen Themen finden sich ebenfalls auf [Writing] About Us.

 
Bis denne ☆

Sensitivity Reading

 
Der Begriff Sensitivity Reading sorgt seit einiger Zeit für Aufregung in der Autorenszene.
Und ich verstehe nicht, wieso.

 

Doch was ist das überhaupt?

Sensitivity Reading ist im Grunde ein möglicher Schritt im Lektoratsvorgang, bei dem eine Geschichte auf bestimmte sensible Themen von Menschen, die sich damit auskennen (in der Regel sind es sogenannte Own-Voices, also Menschen, die auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen reden), geprüft wird. Hierbei geht es darum, vorurteilbehaftete oder fehlerhafte Darstellungen, die sich in den Köpfen eingenistet haben, zu vermeiden. Noch mehr Infos dazu findet ihr auf der Seite Sensitivity Reading.

 

Warum ist das so wichtig?

Wie schon erwähnt, es gibt eine Menge klischeebehafteter Vorstellungen oder sogar welche, die nicht der Realität entsprechen, die immer wieder in Büchern auftauchen und damit nur noch mehr Vorurteile und Klischees erschaffen. Die ein Bild erschaffen, dass etwas nur so und so sein kann, aber nicht anders. Obwohl die Realität weit vielfältiger ist.
Und auf genau solche Umstände weisen Sensitivity Reader hin.

 
Wie bei einem Lektorat geht es nicht darum, die schreibende Person zu bevormunden, sondern sie darauf hinzuweisen, was in ihrer Geschichte problematisch ist. Welche Hinweise sie annimmt, liegt ebenfalls in ihrer Entscheidung.

 

Aber gibt es denn überhaupt den einen richtigen Weg?

Über diese Frage habe ich selbst sehr lange nachgedacht.
Nein, es gibt nicht diese eine korrekte Darstellung.
Viel eher gibt es aber Szenarien, die für Betroffene verletzend sind und dennoch in Büchern auftauchen, die deswegen durchaus generell vermieden werden sollten. Während es für andere durchaus eine Vielfalt an Möglichkeiten gibt. Hier wird es vom Sensitivity Reader und ihren_seinen eigenen Erfahrungen abhängen, was si_er empfiehlt. Und wie viel Austausch mit anderen Betroffenen si_er hat.
Beispielsweise habe ich in einem anderen Beitrag über mich erwähnt, dass ich weder ein klassisches Outing hatte noch dass ich bisher Anfeindungen ertragen musste. Dennoch existieren diese natürlich wie auch je nach persönlichem Umfeld die Angst vor dem Outing. Was nun zur Geschichte passt, muss letztlich die schreibende Person entscheiden. Aber allein durch Hinweise von Sensitivity Readern, kann sie Anregungen bekommen, wohin sich alles entwickeln kann, nach Möglichkeit ohne den gesamten Plot zu sprengen (ich glaube, das passiert auch nur, wenn die Geschichte bislang weitab der Realität erdacht ist).

 
Die Möglichkeit mit Sensitivity Readern zusammenzuarbeiten, bietet einfach Raum zur Entwicklung, nicht nur der Geschichte, sondern auch für die schreibende Person selbst. Und wäre sie nicht an bestimmten sensiblen Themen interessiert, würde sie vermutlich nicht über sie schreiben.

 
Habt ihr schon Erfahrungen mit Sensitivity Reading gemacht?
Wie war sie für euch?
Oder ist das Konzept für euch neu?

 
Bis denne ☆

Leserückblick September

 
Für den September kann ich tatsächlich mal sagen, dass ich gelesen habe. Und zwar mehr als nur gefühlte drei Seiten. ^^

 
Insgesamt komme ich auf 758 gelesene Seiten. Das heißt, das könnten zwei, vielleicht sogar drei Bücher sein.
Tatsächlich habe ich allerdings nur „Weltasche“ von Marie Graßhoff beendet (wobei ich ja nicht sehr weit gewesen war) und „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl wieder zur Hand genommen habe.
Das zweite Buch hatte ich bereits im letzten Jahr begonnen, dann aber zur Seite gelegt, weil ich mich damit damals erstmal nicht weiter auseinander setzen konnte.

 
Zu „Weltasche“ brauche ich ja nichts mehr zu sagen. Das gesamte Kernstaub-Universum hat mich in den letzten sechs Monaten begleitet, ich habe immer wieder davon gesprochen.
Die Reihe ist nicht so einfach zu lesen, aber ich liebe die Bücher.
Aber ich habe festgestellt (und ich glaube, das war bei „Kernstaub“ auch schon so), dass ich viele Details vergessen hatte, langweilig war es definitiv nicht. Dafür ist die Reihe aber auch zu komplex. Es verbergen sich zu viele Ebenen in dieser Geschichte, in jeder Figur, in jeder Welt, einfach in allem.

 
Bei dem anderen Buch fehlten mir am Monatsende noch 75 Seiten ich bin sehr zwiegespalten. Da ich keine Rezensionen schreibe, möchte ich hier gar nicht ausführlicher werden. Ich glaube, dass es für jeden sinnvoll wäre, sich das Buch einmal anzuschauen, hauptsächlich, um ein bisschen auf sich selbst zu schauen. Aber die Szenarien, die dort dargestellt werden, funktionieren aus meiner Sicht oftmals nicht besonders im Alltag, außerdem sind sie mir zu eingschränkt, zu eindimensional und daher in eher weniger Fällen wirklich umsetzbar. Aber einfach nur, um sich selbst besser kennenzulernen, sich selbst besser einschätzen zu können und vielleicht auch mal ein bisschen anders zu agieren, ist es eindeutig gut, das Buch in die Hand zu nehmen.
Außerdem habe ich mich schon dabei ertappt, wie ich für eine meiner Figuren darüber nachgedacht habe, wann denn Schatten- und Sonnenkind zutage treten. Also auch für Autoren kann es helfen. ^^

 
Das wars dann auch schon wieder.

 
Wie war euer Lesemonat?
Habt ihr euch mit dem aufkommenden Herbstwetter schon ein paar lange Lesetage gönnen können?
Oder seid ihr jedem letzten Rest Wärme nachgejagt, bevor es in die dunkle Jahreszeit geht?

 
Bis denne ☆